06.10.2009  
     
 
Alles eine Frage des Glaubens
 
  Marco führt uns durch El Alto. Das einstige Armenviertel vor den Toren von, bzw. auf der Hochebene über La Paz gelegen, hat sich in den letzen 20 Jahren zu einer Millionenstadt entwickelt. Hier sind die Landflüchtlinge gelandet, auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen. Mitgebracht haben sie die Traditionen der Aymara-Kultur und ihren Glauben. El Alto ist eine pulsierende, quirlige Metropole. Auf dem Markt werden LKW-Ladungen an Gemüse angeboten….




Und nicht nur die Mengen sind hier riesig, sondern auch die Größe des Gemüses. Diese Kürbisse wiegen mindestens 5 Kilo!

El Alto hat, trotz des vermeintlichen Chaos, eine klare Struktur. Auf die Straße der Gemüsehändler folgt die Straße der yatiris, der Wahrsager. Wer Glück sucht, sei es um ein neues Auto segnen zu lassen, auf der Suche nach dem Partner fürs Leben, für einen besseren Job oder um einen Fluch loszuwerden, der ist hier richtig.

Der yatiri deckt den Tisch für die Pachamama, Mutter Erde. Auf einem kleine Eisenöfchen werden zunächst Holzscheite aufgeschichtet, darauf kommen dann Lama-Fett, Lama-Wolle, Wein für die Pachamama, Süßigkeiten in Form von Autos, Häusern und Geldstücken, Koka-Blätter, Kräuter und getrocknete Blumen und ein Lama-Fötus. Diese mesa wird dann mit Alkohol übergossen und angezündet. Wenn der Opfertisch heruntergebrannt ist wird die Asche in ein Tuch geknotet um später vergraben. "Ich gebe Dir zu essen, bring Du mir Glück", lautet die Beschwörungsformel für die Pachamama.

Die Zutaten für die mesas kauft man an speziellen Ständen, die für alle Wünsche die richtigen Utensilien im Angebot haben. "Es funktioniert aber nur, wenn man wirklich daran glaubt. Sonst bringt es Unglück", warnt uns die Verkäuferin.




Und Marco erzählt uns hinterher, dass die meisten Bolivianer, die beim yatiri zum Beispiel um stets unfallfreie Fahrt für das neue Auto bitten, hinterher auch noch zum Pfarrer fahren um den Wagen segnen zu lassen. Mit mangelndem Vertrauen in die Kraft der aymara-Wahrsager hat das nichts zu tun – vielmehr habe die katholische Kirche in Bolivien nur erfolgreich sein können, in dem sie die überlieferten Traditionen der Aymara bis heute toleriert und integriert. Eine pragmatische Lösung.
 
 
 
Mirjam Gehrke 06.10.2009, 14:25 # 0 Kommentare
 
 
     
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