02.07.2010  
     
 
Südafrikas größte Deutschland-Flagge
 
  Eigentlich klang es mehr wie ein Witz. "Wenn Deutschland ins Viertelfinale kommt, laufe ich persönlich auf den Tafelberg und hisse eine gigantische Deutschland-Flagge." Das hat David gesagt, vor dem Spiel gegen England, nach ein paar Flaschen Bier. Seine Freunde lachten.

Aber David war es ernst. Der 21-jährige Industriekaufmann aus Wiesbaden macht ein derzeit Praktikum in Kapstadt. "Die Atmosphäre hier ist einfach der Wahnsinn", sagt er und strahlt. "Da wollte ich als Deutschland-Fan doch etwas zu beitragen." Vor noch nicht einmal einer Woche gründete David im Studenten-Netzwerk Facebook eine Gruppe und rief zum Mitmachen auf: Wer näht mit an einer Riesen-Deutschlandflagge?

Seine Freunde sind dabei. Weitere deutsche Fans melden sich. Die deutsche Community in Kapstadt spendet Geld für den Stoff. Erste Medien werden aufmerksam. "Die Sache war auf einmal nicht mehr zu stoppen", sagt David.




Auf in den Stoffladen: Satin in schwarz, rot und gelb, meterweise. "Der Stoffverkäufer ist beinahe ausgeflippt", erzählt die 23-jährige Lisa, die zusammen mit David das Projekt managt. "Aber am Ende war er nett und hat uns sogar einen Sonderpreis gemacht."

Mit Stoffmassen für rund 300 Euro im Kofferraum fahren die Studenten und Praktikanten zu einer hilfsbereiten deutschen Unternehmerin, die in Kapstadt ein Designstudio hat. Sie stellt die Nähmaschinen, nähen aber müssen die Jugendlichen selber. "Gar nicht so einfach", stöhnt Mosche und zieht den Stoff gerade. Um ihn herum türmen sich gelbe Stoffmassen. Nebenan versuchen Julia und Timo, Herr über den schwarzen Satin zu werden. "Wir versuchen jetzt erstmal, die Bahnen einzeln zusammenzunähen", erklärt David. "Am Ende setzen wir die schwarzen, roten und gelben Teile dann zu einer Flagge zusammen."

Leichter gesagt, als genäht: Die meisten der jungen Fans haben vorher noch nie in ihrem Leben eine Nähmaschine bedient. "Wenn das meine Mutter sehen würde", grinst Ole. "Dann müsste ich zu Hause demnächst auch mal ran."

Mitten in der Nacht ist es, als schließlich einige übermüdete Gestalten ein schweres Paket aus einem Haus in Kapstadt zerren und zum Auto schleppen. Ihre Fahne ist doch noch fertig geworden.

Am nächsten Morgen treffen sie sich wieder, vor Sonnenaufgang. Kapstadt schläft noch. Die meisten haben keine vier Stunden geschlafen. "Für Deutschland stehe ich auch mal früh auf", sagt einer und grinst.

Teil zwei der Nacht-und-Nebel-Aktion: Die Flagge soll auf den Berg. Vorsichtig schleppen die Studenten ihre Stoffmassen auf einen Steilhang, kämpfen sich durch das Gestrüpp. Dann fangen sie an zu rollen. "Vorsicht! Ziehen!", ruft einer. "Ist Schwarz oben oder unten?" "Oh nein, sie ist verkehrtrum!" Stück für Stück entrollt sich das Stoffmonster, legt sich das riesige Tuch auf die Büsche und das Geröll, deckt den Hang ein. "Ich fühl mich ein bisschen wie bei Christo", murmelt einer.

Da liegt sie. 35 Meter lang, neun Meter hoch - und eindeutig eine Deutschlandflagge im XXL-Format. Die Jugendlichen jubeln. "Ich hätte nie gedacht, dass wir es wirklich schaffen", sagt Lisa. "Ich bin so stolz. Wir haben so viel Herzblut in die Flagge gesteckt. Und dass sie jetzt wirklich hier liegt..." Ihre Stimme bricht. "Wir haben es wirklich geschafft."




Die Jugendlichen feiern. Über Kapstadt geht die Sonne auf. Unten im Tal liegt das Stadion, in dem in wenigen Stunden die Nationalelf gegen Argentinien spielt. Und eines steht für die jungen Fans fest: Jetzt muss Deutschland gewinnen.
 
 
 
Anna Kuhn-Osius 02.07.2010, 20:28 # 0 Kommentare
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