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Medien international

Christoph Hinners | Uncategorized

„Die Medien haben Ägypten gespalten“

Wie führt man eine Debatte über islamische Medien in einem säkularen Umfeld, wenn der Begriff islamisch strittig und extrem vage ist? Den Workshop zu diesem Thema verfolgten Naomi Conrad und Amine Bendrif.

Heba Raouf Ezzat, Politikwissenschaftlerin an der Cairo University, meint, das „Konzept islamischer Medien“ erscheine „seltsam“. Schließlich organisiere niemand ein Seminar über christliche oder auch jüdische Medien. Kanäle mit islamischem Inhalt würden den Eindruck erwecken, von Saudi-Arabien finanziert zu werden. Oppositionelle Kräfte in Saudi-Arabien würden so angesichts des „jüngsten ägyptischen Frühlings“ einseitig über die Entwicklung in der arabischen Welt informiert.

Die Muslim- Bruderschaft stehe in den Startlöchern, eine Zeitung und einen TV-Kanal zu gründen. Ezzat zeigte sich überzeugt, dass die Bruderschaft mit ihren Medien wohl nicht viel mehr anbieten werde als Parteipropaganda. Wafeeq Khaed Ibrahim Al Natour, palästinensischer Journalist, zog eine Parallele zur Hamas. Palästinenser würden es vorziehen, sich über ausländische Kanäle zu informieren, da die Hamas-Angebote ideologisch gefärbt seien.

Heba Raouf Ezzat meinte, Angebote, die auf islamischen Werten basieren, werde es in Ägypten nicht geben. Die wichtigsten Medien würden sich an Meinungs- und Themenvielfalt orientierten. Sie wies jedoch auf ein anderes Problem auf Seiten ägyptischer Medien hin: Während der jüngsten Revolution spielten die lokale und nationale Presse eine sehr polarisierende Rolle. „Als wir auf dem Tahrir-Platz in Kairo waren, unterhielten wir uns nicht allzu sehr über Religion und säkulare Themen.“ Während der Massendemonstrationen dämonisierten ägyptische Medien aber diejenigen, die einen Sturz von Präsident Mubarak forderten. Und als er zurückgetreten war, sorgten sie für eine polarisierende Stimmung innerhalb der Gesellschaft. Die Medien hätten das Land gespalten: Eine Gruppe unterstütze die Verfassungsreformen und Säkularisierung, die andere opponiere dagegen. Das könne letztlich in „schlechten Journalismus“ münden. „Manchmal ist das einem Mangel an Professionalität geschuldet, manchmal auch einem Mangel an Integrität“, so Ezzat.

Semir Duendar Idiz, türkischer Kolumnist, beschreibt die lebendige Medienlandschaft in der Türkei als „ein großes kommerzielles Unternehmen“. Firmen, die geschäftlich eng mit der Banken- und Finanzwelt verbunden seien, besäßen große Anteile an türkischen Zeitungen und Rundfunksendern. Während über säkulare und religiöse Ansichten frei berichtet werden könne, seien Journalisten immer noch nicht in der Lage, frei und unabhängig über die türkische Armee und ihre Rolle in der Gesellschaft zu berichten.

Ein Interview mit Semir Duendar Idiz auf dem Deutsche Welle Global Media Forum finden Sie auch auf deutsch-türkische-Nachrichten.de

Datum

Freitag 24.06.2011 | 15:17

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