
| 27.02.2007 |
|
||||||||
![]() Teheran ist voller Baustellen, wird von Autobahnbrücken zerschnitten und sieht auf den ersten Blick einigen anderen Riesenstädten ähnlich, in denen man nicht wohnen möchte. Aber der Spaziergang am Morgen war sehr vergnüglich. Plötzlich waren sie doch da, die kleineren Straßen und Gassen, die Geschäfte und Restaurants, die Fischverkäufer und Gemüsehändler. Und natürlich habe ich sofort damit begonnen zu fotografieren, Passanten, Metzger, Lastenträger, Jugendliche. Die Leute sind angenehm freundlich, versuchen sich mit mir zu unterhalten, aber das Gespräch scheitert oft daran, daß ich kein Farsi verstehe. Andere sprechen Englisch, wollen wissen, woher ich komme, wünschen mir alles Gute in ihrem Land und daß Gott mich beschütze. ![]() Ich halte mich zur Zeit im Norden Teherans auf, also im reichen Teil der Stadt. Hier läßt nicht gerade viel an eine islamische Republik denken. Weder gibt es unzählige Moscheen, die ins Auge stechen würden, noch ist der Ruf der Muezzine zu hören. Einige Frauen tragen den Tschador, aber die meisten haben ihr modebewußtes Kopftuch leger über die Haare geworfen, sind stark geschminkt und tragen westliche Jacken und Mäntel. Wären da nicht die Schilder und Hinweise in Persisch, die Kreuzung an der ich stehe, könnte auch in Berlin sein. Aber es gab bereits eine Meldung, wie sie jedesmal kommt, wenn der Frühling naht. Die oberen Wächter lassen verkünden, daß es bald wieder vorbei sei mit diesen teuflischen Reizen. Am 6. März werde wieder aufgeräumt und darauf geachtet, daß alle fortan ordentlich gekleidet seien und durch ihr Benehmen nicht der Prostitution Vorschub leisteten. Im Institut für Archäologie, wo ich wohne, und das sich auf dem Gelände der Deutschen Botschaft befindet, sagt man mir, daß diese „Razzien“ jedes Jahr statt finden. Dann kommen ganze Busladungen Polizisten und Helferinnen und es kann für die Betroffenen sehr unangenehm werden. Genauso droht man bei Frühlingsbeginn die illegalen Arbeiter aus Afghanistan hinaus zu werfen, schüchtert sie ein, aber Monate später schuften sie nach wie vor für einen Spottlohn in den Gräben und auf den Baustellen der Stadt. Das Regime scheint bei vielen Dingen zwischen hartem Durchgreifen und einem einschläfernden Laisser-faire zu pendeln. ![]() Beispielsweise sind die großen Parabol- antennen fürs Dach verboten, weil man mit ihnen Fernseh- programme aus aller Welt empfangen kann, aber sie stehen auf allen Dächern. Werden sie in einem Viertel von den Häusern entfernt, kann man sich tags darauf eine neue besorgen und hat hoffentlich für den Rest des Jahres Ruhe. Es ist ein Spiel mit der Angst, das böse Folgen für die „Überführten“ haben kann und doch scheint das Regime sich im klaren darüber zu sein, daß, setzte es seine Verbote hundertprozentig durch, die Gefahr von Unruhen größer wäre, als das jetzt der Fall ist. Wohl auch ein Grund, warum kaum etwas gegen das Drogenproblem dieser Stadt unternommen wird. Junkies starten keine Revolution. Dafür surfen die Jugendlichen im Internet. DSL wurde zwar verboten, weil zu viele sich „unislamische“ Filme runter geladen haben, aber das macht im Endeffekt nichts, weil man sich nun die DVDs mit Hollywoodfilmen auf dem Bazar besorgt. Trotzdem, als ich auf die deutsche Amazon-Seite klickte, erschien ein Text, daß diese Seite gesperrt sei. Warum aber sollte jemand sich etwas in Deutschland bestellen, wenn er es hier auf dem Markt billiger kaufen kann? |
||||||||
|
||||||||



