
| 09.03.2007 |
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![]() Vor Khomeinis Grabstätte Ich war auf dem Friedhof „Paradies der Sahra“, benannt nach der Gattin von Imam Ali. Das Gelände ist so groß, daß man mit dem Wagen hinein fährt, um zu der Stelle zu kommen, zu der man hin will. Es gibt dort eine Sektion für Künstler, wo Musiker, Regisseure, Schauspieler, Schriftsteller usw. nebeneinander beerdigt liegen. Wer das nötige Kleingeld hat, kann sich hier zwischen seinen Kollegen begraben lassen. Auffallend, weil anders, war für mich, daß die Besucher über die Gräber gehen, niemand macht sich die Mühe drum herum zu laufen. Unweit von diesen Künstlerreihen entfernt ist das Haus, wo die Toten gewaschen werden und die Überdachung, wo das Abschiedsritual vollzogen wird. Es gibt in Iran keine Bestattungsunternehmer, wie wir sie in Europa kennen. Die Familie selbst bringt den Leichnam in ein Tuch gehüllt zum Friedhof. In einem Büro werden die Formalitäten erledigt, und die Familie bekommt ein bereits ausgehobenes Grab zugewiesen. Nächste Station ist dann der „Waschraum“, der aus vier Teilen besteht. Einem Vorraum, daran anschließend ein breiter Mittelgang, mit rechts und links Fenster. Hinter diesen Fenstern liegen die beiden eigentlichen Waschkammern. Es gibt ein solches Gebäude für Männer und eins für Frauen. ![]() Man kann den Leichenwäscher bei ihrer Arbeit zusehen, und das tun viele. Drei Männer in Gummistiefel und Schürze, mit Gummihandschuhen an den Händen, nehmen den leblosen Körper in Empfang und schneiden ihn aus dem Laken. Anschließend hieven sie ihn nackt in eine Badewanne, bedecken sein Geschlecht mit einem Lappen und spritzen ihn mit einem Wasserschlauch ab. Die angehörigen Männer stehen zusammen mit den Zuschauern an den Glasscheiben und wohnen der Prozedur bei. Der Leichnam wird eingeseift, gewaschen und schließlich erneut abgespritzt. Die Männer sind taktvoll, aber nicht zimperlich. Man kann sehen, daß täglich Dutzende Tote durch ihre Hände wandern. Dann kommt eine Art Wolle auf das Gesicht des Verstorbenen, und die Wäscher legen ihn wieder auf einen der steinernen Tische, wickeln Plastikfolie um den Körper, darüber erneut ein Laken und binden alles zusammen. Über eine Art Durchreiche bekommt die Familie den Leichnam in den Vorraum zurück. ![]() Der junge Mann, den ich sah, war 27 und an Herzversagen gestorben. Während er gewaschen wurde, beweinte ihn sein Bruder neben mir, schlug seine Stirn immer wieder gegen die Scheibe. Draußen unter der Überdachung versammelte sich die Familie. Der Tote im Laken lag auf einer Pritsche vor ihnen, Koranverse wurden rezitiert. Schließlich hievten vier Männer den Toten dreimal hoch, während sie klagten, schulterten den leblosen Körper anschließend, und die Familie zog hinter der Pritsche her zum Grab. Das ging alles recht schnell. Dem ganzen Ritual von der Ankunft bis zur letzten Ruhestätte wohnte Hektik inne. Im Falle des jungen Mannes dauerte es kaum eine halbe Stunde. ![]() Ebenfalls auf diesem Friedhof ist der Friedhof der Märtyrer. Auch sie haben eine einfache flache Marmorplatte wie die andern, aber hinter dieser Platte erhebt sich immer eine Art Vitrine, in der Fotos des Getöteten oder andere Dinge zu sehen sind. War der Verstorbene noch nicht verheiratet, befindet sich in dieser Vitrine ein Spiegel und zwei Kerzenständer, Utensilien die bei der Heiratszeremonie verwendet werden. Es liegen Hunderttausende aus dem Krieg gegen den Irak hier und Gefallene der Revolution. Und fast alle sind sie jung, sehr jung. Frauen verteilen Kuchen an die Vorbeigehenden, Nahrung für den Geist ihrer Verstorbenen. ![]() |
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