28.02.2007  
     
 
Südpolarmeer, -8°C
Arbeit an Deck
 
 

Kreuzen in und vor der Brydz Bucht

Der Sturm hat sich über Nacht gelegt und wir konnten auf unserer Kammer trotz anfänglichen Schaukelns relativ gut schlafen. Auf der Seite der Forschung gab es allerdings doch einige Wissenschaftler, die diese Nacht gar nicht gut vertragen haben und mittlerweile heilfroh über den Wetterwechsel sind. Da wir wieder in vereiste Gewässer gekommen sind, startete die Crew am Vormittag einen Aufklärungsflug per Helikopter, um nähere Informationen für die Eissituation in unserem Gebiet zu erhalten. Die Forscher um Dr. Bernhard Dieckmann hatten heute im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun. Die so genannte Kernschlachtung stand an und die ersten Sedimentproben, die mit Hilfe des Schwerelotes an Bord gebracht wurden, sollten gesichtet werden. Nun werden die Forscher einige Zeit damit zu tun haben, die einzelnen Schichten des Meeresbodens aus den Rohren zu befreien, näher zu untersuchen und zu konservieren. Das nächste Aufstoppen wird in der heutigen Nacht ungefähr um drei Uhr geschehen. Ein weiterer Ozeanbodenseismograph soll auf den Meeresgrund gelassen werden, um das Gebiet der Messungen erweitern zu können. In Kürze werden wir mit dem russischen Forschungsschiff Akademik Alexander Karpinsky zusammentreffen, um die Zusammenarbeit an den seismischen Messungen zu beginnen. Dazu werden die weiteren Ozeanbodenseismographen an bestimmten Koordinaten ausgesetzt, um die reflektierten Echos aus der Erdkruste zu registrieren, die von den Schallwellen des Luftpulsers ausgelöst werden. So erhalten die Forscher Daten über den Aufbau dieses noch unerforschten Gebietes. Die Seismographen sind jedoch nicht dazu verdammt, auf immer und ewig im Südpolarmeer zu bleiben. Wenn die Messungen in einigen Tagen abgeschlossen sind, werden sie durch ein Signal von ihren Gewichten gelöst und können nach dem Auftauchen nacheinander eingesammelt werden.



Neugierige Kaiserpinguine

Lars Focke, Student der Fachhochschule Kiel, 28.02.07
 
 
 
Lars Focke 28.02.2007, 13:53 # 1 Kommentar
 
 
     
  27.02.2007  
     
 
Südpolarmeer, -8°C
Erneuter Sturm
 
  Der Plan von Kapitän Schwarze, uns vor den vollen Auswirkungen des Sturms zwischen die Rauer Inseln und Larsemann Hügeln in Sicherheit zu begeben, ging besonders in der Nacht sehr gut auf. Obwohl es doch hin und wieder etwas geschaukelt hat, konnten alle an Bord relativ gut schlafen. Doch der Wind wurde auch in dieser Region stärker. Wissenschaftliche Stationen waren am Tag unmöglich, denn die Polarstern musste sich durch die größten Wellen kämpfen, die wir auf dieser Expedition bisher erlebten. Ein Aufhalten auf den Aussendecks war bei diesen Wetterverhältnissen von bis zu elf Windstärken einfach zu riskant und daher verboten. Der beste Ort war, wie immer an einem solchen Tag, die Brücke, auf der man den beeindruckenden Seegang und das Brechen der Wellen am Bug am besten beobachten konnte. Die Wettervorhersage des heutigen Tages lässt auf deutlich weniger Wind hoffen, sodass morgen problemlos für weitere Stationen aufgestoppt werden kann. Am Abend bekamen wir von Conrad Kopsch die Einladung, an der Präsentation und Filmvorstellung über seine Forschungsarbeit am El´gygytgyn See in Nordsibieren in der Nähe der russischen Stadt Pevek. An dem vor ca. 2.8 Millionen von Jahren durch einen Meteoriteneinschal entstandenen See, führte das 15 köpfige Forscherteam seismische Untersuchungen durch und gewann Sedimentproben vom Seeboden und Land.





FS Polarstern im Kampf gegen Wind und Wellen





Sturm in der Antarktis – Tafeleisberge als Wellenbrecher

Lars Focke, Student der Fachhoschule Kiel, 27.2.07
 
 
 
Lars Focke 27.02.2007, 11:22 # 8 Kommentare
 
 
     
  26.02.2007  
     
 
Südpolarmeer, -11°C
Sturmwarnung
 
 

Aktuelle Position

Die Vorhersage verspricht für den nächsten Tag leider kein gutes Wetter. Ein Sturm ist wieder im Anmarsch. Von teilweise mehr als neun Windstärken war die Rede und um nicht vollkommen in Mitleidenschaft gezogen zu werden, liefen wir am Abend vorsichtshalber eine stillere Region zwischen den Rauer Inseln und Larsemann Hügel an. Nichtsdestotrotz standen heute drei weitere wissenschaftliche Stationen auf dem Programm. Zum einen sollte die CTD wieder zum Einsatz kommen, ein Gestell mit 24 Kunststoffflaschen, in denen auf Knopfdruck Wasserproben aus verschiedenen Tiefen gewonnen werden. Gleichzeitig analysiert eine Sonde ein Profil über Leitfähigkeit, Temperatur und Dichte des Meerwassers. Zum anderen wollten die Geologen erneut das Schwerelot und den Multicorer benutzen. Bei dem Multicorer handelt es sich um eine Konstruktion von kleinen ringförmig angeordneten Plasterohren zur ungestörten Sedimententnahme der obersten Schichten. Um geeignete Stellen am Meeresboden zu finden, benutzen die Forscher ein spezielles Sediment-Echolot, das die Schichten am Meeresbodens sichtbar macht. Die zu kernenden Positionen werden aus der grafischen Darstellung bestimmt Positionen mit einer gleichmäßigen und möglichst mächtigen Verteilung der Schichten werden bei der Bestimmung bevorzugt. Obwohl der Wind in den Abendstunden an Stärke zugenommen hatte, merkten wir glücklicherweise noch nicht viel von den Auswirkungen und hofften auf eine ruhige Nacht.



Grafische Darstellung des Meeresbodens im Parasound-Echolot

Lars Focke, Student der Fachhoschule Kiel, 26.2.07

 
 
 
Lars Focke 26.02.2007, 11:13 # 0 Kommentare
 
 
     
  25.02.2007  
     
 
Prydz Bucht, -9°C
Bei den Rauer Inseln
 
 

Die Rauer Inseln in der Prydz Bucht

Angefangen hat unser Arbeitstag mit einem Besuch beim Wiegeclub, eine langjährige Tradition auf der Polarstern, bei der die Teilnehmer jeden Sonntag ihre Gewichtsveränderung schätzen. Der Sinn dabei ist, dass bei einer Abweichung von über 500g 50 Cent für die deutsche Kinderkrebshilfe gespendet werden müssen. Wir filmten die interessante Prozedur auf dem Maschinendeck, bei dem sich alle Teilnehmer nacheinander bei Schriftführer “Pelle“ melden, um sich dann das Resultat mitteilen zu lassen. Eigentlich hatten wir uns bis heute erfolgreich gedrückt, aber spontan beschlossen Jonas und ich, auch teilzunehmen. Eine kleine Spende für die Kinderkrebshilfe wollen wir gern verkraften und schließlich dient es auch unserer Motivation. Mein Anfangsgewicht liegt nun bei 85kg. Wir tippten beide auf eine Abnahme von 500 Gramm. Obwohl ich natürlich gerne spende, ließ ich voller Ehrgeiz vorsichtshalber das Mittagessen ausfallen.



Auf der Waage im Wiegeclub

Über Nacht stoppten wir für weitere geologische Stationen auf. Unter anderem kam wieder das Schwerelot zum Einsatz, mit dem neue Sedimentproben vom Meeresgrund zur Klimarekonstruktion gewonnen werden konnten. Dabei handelt es sich um ein Rohr von bis zu 20 Metern Länge, das am Meeresgrund unter hohem Gewicht mit über 1,5 Tonnen Blei in den Boden gedrückt wird. Ein so genannter Kernfänger am Rohrende erlaubt zwar das Eindringen des Sedimentes, verhindert aber, dassß es wieder herausrutscht. So wird es für weitere Untersuchungen an Bord gebracht.

Am Morgen erreichten wir die Rauer Inseln. Das Wetter war im Gegensatz zu gestern sehr wechselhaft. Auch im Sommer der Antarktis kann es so plötzlich umschlagen, dass bestes Helikopterflugwetter innerhalb von Minuten durch Nebel oder Stürme zur Gefahr werden kann. Doch es spielte mit und ließ die Piloten Wissenschaftler und Ausrüstung problemlos in ihre Forschungsgebiete transportieren.. Konrad Kopsch und. Dr. Karsten Gohl vom Alfred-Wegener-Institut installierten auf der Insel Filia zusammen mit der Unterstützung von. Dr. Detlef Damaske eine temporäre Geophysikstation mit zwei unterschiedlichen Funktionen. Zum einen misst sie das regionale Erdmagnetfeld und liefert somit Basiswerte, die zur Berechnung der entsprechenden Messungen von Magnetfeldanomalien im Arbeitsgebiet benötigt werden. Gleichzeitig werden mit einem Seismometer Schallereignisse registriert, die während der geophysikalischen Profile vom Schiff ausgesendet werden.



Bereit für den Feldeinsatz







Errichten der Geophysikstation auf der Filia Insel



Stromerzeugung durch Solarzellen

Die Frage nach einer geeigneten Quelle für Trinkwasser ist für alle Forscher in den Feldlagern überlebenswichtig. In der Regel findet sich jedoch genügend sauberes Eis, um eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten. Da eine Arbeitsgruppe sich aber auf einer komplett eisfreien Insel wiederfand, flog ein Arbeitstrupp, ausgerüstet mit Kettensäge und Transportnetz, ausnahmsweise auf einen sicheren Eisberg und lieferten den Forschern mit Hilfe eine Hubschraubers würfelförmige Portionen gefrorenen Trinkwassers.



Transport von Eisblöcken zur Trinkwasserversorgung

Nicht weit entfernt von den Rauer Inseln befindet sich die australische Forschungsstation Davis. Prof. Dr. Hans Hubberten plante bereits einen Besuch zur wissenschaftlichen Kooperation aufs Festland zur Freude der australischen Wissenschaftler Duanne White und Joshua Knight. Es war den beiden ein ganz besonderes Anliegen, ihren Landsleuten einen Besuch abstatten zu können. Jedoch machte Ihnen der Wetterbericht einen Strich durch die Rechnung. Die Vorhersage für das Gebiet versprach leider kein ausreichend gutes Flugwetter.
Gegen Nachmittag stoppte die Polarstern wieder für wissenschaftliche Stationen auf und die so genannten Luftpulser wurden getestet. Eine etwas abenteuerlich anmutende Stahlkonstruktion erzeugt mit Luftdruck Wellen die, von der tieferen Erdkruste reflektiert, Daten über deren Aufbau liefern.



Schwerelot zur Sedimentkernentnahme




Das Luftpulsergestell wird zu Wasser gelassen




Adelie Pinguine auf den Rauer Inseln

Lars Focke, Student der Fachhochschule Kiel, 25.02.07
 
 
 
Lars Focke 25.02.2007, 11:04 # 2 Kommentare
 
 
     
  24.02.2007  
     
 
Prydz Bay, -9°C
In der Prydz Bay
 
 

Die Polarstern im Süden der Prydz Bay

Über Nacht sind wir schließlich in der Zielgeraden eingetroffen. Der Weg in den, für die Polarstern unbekannten Osten hatte uns aufgrund der oftmals widrigen Wetterverhältnisse leider etwas mehr Zeit gekostet. Doch die Prydz Bucht ist nun erreicht. Schon am frühen Morgen stoppten wir in der Nähe der chinesischen Forschungsstation Zhong Shan auf, während die ersten Teams von Prof. Dr. Patrick O`Brian und Dr. Dirk Wagner auf die nördlich gelegenen Rauer Inseln zu ihren Forschungsgebieten für die nächsten drei Wochen geflogen wurden. Das Wetter war ideal und wird uns laut Wetterbericht auch weiterhin noch freie Sicht ermöglichen. Am Vormittag stand dann ein offizieller Termin an. Bepackt mit Präsenten flog die Expeditionsleitung zu einem Besuch auf die chinesische Forschungsstation. Der chinesische Betreiber unserer Bordwäscherei “Wäschemax“ begleitete Prof. Dr. Hans Hubberten und den 1. Offizier Steffen Spielke und half als kompetenter Fremdsprachenübersetzer.



Container und Antennenmasten der chinesischen Forschungsstation Zhong Shang



Kameramann Jonas vor beeindruckenden Eiswänden



Helikopterpilot Jürgen Büchner (links) mit Dr. Dirk Wagner und Lars Ganzert

Das einzige biologische Projekt auf dieser Expedition wird von Dr. Dirk Wagner geleitet. Der Wissenschaftler ist an der Erforschung von Lebensformen unter extremen Umweltbedingungen interessiert. Randlich geht es auch darum, eventuelle Lebensmöglichkeiten auf dem Planeten Mars zu verstehen. Darunter sind natürlich keine grünen Marsmenschen zu verstehen, sondern Bakterien und Kleinstlebewesen, wie es sie auch bei uns auf der Erde gibt. Relevant für diese wissenschaftliche Tätigkeit sind Permafrostgebiete auf der Erde, in denen entsprechende Mikroorganismen nachgewiesen worden sind. Diese existieren unter ähnlichen Bedingungen, wie auf dem Mars vorherrschen. Wagner befindet sich nun mit seinem Team auf der Suche nach ähnlichen Organismen im Permafrost der Rauer Inseln und Larsemann Hügeln.



Ein vorerst letzter Blick zurück

Obwohl lediglich 16 der insgesamt 48 Forscher das Schiff verlassen haben, herrscht an Bord doch irgendwie eine außergewöhnliche Stille. Das Treppenhaus ist leerer geworden, Durchsagen erklangen nicht mehr so häufig durch die Lautsprecher und wo man in den Gängen regelmäßig dem “Gegenverkehr“ ausweichen musste, hat man jetzt freie Bahn. Um 14.00 Uhr ging es dann per Helikopter zu einem weiteren Besuch. Unser Kollege Jonas erhielt das Angebot, das Besucherkomitee der Polarstern auf die russische Forschungsstation Progress zu begleiten und dokumentierte den offiziellen Akt.



Herzliche Begrüßung auf der russischen Forschungsstation Progress



Russisches Kettenfahrzeug



Außenfassade der Station



Prof. Dr. Hans Hubberten und Stationsleiter Lev Matveyechev beim Überreichen der Präsente

Lars Focke, Student der Fachhochschule Kiel, 24.02.07
 
 
 
Lars Focke 24.02.2007, 16:06 # 11 Kommentare
 
 
     
  23.02.2007  
     
 
Indischer Ozean, -8°C
Sicherheitsübungen
 
 

In der Zielgeraden zur Prydz Bucht

Unsere Polarstern nähert sich nun zielsicher der Prydz Bucht. Das Wetter war heute trübe und grau. Dennoch sah man den Forschern schon heute Ihre Freude an, sich morgen endlich voller Tatendrang auf ihre Arbeit im Gelände stürzen zu dürfen. Einige müssen sich allerdings noch gedulden, denn die Flugzeiten der Helikopter sind auf zwei Tage verteilt. Viele hatten heute alle Hände voll zu tun, Ihr Sicherheitsgepäck und wissenschaftliche Ausrüstung in die Expeditionskisten zu verstauen. Am Nachmittag gab es rechtzeitig vor Eintreffen in der Prydz Bucht wieder einen Testalarm mit anschließender Sicherheitsübung. Alle Besatzungsmitglieder wurden dazu auf die Aussendecks gerufen. Die Sicherheit an Bord hat natürlich oberste Priorität und diejenigen, die sich noch mehr dafür interessieren, können sich sogar im Abendprogramm des Bordfernsehens in wöchentlichen Abständen mit einem Video über die Schiffssicherheit informieren.




Sicherheitsübung mit den Rettungsbooten





1. Offizier Steffen Spielke bei der Sicherheitseinweisung







Lars Focke, Student der Fachhochschule Kiel, 23.02.07

 
 
 
Lars Focke 23.02.2007, 15:57 # 1 Kommentar
 
 
     
  22.02.2007  
     
 
Indischer Ozean, -10°C
Geologe Martin Klug
 
 

Unsere aktuelle Position



Durch die Gischt vereistes Vorschiff

Wie erwartet war die Nacht für uns alles andere als erholsam. Die See schaukelte uns zwar nicht ganz so intensiv wie beim letzten Sturm, dennoch hatten einige Forscher Probleme mit dem nächtlichen Wellengang. Der Wind hat mittlerweile nachgelassen und die Bewegungen des Schiffes sind für uns wieder im grünen Bereich.
In der Prydz Bucht sind wir noch nicht angekommen, doch das Wetter sollte es nach den aktuellen Vorhersagen zulassen, dass wir übermorgen in den besagten Gewässern eintreffen. Auf der Polarstern wird es dann etwas einsamer, denn 16 Forscher werden das Schiff verlassen und teilweise bis zu drei Wochen auf dem Festland oder vorgelagerten Inseln verbringen. Die meisten Projekte haben geologische Fragestellungen und beschäftigen sich mit der Vereisungs- und Umweltgeschichte der zu untersuchenden Gebiete. Ein Wissenschaftler, der sich einen Monat lang im offenen Gelände aufhalten wird, ist der Geologe Martin Klug von der Universität Köln. Seine Arbeit befasst sich mit der Untersuchung von Seesedimenten auf den Rauer Inseln, die für die nächsten Wochen sein neues Zuhause sein werden.



Geologe Martin Klug von der Universität Köln

Die Inseln liegen im Nordosten der Prydz Bucht und verfügen über eine Vielzahl von Seen und Fjorden. Anhand der Sedimentablagerungen ist es den Forschern möglich, die Umwelt- und Klimabedingungen zu rekonstruieren und Entwicklungen des Eises im Inland nachzuvollziehen. “Ich freue mich, endlich wieder im offenen Gelände arbeiten zu dürfen!“ erklärt der 36-Jährige. Vor drei Jahren faszinierte ihn bereits Grönland mit seinen unverwechselbaren Landschaften und lässt ihn auf unvergessliche Momente in der Wildnis des antarktischen Sommers hoffen. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Martin und seine Kollegen bereiten sich nicht nur mental auf das Abenteuer vor, sondern ergreifen auch allerhand organisatorische Maßnahmen. Mehr als 20 Expeditionskisten müssen mit Lebensmitteln, Campingausrüstung und Forschungsinstrumenten gepackt werden. An einem Helikopter werden diese dann in einem Netz als “Slingload“ auf die Inseln geflogen. Oberste Priorität hat dabei die sicherheitsrelevante Ausrüstung. Survivalpacks, Zelte und Kommunikationsmittel müssen vor oder spätestens mit den Forschern eintreffen, da ein gesicherter regelmäßige Kontakt mit dem Schiff zwingende Voraussetzung für einen antarktischen Landaufenthalt ist.

Lars Focke, Student der Fachhochschule Kiel, 22.02.07
 
 
 
Lars Focke 22.02.2007, 20:30 # 0 Kommentare
 
 
     
  21.02.2007  
     
 
Indischer Ozean ,- 9°C
Acht Windstärken
 
 

Prydz Bucht voraus!

Wir passierten am heutigen Tage sowohl eisbedeckte als auch eisfreie Gebiete und befinden uns mittlerweile im blauen Indischen Ozean. Gegen Nachmittag ist wieder genau das eingetreten, was wir uns eigentlich nicht mehr gewünscht haben. Der Wind hat wieder an Stärke zugenommen und bläst uns mittlerweile mit acht Windstärken entgegen. Die Aussendecks wurden heute zwar noch nicht gesperrt, aber wenn überhaupt, waren dort sowieso nur die wenigen Hartgesottenen unter uns anzutreffen. Die Polarstern bewältigte ein weiteres Mal mit Bravur die gewaltigen Wellenberge und schüttelte Forscher und Besatzung durcheinander. Erste Fälle von aufkeimender Seekrankheit sind aber schnell wieder abgeklungen.



FS Polarstern meistert die aufgewühlte See

Bevor wir diesen rapiden Wetterumschwung am eigenen Leibe miterlebten, erklang von der Brücke eine überraschende Nachricht. Mehrere Orkas sollten in Sichtweite aufgetaucht sein. Obwohl wir mit unseren Kameras und verschiedenen Objektiven unverzüglich auf die Brücke eilten, war eine Dokumentation leider nicht mehr möglich. Die ungefähr 15 Tiere waren für unsere Sammlung antarktischer Tieraufnahmen einfach zu weit entfernt.
Dr. Bernhard Dieckmann vom Alfred-Wegener-Institut Potsdam war am heutigen Abend der Redner unserer regelmäßigen Präsentationen. Er berichtete anhand gelungener Fotos und Landschaftsaufnahmen unter anderem von seiner Forschungstätigkeit in der russischen Taiga. In Sibirien konnte der Geologe zum Beispiel wichtige Informationen über die Klimaentwicklungen in dieser Region gewinnen. Mir gefiel diese Präsentation besonders gut, weil Dieckmann es auf unterhaltsame Weise verstand, die Materie auch Laien und fachfremden Zuhörern unter uns verständlich zu machen.
Bevor wir ins Bett gingen, mussten wir erneut zu den Uhren und Weckern greifen. Auch heute stellten wir die Zeit eine Stunde voraus, was angesichts unserer nächtlichen Erfahrungen mit dem starken Wellengang sicherlich keine ausreichende Portion Schlaf zulassen wird.

Lars Focke, Student der Fachhochschule Kiel, 21.02.07
 
 
 
Lars Focke 21.02.2007, 12:42 # 0 Kommentare
 
 
     
  20.02.2007  
     
 
Indischer Ozean, -11°C
Zeitverschiebungen
 
 

FS Polarstern unterwegs zur Prydz Bucht

Unser eintägiger Abstecher in die vereisten Gewässer der Casey Bay ist leider schon wieder vorbei und wir befinden uns wieder auf hoher See. Das tiefblaue Wasser um uns herum schlug zwar keine hohen Wellen, der Wind jedoch war scharf und kalt. Heute ging ich nur noch gelegentlich auf die Aussendecks, um bei einer eventuellen Walbeobachtung einer der Ersten sein zu können.



Das Kielwasser

Menü:
Rauchige Bohnensuppe,
Paniertes Kotelett,
Blumenkohl,
Kartoffeln,
Obst
Vegetarisches Gericht:
Knusprige Spaghetti vom Blech

Die heutige Empfehlung der Kombüse

Nach dem Mittagessen bin ich kurz für ein kleines Schläfchen auf unsere Kammer verschwunden. Die ständigen Zeitumstellungen auf dieser Reise machen mir momentan erheblich zu schaffen. Da wir uns nahe dem Südpol schnell über die Breitengrade bewegen, wurde gestern die Uhr wieder eine weitere Stunde vorgestellt. Ebenso wird uns in der kommenden Nacht eine Stunde abgezogen. Zunächst machten mir diese kleinen Zeitsprünge nichts aus, aber für einen Antarktisneuling wie mich erfordern sie doch schon eine gewisse Gewohnheit.
Auf der heutigen Fahrt arbeiteten wir an keinen Stationen, um Messinstrumente ins Wasser zu lassen oder Bodenproben ans Tageslicht zu befördern, sondern hielten weiterhin Kurs zur Prydz Bucht. Laut Zeitplan sollten wir am Freitag unser Ziel im Osten der Antarktis erreichen.
Am Abend präsentierte Andreas Borchert vom Alfred-Wegener-Institut Potsdam seine Diplomarbeit, in der er anhand der physikalischen und chemischen Eigenschaften von Tiefseesedimenten Veränderungen der Strömungen im Südpolarmeer analysierte, Bestandteil der Klima- und Umweltgeschichte der Antarktis.



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Minkewale auf der Steuerbordseite

Lars Focke, Student der Fachhochschule Kiel 20.02.07
 
 
 
Lars Focke 20.02.2007, 16:26 # 2 Kommentare
 
 
     
  19.02.2007  
     
 
Casey Bay, -12°C
Exkursion auf das Festland
 
 
Die Polarstern am Schelfeis der Antarktis

Über Nacht ist es kühler geworden. Wir näherten uns wieder dem Schelfeis und konnten praktisch zusehen, wie das Eis immer dichter wurde. Unser Kurs hatte einen guten Grund, denn der australische Geologe Duanne White und Professor Öberhänsli sollten heute in dokumentierender Begleitung von Jonas auf das Festland geflogen werden. Gegen Mittag brachen Sie auf und verbrachten den Rest des Tages in dem, in 1800 Meter Höhe gelegene Anderby Land, um Gesteinsproben zu entnehmen.



Landung im Gebirge



Duanne White und Roland Oberhänsli in Aktion



Gebirgsland in der Antarktis

Währenddessen machten wir weitere Stationen an dem bisher kältesten Tag unserer Reise. Mehrere Messinstrumente sollten zu Wasser gelassen werden. Unter anderem testeten wir unter Anleitung von Geophysiker Karsten Gohl erfolgreich eines der Meeresgrund-Seismographen, die an verschiedenen Positionen auf den Boden gelassen wurden, um Informationen über seismische Aktivitäten zu übermitteln.



Erfolgreicher Test eines Ocean Bottom Seismographs



Neugierige Wissenschaftler


Karsten Gohl im Rampenlicht



Kastengreifer zur Sedimentprobenentnahme

Die heutige Präsentation wurde ein erneutes Mal von AWI-Geologe Hannes Grobe gehalten. Er erzählte uns sehr anschaulich von dem internationalen Projekt ANDRILL, in dem mit einem gewaltigen Bohrturm Bodenschichten gewonnen wurden, die der Polarforschung wichtige Ergebnisse hinsichtlich der antarktischen Entwicklung gebracht haben. Im Anschluss darauf schauten wir zu unserer Überraschung die interessante Dokumentation „Knochenjob Auf Dünnem Eis“, die unser Dozent Peter K. Hertling 1996 produzierte.






Wunderschöne Eislandschaften


Copyright: Lars Focke, Student der Fachhochschule Kiel
 
 
 
Lars Focke 19.02.2007, 19:07 # 12 Kommentare
 
 
     
  17.02.2007  
     
 
Atlantikküste, -7°C
Test für den Ernstfall
 
 
Unsere heutige Position

Die meiste Zeit des Tages haben wir heute auf den Decks verbracht. Das Wetter war trocken, aber es war durch den antarktischen Wind doch sehr kalt. Nichtsdestotrotz wagte sich Professor Roland Oberhänsli von der Universität Potsdam in ein Schlauchboot, um es für den Ernstfall in der Prydz Bucht zu testen. Zusammen mit seinem Kollegen Professor Patrick O´Brian wird er in ungefähr einer Woche, wenn wir dem Festland nahe genug sind, einzelne Inseln besuchen. Während diesen Tagen nehmen die beiden Mineralogen Gesteinsproben und sind lediglich durch ein Sellitentelefon mit dem Schiff verbunden.



Die Polarstern von Achtern



Professor Patrick O´Brian von der Universität Potsdam

Auch die beiden Geologen Bernd Wagner und Martin Klug von der Universität Köln werden in der Prydz Bucht auf der Suche nach interessanten Funden sein. Um ebenfalls eine Kommunikation mit dem Schiff und untereinander gewährleisten zu können, testeten sie heute die Funkgeräte. Die anfänglichen Verbindungsschwierigkeiten konnten sie schnell überwinden und sich von verschiedenen Orten auf der Polarstern gut unterhalten.
Desweiteren veranstaltete unser Bordarzt Eberhard Kohlberg einen interessanten Erste-Hilfe-Kurs, zu dem alle auf dem Schiff recht herzlich eingeladen waren und nötige Maßnahmen bei eventuellen Unfallssituationen erklärt wurden. Wir hoffen natürlich, dass wir die gelernten Methoden niemals anwenden müssen.



Lehrgang für die Erste Hilfe

Gegen Abend wurde es dann zu meinem Erstaunen doch wieder dunkler. Ganz verschwand die Sonne zwar nicht aber gemäß unseren aktuellen Koordinaten wurde es wieder gewohnte Nacht. Während die Sonne langsam am Horizont verschwand, erwachten auf dem Schiff die “Jecken“. Es wurde Karneval gefeiert und besonders die aus dem Ruhrgebiet stammenden Wissenschaftler luden zu einem “närrischen Abend“.



Atlantischer Sonnenuntergang


Copyright: Lars Focke, Student der Fachhochschule Kiel

 
 
 
Lars Focke 17.02.2007, 18:51 # 6 Kommentare
 
 
     
  16.02.2007  
     
 
Lazarew See, -7°C
Magnetische Ermittlungen
 
 

Die Polarstern an der antarktischen Atlantikküste

Ein weiteres Forschungsprojekt, das im Moment auf der Polarstern durchgeführt wird, leitet Conrad Kopsch vom Alfred-Wegener-Institut in Potsdam. Er erforscht den Magnetismus der Erde. Weil das Magnetfeld unseres Planeten sich ständig ändert, resultiert daraus das Problem, dass die magnetischen Pole der Erde leider nicht mit den geographischen Polen identisch sind. Diese Tatsache führt viele Probleme mit sich. Sie ist zum Beispiel der Grund dafür, warum Seefahrer in den Anfängen der Seefahrt vor dieser Feststellung ihre neuentdeckten Ziele an einem späteren Zeitpunkt nicht wiederfinden konnten. Mit der Änderung des Magnetfeldes war der zuvor verfolgte Kurs später nicht mehr korrekt und die Segler fuhren geradewegs an einer entdeckten Insel vorbei. Zur Erforschung dieses Phänomens wurde zur Drygalski Expedition 1901/02 ein Doppelkompass von Bidlingmaier entwickelt, der die Abweichung beider Pole (Deklination) ermitteln konnte und somit einen korrekten Kurs angab. Auf der Polarstern führt Conrad Kopsch verschiedene Messungen durch, um Anomalien im Magnetfeld zu erkennen. Dadurch sind Schlüsse auf die Beschaffenheit der Erdoberfläche rückführbar. Er hat damit alle Hände voll zu tun, da das Forschungsschiff aus vielen Metallelementen zusammengebaut ist, die zusätzlich zum Schaukeln des Schiffes die Kompassnadel verwirren. Anhand der gemessenen Werte muss Conrad eine Konstante ermitteln, um die realen Abweichungen berechnen zu können.



Conrad Kopsch auf der Polarstern



Computergestützte Messungen bei einem früheren Projekt

In der heutigen Präsentation stellte Detlef Damaske von der Bundsanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe seine gemeinsame Arbeit mit der Australian Antarctic Division in der Prydz Bay vor, in der er erdgeschichtliche Entwicklungen des Lambert Grabens erläuterte. Wir waren ein wenig überrascht als im Vorführsaal das Schwanken des Schiffes wieder einsetzte. Der Wellengang ist heute wieder etwas stärker geworden und es fiel sogar Schnee. In ungefähr drei Tagen würden wir eine Position erreichen, in der einige Geologen per Helikopter aufs Festland geflogen werden, um Gesteinsproben an Bord zu bringen. Zum Abschluss dieses Tages wurden die Wissenschaftler und wir von den Matrosen aufs Arbeitsdeck eingeladen. Manni und Heinz grillten leckeren Eisfisch mit Zwiebeln und so blieben wir bis in die späten Abendstunden bei diesen gutgelaunten Seefahrern, die immer eine interessante Geschichte zu erzählen haben.

Copyright Lars Focke, Student der Fachhochschule Kiel
 
 
 
Lars Focke 16.02.2007, 19:05 # 1 Kommentar
 
 
     
  15.02.2007  
     
 
Lazarew See, -7°C
Bei der Novolazarevskaya-Station
 
 

Die antarktische Atlantikküste

Minutenmittelwerte der Bordwetterwarte vom 15.02.07 12:10 UTC

Lufttemperatur: -7°C
Wassertemperatur: -0,2°C
Luftdruck: 981.8 hPA
Luftdruck, reduziert: 984.1 hPA
Wahre Windgeschwindigkeit: 2.7 m/s
Wahre Windrichtung: 138°
Relative Windgeschwindigkeit: 8.4 m/s
Relative Windrichtung: 10°
Relative Luftfeuchte: 72%
Globalstrahlung: 576 W/m²
Höhe Wolkengrenze: 20000 ft
Sichtweite: 10000ft
Position/Länge: 6.70722°
Position/Breite: -69.48072°
Schiffsgeschwindigkeit: 11.8 kn
Schiffskurs: 103.7°


Diese Werte stammen von unseren “Wetterfröschen“ Reinhard Strüfing und Hartmut Sonnabend. Sie versorgen täglich unser Intranet mit Satellitenbildern und Vorhersagen, sodass jeder einen Eindruck von unserer momentanen Wettersituation bekommen kann. “Bei der relativen Windgeschwindigkeit wird die Geschwindigkeit des Schiffes mitgerechnet, bei der wahren nicht.“ erklärte Reinhard. Die Bordwetterwarte bekommt regelmäßig neue Daten von den Wetterzentren des WWW. Dies steht in diesem Falle nicht für “Word Wide Web“, sondern für “World Weather Watch“. Diese Beobachtungsinstitution verfügt über modernste Computersysteme, ohne die eine genaue Vorhersage des antarktischen Wetters gar nicht möglich wäre. Hartmut erzählte mir, dass man vor zehn Jahren nicht ansatzweise so genau hätte arbeiten können.



“Wetterfrösche“ Reinhard Strüfing und Hartmut Sonnabend

Wie erwartet sind wir über Nacht in eisfreie Gewässer gekommen. Im Laufe des Tages passierten wir den 10° Meridian, welcher ebenfalls durch Hamburg verläuft. Das Wasser war ruhig und von einer klaren dunkelblauen Farbe.

Auf dem Programm stand heute unter anderem ein Projekt des Alfred-Wegener-Instituts unter der Leitung von Olaf Klatt, in dem eine Messboje ins Wasser gelassen wurde. Dieser sogenannte “Float“ sank auf 800 Meter Tiefe und sammelte konkrete Daten wie zum Beispiel Wasserdruck, Strömungsgeschwindigkeit und Leitfähigkeit sowie Wasserdichte und damit die Dicke der Partikel in den unterschiedlichen Meerestiefen. Die gesammelten Informationen wurden von der Oberfläche per Satellit an die Wetterstationen gesendet.

Am Nachmittag sind wir in der Nähe der russischen Forschungsstation Novolazarevskaya angelangt. Ursprünglich war ein Besuch einiger Wissenschaftlern geplant, doch leider wäre laut Wetterbericht das „Gutwetterfenster“ bei der Station zu klein gewesen, um das Risiko eines Helikopterfluges auf sich zu nehmen. So folgten wir den Kurs weiter in Richtung Prydz Bay.



Die Fluke eines Buckelwals



Prof. Roland Oberhänsli auf dem Arbeitsdeck

Copyright Lars Focke, Student der Fachhochschule Kiel
 
 
 
Lars Focke 15.02.2007, 19:34 # 5 Kommentare
 
 
     
  14.02.2007  
     
 
Lazarew See, -9°C
Wieder auf See
 
 

Am Schelfeis entlang

Nachdem wir gestern die Neumayer-Station verlassen haben und den Tag unten auf den Aussendecks unter wunderschöner Dämmerung ausklingen ließen, fahren wir nun an der Schelfeiskante entlang. Vor kurzer Zeit hätten wir diese auf unserem Kurs noch umfahren müssen, wenn es nicht vor kurzer Zeit in riesige Eisberge zerbrochen wäre. Laut unseren Wetterexperten wäre dieses Phänomen ein ganz natürliches Ereignis und hätte nicht unbedingt etwas mit der Klimaerwärmung zu tun. Schon vor Urzeiten seien Teile der Antarktis aufgrund des nachkommenden Eises abgebrochen und mit dem antarktischen Strom weggetrieben.

In ungefähr neun Tagen landen wir schließlich in der Prydz Bay, im Osten der Antarktis, wo in Zusammenarbeit mit einem russischen Forschungsschiff weitere Projekte durchgeführt werden. Für die Polarstern wird dieses Gebiet Neuland sein, denn bis jetzt ist sie noch niemals so weit in den Osten vorgedrungen. Niemand kann bis jetzt genau sagen, welche Hindernisse bis dahin zu überwinden sein werden. Im Moment brechen wir uns noch durch das Eis, werden aber sicherlich schon morgen einen Kurs durch freie Gewässer durchqueren. Umso schöner, dass wir heute das Glück hatten, bei sonnigen Wetter Pinguine, Robben und sogar Wale sichten zu können.



Schattenwurf der Wolken



Weiter Blick nach Achtern










Copyright Lars Focke, Student der Fachhochschule Kiel
 
 
 
Lars Focke 14.02.2007, 19:28 # 3 Kommentare
 
 
     
  13.02.2007  
     
 
Atka Bucht, -9°C
Die Neumayer-Station
 
 

Neumayer-Station

Heute war wohl der beeindruckenste Tag unserer bisherigen Reise. Nach dem Frühstück bekamen die Wissenschaftler das Angebot, eine Wanderung durch die Eiswüste zur unterirdischen Forschungsstation Neumayer zu unternehmen. Während Jonas und Michael an Bord bleiben mussten, um das Verladen der Versorgungscontainer zu filmen, meldete ich mich sofort als Teilnehmer. Mit meinen Kollegen verabredete ich mich zu einem späteren Treffen in der Station. Anschließend traf ich mich mit den anderen Forschern auf dem Helikopterdeck, damit wir uns wieder in die Abwesenheitsliste eintragen konnten. Dann ging es auch schon los. Zu jeweils vier Personen transportierte uns wieder der Kran in dem Personenkorb über die Schelfeiskante.


Blick auf die Schelfeiskante

Es war ein windstiller Sommertag mit -9° Celsius und strahlendem Sonnenschein. Günstigere Voraussetzungen hätten wir für diesen Trip nicht bekommen können. Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich mich über die Entfernung zur Station nicht hinreichend informiert habe und mir wurde allmählich bewusst, dass es sich nicht um einen einfachen Spaziergang handeln würde. Als wir alle vollzählig und bereit zum Aufbruch waren, machten wir die ersten Schritte auf dem eisigen Boden.



Ein langer Fußmarsch liegt vor mir

Der Untergrund war zunächst hart und gut geeignet für einen längeren Fußmarsch. Dies sollte jedoch nicht so bleiben und schon nach einer halben Stunde verstand ich, worauf ich mich eingelassen hatte. Schneeverwehungen behinderten unseren Weg und ich sank mit den Stiefeln zu meiner Erschöpfung oft ein. Der Rucksack mit dem Foto- und Filmequipment, den ich mit mir führte, lag schwer auf meinen Schultern. Wenn ich nach meiner Schulzeit den Wehrdienst bei der Bundeswehr abgeleistet hätte, würde ich mich jetzt wohl ohne Zweifel an die langen Rucksackmärsche erinnern müssen, die man in der Grundausbildung zu absolvieren hat.



Ein früher Blick zurück

Ohne Training und jegliche Erfahrung im Wandern bildete ich schnell mit einer kleinen Gruppe das Schlusslicht. Es war definitiv ein Fehler, unter dem Overall Jeans und Pullover zu tragen, denn ich fing an, ins Schwitzen zu geraten. Fahnen markierten in regelmäßigen Abständen den Weg zur Station. In den kleinen schwarzen Punkten am Horizont erkannte ich zwar nach einiger Zeit Schneemobile und die große Windkraftanlage, zugleich musste ich aber feststellen, dass die verbleibende Entfernung bei meiner Erschöpfung noch viel zu groß gewesen ist.



Versorgung für die Forschungsstation

Nach mehreren kleinen Pausen und einigen Filmaufnahmen unserer tapferen Wandergruppe, konnte ich nach über drei Stunden Fußmarsch endlich das gesamte Areal mit fahrenden Schneemobilen und Antennenmasten betrachten. Die Container und Lüftungsrohre glänzten in der Sonne. In der Nähe der Station war eine Landebahn für Flugzeuge mit Fahnen gekennzeichnet. Trotz meiner verschwitzten Klamotten war ich heilfroh und auch ein wenig stolz, unversehrt am Ziel angekommen zu sein. Als ich zurück zur Polarstern blickte, musste ich feststellen, dass sie mittlerweile sehr weit entfernt war. Der kleine Punkt am Horizont konnte auch mit viel Fantasie nicht mehr als Schiff ausgemacht werden. Nach einem Rundgang und einigen Aufnahmen später, ließen wir uns den Weg ins Innere der Neumayer-Station erklären.



Wegweiser im Eis



Einfahrt in die unterirdische Station







Elemente des Lüftungssystems

Die Windkraftanlage

Wir folgten den Anweisungen eines stationierten Forschers und gingen in einen der braunen Holzcontainer. Die Treppe, die sich darin befand, führte uns 20 Meter in den Untergrund bis wir schließlich vor einer isolierten Tür standen. Es eröffnete sich uns ein langer Gang mit verschiedenen Räumen. Wir gingen zunächst in den Umkleideraum, in dem ich meinen Overall auszog, um mich in den gut beheizten Räumen besser bewegen zu können. Im Aufenthaltsraum standen schon Suppe, Getränke und sogar Kuchen für uns bereit. Ich verspeiste einen Teller und kam allmählich wieder zu Kräften, während ich mir den großen Raum etwas näher anschaute. Auf einer Seite stand ein großes Regal mit vielen Büchern und noch viel mehr Videos. Die beachtliche Sammlung deutete darauf hin, dass man während der 15-monatigen Überwinterung großen Wert auf gemeinsame Videoabende legt. Verschiedene Abspielgeräte wie Videorecorder, DVD-Player und Musikanlage standen auf dem großen Fernseher vor der großzügigen Couchgarnitur, auf der sich insgesamt bestimmt acht Personen entspannen könnten. In der Mitte des Raumes stand ein riesiger Esstisch mit mehr als zwanzig Sitzplätze. Wir löffelten unsere Suppen und unterhielten uns über die anstrengende Tour, während aus der Kombüse schon wieder die nächsten Stück Kuchen und Kannen Kaffee gereicht wurden. Anschließend ergriff ein Wissenschaftler der Station das Wort und führte uns in einem Rundgang durch die Station, um uns über die Funktionen der einzelnen Labore, Werkstätten und Lager detailliert zu informieren.



Zugang zum Untergrund



Wissenschaftler bei der Arbeit



Pause bei Kaffee und Kuchen



Medizinische Versorgung im Operationssaal



Die Aussenhülle der Anlage



Ausruhen im Schnee



Satellitenanbindung für die Station


Kamerateam im Einsatz



Südlichste Deutsche Bibliothek der Welt


In Kanada modifizierte amerikanische Basler

Zurück auf der Polarstern läutete man so langsam den Abschied von Neumayer ein. Wir sollten um 21 Uhr wieder ablegen und uns auf den weiteren Weg zur Prydz Bay machen. Das wissenschaftliche Team des MABEL-Projektes verließ das Schiff, um schließlich in die Neumayer-Station zu ziehen und von dort aus den Rückflug nach Kapstadt anzutreten. Die Mitglieder kommen nächstes Jahr wieder in diesen Teil der Erde, um einen erneuten Bergungsversuch zu starten. Bei den sich immer wieder verzögernden Verabschiedungen floss bei so manchen eine kleine Träne. Kapitän Schwarze ließ das Signalhorn ertönen und die festgefrorene Polarstern brach sich wieder frei. Musik erklang auf allen Decks und während stimmungsvoll “Time To Say Good Bye“ spielte, winkten wir in einer faszinierenden Sonnendämmerung zum Abschied. Beim Anblick dieses wunderbaren Schauspiels wurde mir bewusst, wie dankbar ich sein sollte, durch diesen besonderen Teil der Erde mitreisen zu dürfen und versuchte mehr oder weniger vergebens die Momente mit der Fotokamera festzuhalten.



Abschied von der Mannschaft der Station



Auswirkungen der antarktischen Sonne






Spektakuläre Dämmerung

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Lars Focke 13.02.2007, 22:50 # 13 Kommentare
 
 
     
  12.02.2007  
     
 
Atka Bucht, -5 °C
Das Ende der Welt
 
 

Atka Bucht, Neumayer-Station

Wir haben die Koordinaten des MABEL-Projektes nun wieder verlassen und fuhren geradewegs in Richtung der Neumayer-Station. Schon in der Nacht vernahmen wir ein gelegentliches Rumpeln des Schiffes. Hin und wieder war schon soviel Eis auf dem Wasser, dass die Polarstern langsam aber sicher ihre Qualitäten als Eisbrecher beweisen musste. Wir waren sehr gespannt, was als nächstes passieren würde, denn nun sollte es nicht mehr weit sein. Das Eis wurde immer dichter und nach einiger Zeit konnten wir gar kein Wasser mehr erkennen. Zwischenzeitlich winkten wir den antarktischen Einheimischen zu. Zu unserem Glück konnten wir diese Tiere nun immer öfter zu Gesicht bekommen.



Erstes Eisbrechen in Richtung Neumayer-Station



Neugierige Beobachter

Schließlich wurde das Eis so dick, dass ein Durchkommen fast unmöglich schien, doch die Polarstern meisterte jede Herausforderung aufs Neue. Wir rammten uns eine Schneise in das Eis bis man auf der Steuerbordseite in weiter Ferne die ersten Container des Sommerlagers der Neumayer-Station erkennen konnte.






Unaufhaltbares Durchbrechen

Kurz darauf stoppte das Schiff. Wir hatten unser vorläufiges Ziel erreicht und machten uns bereit, nach einer kurzen Sicherheitsbelehrung an Land zu gehen. Mit dem Lastenkran wurde ein Kontrollteam auf die acht Meter hohe Eiskante gesetzt, welches nun Fahnen benutzte, um gefährliche Bereiche an der Eiskante zu markieren. Niemand durfte diese Grenzen überschreiten und vor allem nicht außer Sichtweite des Schiffes geraten. Nacheinander füllten wir eine Abwesenheitsliste aus und wurden auf des Eis gesetzt .



An der Schelfeiskante angelegt



Übersetzen mit dem Lastenkran

In der Ferne entdeckten wir zwei große Schneemobile, die geradewegs auf uns zu fuhren. Vier Forscher der Neumayer-Station hießen uns willkommen und freuten sich über einen Besuch an Bord. Wir alle freuten uns nach 10 Tagen auf See, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Für viele junge Forscher war es zugleich der erste Schritt auf dem antarktischen Kontinent. Endlich war auch wieder genügend Platz, um sich frei zu bewegen. Während Schneeballschlachten geschlagen und sogar Fussballspiele ausgetragen wurden, machten wir unterdessen viele Bilder und Filmaufnahmen. Diesen Moment mussten wir einfach festhalten. Ich legte mich mit dem Rücken auf den Boden und konnte es nicht fassen, tatsächlich einer der wenigen Menschen zu sein, die auf diesem unberührten Kontinent einen Fuß setzen dürfen.



Auf dem südlichsten Kontinent angekommen

Es war ein beeindruckendes Szenario. Die Landschaft wirkte wie ein Gemälde. Hunderte von Pinguinen tummelten sich auf einem Berg und zwei riesige Skuas, große Raubmöwen, segelten neugierig über unsere Köpfe. Graue Wolkengebilde zogen über den Horizont. Ohne Orientierungspunkte war das Abschätzen von Entfernungen unmöglich. Auch ohne Schneesturm wäre man in diesem Terrain verloren. Nicht einmal ein normaler Kompass könnte helfen, weil in manchen Gegenden die Nadel aufgrund starker Magnetfelder wieder justiert werden müsste. Das alles umgebende Weiß reflektiert das Sonnenlicht so stark, dass das Tragen einer Gletscherbrille unvermeidbar ist. Mein Gesicht fühlte sich schon nach einer Stunde wie nach einem heißen Strandtag im Sommer an. Jetzt kann ich nachvollziehen, warum man uns unbedingt einen starken Sunblocker empfohlen hat. Wir freuen uns aber natürlich über die angenehmen -8° Celsius im antarktischen Sommer, auch wenn ich nach ungefähr zwei Stunden doch ganz schön fror. Nachdem wir wieder an Bord gegangen waren und uns auf unsere weitere Arbeit gestürzt hatten, verbrachten wir den verbliebenen Abend an Deck, um den Tag ausklingen zu lassen. Ganz dunkel wurde es nicht, denn wir befinden uns nun in einem Gebiet der Welt, wo die Sonne niemals vollkommen untergeht.

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Lars Focke 12.02.2007, 22:09 # 2 Kommentare
 
 
     
  11.02.2007  
     
 
Weddell Meer, -1° C
Operation MABEL Teil 2
 
  Das Team arbeitete die ganze Nacht über hart an der Suche des Tiefseeobservatoriums, doch MABEL ließ sich auch nach Stunden einfach nicht finden. Das Schiff fuhr in geringer Geschwindigkeit die Koordinaten ab, bei denen sie eigentlich auf dem Sonar zu sehen sein sollte. Das Team sah sich gezwungen, das Projekt abzubrechen. Erschöpft gingen die Beteiligten ins Bett.



Blick voraus

Ein weiteres Forschungsprojekt stand heute auf dem Plan. Unter der Leitung von Olaf Klatt vom Alfred-Wegener-Institut ließ die Polarstern ein weiteres Unterwassergerät hinab. Dieses Mal handelte es sich um ein eine Halterung mit 24 Flaschen, die durch ein geschickt konstruiertes System in der Lage sind, beim Herablassen ins Meer in verschiedenen Tiefen Wasserproben zu entnehmen. Somit lassen sich neue Erkenntnisse in der langen Entwicklung der südpolaren Gebiete gewinnen.



Konstruktion für Wasserproben

Am Dienstag sollten wir nun laut Plan in der Neumayer-Station eintreffen und morgen nach unserer langen Reise schließlich auf das Festland stoßen. Eine gute Nachricht kam am Abend von unserem Wetterdienst. Es wird besser und wir sollten in den nächsten Tagen doch noch Sonne bekommen.



Expeditionsleiter Prof. Hans Wolfgang Hubberten



Eissturmvögel begleiten uns zum Festland

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Lars Focke 11.02.2007, 19:12 # 6 Kommentare
 
 
     
  10.02.2007  
     
 
Weddell Meer, -1° C
Operation MABEL Teil 1
 
 

Bei der Unterwasserstation MABEL

Ein Auszug aus dem heutigen Speiseplan macht deutlich, wie sehr schon beim Frühstück auf die Versorgung der Expeditionsteilnehmer gelegt wird:

“Milch, Juice, Müsli, Quark, Corn Flakes,
Eier nach Wahl mit Speck, Zwiebeln, Pilzen,
Pfannkuchen mit Früchten,
Hamburger a la Polarstern“

Jeden Morgen werden wir von der freundlichen Stewardess und Krankenschwester Martina Wöckener gefragt, ob sie uns ein Rühr- oder Spiegelei zubereiten darf. Besonders die Mahlzeiten werden von den Forschern und Crewmitgliedern genutzt, um sich wenigstens für kurze Zeit vom anstrengenden Arbeitsalltag an Bord abzulenken, denn an Bord wird hart gearbeitet.

Das Team des Projektes MABEL ist schon seit Tagen damit beschäftigt, ihr Vorhaben erfolgreich abschließen zu können. Werden Sie heute Abend die Unterwasserstation tatsächlich ohne Probleme heben können? Das Wetter spielt jedenfalls mit. Es war teilweise sonnig und man konnte am Vormittag weit hinaus zum Horizont blicken. Da wir uns dem Festland nähern, kommen auch hin und wieder Eisschollen und Berge vorbei. Ohne dicke Jacke, Handschuhe und Mütze sollte man allerdings nicht an Deck gehen, um ein paar Fotos zu machen oder die Aussicht zu genießen. Die gefühlte Temperatur liegt durch die Wirkung des Windes, den sogenannten Chill Faktor, doch erheblich unter den momentanen -1° C.



Vorbei an imposanten Eisformationen



Vom Festland abgebrochene Eisberge


Michael bei der Arbeit

Nach dem Abendessen war es dann soweit! Der Moment, für den das Team um Prof. Hans Gerber lange wissenschaftliche Vorarbeit geleistet hat, rückte näher. Die See verhielt sich relativ ruhig und es wehte nur ein schwacher Wind. Ausgestattet mit Kameras und Scheinwerfern wurde das manövrierfähige Bergungsgerät mit einer Stahlseilwinde ins Wasser gelassen.



Der “Hi-Tech-Haken“ bereit zum Abtauchen

Die Brücke diente hierbei wieder als beliebter Treffpunkt, da sie einen perfekten Blick auf das Geschehen ermöglichte. Die Hoffnung war groß, denn eigentlich ist das Team bereits kampferprobt. Es wäre nicht das erste Mal, das sie ein solches Tiefseeobservatorium wieder ans Tageslicht bringen würden, doch dieses Projekt sollte unter keinem guten Stern stehen. Wir warteten bereits in dem Gemeinschaftssaal “Zillertal“, um den Erfolg des Forscherteams mitfeiern zu können als um 22 Uhr immer noch keine positive Nachricht verkündet wurde. Unser Expeditionsleiter Prof. Hans Wolfgang Hubberten vom Alfred-Wegener-Institut hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass die Polarstern nicht über den Zeitplan hinaus die Suche unterstützen kann. Morgen um die Mittagszeit müsste MABEL spätestens an Bord sein und wissenschaftliche Projekte bringen oftmals ein großes Risiko mit sich…

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Lars Focke 10.02.2007, 21:56 # 5 Kommentare
 
 
     
  09.02.2007  
     
 
Weddell Meer, -1° C
Eine Tonne Kartoffeln
 
 

Kurs auf die Neumayer-Station

Nach den letzten anstrengenden Nächten, in denen man sich aufgrund des starken Wellenganges so gut wie gar nicht ausruhen konnte, war die Letzte für uns wie ein Segen. Nachdem wir gestern Feierabend gemacht und alle Videobeiträge für den Rundfunk Berlin-Brandenburg geschnitten haben, legten wir uns in unsere Betten, um einen improvisierten Kinoabend zu veranstalten. Da an Bord sehr viel dafür getan wird, sich die wenige Freizeit vertreiben zu können, gibt es ein eigenes Bordradio und einen Videokanal, der über das Computernetzwerk zu empfangen ist. Wir schauten uns zum Entspannen einen Film an und freuten uns über die mittlerweile wieder beruhigte See. In dieser Nacht schlief ich so gut wie schon lange nicht mehr. Nach dem Frühstück um 8:00 Uhr stellten wir uns auf einen langen Arbeitstag ein. Wir nahmen uns vor, die Küche zu präsentieren und verabredeten uns mit dem Koch Ralf Müller Homburg, um uns ein paar Details über die berühmte Polarsternküche erzählen zu lassen. Wir hörten immer nur Gerüchte, wieviel Nahrungsmittel das Schiff wirklich in seinem Rumpf transportiert werden, aber dass es sich tatsächlich um ungefähr eine Tonne Kartoffeln, 1 ½ Tonnen Gemüse und Obst handeln würde, hätten wir nicht geschätzt. Zusätzlich ist der Koch in der Lage, exotische Fleischgerichte zuzubereiten, denn die Polarstern kommt viel rum in der Welt. In der Kombüse sind außerdem Abwäscher Wolfgang Möller und sein chinesischer Kollege Wu sowie die beiden Kochsmaaten Frank Silinski und Michael Martens beschäftigt. Michael ist es zu verdanken, dass wir jeden Morgen frische Brötchen und Brot bekommen. Sogar für frischen Kuchen und Torte wird gesorgt.



Michael Martens und Ralf Müller Homburg in Aktion



Stewardess Bärbel Czyborra bei der Essensausgabe

Der Wetterbericht versprach wie gestern schon nichts Gutes und lässt langsam unsere Hoffnung schwinden, die Neumayer-Station und das Festland bei Sonnenschein betreten zu können. Schade, denn bei Sturm und Schneedrift ist dieser Teil der Welt sicherlich nicht für Spaziergänge zu empfehlen. Sollten wir etwa unsere Sunblocker 50+ Sonnencreme umsonst eingepackt haben? Die anschließende Präsentation von Hannes Grobe, Wissenschaftler beim Alfred-Wegener-Institut, erklärte uns sehr unterhaltsam, wie die Forschungsstation aufgebaut ist. Er zeigte einen virtuellen Rundgang und erzählte, wie sie insgesamt funktioniert. Sie bietet viel Platz und verfügt über eigene Schneemobile. In der Sommersaison teilen sich Wissenschaftler aus der ganzen Welt die Labore und Arbeitsplätze, im Winter wird die Station von einer Gruppe deutscher Überwinterer betrieben. Auch dieses Mal werden bei unserem Besuch einige Forscher in der Station bleiben, um dann später die Antarktis auf dem Luftweg zu verlassen. Wir sind jedenfalls schon sehr gespannt!

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Lars Focke 09.02.2007, 19:29 # 5 Kommentare
 
 
     
  08.02.2007  
     
 
Weddell Meer, -2° C
Schlaflose Nacht
 
 

Kurs auf das Festland

Der Sturm kannte auch während der Nacht keine Gnade und ließ die Polarstern weiterhin schaukeln. Wie ich am lauten Schnarchen meines Kollegen Michael vernehmen musste, hat es wenigstens ihm nicht viel ausgemacht. Jonas und mir ging es allerdings etwas anders. Seekrank sind wir zum Glück nicht geworden und ich habe mir den Seegang tatsächlich noch heftiger vorgestellt, jedoch konnte ich beim besten Willen nicht einschlafen. In der Hoffnung, endlich müde zu werden, las ich immer wieder in einem Buch, doch es half nichts. Um drei Uhr bin ich dann aufgestanden, um mir ein wenig die Beine zu vertreten. Das Licht im Speiseraum war angeschaltet, aber ausser einem heruntergefallenen Stück Kuchen war ich allein. Ich nahm mir etwas Saft aus dem Getränkespender und verkroch mich nach einiger Zeit wieder in unsere Dreibettkammer. Sicher bin ich mir nicht, ob ich wenigstens ein paar Minuten schlafen konnte, aber ich erinnere mich daran, dass mir die verbliebene Zeit wie eine Ewigkeit vorkam und ich mich nur noch damit auseinandersetzte, welche Schlafposition gegen das ständige Hin- und Herschaukeln am besten geeignet wäre.

Pünktlich zum Frühstück standen wir drei auf und bestätigten uns gegenseitig, dass niemand so wirklich gut geschlafen hatte. Im Speiseraum unterhielt man sich an unserem Tisch über dasselbe Thema. Es soll wohl auch ein paar Fälle von akuter Seekrankheit gegeben haben, die auch jetzt noch mit dem Wellengang zu kämpfen haben. Ich gebe ja zu, dass mir in einigen Momenten auch etwas flau im Magen ist, aber so speiübel wurde mir zum Glück noch nicht.

Am Nachmittag wurden dann einige Decks wieder zum Betreten freigegeben, denn der Sturm hat nach ein paar Stunden etwas nachgelassen. Die Durchsage kam so manchen an Bord gerade recht, denn etwas frische Luft hätte schon morgens gut getan. An Deck musste man jedoch sehr vorsichtig sein, denn die Böden waren nass und rutschig. Ich zog mir meine Fließhandschuhe und darüber noch weitere Lederhandschuhe an, sodass ich am Treppengeländer keine Angst vorm Abrutschen haben musste.

Die abendliche Projektvorstellung begann wie immer mit der Wettervorhersage, die leider nichts Gutes versprach. Sowohl die samstägige Projektdurchführung MABEL als auch unsere Ankunft in der Neumeyerstation würden von der Sonne leider nicht begünstigt werden.
Im Anschluss erklärte der Wissenschaftler Bernd Wagner seine Teamarbeit, in der es darum geht, durch gewonnene Gesteinsproben mehr über die antarktische Vergangenheit und deren Entwicklung zu erfahren.

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Lars Focke 08.02.2007, 11:34 # 0 Kommentare
 
 
     
  07.02.2007  
     
 
Weddell Meer, -2° C
Sturm auf hoher See
 
 

Das Weddell Meer

Das Wetter hat sich gravierend verändert. An eine Grillparty wie am gestrigen Abend ist heute nicht mehr zu denken. Schon am Morgen fühlten wir deutlich, dass das Schwanken des Schiffes stärker geworden ist. Die Polarstern befindet sich nun im Weddell Meer und ist in einen Sturm geraten. Wir ergriffen prompt die Gelegenheit, um die Naturgewalt am eigenen Leib zu erfahren und bestiegen das sogenannte “Krähennest“. Als wir oben angekommen die Tür zur Aussichtsplattform öffneten, bemerkten wir sofort die Kraft des Windes. Schneeflocken flogen uns waagerecht mit einer Geschwindigkeit von 15 Metern pro Sekunde um die Ohren.

Kampf mit sieben Windstärken

Nach ein paar Stunden wurde der Sturm noch stärker und erreichte bis zu neun Windstärken. Die Durchsage, dass alle Außendecks nun gesperrt wären, machte uns die Situation deutlich. Mittlerweile hatte man als Anfänger tatsächlich Schwierigkeiten, geradewegs durch die Gänge zu kommen. Wir betraten die Brücke, um das Ausmaß des Seegangs selber zu sehen. Es war ein beeindruckendes Schauspiel, denn die Wellen hatten nun eine Größe erreicht, wie man sie eigentlich nur aus Kinofilmen kennt. Jedes kleinere Segelschiff hätte bei diesem Wetter keine Chance. Die Gischt spülte immer wieder eine riesige Menge Wasser über das Schiff und gegen die Brückenfenster. Wir waren nicht die einzigen Besucher. Die Brücke diente nun zusätzlich als beliebter Aussichtspunkt und die Hälfte der Wissenschaftler wartete mit Fotokameras bewaffnet auf den nächsten Brecher.



Aufprallen der Wellen am Bug

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Lars Focke 07.02.2007, 22:37 # 4 Kommentare
 
 
     
  06.02.2007  
     
 
Südpolarmeer, -1° C
Tests im Südpolarmeer
 
  Nachdem wir nun die nördlichen Ausläufer der Antarktis durchquert haben, die uns die gestrigen Eisbergsichtungen ermöglicht haben, befinden wir uns ab heute im Südpolarmeer. Man sieht zwar hier und da mal einen kleinen Berg, aber bevor wir nicht in die Nähe des Festlandes gekommen sind, werden wir das wohl nur noch selten erleben. Das Wetter ist windiger geworden und teilweise hat es tatsächlich etwas geschneit, was angesichts unseres Kurses auch nicht weiter verwunderlich ist, denn die Temperatur sinkt doch nun erheblich.



Kurs auf die Neumeyerstation


So langsam müssen wir die dicken Jacken, Mützen und Handschuhe auspacken, denn heute gab es an Deck ordentlich zu tun. Die Forscher des Projektes MABEL testeten heute erfolgreich ihren manovrierfähigen "Unterwasserhaken" MODUS, um am Samstag die Forschungseinrichtung MABEL problemlos vom Grund des Meeres zu holen.



MODUS wird zu Wasser gelassen


Erfolgreiche Vorbereitungen auf den Ernstfall

Danach hatten wir eine weitere Aufgabe zu bewältigen. Nur ging es dieses Mal nicht, um die Dokumentation von Forschungsaktivitäten, sondern um die Vorbereitung des heutigen Grillabends, für den wir uns freiwillig als Servicekräfte zur Verfügung gestellt haben. Von den Stewardessen wurde im Arbeitsgang ein großes Buffet aufgebaut. Auf dem Arbeitsdeck konnte man sich seinen Favoriten aus einer großen Auswahl an Fleischsorten aussuchen, um es anschließend selber zu grillen. Wir versammelten uns an der Rehling und genossen den milden Abend mit direktem Blick auf die Wellen.



Zahlreiche Fleischsorten durften probiert werden



Jonas, Meister am Grill

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Lars Focke 06.02.2007, 20:27 # 1 Kommentar
 
 
     
  05.02.2007  
     
 
Drake Passage, 1,6°C
"Eisberg voraus!"
 
 
Die nördliche Spitze der Antarktis

Der heute Tag begann für uns mit einem ausgiebigen Frühstück, bevor wir wieder an unsere Arbeit gingen und Vorbereitungen für die weiteren Dreharbeiten trafen. Auf dem Plan stand heute Nachmittag ein Umweltseminar, welches wir nun beizeiten absolviert haben müssen, da wir uns langsam aber sicher in den politischen Raum der Antarktis hineinbewegen.

Kurz vor Beginn des Kurses erreichte uns eine freudige Nachricht. Das erste Eis soll gesichtet worden sein. Jonas machte mich darauf aufmerksam und zeigte mit dem Finger aus dem Fenster. Zunächst konnte ich nicht viel erkennen, da dichter Nebel die Sicht erschwerte. Doch dann sah ich in der ruhigen See tatsächlich eine Eisscholle von ungefähr zwei Metern Länge.

Später wurde uns in dem Seminar von der Biologin Christina Bienhold zunächst grundlegende Fakten über die Entstehungsgeschichte der Antarktis erklärt. Auf einzelne Tier- und sogar Pflanzenarten wurde genauer eingegangen und durch Steckbriefe die Verhaltensweisen der Robben, Pinguine, Vögel und Wale näher gebracht. Oberste Priorität während unseres Aufenthaltes auf dem Festland sei die Rücksicht auf Flora und Fauna. Keiner Tier- oder Pflanzenart dürfte in irgendeiner Form geschadet werden. Kurz vor Ende des interessanten Seminars unterbrach eine Durchsage den Vortrag. Es wären tatsächlich schon Pinguine zu sehen! Die meisten von uns eilten an Deck, um das Springen der schwimmenden Vögel nicht zu verpassen. Doch sollte uns in diesem Moment noch mehr erwarten. Als wir in einer aufgeregten Gruppe wie Touristen nach Pinguinen Ausschau hielten, fuhren wir an einem majestätischen Eisberg vorbei und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Als ob sich Teile eines ganzen Gebirges vor uns erstreckten, glänzten die bis zu zehn Meter hohen Eisgebilde vor unseren Augen. Die Neulinge unter uns fragten sich, warum es denn noch gar nicht "antarktisch kalt" wäre, denn auch ohne dicke Polarjacke ließ es sich an Deck noch sehr gut aushalten. Der Nebel hatte sich zum Glück schon länger verzogen und wir sahen nun sogar eine kleine Gruppe Pinguine, die sich auf einem flachen Eisberg direkt neben der Polarstern versammelt haben.

Bevor wir wieder zum Seminar zurückkehrten, wurden noch einige Fotos geschossen, um diesen ersten beeindruckenden Eindruck der antarktischen Wunderwelt festzuhalten.


Wir dringen in antarktische Gewässer vor

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Lars Focke 05.02.2007, 20:13 # 4 Kommentare
 
 
     
  04.02.2007  
     
 
Drake Passage, 4,1°C
Weight Watchers
 
  Dass das Zunehmen an Gewicht auf der Polarstern fast nicht zu vermeiden ist, haben wir durch mehrfache Zeugenaussagen ja schon mitbekommen. Doch gibt es trotzdem Möglichkeiten, dieser Gefahr durch sportliche Aktivitäten im schiffseigenen Fitnessstudio entgegenzuwirken. Wenn schon nicht die eigene Disziplin, ist die beste Motivation dafür wahrscheinlich der “Wiegeclub“. In regelmäßigen Abständen verabreden sich freiwillige Teilnehmer dieser wohltätigen Institution, um Ihre Gewichtszunahme zu vergleichen. Diejenigen, die sich den kulinarischen Verführungen hingegeben haben und Ihr Gesamtgewicht mehr auf die Waage bringt als vorher geschätzt, spenden laut Teilnahmebedingung einen kleinen Betrag an die Kinderkrebshilfe. Heute war der erste Tag, an dem man sein aktuelles Körpergewicht registrieren konnte. Das Fitnessstudio würde also in der nächsten Zeit zu einem gut besuchten Ort auf der Polarstern werden.


Die „Muckibude“ auf dem Schiff

Wir befinden uns nun in der Drake Passage und dringen mit einer Geschwindigkeit von 12 Knoten immer weiter in Richtung Antarktis vor. In ungefähr einer Woche würden wir das erste Eis erreichen. Das Wetter ist beständig, heute war es stellenweise sogar etwas sonnig und wir erwarten derzeit keine schlechten Veränderungen.


Die Polarstern in der Drake Passage

Die abendliche Präsentation war sehr interessant, da wir Einzelheiten über die kommende Projektdurchführung “MABLE“ erfahren haben. Ein internationales Forscherteam hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Unterwasserstation MABLE mit einer Art überdimensionaler Anhängerkupplung nach ungefähr einem Jahr Messungstätigkeit an Bord zu holen. Sie übermittelt den Wissenschaftlern regelmäßig Daten für neue Ergebnisse der Tiefseeforschung.

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Lars Focke 04.02.2007, 20:07 # 3 Kommentare
 
 
     
  03.02.2007  
     
 
Der erste Tag auf See
 
  Nachdem wir den gestrigen Abend mit einem Feierabendbier an Deck ausklingen ließen und den beeindruckenden südamerikanischen Sonnenuntergang bewundern konnten, fielen wir müde ins Bett. Heute war unser erster Tag auf hoher See und sowohl back- als auch steuerbord ist kein Land mehr in Sicht. Wir befinden uns zur Zeit 53.4 Grad Süd, 66.1 Grad West im Osten von Feuerland. Die Lufttemperatur beträgt sechs Grad Celsius und die Wassertemperatur sieben Grad Celsius.


Unsere Position am 03.02.07

Das Wetter ist etwas schlechter geworden. Es hat den ganzen Tag über geregnet, was den Aufenthalt an Deck doch erheblich ungemütlicher gemacht hat. Heute vormittag versammelten sich alle Wissenschaftler im Vorführ- und Kinosaal, um von der leitenden Besatzung in den Alltag auf dem Schiff eingeführt zu werden. Der Kapitän begrüßte uns alle recht freundlich und gab das Wort an seine Offiziere weiter, die uns über interne Sicherheitsmaßnahmen und alltägliche Dinge aufklärten. Der Seegang wird zunehmend stärker und wir haben heute schon die eine oder andere größere Welle spüren können.

Nach dem Abendessen wurde eine ähnlich offizielle Veranstaltung abgehalten. Alle Wissenschaftler sollten sich vorstellen und ein paar grundlegende Fakten über Ihr Projekt erzählen. Obwohl die Mehrheit deutschsprachig sind, wird in der Regel Rücksicht über die anwesenden englischsprachigen Wissenschaftler genommen. Viele der noch jungen Forscher führen mit Ihren Professoren verschiedene Projekte durch, um so einen Teil Ihrer Diplomarbeit zu absolvieren. Nachdem diese Prozedur vollzogen wurde, kam der verantwortliche Fahrtleiter Hans Wolfgang Hubberten zu Wort und erklärte den allgemeinen Ablauf der Expedition und die einzelnen Zwischenstops an der Neumeierstation und Pridz Bay.


Die Forscher stellen sich vor


Fahrtleiter Hans Hubberten am Podium

Es folgen nun täglich Projektpräsentationen der einzelnen Forschungsteams in den Abendstunden, um allen Beteiligten einen Überblick zu geben. So geht der Arbeitstag für uns langsam zu Ende und wir freuen uns heute das erste Mal das Zillertal, die nun geöffnete Bordkneipe, besuchen zu können.

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Lars Focke 03.02.2007, 21:52 # 1 Kommentar
 
 
     
  02.02.2007  
     
 
Auslaufen
 
  Heute sollte also der große Tag sein! Um die Mittagszeit sollte die Polarstern bereit zum Auslaufen von den chilenischen Schleppern in die offene Magellanstraße geführt werden. Als wir um halb Sieben aufstanden, um ja nichts zu verpassen, kam pünktlich nach dem Frühstück die Durchsage, dass sich unser Auslaufen leider auf unbestimmte Zeit verzögern würde. Der Grund seien die angeblich zu starken Winde, die eine Lotsenbegeleitung nahezu unmöglich machen würden. Dass der Wind stark sei, würde ja auch niemand anzweifeln, jedoch glaubt die Besatzung allerdings eher an die Tatsache, dass die Chilenen uns wegen der bald eintretenden Wochenendgebühr warten lassen möchten.

Nach einem leckeren Mittagessen mit Fisch, Reis und dem natürlich reichhaltigen Buffet wurde es plötzlich hektisch auf dem Schiff. Die Wissenschaftler sind eingetroffen und standen nacheinander in einer Warteschlange auf der Gangway, bereit aufs Schiff zu kommen. Einer nach dem anderen hatte sich nun in der Besatzungsliste einzutragen und durfte dann weiter, um die Kajüte zu beziehen. Nun war es auf einmal nicht mehr so geräumig auf dem Schiff. Am gestrigen Tag kam uns die Polarstern fast schon etwas einsam vor. Was ist schließlich ein Forschungsschiff ohne Forscher?! Wie Ameisen wuselten die mehrheitlich überraschend jungen Wissenschaftler durch die engen Gänge und machten zuweilen einen etwas verunsicherten Eindruck, was das Finden Ihrer persönlichen Zweibettkajüten angeht. Anscheinend ist diese Reise nicht nur für uns das erste Mal!


Die Forscher kommen an Board

Nachdem jede Kajüte schließlich seinen zweimonatigen Besitzer gefunden hatte, erklang wieder eine plötzliche Durchsage, die sich an die angekommenen Forscher und auch an uns richtete. In Kürze würde ein Übungsalarm mit anschließenden Sicherheitsbelehrungen auf dem Helikopterdeck durchgeführt werden. Wenige Minuten später erklang in regelmäßigen Abständen ein unüberhörbar schriller Alarmton, der uns und die Forscher unverzüglich an Deck dirigierte. Unser zweite nautische Offizier Frank stand schon bereit, um uns kurz die notwendigen Sicherheitsinformationen zu mitzuteilen. Dann ging es auch schon los. Das Schiff wurde langsam aber sicher vom Pier losgemacht und die Schlepper hielten sich bereit, uns den sicheren Weg in Richtung offenes Meer zu zeigen. Alle Wissenschaftler versammelten sich an Deck und beobachteten das Treiben der Chilenischen Hafenarbeiter, die schwer damit zu tun hatten, die starken Taue von den riesigen Pollern zu entfernen. Auf einmal nahmen wir dann Fahrt auf. Man sah wieviel Wasser die Polarstern vor sich herschob, denn wir produzierten jetzt schon ziemlich beachtliche Wellen. Wir sahen die Hafenanlage langsam aber sicher kleiner werden und verstanden, dass es nun wirklich losgehen würde und es für den bevorstehenden Trip in das eisige Niemandsland kein Zurück mehr gäbe.


Instruktionen an Deck



Lotsen weisen uns den Weg

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Lars Focke 02.02.2007, 21:41 # 0 Kommentare
 
 
     
  01.02.2007  
     
 
Punta Arenas, Chile
Anheuern
 
  Nach unserer letzten Nacht im Hotel trafen wir beim Frühstück zufällig die ersten eingetroffenen Wissenschaftler, die wir auf unserer langen Reise begleiten werden. Als wir unsere bisherigen Erlebnisse hier in Chile munter ausgetauscht haben, wurde es für uns hektisch. Unseren zu provisiorischen Produktionsstudios umgebauten Hotelzimmern mussten wir nun den Rücken kehren. Überall lagen Kabel, standen Festplatten oder Computer.

Neben dem Packen unserer sieben Sachen standen auch noch Dreharbeiten an. Letzte Einkäufe wurden getätigt und nochmals in die Heimat telefoniert, denn von nun an wurde es ernst. Nach und nach verschwanden nun Annehmlichkeiten wie Internet, Mobilfunk und Postverkehr aus unserem Alltag. Nachmittags wurden wir dann von dem freundlichen Chilenen abgeholt, der uns bereits vor drei Tagen über die holprigen Straßen zum Hotel gebracht hatte. Wir verließen Punta Arenas und fuhren eine halbe Stunde durch das schöne patagonische Land in Richtung Hafen. Schließlich sahen wir sie, unsere neue Heimat für die nächsten zwölf Wochen. Trotz der unglaublichen zehn Windstärken lag die Polarstern ruhig und erhaben im tobenden Wasser. Wir machten unsere letzten Schritte auf dem Land und trugen das schwere Gepäck an Bord. Erst in einem Monat werden wir wieder festen Boden unter den Füßen spüren können. Ein komisches Gefühl irgendwie.



Anheuern bei Windstärke 10


Die letzten Meter


Wir meldeten uns an Bord und durften unsere Kajüte beziehen. Von der Besatzung wird sie liebevoll “Kindergarten” und „Stall“ genannt, da sie die einzige mit drei Kojen ist. Unsere Ankunft hat sich auf dem Schiff anscheinend schnell herumgesprochen. Wir wurden umgehend in die Messe zum Abendessen gerufen, wo wir einen ersten Eindruck von der kulinarischen Verpflegung an Bord bekamen. Man hatte uns nicht zuviel versprochen, sondern eher noch untertrieben. Ein reich gedecktes kaltes Buffetstand stand uns zur vollen Verfügung, bei dem so mancher Hotelkoch wohl neidisch werden würde. Sogar warme Speisen standen auf dem Plan. Wenn das tatsächlich nur das Abendessen darstellen sollte, konnten wir uns vorstellen, warum so mancher Forscher auf einer Expedition schon zehn Kilogramm zugenommen hat.

Anschließend stand ein offizieller Akt an. Wir mussten uns beim Kapitän melden und wurden zwischen Tür uns Angel seiner großzügig eingerichteten Kajüte glücklicherweise willkommen geheißen. Nun sitzen wir ziemlich erschöpft in unserem neuen Heim und versuchen unsere Klamotten an geeigneter Stelle zu verstauen. Morgen müssen wir früh aufstehen, denn es wird ein großer Tag: Wir brechen auf in Richtung Antarktis.


Die stürmische See



Unser letzter Blick in die Zivilisation

Copyright Lars Focke, Student der Fachhochschule Kiel
 
 
 
Lars Focke 01.02.2007, 21:20 # 0 Kommentare
 
 
     
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