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Kathrin Reinhardt | Uncategorized

„Syrische Regierung legt falsche Facebook-Seiten an“

Für den in den USA lebenden syrische Blogger und Regimekritiker Ammar Abdulhamid sind die zahlreichen Blogger und Internetaktivisten in Syrien wichtige Quellen, um überhaupt Informationen aus dem Land zu bekommen. In einem Interview sprach Ammar Abdulhamid über die Lage in seinem Heimatland.

 

Der syrische Blogger und Internet-Aktivist Ammar AbdulhamidSyriens Präsident Baschar H. al-Assad hat der internationalen Presse den Zugang zum Land verweigert. Welche Strategie steckt dahinter?

Es ist der Versuch die Proteste mit möglichst wenig Aufsehen niederzuschlagen. Das Beispiel Ägypten hat gezeigt, dass die Anwesenheit internationaler Medien eine große Rolle spielt – besonders die fortlaufende Berichterstattung. Das hat den Grad der Polizeigewalt eingeschränkt und den Demonstranten einen gewissen Schutz geboten. Die Anwesenheit der internationalen Presse würde es auch Assad schwerer machen, die Verantwortung für die Gewalt anderen Gruppen zuzuschieben.


Mit welchen Risiken sehen sich Journalisten zurzeit in Syrien konfrontiert? Gibt es noch ausländische Korrespondenten
?

Der Fall der verschwundenen Al-Dschasira-Korrospondentin Dorothy Parvaz zeigt, dass die Gefahr für Journalisten groß ist. Bis jetzt ist ihr genauer Aufenthaltsort unbekannt. Einigen Berichten aus Syrien zufolge sei sie in den Iran ausgewiesen worden. Aber von Seiten Teherans gibt es keine Bestätigung dafür. Alles, was wir wissen, ist, dass das Schicksal von Dorothy ungewiss bleibt.
Der Großteil der Informationen, die wir aus Syrien bekommen, sind Beiträge von „Bürger-Journalisten“ und jungen Aktivisten. Sie haben sich über Jahre ein gut verzweigtes Netz aufgebaut, um jetzt über die Realität im Lande zu berichten. Sie befinden sich in einer einmaligen Position, um zu berichten und der Revolution zu helfen, sich zu organisieren. Korrespondenten aus dem Ausland sind nicht involviert.

Welche Rolle spielen Internet-Aktivisten, zum Beispiel Rami Nakhle?

Sie sind sehr wichtig, indem sie täglich über die neuesten Entwicklungen berichten. Sie ermöglichen eine Kommunikation zwischen Aktivisten und Dissidenten im In- und Ausland. Zudem erreichen sie mit ihren Aktivitäten die internationale Gemeinschaft.

Wie nutzt die Regierung in Syrien das Internet für ihre Zwecke?

Das Regime versucht, Seiten von Dissidenten und Aktivisten zu hacken, ihre Unterhaltungen zu beobachten, Kommunikationswege zu stören. Sie streut Zweifel und Misstrauen zwischen Menschen und Gruppen, verbreitet Fehlinformationen. Sie legt falsche Facebook-Seiten an und gelangt dadurch an Informationen von Kontoinhabern. Auch das Anlegen von Pro-Assad-Seiten in Facebook gehört dazu.

Datum

Montag 16.05.2011 | 10:50

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