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Martina Bertram | Medien international

Medienfrau in Afghanistan: „Ein harter Job“

 

Tamana Jamily

Tamana Jamily

Tamana Jamily aus Afghanistan, Benish Ali Bhat aus Indien und Ayesha Hasan aus Pakistan realisieren derzeit bei der Deutschen Welle ein Multimediaprojekt. Ihr Thema: Frauen – ihre Rechte, ihre Potenziale, ihre Rolle in der Gesellschaft. Die jungen Journalistinnen recherchieren in ihren Heimatländern und in Deutschland, auch zu Tabu-Themen wie Gewalt gegen Frauen, Schikane am Arbeitsplatz, Benachteiligung im Gesundheitswesen oder Müttersterblichkeit. Am 25. November geht das Projekt online. Wie sehen die drei Autorinnen ihre eigene Rolle als Journalistinnen in ihrer Heimat? Fragen zunächst an Tamana Jamily von Martina Bertram.

 

Wie gefährlich ist die Arbeit von Journalistinnen in Afghanistan?
Tamana Jamily: Es ist eine Herausforderung und ein harter Job, denn das Sicherheitsrisiko für Journalisten ist generell schon hoch – etwa an hot spots.  Für Journalistinnen ist es zudem hoch, weil es zusätzlich Übergriffe und Gewalt gegenüber Frauen gibt. Daher arbeiten sie eher in den Redaktionsbüros und weniger als Reporterinnen vor Ort. Trotzdem ist das Interesse an diesem Beruf bei Frauen groß. Wir waren vier Frauen und 45 Männer im Studiengang Journalismus. In diesem Jahr gab es bereits 15 Studentinnen unter den Erstsemestern. Mich treibt Leidenschaft bei meinem Berufswunsch an und ich vermute anderen Frauen geht es ähnlich – trotz der Gefahren.

Wo liegen die Grenzen, die Tabus bei der Berichterstattung?
Tamana Jamily: Vorweg muss man wissen: Ein Journalist in Afghanistan arbeitet in einem gesetzlichen Rahmen, der anti-nationale Interessen oder Verstöße gegen das islamische Gesetz ahndet.  Wenn man Themen aus dem Umfeld von Warlords oder lokalen beziehungsweise überregionalen staatlicher Behörden thematisiert, muss man genau wissen, was man tut. Viele fürchten Ärger mit bewaffneten Kommandos und flüchten in Selbstzensur und Verlautbarungsjournalismus. Meist liegt die Grenze im Alltag schlicht beim fehlenden Zugang zu Information etwa bei staatlichen Institutionen.

In der Rangliste von „Reporter ohne Grenzen“ belegt Afghanistan derzeit Platz 147 von 178 Ländern. Sehen Sie Fortschritte in Richtung Pressefreiheit?
Tamana Jamily: Afghanistan hat leider zahlreiche Todesfälle und Gewalttaten gegenüber Journalisten zu beklagen, auch Entführungen sind verbreitet. Es gibt noch viele Herausforderungen auf dem Weg Richtung Pressefreiheit. Dennoch: Seit dem Sturz der Taliban hat es auch Fortschritte gegeben. Das Medienmonopol der Taliban wurde aufgehoben, es gibt heute viele, auch private Medien. Journalisten können heute Social Media nutzen – das hilft, gerade wenn es Probleme gibt. Heute gibt es auch Interessensverbände, in denen sich Journalisten austauschen können. Man kann sich  unterstützen und in gewisser Weise schützen. Auch inhaltlich ist mehr möglich: Ich arbeite bei Radio Rabea Balki, einem Radiosender speziell für Frauen, und wir berichten auch über sensible Themen wie Zwangsheirat oder Gewalt gegen Frauen oder beschreiben die Angebote von Frauenhäusern. Das ist ein Fortschritt.

Welche Chancen bieten freie Medien der afghanischen Gesellschaft?
Tamana Jamily: Ich glaube, guter Journalismus kann Gemeinschaften zusammenhalten. Gerade indem er ausgewogen über unterschiedliche Standpunkte und Sachverhalte berichtet. Insofern können Medien mitwirken, die Gewaltspirale in der afghanischen Gesellschaft zu stoppen.
Journalismus kann zudem helfen, Bildungsdefizite einer Gesellschaft auszugleichen. Wir sind nah am Alltag der Menschen, kennen deren Defizite und Bedürfnisse und können elementare Informationen aufbereiten. Im Idealfall zudem sensibilisieren, Denkanstöße geben, neugierig und mündig machen.
Journalismus heißt, an der Schnittstelle zwischen lokalen und globalen Ereignissen zu informieren. Wir können dadurch unserer Gesellschaft helfen, die eigenen Rolle und die anderer Nationen oder Kulturen zu verstehen. Guter Journalismus bietet hierzu die Fakten.

Sie machen Radioprogramme speziell für Frauen. Was erfahren Ihre Hörerinnen?
Tamana Jamily: Ich arbeite parallel zum Studium bei Radio Rabea Balki in Mazar-i-Sharif, einem regionalen Radiosender von und für Frauen. Täglich von 6 bis 11 Uhr gibt es ein Programm mit Unterhaltung, Nachrichten und Bildungsangeboten. Wir wollen die Frauen ermuntern, ihr Recht auf Bildung wahrzunehmen. Wir berichten über Eröffnungen von Mädchenschulen, beschreiben, was dort unterrichtet wird und wie wichtig Bildung für Mädchen für die Zukunft unserer Gesellschaft ist. So transportieren wir unsere Botschaften und hoffen Bewusstsein zu bilden.

Sechs Beiträge produziert jede der drei Journalistinnen in der Südasien-Redaktion der DW. Als Audio, Video und Text werden diese jeweils in den Sprachen Dari, Hindi, Urdu, Bengali und Englisch produziert. Ihren Aufenthalt bei der DW unterstützt die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) durch ein Stipendium.

Datum

Donnerstag 03.11.2011 | 16:41

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