19.09.2009  
     
 
Willkommen in Paraguay
 
  Nach 24-stündiger Reise – Ankunft in Paraguay. Das Land, für das auf deutschen Internetseiten geworben wird mit verlockenden Perspektiven für Aussteiger: "Kommen Sie nach Paraguay, hier lässt es sich leben, das Klima ist angenehm, die Menschen freundlich, die Löhne für Hauspersonal niedrig…“ Wer fühlt sich durch solche Angebote wohl angesprochen?



Hinter mir in der Schlange, die sich vor der Passkontrolle am Flughafen von Asunción gebildet hat, steht ein unüberseh- und überhörbar deutscher Staatsbürger. Er wedelt mit seinem deutschen Pass und schimpft laut und vernehmlich in der Sprache von Schiller und Goethe über "dieses Land!“ Er versucht sich am Einreise-Schalter für Mercosur-Bürger vorzudrängen, wird aber freundlich wieder weggeschickt. "Sie müssen sich bei "Ausländern“ anstellen, mein Herr.“ Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Regeln zu befolgen. Aber dass ihm das nicht passt, wissen jetzt alle umstehenden, auch die, die kein Deutsch verstehen. Was er zu dem Kofferträger sagt, kann ich zum Glück nicht mehr verstehen, denn mein Gepäck kommt vor seinem und ich verlasse das Flughafengebäude um paraguayischen Boden zu betreten.


Der Flughafen Silvio Pettirossi von Asunción

Der Fahrer des Hotels wartet schon. Auf dem Weg in die Stadt gibt er mir die ersten wichtigen Informationen über Paraguay: ein schreckliches Land, alle sind korrupt, es gibt keine Perspektiven für junge Menschen, wer kann, verlässt das Land, die Politiker sind sowieso die schlimmsten, bereichern sich wo und wie sie nur können.

Schon im Flugzeug hatte meine Sitznachbarin mir ähnliches erzählt. Sie komme gerade aus den USA, wo ihre vier Kinder und drei Enkel leben. Paraguay blute aus, in machen Dörfern leben nur noch die Alten, erzählte sie mir seufzend.

Am Hotel angekommen packt den Fahrer dann doch das schlechte Gewissen. "Ich hoffe, Sie reisen morgen nicht wieder ab… nach dieser Begrüßung!“ Ich verspreche ihm, nicht morgen schon zu weiterzureisen. Und bevor es in einer Woche nach Bolivien weitergeht, muss ich ihm erzählen, wie es mir hier gefallen hat. "Aber Sie müssen auch ehrlich sein“, sagt er zum Abschied. Ich verspreche es ihm.

 
 
 
Mirjam Gehrke 19.09.2009, 17:35 # 0 Kommentare