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Früher fuhr er noch mit dem Ochsenkarren, heute hat er ein Auto, einen Pick-Up und ein Geländemotorrad. Juan ist Agrartechniker auf dem Weingut der Rothschilds in Colchagua. Sein materieller Aufstieg ist typisch für die rasante wirtschaftliche Umwälzung der vergangenen drei Jahrzehnte.

Das Colchagua-Tal in Zentralchile war bis vor kurzem eine verschlafene und rückständige ländliche Gegend, wo arme Kleinbauern, die "huasos", in glühender Hitze auf den riesigen Landgütern abwesender Grundherren schufteten.

Jahrhundertelang bewegte sich überhaupt nichts, dann kam die Agroindustrie. Der chilenische Wein ist ein globales Produkt geworden, wird von internationalen Önologen in glänzenden Stahltanks für die Märkte in den USA, China oder Deutschland konfektioniert. Heute trauert Juan seinem Ochsenkarren nach. Damals war das Leben ruhiger, natürlicher, meint er.

Am liebsten ist er draussen bei der Rinderherde, die zu dem 4000-Hektar-Gut gehört. Auf dem Pferd sitzen, das Lasso schwingen und junge Stiere zähmen, das macht der huaso am liebsten. Und natürlich am Wochenende zum Rodeo gehen, dem chilenischen Nationalsport. National wird dabei groß geschrieben. Die chilenische Fahne ist überall, auch die mantas (kurze Ponchos) der huasos sind rot-weiss-blau.

Hier werden die alten Zeiten gefeiert, als die Welt noch in klarer Ordnung war: der Patron bestimmte, sorgte aber auch für Reitpferde, Musik, Wein und vor allem die "medialuna", die halbmondförmige Rodeo-Arena. Aber die alten Patrone sind am aussterben, heute regieren internationale Agrokonzerne, und die interessieren sich nicht für Cowboy-Traditionen. Es wird immer schwieriger, das Geld für den Unterhalt der Pferde aufzutreiben, meint Juan. Chile ohne Rodeo ist für ihn aber undenkbar.

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