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Wolfgang: Jetzt faste ich auch!

Wolfgang ThielmannLiebe Astrid Prange, da entdecken Sie gerade etwas ganz Besonderes. Die Katholiken haben das Fastenbrechen am Feiertag von den Juden gelernt. Nach einer jüdischen Tradition, die auf den Propheten Jesaja zurückgeht, sollte der Sabbat als Freudentag vom Fasten frei bleiben. So hielt es die Witwe Judit in den Spätschriften des Alten Testaments: Sie „fastete alle Tage außer am Vorabend des Sabbats und am Sabbat und an den Freudentagen des Hauses Israel“. Wenn es also das ist, sollten Sie Jüdin werden!

Das Fasten soll den Alltag unterbrechen, um den Blick für das Wesentliche zu schärfen. Doch die wichtigste Alltagsunterbrechung ist ja schon der Feiertag. Wie wäre es, wenn Sie alle am Sonntag aussetzen und ihn dadurch zu etwas Besonderem machen? Nur Sie, Stefan Dege, müssen mit dem Nichtrauchen durchhalten; das lässt sich kaum unterbrechen. Was könnte Ihnen zur seelischen Erhebung am Sonntag dienen?

Der Prophet Jesaja unterstreicht in seinem 58. Kapitel mit ein paar Sätzen, wo im Übrigen das Wesentliche liegt. „Warum fasten wir“, fragt das Volk Gott, „und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?“ Gott antwortet: „An dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. Wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit, wenn ein Mensch seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der Herr Wohlgefallen hat? Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen.“

Vielleicht motiviert uns das, in den nächsten Wochen in der Redaktion und zuhause nicht zu hadern und zu zanken. An das andere sollten Sie sich erinnern, wenn Sie in die Chefetage wechseln.

Klaus Dahmann, ja, der Anfang ist schwer! Er kann einem das Gefühl geben: Das schaffe ich nicht. Das Gefühl der feinen Säge trifft es auf den Kopf. Aber Sie werden sich an das Fasten gewöhnen. Und Sie sind nicht allein.

Zu Ihrer Unterstützung habe ich mir etwas einfallen lassen. Ich kann Sie schlecht auf einem Weg begleiten, den ich nicht mitgehe. Deshalb faste ich jetzt auch: Kein Alkohol, kein Zucker, kein Fleisch. Außer am Sonntag. Und an einem großen persönlichen Feiertag dazwischen. Aber der liegt auf einem Samstag, und das ist der Vorbereitungsabend auf den Sonntag.

 

 

Datum

0 08.03.2014 | 16:30

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