14.02.2007  
     
 
Antarktische Kulturen für die Marsforschung
 
  “Aus wissenschaftlicher Sicht, muss ich davon ausgehen, dass es auf dem Mars leben gab oder so-gar gibt” erzählt uns der Mikrobiologe Dirk Wagner, Forscher des Alfred–Wegener-Institutes, For-schungsstelle Potsdam. Oft sei er wegen dieser Aussage schon als “SCIFICTION - Freak” bezeich-net worden.
Doch dem ist nicht so. Zu lange hat sich der Forscher dafür mit dem Thema auseinandergesetzt. Zuerst analysierten er und sein 7-köpfiges Team die Bedingungen des Mars. Die Tatsache, dass es Wasser auf dem Mars gibt, ist eine der fundamentalen Grundlagen für Leben. Eine andere ist das Vorkommen von Kohlendioxid und Wasserstoff, die für einige Lebensformen die Nahrungsgrund-lage bilden können wie für den Menschen das Brot. Die Grundlagen wären also optimal, wenn da nicht die hohen Temperaturschwankungen wären: Aufgrund des Fehlens einer schützenden Atmo-sphäre auf dem Mars schwanken die Temperaturen täglich zwischen -70° und +20°. Die Lebewesen dieses Planeten müssten also extrem resistent und anpassungsfähig sein.
Da Mars und Erde vor etwa 4,6 Milliarden Jahren entstanden sind und ungefähr die gleiche Entfer-nung zur Sonne haben, hatten sie einst die gleichen Ausgangsbedingungen für Leben. Das erste Le-ben, dass auf der Erde entstanden ist, waren Mikroorganismen: Bakterien und Archaeen.
Dirk Wagner versuchte mit einer speziell dafür entwickelten Apparatur die Bedingungen auf dem roten Planeten zu simulieren. Verschiedene irdische Kleinstlebewesen sollten nun in diese künstli-che Marswelt eingesetzt werden. Hierfür hat er besonders resistente Stämme (z.B. Methanosarcina SMA-21) aus dem Permafrost der sibirischen Tundra ausgewählt. Diese Organismen sind an Kälte, Dunkelheit und fehlenden Sauerstoff gewöhnt und somit optimal für die Untersuchungen der Le-bensbedingungen auf dem Mars.
Das Experiment brachte erstaunliche Ergebnisse: Die Permafrost-Mikroorganismen behaupteten sich unter den Extrembedingungen und entwickelten sich normal weiter. Dies war der Nachweis, dass selbst unter diesen schwierigen Bedingungen Leben möglich sein könnte.
In der antarktischen Prydzbucht sucht Dirk Wagner nun nach weiteren Mikroorganismen, die im Permafrost der Antarktis leben. Suchen wird er auf den Larsemannbergen und den Rauer-Inseln.
Die Existenz von Leben auf dem Mars ist gar nicht so unwahrscheinlich. Immer wieder zeigt sich, wie anpassungsfähig Lebewesen sein können. Beispielsweise haben sich in einem rumänischen Höhlensystem völlig autarke Lebensformen entwickelt. Diese Miniaturwelt war nachweislich über mehrere millionen Jahre von der Außenwelt abgeschnitten. In dieser Zeit haben sich völlig eigene Lebensformen entwickelt, die denen der “normalen” Erde erstaunlich ähnlich sehen. Sie sind durch-sichtig und haben meist keine Augen wodurch sie ihrer dunklen Umwelt einfach perfekt angepasst sind.
Auch in der Antarktis gibt es einen ähnlichen Lebensraum: Der Lake Vostok. Unter der russischen Station Vostok am Kältepol der Erde liegt unter der dicken antarktischen Eisschicht ein See. Dieser gefriert aufgrund des hohen Drucks nicht. Wissenschaftler vermuten, dass sich in dieser isolierten Welt eigenes Leben entwickelt hat und Aufschluss über die Entstehung des Lebens auf der Erde geben kann. Die russischen Forscher haben die 3,5 km dicke Eisschicht fast durchbohrt, um an den See zu kommen. Man hat den See aber noch nicht angebohrt, um keine Fremdkörper von Außen in dieses isolierte System einzuschleusen. Zusammen mit amerikanischen Forschern entwickelt man nun ein Konzept, wie man dieses einzigartige Überbleibsel aus alter Zeit wissenschaftlich nutzbar machen kann, ohne es dabei zu zerstören.
Etwa 1000 Kilometer entfernt von der russischen Station Vostok sucht Dirk Wagner in den nächs-ten Wochen im Permafrost nach weiteren Mikroorganismen, um seine Experimente weiter voran zu bringen. Nur durch weitere Forschung kann er zum Verständnis der Entstehung des Lebens auf der Erde und möglicherweise auch auf anderen Planeten beitragen.



Marssimulationskammer



Spinnentier in der rumänischen Movile Höhle



Lake Vostok am Kältepol in der Antarktis



 
 
 
Lars Focke 14.02.2007, 08:52 # 1 Kommentar
 
 
     
1 Kommentar

  Der Bericht über den Unterseeischen See bei der
russischer Station war sehr interessant. Für die Wissenschaft ist dieses Gebiet sicherlich interessant. Der Kältepol Lake Vostok ist bis jetzt noch nicht in den NMachschlagewerkem ersichtlich. Mit den Unterrsuchungen soll das Leben auf dem Mars entwickelt werden. Es werden
noch mehr Mikroorganen zu dem Perafrost entgegen zu wirken,
Herbert Jörger,Bühl
 
  Herbert Jörger | Homepage | E-Mail | 30.03.2007, 21:27  
 
 
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