More DW Blogs DW.DE

Weltzeit-Blog

Medien international

Martina Bertram | Medien international

Medienfrau in Kaschmir: „Ohne Maulkorb berichten“

Benish Ali Bhat

Benish Ali Bhat

Benish Ali Bhat aus Indien, Tamana Jamily aus Afghanistan und Ayesha Hasan aus Pakistan realisieren derzeit bei der Deutschen Welle ein Multimediaprojekt. Das Thema: Frauen – ihre Rechte, ihre Potenziale, ihre Rolle in der Gesellschaft. Am 25. November geht das Projekt online. Wie sehen die drei Frauen ihre eigene Rolle als Journalistinnen in ihrer Heimat? Fragen an Benish Ali Bhat von Martina Bertram.


Kaschmir ist eine brisante Konfliktregion, in der seit Jahrzehnten der Bevölkerung hohe Opfer abverlangt werden.  Wie gefährlich ist die Arbeit für Journalistinnen dort?
Ich arbeite im indischen Teil Kaschmirs. Hier gibt es Tage, die beginnen ruhig und friedlich und sie enden voller Leid. Noch so Alltägliches kann scheinbar im Nu zum Gewaltausbruch führen. Ein Funke reicht. Reporter – egal ob Mann oder Frau – leben daher gefährlich. Nah am Geschehen bedeutet immer auch nah an einem möglichen Gewaltausbruch. Auch durch ihre Berichterstattung können Journalisten in schwierige Situationen geraten.

Wo liegen die Grenzen, die Tabus bei der Berichterstattung?
Das kommt drauf an. Gesetzt den Fall,  es gibt ein lokales Ereignis, bei dem Regierungskräfte und Anwohner in einen gewaltsamen Konflikt geraten. In lokalen Medien lässt sich einfacher darüber berichten. In den überregionalen, indisch-geprägten Medien ist das viel schwieriger  oder sogar unmöglich. Kein Chefredakteur würde das erlauben, er oder sie wäre der erste, der Probleme bekommen würde. Andererseits muss man in den lokalen Medien die Befindlichkeiten der Bevölkerung, der Leser oder Nutzer, respektieren. Die zu missachten, kann auch gefährlich sein.

Welche Chancen bieten freie Medien für eine friedliche Lösung des Konflikts?
Journalisten spielen natürlich nicht die Hauptrolle in diesem Konflikt, sondern die Politik. Der Einfluss der Regierung ist bei dem Thema sehr groß. Medien können nur zur Deeskalation beitragen, wenn sie auch frei berichten können. Mit Maulkorb geht das nicht. Journalismus könnte einen Weg zum Dialog aufzeigen. Die Meinung und auch die Wut der Menschen in Kashmir dürfen nicht unterdrückt bleiben. Ich bevorzuge es daher, in lokalen Medien zu arbeiten.

Welche Herausforderungen gibt es für Journalisten?
Journalisten könnten sachlichen und gut aufbereiten Hintergrund zu der Konfliktsituation liefern. Das Problem: Die Journalisten wissen oft selbst zu wenig. Hier sind insbesondere die überregionalen indischen Medien gefordert. Dort fehlt es an Hintergrundwissen zum Konflikt in Kaschmir. Ähnlich ist es bei der Bevölkerung: Die Menschen in Indien kennen sich nicht aus in dem Thema. Dort muss man ansetzen, die Leute in Indien müssen den Konflikt verstehen.

Sie arbeiten auch als Dokumentarfilmerin. Was ist ihr Ziel in diesem Genre?
Kaschmir hat etwas Zerbrechliches. Ich möchte darauf hinwirken, dass es nicht zerbricht. Ich möchte mit dem Medium Film Bilder von der Wirklichkeit der Menschen hier transportieren. Natürlich wäre es gut, wenn diese Bilder auch in den überegionalen Medien in Indien erscheinen würden. Das wird sicherlich nicht leicht. Aber als Ziel würde ich es gern im Auge behalten.

Hören Sie hier ein Statement von Benish Ali Bhat:

Benish Interview by Global Media Forum 2011

Lesen Sie auch das Gespräch mit Tamana Jamily aus Afghanistan.

Datum

Dienstag 15.11.2011 | 17:30

Teilen

Hinterlasse einen Kommentar