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		<title>Guy Helminger berichtet für DW-WORLD</title>
		<description>Guy Helminger berichtet exklusiv für DW-WORLD.DE aus Teheran. Der Schriftsteller erzählt vom alltäglichen Leben in einem Land, das manchem als Reich des Bösen gilt</description>
		<language>de_DE</language>
		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/</link>
		<item>
			<title>Krank</title>
    		<description>Mich hat es bitter erwischt. Ich muß irgendetwas an einem Stand gegessen haben, das ich nicht vertrug. Oder wie Amir es wendete: &quot;Helminger, du bist von einem Falafel besiegt worden.&quot; Ich möchte mich bei allen bedanken, die mir den Aufenthalt angenehm gemacht haben. Und muß wieder ins Bett. Khoda Hafes Teheran</description>
    		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/1.5090.html</link>
		</item>
		<item>
			<title>Unvorhergesehenes</title>
    		<description>&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Tag begann mit einer Kleinigkeit, die größere Wirkung auf meinen emotionalen Haushalt hatte. Frau Hakimpour war so nett für mich bei Iran Air anzurufen, um meinen Flug bestätigen zu lassen. Fröhlich lauschte ich ihrem Farsi und merkte, wie sie bleich wurde. Sie redete noch eine Zeitlang ins Telephon, legte auf und sagte: „Man hat ihren Sitzplatz bereits vergeben. Sie haben keinen Flug am Sonntag.“&lt;br /&gt;
„Bitte???“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ja“, sagte Frau Hakimpour, „die Fluggesellschaft ist davon ausgegangen, daß Sie nicht zurück fliegen, weil Sie sich nicht gemeldet haben.“&lt;br /&gt;
„Aber es sind noch vier Tage bis Abflug“, sagte ich, „nirgendwo auf der Welt muß man den Flug früher bestätigen.“&lt;br /&gt;
„Tja“, sagte Frau Hakimpour. &lt;br /&gt;
Und in diesem Wort lag der Stoff einer ganzen Tragödie. Denn am Sonntag läuft mein Visum ab und morgen ist hier Wochenende, also wird mir auch niemand mein Visum verlängern, mal davon abgesehen, daß das so schnell sowieso nicht geht. Ab Sonntag wäre ich also illegal im Lande und das ist schlecht. &lt;br /&gt;
Ich erinnerte mich sofort an den Deutschen, der seit 15 Monaten hier im Gefängnis sitzt, weil er in iranischen Gewässern gefischt hat und den man nun als Spion festhält – er soll gerade frei gekommen sein, flüstert man mir zu. (???) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor dem Telefonat mit der Fluggesellschaft hatte ich mir ein Taxi bestellt, um noch einmal die Stadt zu erkunden. Während Frau Hakimpour mir erklärte, Iran Air rufe noch einmal heute am Nachmittag an, klingelte der Fahrer. Mir war nicht mehr so recht nach Bazar und Bummeln.  &lt;br /&gt;
„Welche Chance habe ich, meinen Flug wiederzubekommen“, fragte ich Frau Hakimpour und sie, die bereits seit über 20 Jahren hier in Teheran lebt, zuckte mit den Achseln und sagte: „So Allah will...“ Dann empfahl sie mir in die Deutsche Botschaft zu fahren und meinen Fall darzulegen. Der Taxifahrer nickte freundlich und ich fühlte, wie mein linkes Augenlid unkontrolliert zu zucken begann. Nach 500 Metern steckten wir bereits im Stau und es ging im Schrittempo weiter. Mein Magen hatte sich zu einem Schrumpfballen zusammen gezogen. Der Fahrer erklärte mir, sein Bruder lebe in Düsseldorf.&lt;br /&gt;
„Toll“ sagte ich, „da möchte ich auch hin. Na ja, eher nach Köln.“&lt;br /&gt;
„1.FC Köln!“, sagte der Fahrer und lachte. Ich wußte nicht, freut er sich, oder kennt er die desolate Situation des Vereins? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sonne wischte grell über die Motorhaube, zog sich wieder hinter einige Wolken zurück, um im nächsten Augenblick wieder gleißend gegen die Scheiben zu brennen. Schließlich klingelte mein Handy und Frau Hakimpour sagte: „Sie haben Ihren Flug wieder.“ Im gleichen Augenblick dehnte sich mein Magen um ein Vielfaches. &lt;br /&gt;
„Düsseldorf, was?“, sagte ich zum Taxifahrer, „darauf esse ich gleich einen Falafel!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;</description>
    		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/1.5082.html</link>
		</item>
		<item>
			<title>Die Wüste außen</title>
    		<description>&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war noch bis abends spät auf der Suche nach den „Feuerspringern“, habe aber keine gefunden. Selbst die Knaller schienen immer dort zu explodieren, wo ich gerade vor zehn Minuten war. Daß das Fest in Isfahan nicht stattfindet, bezweifele ich, aber vielleicht habe ich jene Ecken und Nischen einfach nicht entdeckt, denn, wie gesagt, wird dieses vorislamische Ritual nicht gern gesehen und die Miliz könnte plötzlich auftauchen. Die Straßen hingegen waren voller Menschen, die Geschäfte geöffnet, und ich hatte nachts größere Mühe mir meinen Weg zum Hotel zu bahnen als tagsüber. Zum erstenmal, seit ich in Iran bin, sah ich eine obdachlose Frau auf der Straße schlafen und zwei Kinder, etwa 6 und 8 Jahre alt, die übermüdet an einer Mauer kauerten und bettelten. Jugendliche schlenderten in kleinen Gruppen über die Boulevards, bändelten mit dem anderen Geschlecht an. Die meisten Nachtgänger aber machten Einkäufe fürs neue Jahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Morgens nahmen Amir und ich den Zug zurück nach Teheran. Ich mußte, bevor ich zu den Gleisen zugelassen wurde, zum Polizeibüro und meinen Paß kontrollieren lassen. Der Chef, ein Oberst, saß finster hinter seinem Schreibtisch und blickte in meinen Ausweis. Dann fragte er laut und autoritär: „Ihr Name?“&lt;br /&gt;
Ich schaute ihn erstaunt an und mußte lächeln. Sein Gesicht verzog sich zu einer gekochten Limone, die man später im Mörser behandelt hat. Es verrutschte nach und nach, glitt in die tiefen Zornesfalten seiner Stirn. Aber bevor es sich ganz aufzulösen drohte, sagte ich meinen Namen. Woraufhin er rief: „Wo geboren?“&lt;br /&gt;
Wie aus der Pistole geschossen, kam meine Antwort. Das gefiel ihm. Ich bekam meinen Paß zurück und durfte zum Zug. &lt;br /&gt;
Amir sagte: „Du hast noch nicht gelernt, wie man sich bei solchen Leuten, die ihre Autorität lieben, verhält. Du stehst da im langen Mantel, die Hände in die Hüften gestemmt wie ein Feldherr, dabei solltest du unterwürfig wirken. Weißt du, diese beiden Fragen sind die einzigen, die der Oberst auf Englisch kennt. Das könnte mal schlecht ausgehen.“ Dann lachte Amir sich schlapp.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen Isfahan und Teheran liegt Wüste. Eine Wüste, wie ich sie noch nicht gesehen hatte, anders als die libysche, nicht so gelblich sandig, anders als die mit Gestrüpp überwucherte Savanne in Westafrika und anders als der rote Staub der südlichen Staaten. Es ist zu Anfang eine steinige festgetrocknete Erde, zum Teil voller Geröll zum Teil flach und aufgerissen. Der Himmel hängt in unterschiedlichen Blautönen über den Bergen am Horizont, so als wäre Gott am Experimentieren, so als fahre der Zug an diversen Kulissen vorbei, und ich am Fenster schaue auf eine Bühne voller Requisiten, aber ohne Schauspieler. Dann wieder ist der aufgewirbelte Staub so dicht, daß alle Farben verblassen, ein blau-grauer Dunstschleier sich vors Fensterglas legt, und ich versucht bin, mir die Brille zu putzen. Schließlich tauchen sie doch auf, die „Schauspieler“. Arbeiter, die Lastwagen beladen. Löcher graben, einmal fährt mitten durch dieses unwirtliche Gebiet ein Traktor. Einige Kilometer weiter sehe ich Jugendliche lässig auf ihren Mopeds sitzen, wie sie auf den verstreuten Hügeln Ausschau nach was auch immer halten, und ich muß an die zahllosen Western denken, die die indianischen Späher auf ihren Pferden zeigten oben auf den Bergen, während sich unten der Zug näherte. Nein, es gab keine Angriffe, im Gegenteil, der Schaffner fragte, ob wir etwas wünschten, etwas zu essen etwa oder zu trinken?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann ziehen kleine Dörfer vorbei, erdfarbene Mauern, blaß gelbe Ziegel, ockerfarben mit Wassertanks auf den Flachdächern. Daneben liegen Anbaugebiete – für was konnte mir niemand sagen – in leuchtendem Grün, blühende Gräser, dazwischen mit Plastikplanen abgedeckte Gewächshäuser und wieder Wüste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendwann hielt der Zug. Links und rechts versperrten Güterwagons die Aussicht, Berge von aufgestapelten Schienen. Auf die Frage, was los sei, hieß es, ein anderer Zug komme auf dem Gleis entgegen, wir müßten warten, bis er die nächste Weiche passiert habe. Das leuchtete mir ein. &lt;br /&gt;
Nach etwas mehr als einer halben Stunde ging es weiter. Die Berge im Hintergrund trugen Schnee auf den Gipfeln, schälten sich deutlich aus dem flirrenden Hitzemantel, der sie umgab. Dann wurde der Boden ebenfalls weiß. Zuerst nur zungenweise; langgezogene Flecken lagen verstreut wie die sichtbaren Zeichen einer Pigmentstörung über der erdigen Haut, schließlich zeigte sich das Gesicht einer „Albino-Wüste“. Salz! &lt;br /&gt;
Ich trank einen Schluck, während der Zug verlangsamte und wir wieder hielten. Ich fragte nicht mehr warum. Es wurde Abend, und wir standen noch immer. &lt;br /&gt;
Als wir die Peripherie Teherans doch noch erreichten, brannten bereits überall Lichter. Hier gibt es viele illegal hochgezogene Wohnviertel, kleine quadratische Bauten, in denen meistens Immigranten wohnen, Wanderarbeiter aus Afghanistan etwa. Die Viertel sehen aus, als habe nie jemand daran gedacht, für die Ewigkeit zu bauen, es sind Behelfsunterkünfte aus Ziegeln, Mörtel und der Hoffnung auf ein besseres Leben. Wie banal dagegen meine Hoffnung, endlich anzukommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
</description>
    		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/1.5078.html</link>
		</item>
		<item>
			<title>Karladan</title>
    		<description>&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war heute zum ersten Mal auf dem Land, in einem Dorf namens Karladan, fünf Kilometer von Isfahan entfernt. Dort in der Gegend gibt es eine haushohe Grabstätte mit zwei Türmen, die so konstruiert sind, daß der zweite mit wackelt, wenn der erste geschüttelt wird. Der Taxifahrer fragte Amir auf halber Strecke: „Kommt der Deutsche tatsächlich extra von soweit her, um ein einziges Wackeln zu sehen?“&lt;br /&gt;
Amir bejahte und erklärte, ich würde hoffen, der Turm wackele vielleicht mehrmals. &lt;br /&gt;
„Aha“, sagte der Taxifahrer und sah mich schräg von der Seite an. &lt;br /&gt;
Tatsächlich hat der Turm kurz gewackelt. Ein Mann stieg in den linken Turm hinein, krallte sich in die Wand zwischen zwei Fensternischen und rüttelte. Außer mir war noch ein englisches Paar zugegen und einige Iraner. Das Ganze dauerte zehn Sekunden. Ich konnte die Ungläubigkeit des Taxifahrers verstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anschließend schlenderten Amir und ich durch das Dorf, das im Gegensatz zu herkömmlichen Dörfern so konstruiert zu sein scheint, daß in der Mitte Felder und Äcker liegen, eingekreist von den Häusern. Es war Markt. Kleider wurden angeboten, Gehäkeltes, Gummistiefel und Küken in allen Farben von rot über orange zu rosa und weiß. Ich fragte, ob der Mann sie angemalt habe? &lt;br /&gt;
„Angesprayt“, lächelte er, „bald ist Neujahr.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gegend hier liegt etwa 1575 Meter über dem Meeresspiegel und die Sonne flammte grell und schmerzhaft durch die engen Straßen. Die Verkäufer waren allesamt Männer, die Kunden alle Kundinnen und alle im schwarzen Tschador. Den Einfluß der Städte in Form von geschminkten Lippen, und anderem, hier allerdings dezentem Make-up konnte man nur bei zwei, drei sehr jungen Frauen sehen. Dafür ließen sich einige fotografieren, was mir bislang selten erlaubt wurde. Sie zogen vorher ihren Schleier so weit wie möglich übers Gesicht, dann durfte ich auf den Auslöser drücken. Bei einer anderen Gruppe mußte ich warten bis sie mir den Rücken zugekehrt hatten, dann machte ich das Foto. Nur eine Mutter mit Kind gab sich offen. Dafür hatte ich beständig das Gefühl, einige hätten sehr gerne mit mir geredet, wußten aber nicht, wie dies anstellen, ohne die gesellschaftlichen Regeln zu übertreten. So entwickelte sich eine Art Begleitung durchs Dorf – es waren jene drei Frauen, die mir beim Fotografieren den Rücken zugekehrt hatten – eine Begleitung, die immer etwa 10 Meter voraus lief und sich von Zeit zu Zeit umdrehte, um uns die Richtung auf dieser einen Straße zu zeigen. Wenn Amir nachfragte, blieben sie sofort stehen und ergriffen die Möglichkeit etwas zu reden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Moschee von Karladan beherbergt in ihrem Kellerfundament eine Bibliothek, die gut ausgestattet ist. Amir und ich durften uns die Bestände anschauen, auch auf der Frauenseite, was einiges an Gekicher bei den Studierenden auslöste. Es gab hier viel Philosophie des 20. Jahrhunderts, Popper, Heidegger, Russel usw, es gab Literatur von Pearl S. Buck zu Mark Twain und Paul Auster. Eine Farsi-Übersetzung eines deutschen Romans fand ich nicht. Natürlich viele religiöse Schriften, Koran-Erklärungen und Nachschlagwerke. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Rückfahrt nach Isfahan erfolgte in einem kleinen Lieferwagen mit offener Ladefläche. Zu dritt saßen wir vorne. Amir, in der Mitte eingequetscht, hatte einen Fuß neben dem Gaspedal und den Steuerknüppel zwischen den Beinen. Mir lief der Schweiß von der angesengten Glatze. Selbstgebastelte Böller knallten irgendwo im Hintergrund und klangen wie ein näher rückendes Gefecht. In Teheran wird heute abend die Hölle los sein, heißt es, wenn überall die Feuer angezündet werden und die Menschen darüber springen wie in vorislamischer Zeit. &lt;br /&gt;
„Ein Schlachtfeld, wenn die Böller gezündet werden“, sagt Amir. &lt;br /&gt;
Und in Isfahan?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;</description>
    		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/1.5068.html</link>
		</item>
		<item>
			<title>In Djolfa</title>
    		<description>&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Djolfa, dem Armenierviertel von Isfahan stehen mehrere wunderbare Kirchen, die innen komplett mit biblischen Szenen bemalt sind. Einige dieser Fresken zeigen das grausame Martyrium des hl. Gregor, mit dem die Schergen des Armenierkönigs wohl so ziemlich alles angestellt haben, was ihnen gerade einfiel. Überhaupt scheint man in Iran wenig Berührungsängste mit der Darstellung von Grausamkeiten zu haben und das bis in unsere Zeit. Ich erinnere mich in Teheran ein Museum gesehen zu haben, das die Folter der Schahzeit drastisch vor Augen führt. Blutüberströmte Wachsfiguren hängen dort von der Decke, sitzen unter elektrisch aufgeladenen Helmen, werden in Badewannen getunkt. Die Fotos, die man sich im Museum auf dem Friedhof der Märtyrer anschauen kann, sind auch keine leichte Kost. Halb verstümmelte Leichen, von Bomben zerfetzte Körper sollten eigentlich klar machen, daß Krieg nicht der Vater aller Dinge ist, aber ich werde das Gefühl nicht los, daß es auch bei diesen „Erinnerungsstücken“ mehr um Propaganda geht als um etwas anderes. Nicht umsonst wird von der Regierung gepredigt, daß Schmerz die Seele reinige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Kirchen im Armenierviertel werden aber auch die Geburt Christi und die Stufen von der Hölle zum irdischen Dasein bis zu den Wonnen des Himmels gezeigt. Die bekannteste und am besten erhaltene, ist die Vank-Kathedrale. Dort treffe ich vier Studenten aus Teheran, die sich ihr Land anschauen wollen. Mohsen, der das Gesicht und das Bärtchen vom Sänger von Metallica hat und seine Freunde Said, Ali und Sahand sind an Deutschland interessiert und glauben, daß es das beste Land in Europa ist. Auch das reichste und das freundlichste und... &lt;br /&gt;
Ich bremse etwas und frage, ob sie unzufrieden hier sind? &lt;br /&gt;
„Na ja“, sagt Mohsen, „wir haben uns an vieles gewöhnt, aber wenn wir die Möglichkeit bekommen, sind wir weg.“ Alle vier sind 21 und wollen Chip-Designer werden. Sie fragen, ob ich mit ihnen durch Iran reisen möchte. Sie sind mit dem Wagen hier und werden weiter in den Süden nach Persepolis fahren. Ich muß ablehnen, weil ich heute abend eine Lesung in Isfahan habe und am Sonntag bereits wieder nach Deutschland fliege. &lt;br /&gt;
Was ich denn von Hitler halte, will Sahand plötzlich wissen? Sie hätten gelesen in Deutschland sei bereits jeder vierte wieder ein Neonazi. &lt;br /&gt;
Mittlerweile sind wir im angrenzenden Museum angekommen, wo auch der Völkermord an den Armenier durch die Türken 1915 dokumentiert wird. Erneut sehe ich uralte Dokumente von abgeschlagenen Köpfen, ausgehungerten Frauen, mißhandelten Kindern. Ich erkläre Sahand und den anderen, daß das Blödsinn sei, daß es in Deutschland so viele Neunazis gebe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob ich denn an den Holocaust glaube? Ich frage zurück, ob sie denn ihrem Präsidenten Glauben schenkten. Allgemeines Lachen. Ich sage ihnen, daß das für mich überhaupt keine Frage ist, ob der Holocaust stattgefunden habe, es gebe so viele Dokumente, Zeitzeugen und frage, warum eine Nation wie die deutsche, sich eine solche Schuld aufladen sollte, wenn es nicht stimmte. Ob sie die Deutschen für Masochisten halten? Sie winken ab, sie wollten es nur noch einmal klar und deutlich formuliert bekommen. Sie waren eh schon der gleichen Meinung. Nur wenn man diese Zweifel von ganz oben dauernd zu hören bekommt...&lt;br /&gt;
Nach einer Pause, in der sie einen japanischen Touristen bitten, uns alle zusammen zu fotografieren, frage ich Mohsen ob er Metallica kenne? Nein, kennt er nicht, auch AC/DC sagt ihm nichts, er hört Eminem. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich verabschieden wir uns. Ich laufe etwas durch die Straßen und plötzlich tritt ein Mann vor mich und redet auf mich ein. Es ist keine Frage, die ihn antreibt; in gebrochenem Englisch hält er einen Monolog, während sein Gesicht nahe an dem meinen ist. Ich kann die Farbe seiner Augen studieren, sie sind grün und haben einen leicht blauen Rand. &lt;br /&gt;
„Helfen Sie uns“, sagt er, „ich weiß nicht, was Sie sind, ein Journalist oder so, aber schreiben Sie, daß wir das alles nicht wollen, daß wir bluten. Ich weiß nicht wie lange ich noch lebe, vielleicht töten sie mich heute, vielleicht in einem Monat, aber schreiben Sie über dieses Land, was es erleidet.“&lt;br /&gt;
Ich frage, ob er mir etwas Konkretes erzählen möchte? Aber er fährt weiter fort in seinem Monolog: „Die Welt muß uns helfen. Niemand in diesem Land will diese Regierung. Sie isolieren uns, sie treiben uns in die Armut, helfen Sie uns. Amerika soll nicht mit Bomben kommen. Das wollen wir nicht. Wir wollen keinen Krieg mehr, aber tun Sie etwas für uns.“&lt;br /&gt;
Ich frage, was er arbeitet, was sein Beruf sei?&lt;br /&gt;
Er sagt: „Alles, was ich noch kann, ist mein Haus bauen, mehr kann ich nicht mehr tun.“ Dann monologisiert er wieder, ruft, daß er mir die Hand küsse, wenn ich über das Leiden in seinem Land schreibe und daß die Bevölkerung nicht so sei, wie die da oben. „Allah sieht alles, er weiß alles, er sieht uns beide und er weiß, mein Herz ist rein.“&lt;br /&gt;
Dann schüttelt er mir die Hand, in seinen Augen liegt Verzweifelung.&lt;br /&gt;
„Mehr von Ihrer Zeit“, sagt er, „kann ich nicht in Anspruch nehmen.“ Und verschwindet in einer Seitenstraße.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;</description>
    		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/1.5065.html</link>
		</item>
		<item>
			<title>Isfahan</title>
    		<description>&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schlafabteil ist gut für Menschen, die nicht größer als 1,75 Meter sind. Leider ließ sich auch die Heizung nicht regulieren, und ich habe mich nach und nach aufgelöst in einer Hitze, die mit der Wüste, durch die wir fuhren, nichts zu tun hatte. Um 5.30 Uhr klopfte es, weil der Schaffner unsere Laken zurück haben wollte. Ich war gerade eingeschlafen. Amir grinste und sagte: „Weißt du was, Guy, dein Schnarchen hat einen Luxemburger Akzent!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bahnhof liegt etwa 10 Kilometer außerhalb von Isfahan. Eine fünfspurige Autobahn führt an Betonklötzen, dann an Militärgelände, einem alten Hubschrauber vorbei. Der Taxifahrer redet über den Präsidenten und schüttelt den Kopf über eine seiner Reden. Mal wieder, denke ich. Meistens dauert es keine fünf Minuten, nachdem man mit jemandem ins Gespräch gekommen ist, bevor derjenige in aller Klarheit sagt, was er vom Regime in Iran hält. Politische Gespräche sind an der Tagesordnung, das war weder unter dem Schah noch Jahre lang nach der Revolution möglich. Die Schizophrenie, unter der dieses Land leidet, ist kaum zu verkennen, schon die Kinder lernen, daß die Eltern draußen mit den Eltern zuhause nichts gemein haben. Die Lüge nach außen hin ist notgedrungen in Fleisch und Blut übergegangen. Sobald man sich sicher fühlt, fällt der Schleier und das Kopfschütteln beginnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Straßen, die wir durch die Stadt nehmen, sind alle breit und wirken wie Promenaden, so als sei die 3 Millionen Stadt ein alter Kurort. Riesige Wasserfontänen schießen mitten im Fluß Zayandehrud auf. Die Architektur ist wohl durchdacht, kein Vergleich mit Teheran, wo scheinbar jeder gebaut hat, wie er wollte. In Isfahan gibt es viele kleinere Häuser, wunderschöne Brücken und beindruckende Moscheen. Aber man merkt auch, daß hier öfter mal Touristen auftauchen. Die Händler auf dem Bazar sprechen einen direkt an, bleiben zwar freundlich, drängen nicht direkt, bitten einen aber mehrmals hintereinander ins Teppichgeschäft. Auf der anderen Seite starren mich die Menschen in den Straßen an, als sei ich ein unbekanntes Wesen. Egal ob Männer oder Frauen, ich scheine immerhin so interessant, daß die Augenpaare weitaus länger an mir hängen bleiben, als normalerweise nötig. Also grüße ich und man grüßt mich freundlich zurück. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Rückweg zum Hotel, während die Sonne sich langsam hinter eisige Winde zurück zieht, fliegen Tausende kleine Vögel über die Si-o-se-Brücke (die Brücke, die aus 33 &quot;Brücken&quot; besteht). Sie fliegen so hoch oben, daß sie im ersten Moment wie ein Heuschreckenschwarm wirken, der stellenweise den Himmel schwärzt. Zu ihnen gesellen sich Möwen, jagen wie Geschosse durch den Abend. In den Straßen ist viel Volk unterwegs. Isfahan ist das Herz der Basiji-Kultur und soll dementsprechend konservativ sein. Zumindest auf den ersten Blick ist davon nichts zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;</description>
    		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/1.5056.html</link>
		</item>
		<item>
			<title>Werbung</title>
    		<description>&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Samstag heute war ein religiöser Feiertag, es ist der 40. Tag nach dem Tode Husains, dem Sohn von Ali. Die Geschäfte sind fast alle geschlossen, nur Grundnahrungsmittel kann man kaufen. Im Tajrish-Bazar, der an normalen Tagen überfüllt ist, spazieren nur einige wenige an den herunter gelassenen Rolladen vorbei. Durch die leeren Gänge dringt lautstark ein Klagegesang, ein Weinen aus Boxen, das einen Trauerteppich auf die Erde knüpft. In einer Seitenstraße drängt sich ein Pulk Menschen um eine Garküche, hier wird gratis Suppe verteilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit ich hier bin, ist mir aufgefallen, daß Teheran voller Bilder ist. Fährt man über eine der Autobahnen, begegnet man auf Schritt und Tritt Werbung, meistens für Artikel aus dem Westen. Überdimensionierte Mobiltelefone stehen auf Gerüsten, eine dampfende Kaffeetasse wirbt für Jacobs Krönung. Daneben schüren Plakate Wünsche, die man noch nie hatte. &lt;br /&gt;
Neben diesen herkömmlichen Reklameschildern, wird für den Islam geworben, für den Märtyrerkult.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprüche gegen den Feind stehen auf Mauern, die Freiheitsstatue mit Totenkopf, sehe ich, Israel wird verflucht. Unzählige Hausfassaden zeigen die Gesichter gefallener Revolutionäre. Geradezu kitschige Bilder voll von Rosen und Schmetterlingen dienen der Verherrlichung der Kriegstaten, weinende Mütter, Waffen, die Erinnerung an die Revolution, an den Krieg, an die jüngste Vergangenheit wird lebendig gehalten. Dann wieder tauchen Bilder von Ali auf, dem Schwiegersohn von Mohammad. Alles zusammen ergibt eine merkwürdige Mischung aus politischer Propaganda, Religion und schlichter Werbung. Je südlicher man sich in der Stadt bewegt, desto mehr nehmen diese Bilder zu. Hier im Norden wirbt die Stadt eher mit Villen und mit teuren Mieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abends treffen Amir und ich die Schweizer Autorin Ruth Schweikert mit ihrem zwei Monate alten Baby und Martin Zingg, Herausgeber einer Literaturzeitschrift im Hotel. Ruth wird im April Gast im Literarischen Salon bei Navid Kermani und mir im Kölner Schauspielhaus sein und nun ist sie zufälligerweise auch in Teheran, um über die Gegenwartsliteratur ihres Landes zu berichten. Sie und Martin werden genau wie wir nach Isfahan fliegen, allerdings erst morgen. Amir und ich, wir fahren noch diese Nacht mit dem Zug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;</description>
    		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/1.5050.html</link>
		</item>
		<item>
			<title>Persische Taxifahrer</title>
    		<description>&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Abguscht“ ist ein typisch iranisches Gericht. Ursprünglich ein Armeleute-Essen, kann man es heute in jedem Restaurant bestellen. &lt;br /&gt;
Ich sitze auf einer Erhöhung, die mit einem Teppich belegt ist; der Teppich selbst ist in der Mitte durch eine viereckige Plastikfolie geschützt. Dort stellt der Kellner einen Korb mit länglichem, steingebackenem Brot hin, eine Art Tonkrug und eine leere Porzellanschale. Neben mir surrt ein Kühlschrank. Aus dem Tongefäß nimmt der Kellner zwei Brocken gekochtes Lammfett und eine weichgegarte Tomate. Beides zermatscht er mit einem Mörser und gießt anschließend den Sud aus dem Tonkrug darüber. Das Ganze sieht aus, als sei jemandes Hirn ausgelaufen. Ich reiße Stücke vom Brot ab, werfe sie hinein und esse. Es schmeckt stark nach Schaf, nicht nach Lamm, nach Schaf. Der erste Löffel ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber je mehr ich esse, desto leckerer finde ich das Gericht. Was noch im Tongefäß übrig geblieben ist, ist ein Brei aus Kartoffeln, Fleisch und Gemüse. Dieser wird als zweiter Gang zu sich genommen. Dazu trinke ich „Dugh“, bestehend aus Joghurt, Wasser und verschiedenen Kräutern. Ein älterer Herr kommt zu mir, heißt mich in seinem Land willkommen und geht wieder an seinen Platz. Einige schauen zu mir herüber. In der anderen Hälfte des traditionellen Restaurants stehen Tische und Stühle, die so gut wie alle besetzt sind. Darüber hängt ein Schild, das darauf hinweist, daß es für Frauen Pflicht ist, ihr Haar zu bedecken. Später erklärt mir Amir, daß diese Schilder in fast allen Restaurants hängen, daß es Vorschrift für die Besitzer ist, sie aufzuhängen und sie Probleme bekämen, wenn sie sich über die Vorschrift hinweg setzten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Taxi fahre ich nach Hause und gerate in ein merkwürdiges Gespräch. Der Fahrer redet Englisch, als habe er die Bücher Hemingways zu oft gelesen. Es geht um die Wahrheit, und der Mann regt sich auf, daß niemand in dieser Stadt sie kennt. Was ich denn überhaupt hier mache? Ich sage, daß ich Schriftsteller bin und mir Teheran anschaue.&lt;br /&gt;
„Na, wenigstens suchst du dann“, sagt der Mann und kratzt sich den Bart. Es sei nämlich so: die Menschen täten immer so, als gäben sie ihrem Leben einen Sinn, aber ihre Wahrheiten seien keine wirklichen Wahrheiten.&lt;br /&gt;
Ich frage, ob er sie denn gefunden habe, die Wahrheit?&lt;br /&gt;
Er bremst abrupt, schaut mich an und ich weiß nicht, will er mich nun an seiner Wahrheit teilhaben lassen oder hält er meine Frage für idiotisch und will mich aus dem Wagen schmeißen, jedenfalls bohrt sich sein Blick nadelspitz in mein Gesicht, als müsse er mich impfen. Nachdem die Wagen hinter uns ein Hupkonzert begonnen haben und mein Taxifahrer wieder Gas gegeben hat, wechselt er das Thema, redet über Autos, über Mercedes. Offensichtlich hat er gemerkt, daß auch ich von der Wahrheit weit entfernt bin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie überall auf der Welt ist das Taxifahrervolk auch in Teheran eine Notiz wert. Es setzt sich aus den unterschiedlichsten Bildungsschichten zusammen, einige sind geschwätzig bis zum Abwinken, andere grummeln vor sich hin. In Teheran gibt es Taxis, die wie Busse bestimmte Stationen abfahren, dann gibt es die Wagen, die man auf der Straße anhalten kann. Zu ihnen zählen auch viele Privatleute, die ihr eigenes Auto benutzen, Menschen umherkutschieren, weil sie sich anders den Lebensunterhalt nicht verdienen können. Und es gibt die „Agences“, Taxiunternehmen, die man anruft, die einen abholen und irgendwohin fahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres Gespräch. &lt;br /&gt;
Mit Händen und Füßen erklärt mir der Mann, daß er vor vielen Jahren mal Englisch studiert habe, aber er habe alles vergessen. Sein Haar ist komplett grau, sein Gesicht voller Falten.&lt;br /&gt;
ER: How old?&lt;br /&gt;
ICH: 44&lt;br /&gt;
ER: Oh. Me?&lt;br /&gt;
ICH: No, not you. Me.&lt;br /&gt;
ER: No. Me. Me!&lt;br /&gt;
ICH: Ach so. I don’t know.&lt;br /&gt;
ER: Me?&lt;br /&gt;
ICH: Maybe 58.&lt;br /&gt;
ER: What?&lt;br /&gt;
ICH: 60.&lt;br /&gt;
ER: No, no. 48.&lt;br /&gt;
ICH: Oh, sorry.&lt;br /&gt;
ER: Where.&lt;br /&gt;
ICH: You have to go right here.&lt;br /&gt;
ER: No, no&lt;br /&gt;
ICH: Yes, right.&lt;br /&gt;
ER: No. You where from?&lt;br /&gt;
ICH: Ach so. Germany.&lt;br /&gt;
ER: Oh, Helmut Kohl. &lt;br /&gt;
ICH: No, not anymore.&lt;br /&gt;
ER: Yes, Helmut Kohl.&lt;br /&gt;
ICH: No, not Birne.&lt;br /&gt;
ER: Birne?&lt;br /&gt;
ICH: Now, Merkel.&lt;br /&gt;
ER: Yes, Helmut Kohl.&lt;br /&gt;
...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;</description>
    		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/1.5048.html</link>
		</item>
		<item>
			<title>Im Paradies der Sahra</title>
    		<description>&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
            Vor Khomeinis Grabstätte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war auf dem Friedhof „Paradies der Sahra“, benannt nach der Gattin von Imam Ali. Das Gelände ist so groß, daß man mit dem Wagen hinein fährt, um zu der Stelle zu kommen, zu der man hin will. Es gibt dort eine Sektion für Künstler, wo Musiker, Regisseure, Schauspieler, Schriftsteller usw. nebeneinander beerdigt liegen. Wer das nötige Kleingeld hat, kann sich hier zwischen seinen Kollegen begraben lassen. Auffallend, weil anders, war für mich, daß die Besucher über die Gräber gehen, niemand macht sich die Mühe drum herum zu laufen. Unweit von diesen Künstlerreihen entfernt ist das Haus, wo die Toten gewaschen werden und die Überdachung, wo das Abschiedsritual vollzogen wird. Es gibt in Iran keine Bestattungsunternehmer, wie wir sie in Europa kennen. Die Familie selbst bringt den Leichnam in ein Tuch gehüllt zum Friedhof. In einem Büro werden die Formalitäten erledigt, und die Familie bekommt ein bereits ausgehobenes Grab zugewiesen. Nächste Station ist dann der „Waschraum“, der aus vier Teilen besteht. Einem Vorraum, daran anschließend ein breiter Mittelgang, mit rechts und links Fenster. Hinter diesen Fenstern liegen die beiden eigentlichen Waschkammern. Es gibt ein solches Gebäude für Männer und eins für Frauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann den Leichenwäscher bei ihrer Arbeit zusehen, und das tun viele. Drei Männer in Gummistiefel und Schürze, mit Gummihandschuhen an den Händen, nehmen den leblosen Körper in Empfang und schneiden ihn aus dem Laken. Anschließend hieven sie ihn nackt in eine Badewanne, bedecken sein Geschlecht mit einem Lappen und spritzen ihn mit einem Wasserschlauch ab. Die angehörigen Männer stehen zusammen mit den Zuschauern an den Glasscheiben und wohnen der Prozedur bei. Der Leichnam wird eingeseift, gewaschen und schließlich erneut abgespritzt. Die Männer sind taktvoll, aber nicht zimperlich. Man kann sehen, daß täglich Dutzende Tote durch ihre Hände wandern. Dann kommt eine Art Wolle auf das Gesicht des Verstorbenen, und die Wäscher legen ihn wieder auf einen der steinernen Tische, wickeln Plastikfolie um den Körper, darüber erneut ein Laken und binden alles zusammen. Über eine Art Durchreiche bekommt die Familie den Leichnam in den Vorraum zurück. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der junge Mann, den ich sah, war 27 und an Herzversagen gestorben. Während er gewaschen wurde, beweinte ihn sein Bruder neben mir, schlug seine Stirn immer wieder gegen die Scheibe. &lt;br /&gt;
Draußen unter der Überdachung versammelte sich die Familie. Der Tote im Laken lag auf einer Pritsche vor ihnen, Koranverse wurden rezitiert. Schließlich hievten vier Männer den Toten dreimal hoch, während sie klagten, schulterten den leblosen Körper anschließend, und die Familie zog hinter der Pritsche her zum Grab. Das ging alles recht schnell. Dem ganzen Ritual von der Ankunft bis zur letzten Ruhestätte wohnte Hektik inne. Im Falle des jungen Mannes dauerte es kaum eine halbe Stunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls auf diesem Friedhof ist der Friedhof der Märtyrer. Auch sie haben eine einfache flache Marmorplatte wie die andern, aber hinter dieser Platte erhebt sich immer eine Art Vitrine, in der Fotos des Getöteten oder andere Dinge zu sehen sind. War der Verstorbene noch nicht verheiratet, befindet sich in dieser Vitrine ein Spiegel und zwei Kerzenständer, Utensilien die bei der Heiratszeremonie verwendet werden. Es liegen Hunderttausende aus dem Krieg gegen den Irak hier und Gefallene der Revolution. Und fast alle sind sie jung, sehr jung. Frauen verteilen Kuchen an die Vorbeigehenden, Nahrung für den Geist ihrer Verstorbenen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;</description>
    		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/1.5044.html</link>
		</item>
		<item>
			<title>Zum Internet</title>
    		<description>&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es regnet in Strömen. Die große Tanne hinter der mit Stacheldraht überzogenen Mauer läßt die Äste hängen, als hielte sie sich für eine Trauerweide. Ich lese einen Comic, den eine iranische Autorin gezeichnet und geschrieben hat. Er heißt „Persepolis“ und die Schriftstellerin Marjane Satrapi beschreibt darin aus der Perspektive eines elfjährigen Mädchens, die Entwicklung Irans von 1978, also dem Ende der Schah-Zeit bis in den Irak-Iran-Krieg hinein, ein bitteres Buch, das das Leiden der Bevölkerung anhand einer Familie vor Augen führt. Auf Deutsch erschienen bei Edition Moderne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Stunde später ist der Himmel noch immer grau und porös, als spiegelten sich die nassen Fassaden der Häuser darin. Trotzdem höre ich bereits wieder die ersten explodierenden Kracher. In den letzten Tagen flogen immer wieder Feuerwerkskörper durch die Luft. Norouz, das neue Jahr naht und einige können es nicht erwarten. Auf den Straßen, an den Kreuzungen und Ampeln verkaufen junge Afghanen und Iraner Böller, verdienen sich ihren Lebensunterhalt. Zum Teil sind es Kinder. Zur Schule gehen sie nicht. Unter der Schahregierung bestand die Hälfte der Bevölkerung aus Analphabeten. Das Khomeini-Regime brachte vielen von ihnen das Lesen und Schreiben bei, damit sie den Koran lesen und so treue Anhänger der Revolution würden. Die Rechnung ging nicht ganz auf, aber das Analphabetentum wurde um die Hälfte reduziert. In Iran herrscht Schulpflicht, aber niemand kontrolliert, ob sie eingehalten wird, da gibt es wohl Wichtigeres zu kontrollieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beispiel das Internet. Ich habe versucht heraus zu bekommen, wohin man surfen darf und was verboten ist. Trifft man auf eine unerlaubte Seite, kommt sofort ein grauer Hintergrund, auf dem steht: The requested page is forbidden. Erst auf Englisch, unten drunter auf Farsi. Wie bereits vor einigen Tagen  erwähnt, ist „amazon.de“ Tabu, „amazon.com“ funktioniert aber. Auf die Seite vom SPIEGEL darf man, die vom STERN ist gesperrt, BRIGITTE ist erlaubt, EMMA nicht. Gibt man das Wort „Porno“ bei Google ein, kommt nicht einmal eine Liste, sondern sofort der oben erwähnte Text. Dagegen darf man auf alles was mit Musik zu tun hat. Ich habe querbeet die offiziellen Homepages der Musikszene angeklickt, von Kylie Minogue über Madonna, Metallica, Oasis bis zu Nick Cave und Johnny Cash, kein Problem. Eine Ausnahme gab es: Tom Waits. Warum weiß ich nicht, vielleicht hat er drum gebeten. Auch zu allen Museen hat man von hier aus einen virtuellen Zugang, schwieriger wird es, wenn es sich um Fotografie handelt. Hollywoodstars sind kein Problem, auch nichts, was mit den Staaten zu tun hat. „Youtube“ hingegen ist gesperrt. Soweit meine kleine Feldforschung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;</description>
    		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/1.5036.html</link>
		</item>
		<item>
			<title>Alte Geschichten</title>
    		<description>&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um noch einmal auf das Inline-Skating zurück zu kommen: Shima, eine Architektin aus Isfahan, erzählt, daß sie vor 13 Jahren zusammen mit einigen Jungs herum gefahren sei und daß die Pasdaran - jene Revolutionsgarde, eine grün uniformierte Miliz - aufgetaucht sei und sie angeschrien habe, ob sie nicht wisse, daß das Inline-Skaten für Frauen verboten sei. Sie haben ihr die Inline-Skaters abgenommen und sie beschimpft, als habe sie ein schweres Verbrechen begangen. Die Jungs durften weiter fahren. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß es in diesem schönen Land auch heute noch den Frauen untersagt ist, Fahrrad zu fahren, weil dies aufreizend auf Männer wirken könnte. Ich weiß nicht, welche ausufernde und zugleich verklemmte Fantasie Menschen haben müssen, um solche Verbote aufzustellen, aber es deprimiert mich. Auch die Vorstellung, Frauen mit Kopftuch und im langen Mantel Tennis spielen zu sehen, während über dem Netz die Sonne eine Packung von 40 Grad abläßt, stimmt mich nicht fröhlich, genauso wenig Shimas Anekdote, sie sei vor einem Monat in einem Geschäft übel angemacht worden, weil ihr Mantel, den sie über ihrer Kleidung trug, angeblich nicht lang genug war. Wer Macht hat, findet immer etwas, den anderen zu schikanieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von anderer Seite höre ich die Geschichte eines Mädchens, das verhaftet wurde, weil es in der Umkleidekabine eines Geschäftes das Kopftuch ablegte, um ein Kleid anzuprobieren. Sie hatte anschließend den Vorhang geöffnet, um sich ihrer Freundin zu zeigen. Oder jene Deutsche, die seit 20 Jahren hier lebt und eines Tages steht die Polizei vor der Tür und sagt: „Wir beschlagnahmen ihr Auto.“ Sie erfährt nicht warum, und eine kleine Odyssee durch die Ämter beginnt. Ihr Mann geht erst zur normalen Polizei, aber bei denen liegt nichts vor, es muß sich also um ein Vergehen gegen den Islam handeln. Der Mann glaubt, daß eines seiner Kinder eventuell laute Musik im Auto gehört hat, während es herum fuhr, denn auch das ist verboten. Schließlich erfährt der Mann, daß jemand seine Frau angezeigt hat, sie habe ohne Kopftuch am so und so vielten um die und die Uhrzeit im Wagen ohne Kopftuch gesessen. Das ganze wurde auf der und der Autobahn gesehen. Da hat also ein Spitzel im Vorbeifahren in einen anderen Wagen geschaut und sofort alles notiert. Daß das Kopftuch vielleicht gerade einmal herunter gerutscht war, was durchaus passieren kann, spielte keine Rolle. Es gab eine ordentliche Geldstrafe und der Wagen mußte ausgelöst werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Geschichten von Willkür, Einschüchterung, Gefängnis, Drohungen und Zensur höre ich täglich. Die Ungewißheit, nie zu wissen, wann es einen trifft, ist zermürbend, obwohl die Menschen hier gelernt haben, damit umzugehen. Aber ich bemerke selbst bei mir, der nur als Gast hier ist, einen Hang zur Selbstzensur, ausgelöst durch die Frage, was wenn... Und ich muß jedesmal, wenn ich Kritik äußere, mich etwas aufbäumen, Kraft sammeln und mir sagen, nein, du wirst genau das schreiben, was du denkst. Tatsächlich wird sich wohl kaum eine der zuständigen Stellen für einen deutschen Blog interessieren, zumal die eigene Bevölkerung ihn nicht lesen kann, aber ich habe das Gefühl, etwas von der Verunsicherung zu begreifen, die Menschen in diesem Land immer wieder heimsucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe heute zusammen mit Amir Cheheltan an der Universität Shahid Beheshti gelesen. Auch so eine Lesung muß erst einmal organisiert, sprich erlaubt werden und das kann dauern. Der Empfang war sehr herzlich und das literarische Interesse ehrlich und wohlwollend. Es gab Tee und Plätzchen in einem der Lehrerzimmer, während einige Studenten draußen zum Frühlingsbeginn Bäume pflanzten. Viele der Dozenten haben längere Zeit in Deutschland gelebt und dort studiert. Der Leiter der germanistischen Abteilung glaubte, eine Affinität zwischen meinen Geschichten und den Romanen Wolfgang Koeppens zu sehen, was ich, geschmeichelt, einfach mal so stehen lasse. Zur Lesung erscheinen etwa 50 Zuhörer. Aber die Studenten scheinen etwas scheu zu sein, was das Fragen anbelangt, vielleicht weil sie vor dem Plenum Deutsch reden sollen. Nach der Lesung hingegen sprechen mich einige an und ihr Deutsch ist sehr gut. Amir sagt mir, daß es keine iranische Tradition ist, viel zu fragen, man hält sich eher zurück. Die anwesenden Dozenten hingegen fragen sehr wohl. Anhand von Cheheltan und Helminger werden tiefgreifende Unterschied zwischen deutschsprachiger und iranischer Literatur festgestellt. Während die deutsche Literatur die Welt eher als zu komplex sieht und folglich die Dinge nicht genau zu benennen und festzulegen wünscht, sondern sie in ihrer Undurchdringlichkeit widerspiegelt, hat die iranische Literatur den Hang, den Dingen einen Sinn zu geben, sie klar und deutlich zu erklären. Die Welt bleibt nicht im Vagen. &lt;br /&gt;
Anschließend geht es in die Mensa für Dozenten. Literatur macht hungrig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;</description>
    		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/1.5024.html</link>
		</item>
		<item>
			<title>Das Licht</title>
    		<description>&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute morgen liegt auf allem eine hauchdünne Schicht Licht, die Äste der Bäume sind damit überzogen, die Wagendächer, die Häuser. Es wird warm. Ich fahre mit Amir Cheheltan nach Ray, das sich 12 Kilometer südlich vom Stadtkern Teherans befindet, mittlerweile aber zur unmittelbaren Peripherie der ausufernden Hauptstadt geworden ist. &lt;br /&gt;
„Das ist downtown von downtown“, sagt Amir und berichtet, daß hier im Süden die Bevölkerung immer ärmer wird. Tatsächlich verändert sich die Atmosphäre, die Häuser sind plötzlich kleiner, die Leute alltäglicher gekleidet, der Tschador nimmt Überhand. Hier gibt es die Villen aus dem Norden Teherans nicht, aber es gibt auch keine Bettler, fällt mir auf. &lt;br /&gt;
„Letztes Jahr im Winter sind einige Obdachlose in Teheran umgekommen“, sagt Amir, „und das war ein Skandal hier. Die Studenten sind auf die Straße gegangen und haben demonstriert, und die Regierung hat sofort reagiert und diesen 70 bis 80 Leuten geholfen.“&lt;br /&gt;
Ich staune und frage: „Mehr waren es nicht in dieser Riesenstadt?“&lt;br /&gt;
„Nein“, sagt Amir, und ich denke an meine Reise nach Hyderabad (Indien) vor einigen Monaten, wo die Obdachlosen in Hundertschaften nachts auf den Straßen lagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Ray befindet sich eines der wichtigen schiitischen Heiligtümer, das Grabmal von Abdal Azim, einem Nachkommen des zweiten Imam Hasan. Es gibt noch weitere Schreine und Gräber hier und die muslimischen Pilger kommen von überall her. Daß Nicht-Muslimen der Zutritt verwehrt wird, wie ich in einem Reiseführer lese, stimmt nicht. Man bittet mich die Schuhe abzugeben und ich werde freundlich herein gebeten. Fotos und Filmen ist drinnen allerdings verboten. Wächter laufen mit Staubwedeln herum, weisen damit die Menschen zurecht, die sich nicht ordnungsgemäß benehmen. Eine Gruppe aus Belutschistan sitzt in einer Ecke, einer von ihnen betet laut einige Verse vor und die anderen antworten. Trotz des Filmverbots versucht ein Mann der Gruppe seine Landsleute zu filmen, aber sofort liegt der Staubwedel auf seiner Schulter. Der Mann hat kein Einsehen, filmt weiter. Der Staubwedel klopft ihm auf die Finger. Der Mann nickt, senkt die Kamera. Aber kaum hat sich der Wächter umgedreht, beginnt der Mann erneut zu filmen. Und wird wieder erwischt. Das geht eine Zeitlang hin und her, und ich bewundere die Geduld des Wächters. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am heiligen Schrein von Abdal Azim, die gleiche Szene, nur ist es hier ein Mann aus Pakistan, der filmt. Er sei extra so weit hierher gepilgert und jetzt dürfe er keine Erinnerung mitnehmen, argumentiert der Mann. Der Wächter bleibt hart, der Mann steckt seine Kamera in die Tasche, holt sie aber sofort, nachdem der Wächter weg ist, wieder hervor und filmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist erstaunlich laut hier drinnen. Ganze Schulklassen haben sich niedergelassen und rezitieren oder antworten auf einen Ausruf ihres Lehrers oder Lehrerin. Der Bereich für die Frauen ist von dem der Männer durch undurchsichtige Scheiben getrennt, aber man hört auch sie. Außerdem kreuzen sich immer wieder die Wege der Geschlechter innerhalb des Heiligtums. Ich sehe die Schüler sich kabbeln, hintereinander her laufen und lachen. Da waren meine Religionslehrer damals strenger, wenn wir in die Kirche gingen. Viele Männer, die herum sitzen zwischen den Betenden, grüßen mich, lachen mir zu. Ich habe das Gefühl, sie sind froh, jemandem aus Europa ihre Heiligtümer zu zeigen. Und tatsächlich sind die großen, verspiegelten Hallen mit enormen Kronleuchtern beeindruckend. Es glitzert und funkelt, das Licht schrillt geradezu umher, als bade man in einem Meer aus Schätzen. Unwillkürlich frage ich mich beim Verlassen der Grabstätte, ob ich nun reicher geworden bin? Jedenfalls bin ich froh, daß Amir mich hierher gebracht hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
</description>
    		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/1.5017.html</link>
		</item>
		<item>
			<title>Die Berge?</title>
    		<description>&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile sollen 14 Millionen Menschen in Teheran leben. Es wird gebaut und gebaut, überall, wo eine freie Fläche ist, schießt ein Betonklotz hoch. Der Verkehr wird zunehmend chaotischer, aber wenn die Sonne am frühen Morgen scheint und man klare Sicht hat, erhebt sich plötzlich im Norden das Elburz-Gebirge und das hat was! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man fühlt sich nicht direkt in Garmisch-Partenkirchen, aber die Schneegipfel lösen eine seltsame Freude in mir aus. Und offensichtlich nicht nur in mir; ich werde so oft gegrüßt und angesprochen wie nie zuvor. Eine ältere Dame fragt mich, was der erste Eindruck ist, den ihr Land auf mich macht? Ich sage, daß alle so freundlich sind. „Ja“, sagt sie, „das ist eine alte persische Tugend. Und die nimmt uns niemand!“ Sie hat noch die Schahzeit miterlebt. „Da war auch nicht alles schön“, sagt sie, „aber das da ...“ Sie zeigt auf ihr helles, geblümtes Kopftuch und verdreht die Augen. Dann wünscht sie mir alles Gute und bittet mich, zuhause zu erzählen, daß die Iraner gute Menschen sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Fotogeschäft lächeln mich die Damen so freundlich an, daß ich ganz verlegen werde, aber Englisch oder Französisch spricht keine von ihnen. Sie holen einen jungen Mann, der ebenfalls dort an einem der Computer arbeitet und ein paar Brocken versteht. Ich erkläre ihm, welche Bilder ich wie oft haben will und er sagt, ich soll mich zehn Minuten setzen und warten. Die Verkäuferinnen schauen noch immer zu mir herüber und lächeln freundlich. Fast alle haben sie die Augenbrauen wegrasiert und durch einen schwarzen, dünnen Bogen ersetzt. Eine trägt in den Augenwinkeln einen weißen Lidstrich über dem schwarzen Kayal, die Lippen sind auffallend rot. Eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter steht etwas weiter vorne im Laden und kauft eine Kamera. Das Mädchen starrt ebenfalls zu mir herüber, aber eher so, als sei ich der Leibhaftige persönlich. Ich versuche freundlich zu lächeln und nicke, da krallt sie sich in den Tschador ihrer Mutter und reißt die Augen auf. In diesem Moment höre ich aufgeregtes Geplapper und Gekicher. Die Damen schauen sich meine Fotos an, die aus dem Drucker kommen und erkennen viele der Abgelichteten wieder, den Metzger von gegenüber, verschiedene Verkäufer. Als ich den Laden verlasse, kommt ein Abschiedsgruß, wie ein eingeübter Chor: „Bye Bye!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Stunden später ist die Sonne weg, die Berge auch. Eine graue Dunstschicht schwebt über allem, spannt sich wie eine Plane von Dach zu Dach, und ich denke, daß es gleich regnen wird, bis mich jemand aufklärt, daß das der normale Smog hier in Teheran ist. Ist das der Grund, warum zwischen morgens um 6 Uhr und abends um 5 Uhr nur die Wagen ins Stadtzentrum hinein dürfen, die eine Plakette hierfür gekauft haben? (Nicht jeder bekommt diesen Ausweis, den man sich an die Windschutzscheibe klebt. Und bei 250 Euro jährlich kann sich auch nicht jeder diese Plakette leisten.) Wohl kaum, denn auf den Autobahnen, die die Stadt durchziehen, dürfen alle immer fahren, da macht die Regulierung fürs Stadtzentrum in punkto Umweltschutz keinen Sinn. Nein, es gibt einfach zu viele Autos und die stehen hier permanent im Stau. Würde man noch mehr ins Zentrum hinein lassen, käme es zu einem absoluten Stillstand. Irgendwo habe ich gelesen, daß dieses im Staustehen zur Freizeitgestaltung der Teheraner gehört. Mal davon abgesehen, daß die Stadt so riesig ist, daß ohne Auto nur schwer auszukommen ist, fahren die Menschen hier offensichtlich gerne durch die Straßen, auch wenn sie kein konkretes Ziel haben.&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist zwei weitere Stunden später noch immer kein Tropfen gefallen, die Berge sind wieder aufgetaucht, liegen aber hinter einem grauen dichtgewebten Vorhang. Wären die Gipfel nicht so weiß, ich dächte, am Horizont hat jemand eine Mauer hochgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;</description>
    		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/1.5014.html</link>
		</item>
		<item>
			<title>Und andere Klischees</title>
    		<description>&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestern sah ich meinen ersten Mullah. Er stand an einer Bushaltestelle, und ich habe ihn mit seinem Einverständnis fotografiert. Ich erwähne das deshalb, weil das alltägliche Leben in den Straßen etwas anders ausschaut, als man es in Deutschland mitbekommt. Auf fast allen Fotos, die ich in deutschen Zeitungen vor meiner Abreise zu Gesicht bekam, war entweder eine Moschee oder ein Geistlicher, eine schwarz verhüllte Frau oder der Präsident abgebildet, die Themen waren Holocaust-Verleugnung, Urananreicherung und das Muskelspiel George W. Bushs, er überlege sich, gezielt den Iran anzugreifen. Folglich reagierten einige meiner Bekannten etwas erschrocken, als ich erzählte, ich fliege nach Teheran. Die Fragen reichten von: „Ist das nicht gefährlich?“ bis „Glaubst du wirklich, daß du das überlebst?“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die einzige Gegenstimme war mein Freund Navid Kermani, der den Kopf schüttelte und sagte: „Die Menschen und das Leben dort sind komplett anders, mach dir mal keine Gedanken.“ Und er hatte recht. Ich bin jetzt fast eine Woche hier und treffe erstmals auf einen Geistlichen, wenig später sogar auf den zweiten, der jedoch nicht abgelichtet werden möchte und auch nicht lachen kann über meine Anfrage. Beten sehe ich überhaupt niemanden. In anderen muslimischen Ländern bin ich immer wieder Männern begegnet, die ihre Teppiche ausrollten und nieder knieten, wo auch immer sie gerade waren. In Teheran ist davon nichts zu sehen. Auch im Heiligtum im großen Bazar treffe ich nur auf Zeitung lesende Männer, Schlafende. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die meisten Jugendlichen haben mit Religion sowieso nichts mehr am Hut. Aufgewachsen unter der islamischen Staatsdoktrin, fühlen sie mehr die Restriktionen und Verbote als die Güte Allahs. In Iran sprechen die Intellektuellen bereits von Religionsflucht einer ganzen Generation. Die Regierung, die keine Möglichkeit der Vermittlung zwischen Islam und Westen sieht und die konsequent nur zwischen einem gesunden, gläubigen Muslim und einem kranken, geistig zersetzten Anhänger der westlichen Kultur unterscheidet, hat jahrelang auf öffentliche Prügelstrafen, Auspeitschen, Gefängnis gesetzt, wenn es darum ging, die eigenen Kinder wieder nach Hause zu holen. Noch vor zehn Jahren war das Tragen einer Jeans ein revolutionärer Akt, heute laufen mir Jungs mit kurzärmeligen T-Shirts entgegen, tragen Jacken mit dem Aufdruck von Bandnamen, gelen sich die Haare hoch oder haben eine Matte wie J. Depp in seinem Piratenfilm. Wie lange das so gehen wird, bevor das Regime wieder reagieren wird, weiß ich nicht, aber die Jugendlichen lassen sich nichts mehr gefallen. Die Elterngeneration hat weitaus mehr Angst als die Kinder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Offenheit innerhalb einer streng geschlossenen Gesellschaft, wie die Regierung sie gerne hätte, spürt man deutlich, die Bereitschaft zum Gespräch, zur Kritik am Staat, auch zur Selbstkritik, daß man nun übertreibt, eben weil es verboten ist, um denen zu zeigen, daß es so nicht geht. Mag sein, daß noch immer überall Spitzel herum stehen und alles notieren, aber versteckt werden die eigenen Bedürfnisse kaum noch. Als ich auf dem großen, mit Menschen gefüllten Platz vor der Moschee im Bazar ankomme, mache ich sofort einige Fotos, weil die Atmosphäre mir gefällt. Frauen beobachten mich dabei, Männer lachen mir zu, jemand grüßt mich im Vorbeigehen auf Englisch. Erst zehn Minuten später sehe ich die Schilder, daß man hier nicht fotografieren darf. Sie sind nicht gerade groß und von weitem nicht zu lesen, aber wieso hat mich niemand darauf hingewiesen? Auch das scheint nicht mehr so wichtig zu sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;</description>
    		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/1.5012.html</link>
		</item>
		<item>
			<title>In Teheran</title>
    		<description>&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Freitagsmarkt treffe ich endlich auf das viel zitierte Völkergemisch in Teheran. Ich weiß nicht, wo sich die einzelnen Gruppen sonst aufhalten oder ob sie ihre Heimatkleidung ablegen, wenn sie durch die Straßen gehen, und man sie so nur noch schwer unterscheiden kann, aber hier auf dem Markt stechen die Unterschiede ins Auge. Ich sehe Verkäufer pakistanischer Herkunft, trinke Tee mit Afghanen, feilsche mit einem Turkmenen um eine Gebetskette. Hier bieten Araber ihre Ware an, Händler aus Belutschistan verkaufen Kleider, Armenier sitzen dort, Kurden, Inder. Der Markt befindet sich auf zwei Etagen eines Parkhauses, auf der dritten dürfen die Besucher ihre Wagen abstellen. Das bedeutet es herrscht ein reger Verkehr an den Ständen vorbei bis zur dritten Etage, und die Abgase reizen zwischendurch die Schleimhäute. Also tiefer ins Gewühl, weg von den Motoren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand erzählt, daß dieser Markt sich mittlerweile einer derartigen Beliebtheit erfreut, daß zumindest die Teppiche in den Geschäften 20% billiger sind als hier. Aber es gibt auch viel Gebrauchtes von alten Grammophonen bis zu Wanderstöcken mit integriertem Dolch. Viele Schah-Devotionalien liegen aus, Fotos von Soraya, Münzen. Mehrmals werde ich gefragt, wo ich herkomme und ich antworte: „Ich wohne in Deutschland, in Köln.“ Einer hat einen Schwager dort, ein anderer hat schon einmal den Dom gesehen oder kennt Oliver Kahn (?), nicht persönlich natürlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die merkwürdigste Reaktion kam von einem Mann, der aus getrockneten Granatäpfeln und Bambus alles Mögliche bastelte, er schrie vor Freude, schüttelte mir die Hand, bis mein Arm weh tat und begann dann aus voller Brust zu singen. Das Lied kannte ich nicht, klang wie Freddy Quinn auf dem Meeresgrund. Vielleicht war der Mann einfach nur verrückt, jedenfalls habe ich ab da auf die immer gleiche Frage geantwortet: „Ich bin in Luxemburg geboren.“ Diese Antwort zog selten mehr als ein Kopfnicken nach sich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Draußen regnet es. In den Gräben schießt das Wasser die Straße entlang, umspült die Bäume. Ich bin bei Hermann, einem Ingenieur aus Bayern eingeladen, eine deftige Mahlzeit einzunehmen. Hermann hat eine Frau aus Isfahan geheiratet und lebt seit 15 Monaten in Teheran. Wie die meisten Ausländer, die aus geschäftlichen oder arbeitstechnischen Gründen hier sind, haben er und seine Frau eine Wohnung, die sich sehen lassen kann. 200 Quadratmeter und mehr sind Standart. Es gibt Weißwürste, dazu Hefeweizen, während sie erzählen welche Hürden sie nehmen mußten, ehe sie in Iran heiraten konnten. 8 Monate hat die Prozedur aus Befragung, Papierkram, Übertreten zum Islam, usw. gedauert. In Deutschland ging das schneller, nur der eigenen, streng katholischen Mutter mußte Hermann seinen Übertritt etwas schmackhaft machen. Sein Arbeitskollege, der auch mit am Tisch sitzt, zittert noch etwas, weil sie gestern mächtig gefeiert haben. &lt;br /&gt;
„Du hoast Unterbier!“ sagt Hermann und öffnet noch eine Dose Erdinger. &lt;br /&gt;
Ich lobe die Weißwürste, die mir wirklich gut schmecken, und Hermann nickt, nimmt sich etwas süßen Senf, ehe er sagt: „Tja, in jedem steckt halt so a kleiner Bayer!“ Willkommen in Teheran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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			<title>Nach der Lesung</title>
    		<description>&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 21. März ist Norouz. Dann beginnt hier das neue Jahr und das wird während 13 Tagen gefeiert. Schulkinder haben Ferien, Ämter sind geschlossen und es gibt für die jeweils Jüngeren innerhalb der Familie Geschenke. Und genau deshalb sind im Moment bereits alle Geschäfte überlaufen. Die Autos parken in Zweierreihen entlang der Bordsteine, ganze Familien drängen in die Läden, weil die Söhne und Töchter neu eingekleidet werden müssen. Früher hat das Regime auch diese Feierlichkeiten versucht zu unterbinden, weil sie vorislamischen Ursprungs sind, aber das iranische Volk hat sich das Feiern nicht nehmen lassen. Ich schlendere durch die Vali-ye-Asr, die längste Straße Teherans, die von Norden bis tief in den Süden führt und wo sich ein Geschäft an das andere reiht, zwänge mich durch ein Gewühl an Menschen und beschließe gerade, mir neue Schuhe zu kaufen, als mich jemand auf englisch anspricht: „Brauchst du Hilfe?“&lt;br /&gt;
„Nee“, sage ich, „sehe ich so aus.“&lt;br /&gt;
„Fremde brauchen hier immer Hilfe“, antwortet er.&lt;br /&gt;
Ich frage, was er so macht? &lt;br /&gt;
Er ist Englischlehrer, sagt er und fragt, ob ich mit ihm ins Kino gehen möchte, er habe Freikarten und sein Freund tauche nicht auf.&lt;br /&gt;
„Iraner sind doch selten pünktlich“, sage ich.&lt;br /&gt;
Er lacht, antwortet: „O.K. du hast recht, ich gebe ihm noch eine Chance.“ Dann greift er zum Handy, wählt die Nummer von seinem Kumpel. Als er wieder aufgelegt hat, sagt er zu mir: „Du hast richtig gelegen, er ist unterwegs.“&lt;br /&gt;
„Also keine Kinokarte für mich?“ frage ich. Er lacht, bevor er antwortet: „Der Film ist auf Farsi. Da hast du eh nicht viel von, oder.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Häusern flackert das Licht wie in einem riesigen Kamin. Der letzte Schnee verwandelt sich in eine Unzahl von Rinnsalen, die den offenen Kanälen zu beiden Seiten der Straßen zufließen. Es ist bereits 17.00 Uhr und ich betrete das Sales Publishing Hause, wo ich zusammen mit Amir eine Lesung habe. Tatsächlich kommen gut 70 Zuhörer und das kleine Café, in dem die Veranstaltung stattfinden soll, platzt aus allen Nähten. Es herrscht eine geschäftige und zugleich freundliche Atmosphäre und ich bekomme meinen ersten Kaffee serviert, seit ich in Iran bin. Was auffällt: im Gegensatz zu Deutschland kommen hier viele Autoren zu den Lesungen ihrer Kollegen, sogar Dolatabadie, der bekannteste lebende iranische Schriftsteller ist anwesend, genau wie die Dichterin Firistih Sari, der Autor Hussein Sanapour und einige andere. Shiva Arastuie, ebenfalls Schriftstellerin, begrüßt mich wie einen alten Bekannten, bis sich heraus stellt, daß sie mich mit Albert Ostermeier verwechselt, der vor einigen Jahren auch in Teheran war. Als sie ihren Irrtum bemerkt, ruft sie: „Ah, ihr Deutschen, ihr seht alle gleich aus!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Erzählung „Beobachtungen“, die auf Farsi übersetzt wurde, wird von Mahmut Husseini Zad vorgetragen, und die Diskussion danach ist lebhaft, weil es in dem Text um einen Mann geht, der andere verfolgt, um zu sehen, wie diese reagieren. Man will wissen, was diese Geschichte um Verfolgung zu bedeuten hat? Ich sage: „Hängt davon ab in welchem Land man sie liest.“ Grinsen. Zustimmendes Kopfnicken. Eine Fotografin knipst wie wild, und ich erwische mich bei dem Gedanken, wem sie heute abend die Fotos wohl zeigen wird. Arbeitet sie wirklich für eine Zeitung? Die Fragen aus dem Publikum sind dann alle literarischer Art. Erst ganz am Ende meldet sich jemand aus der hintersten Reihe und fragt, wie frei denn Deutschland sei, ob man denn da den Holocaust leugnen dürfe? Das Publikum wird sofort sauer. „Auf die Scheiß-Frage haben wir gerade gewartet“, meint einer und jemand anderes, sagt: „Jetzt darfst du auch noch nach der Uran-Anreicherung fragen!“ Zumindest in diesen Intellektuellenkreisen ist der Tenor auf Achmadinedschads Verhalten und Reden eindeutig. &lt;br /&gt;
Später am Abend erzählt jemand die Anekdote, daß der Präsident in einer Rede gesagt habe, ein fünfzehnjähriges Mädchen habe ihm einen Brief geschrieben, sie habe in ihrem Zimmer eine Atombombe gebaut. Das sei ganz einfach, sie habe die Dinge auf dem Flohmarkt gekauft und einfach alles zusammen gebastelt. Der Präsident habe daraufhin das Mädchen eingeladen, und Spezialisten hätten die Aussage des Mädchens überprüft, es stimme alles. &lt;br /&gt;
„Ja“, sagt jemand anders, wenn Achmadinedschad das sagt, dann stimmt es mit Sicherheit!“ &lt;br /&gt;
Alle lachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
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			<title>Und die Folgen</title>
    		<description>&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Was tun denn Jugendliche so in Teheran“, frage ich ihn, nachdem er sich fürs Foto auf seinem Motorrad in Pose gesetzt und an seiner Kippe gezogen hat. Er ruft seinen Freund zu Hilfe, der besser Englisch spricht. „In die Disco gehen wir nicht“, sagt der und grinst. &lt;br /&gt;
„Wir fahren viel“, fügt der andere hinzu, zeigt auf sein Motorrad. Das Benzin kostet momentan 8 Cent den Liter, das können sie sich leisten. &lt;br /&gt;
„Es gibt Straßen“, ergänzt sein Freund, „da brettern wir rauf und runter und die Ladies tun das Gleiche. Es geht darum eine Telefonnummer zu bekommen oder so. Wir fahren nebeneinander her, quatschen und so.“&lt;br /&gt;
„Geht ihr nicht ins Kino?“ frage ich.&lt;br /&gt;
„In die iranischen Filme?“ fragt der aufm Motorrad und verzieht das Gesicht.&lt;br /&gt;
„Wieso“, antworte ich, „es gibt gute Filme aus Iran.“&lt;br /&gt;
„Manchmal spielen wir Billard“, sagt sein Freund, „das ist auch O.K.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oben im Laleh- Park, im Tulpenpark, nahe der Teheran- Universität treffe ich dann auf die Pärchen, die Händchen haltend auf den Bänken sitzen und sich einen Dreck um die Passanten scheren. Offensichtlich verirrt sich zu dieser Zeit kein Basiji, der für die öffentliche Ordnung zu sorgen hat, hierher. Dabei denke ich an einen Fall vom September 1993, der sich weiter nördlich an der Tajrish-Kreuzung abgespielt hat. Dort hatte eine junge Frau in einer öffentlichen Telephonzelle gestanden und telephoniert. Ein Basiji sprang aus dem Wagen, riß die Tür auf und rief: „Mit wem sprichst du? Du sprichst mit einem Mann!“ Die junge Frau drehte ihm den Rücken zu und sagte, daß ihn das nichts angehe. Er schrie, sie solle ihre Kopfbedeckung ordentlich anziehen, man sehe ihr ganzes Haar. Sie sagte: „Du kannst mich mal“. Daraufhin zog er seine Waffe, hielt sie ihr an die Schläfe und schrie, wenn sie nicht sofort ihr Kopftuch in Ordnung bringe, erschieße er sie. Sie blieb trotzig und sagte: „Du kannst gar nichts tun.“ Aber er konnte. Er schoß ihr in den Kopf. So beschrieben in der Iran Times vom 11. September 1993 und nachzulesen im Buch: „The Third Generation“ von Shahram Khosravi, Stockholm University 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Ausnahmefall? Man sagt mir ja. So etwas passiere in einem von Millionen Fällen. Die „Aufpasser“ werden zum Teil aus ländlichen Gegenden rekrutiert, wo der Glaube alles ist und die Gesetze rigide eingehalten werden. Mit festen Bildern im Kopf, was Gut und was Böse ist, kommen sie nach Teheran und werden auf den liberalen Sumpf, der sich auftut, losgelassen. Eine brutale Einschüchterungstaktik, aber in den letzten zwei Jahren, so sagt man mir, war bis auf den „Frühlingsputz“ nicht viel zu sehen von der Öffentlichkeitspolizei. Nur wenn die Regierung wieder etwas im Schilde führt, dann wird wieder auf den Putz gehauen, ein Ablenkungsmanöver, damit keiner so genau hinschaut, was die da oben so tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;</description>
    		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/1.4996.html</link>
		</item>
		<item>
			<title>Und andere Geschenke</title>
    		<description>&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit gestern Abend schneit es ununterbrochen. Ich rutsche mit Amir Cheheltan, einem persischen Schriftsteller, durch die Straßen. Zwei seiner Bücher dürfen nicht wieder aufgelegt werden, aber man hat seinen letzten Roman gerade für den Staatspreis nominiert, ein Preis, der hier für das beste Buch des Jahres vergeben wird. Amir hat gegen die Nominierung Einspruch erhoben, er wolle nicht nominiert werden von einer Regierung, die andere Bücher verbietet oder zensiert. Man hat ihn daraufhin wissen lassen, nicht er werde nominiert, sondern sein Buch, wer etwas veröffentliche, dem gehöre es nicht mehr. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schneeflocken beschlagen meine Brille, am Straßenrand haben einige Männer ein Feuer angezündet und wärmen sich. An den Gräbern unbekannter Märtyrer vorbei – man findet auch heute noch die Überreste von Gefallenen aus dem Irak-Iran-Krieg, die dann an heiliger Stätte wie hier vor der Mosalla-Moschee bestattet werden – steigen wir einige Treppen hoch zum Tajrish, einem kleinen Bazar, der als große Obsthalle beginnt, um sich dann in einen Schlauch aus Verkaufsnischen, in denen alles angeboten wird, zu verwandeln, Uhren und Schmuck neben Plastikspielzeug, Gewürze und Trockenfrüchte neben Jeanshosen und modischen Turnschuhen, Gebetsteppiche, Schrubber, Musik-CDs. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in allen Läden leuchten grelle, weiße Lampen, die einen kurzzeitig erblinden lassen, schaut man hinein. Aber blickt man von weitem in diesen Schlauch hinein, glänzt dem Besucher eine Atmosphäre aus 1001 Nacht entgegen, eine merkwürdige Mischung aus märchenhaftem Schillern und Business, so als habe sich Aladin mit Gel frisiert, verkaufe teure Spiegel und schlendere abends zu seinem Moped, das draußen eingeschneit am Straßenrand steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wo kommst du her?“ fragt mich ein Händler.&lt;br /&gt;
„Ich wohne in Deutschland“, sage ich.&lt;br /&gt;
Er zeigt über seine Auslage mit Sandalen und Lederschuhen, ruft: „Das schenke ich dir.“ Und nach einer Pause fügt er hinzu: „Und du schenkst mir dafür dein Ticket nach Deutschland.“ Dann lacht er laut und dreht mir den Rücken zu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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			<title>Und einen Tag weiter</title>
    		<description>&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Teheran ist voller Baustellen, wird von Autobahnbrücken zerschnitten und sieht auf den ersten Blick einigen anderen Riesenstädten ähnlich, in denen man nicht wohnen möchte. Aber der Spaziergang am Morgen war sehr vergnüglich. Plötzlich waren sie doch da, die kleineren Straßen und Gassen, die Geschäfte und Restaurants, die Fischverkäufer und Gemüsehändler. Und natürlich habe ich sofort damit begonnen zu fotografieren, Passanten, Metzger, Lastenträger, Jugendliche. Die Leute sind angenehm freundlich, versuchen sich mit mir zu unterhalten, aber das Gespräch scheitert oft daran, daß ich kein Farsi verstehe. Andere sprechen Englisch, wollen wissen, woher ich komme, wünschen mir alles Gute in ihrem Land und daß Gott mich beschütze. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich halte mich zur Zeit im Norden Teherans auf, also im reichen Teil der Stadt. Hier läßt nicht gerade viel an eine islamische Republik denken. Weder gibt es unzählige Moscheen, die ins Auge stechen würden, noch ist der Ruf der Muezzine zu hören. Einige Frauen tragen den Tschador, aber die meisten haben ihr modebewußtes Kopftuch leger über die Haare geworfen, sind stark geschminkt und tragen westliche Jacken und Mäntel. Wären da nicht die Schilder und Hinweise in Persisch, die Kreuzung an der ich stehe, könnte auch in Berlin sein. &lt;br /&gt;
Aber es gab bereits eine Meldung, wie sie jedesmal kommt, wenn der Frühling naht. Die oberen Wächter lassen verkünden, daß es bald wieder vorbei sei mit diesen teuflischen Reizen. Am 6. März werde wieder aufgeräumt und darauf geachtet, daß alle fortan ordentlich gekleidet seien und durch ihr Benehmen nicht der Prostitution Vorschub leisteten. &lt;br /&gt;
Im Institut für Archäologie, wo ich wohne, und das sich auf dem Gelände der Deutschen Botschaft befindet, sagt man mir, daß diese „Razzien“ jedes Jahr statt finden. Dann kommen ganze Busladungen Polizisten und Helferinnen und es kann für die Betroffenen sehr unangenehm werden. &lt;br /&gt;
Genauso droht man bei Frühlingsbeginn die illegalen Arbeiter aus Afghanistan hinaus zu werfen, schüchtert sie ein, aber Monate später schuften sie nach wie vor für einen Spottlohn in den Gräben und auf den Baustellen der Stadt. Das Regime scheint bei vielen Dingen zwischen hartem Durchgreifen und einem einschläfernden Laisser-faire zu pendeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispielsweise sind die großen Parabol- antennen fürs Dach verboten, weil man mit ihnen Fernseh- programme aus aller Welt empfangen kann, aber sie stehen auf allen Dächern. Werden sie in einem Viertel von den Häusern entfernt, kann man sich tags darauf eine neue besorgen und hat hoffentlich für den Rest des Jahres Ruhe. Es ist ein Spiel mit der Angst, das böse Folgen für die „Überführten“ haben kann und doch scheint das Regime sich im klaren darüber zu sein, daß, setzte es seine Verbote hundertprozentig durch, die Gefahr von Unruhen größer wäre, als das jetzt der Fall ist. Wohl auch ein Grund, warum kaum etwas gegen das Drogenproblem dieser Stadt unternommen wird. Junkies starten keine Revolution. Dafür surfen die Jugendlichen im Internet. DSL wurde zwar verboten, weil zu viele sich „unislamische“ Filme runter geladen haben, aber das macht im Endeffekt nichts, weil man sich nun die DVDs mit Hollywoodfilmen auf dem Bazar besorgt. Trotzdem, als ich auf die deutsche Amazon-Seite klickte, erschien ein Text, daß diese Seite gesperrt sei. Warum aber sollte jemand sich etwas in Deutschland bestellen, wenn er es hier auf dem Markt billiger kaufen kann?&lt;br /&gt;
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    		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/1.4980.html</link>
		</item>
		<item>
			<title>Dazu Fleischspieße</title>
    		<description>Es wackelt gewaltig zwei-, dreimal und der Mann rechts neben mir lacht sich brezelig. Ich weiß nicht, ob ihn das Ruckeln so amüsiert oder der iranische Film, der gezeigt wird. Jedenfalls ist er der Chef einer iranischen Fluggesellschaft, einer anderen Fluggesellschaft, als der, mit der wir gerade fliegen, erklärt mir mein Sitznachbar zur Linken. Seine Frau sei bereits einmal mit einer dieser Maschinen geflogen und da sei das Fahrwerk beim Landen nicht ausgefahren. Also habe der Kapitän kurzerhand ohne die Passagiere zu informieren einige Flugmanöver vollzogen, die man durchaus als unkonventionell für einen Passagierflieger bezeichnen könnte, die das Fahrwerk aber beim dritten Mal gelöst hätten und man sei sicher gelandet. Er reicht mir seine Visitenkarte und stellt sich vor: Shahram M., Distributor Middle East für Inline-Skaters. Sein Zopf schaukelt ihm ruhig im Nacken, während er erzählt, daß seine Firma eigentlich eine Präsentation haben sollte in Teheran, aber die Behörden würden das Ganze dauernd verschieben. Die iranischen Jugendlichen hingegen hätte Interesse am Inline-Skating, und wo so viel verboten würde, müsse man den Drang der Jugend nach Abwechslung unterstützen. Ihn haben seine Eltern bereits mit 12 nach Deutschland auf ein Internat geschickt, damit er raus aus Teheran komme. Heute lebt seine ganze Familie in Deutschland. Der Chef der Fluggesellschaft zu meiner Rechten lacht noch immer.&lt;br /&gt;
Dann unterhalten wir uns über persisches Essen, das die Stewardeß uns gerade im Flugzeug angeboten hat: Reis mit Rindfleisch, Linsen und anderen Gemüsesorten. Eine getrocknete mitgekochte Limone zieht mir den letzten Saft aus meinem Wangenfleisch. Shahram M. fragt, ob es schmeckt und erzählt vom persischen Nationalgericht: Tschelo-Kebab, Hackfleischspieße, die mit Reis serviert werden. Ich frage, ob die Spieße  mit bestimmten Gewürzen zubereitet werden, und er schaut mich stirnrunzelnd an, ehe er antwortet: „Ich esse sie, ich mache sie nicht.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;&lt;br /&gt;
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    		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/1.4973.html</link>
		</item>
		<item>
			<title>Hinter mir der Karneval</title>
    		<description>Die Strohpuppe hat gebrannt, der Winter ist vertrieben und Karneval vorbei. Im Magazin der NZZ lese ich, daß in Iran auf Trunkenheit 80 Peitschenhiebe stehen. Da hätten wohl nur wenige Kölner die fünfte Jahreszeit überlebt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br&gt;</description>
    		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/1.4941.html</link>
		</item>
		<item>
			<title>Das Projekt</title>
    		<description>14 Tage hält sich der in Köln lebende Autor Guy Helminger im Rahmen des Literaturprojektes &quot;westöstlicherdiwan&quot; in der iranischen Hauptstadt auf. Nachdem er bereits im Vorjahr für das Goethe-Institut als Stadtschreiber in Hyderabad war, gilt es jetzt, Teheran mit den Augen eines Europäers zu entdecken. Im Zentrum des interkulturellen Programms steht der Austausch mit einem iranischen Schriftsteller-Kollegen, Amir Cheheltan. Dieser wird im Gegenzug im Mai nach Deutschland kommen. </description>
    		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/1.4979.html</link>
		</item>
		<item>
			<title>Guy Helminger</title>
    		<description>Der 1963 in Luxemburg geborene Schriftsteller Guy Helminger lebt seit 1985 in Köln. Ausgedehnte Reisen führen ihn immer wieder auch in entlegene Regionen, beispielsweise in Afrika oder Asien. Gearbeitet hat er in vielen unterschiedlichen Berufen. Seit einiger Zeit widmet er sich ausschließlich dem Schreiben. Lyrik und Prosa stehen im Zentrum seiner Arbeit - Hörspiele, szenische Lesungen und andere Projekte ergänzen das Werk Helmingers.</description>
    		<link>http://blogs.dw-world.de/salam-teheran/1.4978.html</link>
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