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Kathrin Reinhardt | Medien international

China-Experte: Blog-Schließung wie öffentliche Hinrichtung

„Die Schließung kritischer Blogs ist wie ein im Stadion öffentlich vollstrecktes Todesurteil: Es schreckt die Internet-Community ab." Das sagt DW-Asien-Experte Hao Gui (Foto) zur jüngsten Schließung prominenter Blogs durch die chinesische Regierung. Betroffen seien, so Hao Gui, unter anderem Blogs von Menschenrechtsanwälten und kritischen Sozialwissenschaftlern wie Zhiqiang Pu und Weifang He.

Im Interview der Deutschen Welle berichtete der Anwalt Zhiqiang Pu, sein Blog auf der populären Website SOHU sei schon zwölfmal zensiert worden. Nun müsse er seinen 13. Blog öffnen. Pu: „Es gibt keine offizielle Stellungnahme, warum der Blog zugemacht wird.“ Der Betreiber verweise lediglich darauf, im Blog sei über die Niederschlagung der Studentenbewegung am 4. Juni 1989 und über die Charta 08 geschrieben worden – beides Tabu-Themen in China.

Weifang He, Wissenschaftler an der Universität Peking, sagte im DW-Interview: „Viele meiner Freunde mussten ihre Blogs auch schließen. Mein Blog auf SOHU wird kaum gepflegt und wurde dennoch geschlossen.“ Nach aktuellen Zahlen vom Juli 2010 sind 420 Millionen Chinesen online. Laut dem staatlichen China Internet Network Information Center nutzt mehr als die Hälfte davon das Internet, um Blogs zu lesen oder zu schreiben.

„Ein ständiges Tauziehen"

DW-Experte Hao Gui: „Es ist ein ständiges Tauziehen zwischen Bloggern und Zensoren in China. Die Blogger nutzen das offene Medium Internet, um die Schmerzgrenze des Staats zu testen. Sie steigern so ihre eigene Beliebtheit unter den Internetnutzern. Die Zensoren auf der anderen Seite definieren immer neue Richtlinien und verpflichten die Betreiber zu deren Einhaltung.“ Die Zensoren setzten die modernste Filtertechnik ein, die es auf der Welt gebe, so Gui, meist erworben von US-amerikanischen Software-Riesen. „Je mehr Eigeninitiative die Blogger ergreifen, desto strenger folgen die Zensurmaßnahmen. Der Kampf um uneingeschränkte Meinungsfreiheit im Internet ist noch längst nicht entschieden."

Soziale Netzwerke aus dem Ausland wie Facebook und Twitter seien in China nicht zugänglich. „Der Staat ermutigt die chinesischen Internet-Firmen, ein chinesisches Twitter oder Facebook zu betreiben“, sagt Gui. Chinesische Betreiber bauten derzeit mit staatlicher Unterstützung eigene Plattformen für Mikroblogs auf, die sich leicht zensieren ließen.

Die Internetseiten der DW sind seit Jahren in China nicht allgemein zugänglich. Trotzdem finden die Internetnutzer Möglichkeiten, die technische Blockade zu umgehen.

Datum

Mittwoch 21.07.2010 | 15:01

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