09.09.2009  
     
 
Lasst Bilder sprechen
 
  Oliver Pieper macht gute Miene zum bösen Spiel. Sich innerlich sträubend, beugt er sich dem Diktat der Fernsehkollegin und stellt sich der Kamera.







 
 
 
Hanne Kehrwald 09.09.2009, 23:32 # 0 Kommentare
 
 
     
  09.09.2009  
     
 
Damenwahl, Herrenrunde oder warum manche Reportagen einem Journalisten so überhaupt keinen Spaß machen
 
  Hanne Kehrwald: Oliver, Venezuela hat die letzten beiden Wahlen zur "Miss World" gewonnen. Du versuchst gerade, das Geheimnis der venezolanischen Schönheitsköniginnen zu lüften. Wie weit bist Du mit Deinen Recherchen bisher gekommen?

Oliver Pieper: Soll ich Dir die Wahrheit sagen? Das ist ein Thema, mit dem ich so gar nichts anfangen kann. Ich recherchiere eigentlich nur, weil mein Chef unbedingt eine Reportage darüber haben wollte. Ich hätte viel lieber über den Anbau von Heil- und Naturpflanzen im venezolanischen Urwald berichtet und habe mich mehr als gesträubt, diesen Beitrag zu machen. Es gibt einfach Geschichten, zu denen man keinerlei Zugang hat.



H.K.: Man hatte bei Deinen Interviews eher den Eindruck, als hättest Du sehr wohl einen Zugang gefunden!

O.P.: Tja, so kann man sich täuschen! Weißt Du, ich gehöre ja eher zu der Sorte zupackender Journalist. Aber dieses Thema erfordert genauso eine ganze Menge Fingerspitzengefühl. Und gleichzeitig sollte die Gesprächsatmosphäre wohlig-warm, aber auch kritisch-distanziert sein. Eine Kombination, die es wahrhaftig in sich hat! Da muss man als Journalist genau zuhören, sich jedes Wort der Interviewpartnerin auf der Zunge zergehen lassen und darf sich nicht von Äußerlichkeiten leiten lassen. Manchmal verteufele ich schon meinen Job!



H.K.: Jochen Bartelt und Víctor Buttari Morante, das Kamerateam, schien sich bei diesem Dreh aber eher göttlich zu fühlen?

O.P.: Ich muss zugeben, dass wir die eine oder andere Einstellung wiederholen mussten, weil gerade Jochen nicht richtig bei der Sache schien. Keine Ahnung, woran er bei diesem Dreh gerade gedacht hat?



O.P.: Aber wenn Du Dir den Gesichtsausdruck von Víctor anschaust: unser Kubaner wirkte eher gelangweilt, vielleicht weil er das Geheimnis der venezolanischen Schönheitsköniginnen schlichtweg schon kennt.

H.K.: Ihr habt ja dem deutschen Fotografen Holger Stork, der oft mit Models arbeitet, über die Schulter geschaut. Hat er Euch am Ende geholfen, das bestgehütete Geheimnis der Welt zu lüften?

O.P.: Nein, aber er war uns schon eine große Unterstützung.
www.holgerstork.com Schließlich fotografiert er ja oft Models und gehört zu den renommiertesten Fotografen Venezuelas.



O.P.: Wir sind jetzt schon äußerst scharf auf, äh, daran interessiert, dem Geheimnis weiter auf den Grund zu gehen. Wenn mein Chef mich also inständig darum bittet, aber auch nur dann, werde ich die Reportage über die vom Aussterben bedrohte Urbevölkerung im Orinoco-Delta zurückstellen, obwohl mir bei diesem Thema als investigativer Journalist natürlich das Wasser im Munde zusammenläuft. Sollte Venezuela allerdings im nächsten Jahr den Hattrick schaffen und sich erneut den Titel der "Miss World" sichern, könnte ich mir vorstellen, mich notfalls für die Deutsche Welle zu opfern und einen Monat mit diesem Thema zu beschäftigen.

H.K.: Vielen Dank für dieses Gespräch (aufgezeichnet in Caracas am 9.9.2009)
 
 
 
Oliver Pieper 09.09.2009, 21:07 # 5 Kommentare
 
 
     
  09.09.2009  
     
 
Hannover im 23. Januar
 
  Hannover war mir bisher nur als maßgeblich für die deutsche Sprachreinheit oder als langweiligste Stadt Deutschlands bekannt. Letzteres kann ich nicht aus eigener Erfahrung bestätigen. Also halte ich mich zurück, liebe Hannoveraner. Aber Hannover als männlicher Vorname - in Caracas, das glaubt euch doch keiner. Wir liefern den Beweis.



Nicht wegen seines Vornamens ist Hannover hinter Gittern, schon gar nicht weil er Ché verehrt, sondern weil er in einem gefürchteten Viertel lebt. Er schützt sich. Hannover wohnt im 23. Januar (23 de enero). Holger Stork, unser Türöffner für die politische Bühne Venezuelas, hat uns hierher gebracht und bei der Gelegenheit auch gleich José Alejandro Delgado vorgestellt.



José hat nicht den Blues im Blut, sondern die Revolution. Der junge Liedermacher setzt auf romantische Revoluzzerlieder von Freiheit, Solidarität und Gleichheit.



Hier findet man Geschichte(n) auf der Straße. Wir sind angekommen in Caracas. Yeah!
Und zum Schluss - das albernste Produktionsfoto des Tages. Ein Multimedia-Team übt.






 
 
 
Hanne Kehrwald 09.09.2009, 04:34 # 0 Kommentare
 
 
     
  09.09.2009  
     
 
"North of the border" - Dokumentation aus Caracas macht Oliver Stone Konkurrenz
 
  Die neue Filmdokumentation der Deutschen Welle handelt von der Unabhängigkeit Lateinamerikas 200 Jahre nach der Befreiung durch Simón Bolívar - der Hauptdarsteller und selbsternannte Nachfolger Hugo Chávez schritt aber lieber in Venedig mit dem US-amerikanischen Filmemacher Oliver Stone den roten Teppich ab, statt der Deutschen Welle ein Interview zu geben. Sichtlich erfreut warf Chávez in Italien eine Blume in die Menge und fasste sich dabei an sein Herz. Vielleicht hat der venezolanische Präsident in diesem Moment ja gemerkt, wen die DW-Reporter in Caracas alles interviewt haben. Zum Beispiel Teodoro Petkoff, Direktor der Zeitung "Tal Cual" und prominentester Kritiker der Opposition:



Oder Antonio Ledezma, entmachteter Oberbürgermeister der Hauptstadt Caracas:



Oder auch die Journalistin Lysber Ramos Sol von dem von der Schließung bedrohten Sender "Globovisión":



Den positiven Wandel in Südamerika in den vergangenen Jahren aufzeigen wollen beide Filme. Doch während Stone mit "South of the Border" der Kritik in den US- und europäischen Medien an dem linksnationalistischen Präsidenten Chavez entgegentreten will, versucht "North of the Border" ein objektiveres Bild der Lage in Venezuela zu zeichnen. Der US-amerikanische Regisseur preist Chávez und "den ganzen wunderbaren Wandel" in Venezuela, die DW-Reporter werden bei ihrer Suche nach diesem vielgepriesenen Wandel indes nur an einer einzigen Stelle fündig: in dem Armenviertel "23 de enero" in Caracas.



So einen Preis mit rotem Teppich und so würden wir zur Not aber auch entgegennehmen.
 
 
 
Oliver Pieper 09.09.2009, 03:44 # 1 Kommentar