| |

Es regnet in Strömen. Die große Tanne hinter der mit Stacheldraht überzogenen Mauer läßt die Äste hängen, als hielte sie sich für eine Trauerweide. Ich lese einen Comic, den eine iranische Autorin gezeichnet und geschrieben hat. Er heißt „Persepolis“ und die Schriftstellerin Marjane Satrapi beschreibt darin aus der Perspektive eines elfjährigen Mädchens, die Entwicklung Irans von 1978, also dem Ende der Schah-Zeit bis in den Irak-Iran-Krieg hinein, ein bitteres Buch, das das Leiden der Bevölkerung anhand einer Familie vor Augen führt. Auf Deutsch erschienen bei Edition Moderne.

Eine Stunde später ist der Himmel noch immer grau und porös, als spiegelten sich die nassen Fassaden der Häuser darin. Trotzdem höre ich bereits wieder die ersten explodierenden Kracher. In den letzten Tagen flogen immer wieder Feuerwerkskörper durch die Luft. Norouz, das neue Jahr naht und einige können es nicht erwarten. Auf den Straßen, an den Kreuzungen und Ampeln verkaufen junge Afghanen und Iraner Böller, verdienen sich ihren Lebensunterhalt. Zum Teil sind es Kinder. Zur Schule gehen sie nicht. Unter der Schahregierung bestand die Hälfte der Bevölkerung aus Analphabeten. Das Khomeini-Regime brachte vielen von ihnen das Lesen und Schreiben bei, damit sie den Koran lesen und so treue Anhänger der Revolution würden. Die Rechnung ging nicht ganz auf, aber das Analphabetentum wurde um die Hälfte reduziert. In Iran herrscht Schulpflicht, aber niemand kontrolliert, ob sie eingehalten wird, da gibt es wohl Wichtigeres zu kontrollieren.

Zum Beispiel das Internet. Ich habe versucht heraus zu bekommen, wohin man surfen darf und was verboten ist. Trifft man auf eine unerlaubte Seite, kommt sofort ein grauer Hintergrund, auf dem steht: The requested page is forbidden. Erst auf Englisch, unten drunter auf Farsi. Wie bereits vor einigen Tagen erwähnt, ist „amazon.de“ Tabu, „amazon.com“ funktioniert aber. Auf die Seite vom SPIEGEL darf man, die vom STERN ist gesperrt, BRIGITTE ist erlaubt, EMMA nicht. Gibt man das Wort „Porno“ bei Google ein, kommt nicht einmal eine Liste, sondern sofort der oben erwähnte Text. Dagegen darf man auf alles was mit Musik zu tun hat. Ich habe querbeet die offiziellen Homepages der Musikszene angeklickt, von Kylie Minogue über Madonna, Metallica, Oasis bis zu Nick Cave und Johnny Cash, kein Problem. Eine Ausnahme gab es: Tom Waits. Warum weiß ich nicht, vielleicht hat er drum gebeten. Auch zu allen Museen hat man von hier aus einen virtuellen Zugang, schwieriger wird es, wenn es sich um Fotografie handelt. Hollywoodstars sind kein Problem, auch nichts, was mit den Staaten zu tun hat. „Youtube“ hingegen ist gesperrt. Soweit meine kleine Feldforschung.

|
|