
| 11.03.2007 |
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![]() Der Samstag heute war ein religiöser Feiertag, es ist der 40. Tag nach dem Tode Husains, dem Sohn von Ali. Die Geschäfte sind fast alle geschlossen, nur Grundnahrungsmittel kann man kaufen. Im Tajrish-Bazar, der an normalen Tagen überfüllt ist, spazieren nur einige wenige an den herunter gelassenen Rolladen vorbei. Durch die leeren Gänge dringt lautstark ein Klagegesang, ein Weinen aus Boxen, das einen Trauerteppich auf die Erde knüpft. In einer Seitenstraße drängt sich ein Pulk Menschen um eine Garküche, hier wird gratis Suppe verteilt. ![]() Seit ich hier bin, ist mir aufgefallen, daß Teheran voller Bilder ist. Fährt man über eine der Autobahnen, begegnet man auf Schritt und Tritt Werbung, meistens für Artikel aus dem Westen. Überdimensionierte Mobiltelefone stehen auf Gerüsten, eine dampfende Kaffeetasse wirbt für Jacobs Krönung. Daneben schüren Plakate Wünsche, die man noch nie hatte. Neben diesen herkömmlichen Reklameschildern, wird für den Islam geworben, für den Märtyrerkult. ![]() Sprüche gegen den Feind stehen auf Mauern, die Freiheitsstatue mit Totenkopf, sehe ich, Israel wird verflucht. Unzählige Hausfassaden zeigen die Gesichter gefallener Revolutionäre. Geradezu kitschige Bilder voll von Rosen und Schmetterlingen dienen der Verherrlichung der Kriegstaten, weinende Mütter, Waffen, die Erinnerung an die Revolution, an den Krieg, an die jüngste Vergangenheit wird lebendig gehalten. Dann wieder tauchen Bilder von Ali auf, dem Schwiegersohn von Mohammad. Alles zusammen ergibt eine merkwürdige Mischung aus politischer Propaganda, Religion und schlichter Werbung. Je südlicher man sich in der Stadt bewegt, desto mehr nehmen diese Bilder zu. Hier im Norden wirbt die Stadt eher mit Villen und mit teuren Mieten. ![]() Abends treffen Amir und ich die Schweizer Autorin Ruth Schweikert mit ihrem zwei Monate alten Baby und Martin Zingg, Herausgeber einer Literaturzeitschrift im Hotel. Ruth wird im April Gast im Literarischen Salon bei Navid Kermani und mir im Kölner Schauspielhaus sein und nun ist sie zufälligerweise auch in Teheran, um über die Gegenwartsliteratur ihres Landes zu berichten. Sie und Martin werden genau wie wir nach Isfahan fliegen, allerdings erst morgen. Amir und ich, wir fahren noch diese Nacht mit dem Zug. ![]() |
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