
| 01.03.2007 |
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![]() „Was tun denn Jugendliche so in Teheran“, frage ich ihn, nachdem er sich fürs Foto auf seinem Motorrad in Pose gesetzt und an seiner Kippe gezogen hat. Er ruft seinen Freund zu Hilfe, der besser Englisch spricht. „In die Disco gehen wir nicht“, sagt der und grinst. „Wir fahren viel“, fügt der andere hinzu, zeigt auf sein Motorrad. Das Benzin kostet momentan 8 Cent den Liter, das können sie sich leisten. „Es gibt Straßen“, ergänzt sein Freund, „da brettern wir rauf und runter und die Ladies tun das Gleiche. Es geht darum eine Telefonnummer zu bekommen oder so. Wir fahren nebeneinander her, quatschen und so.“ „Geht ihr nicht ins Kino?“ frage ich. „In die iranischen Filme?“ fragt der aufm Motorrad und verzieht das Gesicht. „Wieso“, antworte ich, „es gibt gute Filme aus Iran.“ „Manchmal spielen wir Billard“, sagt sein Freund, „das ist auch O.K.“ ![]() Oben im Laleh- Park, im Tulpenpark, nahe der Teheran- Universität treffe ich dann auf die Pärchen, die Händchen haltend auf den Bänken sitzen und sich einen Dreck um die Passanten scheren. Offensichtlich verirrt sich zu dieser Zeit kein Basiji, der für die öffentliche Ordnung zu sorgen hat, hierher. Dabei denke ich an einen Fall vom September 1993, der sich weiter nördlich an der Tajrish-Kreuzung abgespielt hat. Dort hatte eine junge Frau in einer öffentlichen Telephonzelle gestanden und telephoniert. Ein Basiji sprang aus dem Wagen, riß die Tür auf und rief: „Mit wem sprichst du? Du sprichst mit einem Mann!“ Die junge Frau drehte ihm den Rücken zu und sagte, daß ihn das nichts angehe. Er schrie, sie solle ihre Kopfbedeckung ordentlich anziehen, man sehe ihr ganzes Haar. Sie sagte: „Du kannst mich mal“. Daraufhin zog er seine Waffe, hielt sie ihr an die Schläfe und schrie, wenn sie nicht sofort ihr Kopftuch in Ordnung bringe, erschieße er sie. Sie blieb trotzig und sagte: „Du kannst gar nichts tun.“ Aber er konnte. Er schoß ihr in den Kopf. So beschrieben in der Iran Times vom 11. September 1993 und nachzulesen im Buch: „The Third Generation“ von Shahram Khosravi, Stockholm University 2003. ![]() Ein Ausnahmefall? Man sagt mir ja. So etwas passiere in einem von Millionen Fällen. Die „Aufpasser“ werden zum Teil aus ländlichen Gegenden rekrutiert, wo der Glaube alles ist und die Gesetze rigide eingehalten werden. Mit festen Bildern im Kopf, was Gut und was Böse ist, kommen sie nach Teheran und werden auf den liberalen Sumpf, der sich auftut, losgelassen. Eine brutale Einschüchterungstaktik, aber in den letzten zwei Jahren, so sagt man mir, war bis auf den „Frühlingsputz“ nicht viel zu sehen von der Öffentlichkeitspolizei. Nur wenn die Regierung wieder etwas im Schilde führt, dann wird wieder auf den Putz gehauen, ein Ablenkungsmanöver, damit keiner so genau hinschaut, was die da oben so tun. ![]() |
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