
| 06.04.2009 |
|
||||||||
| Auf den Tag genau vor 100 Jahren will Robert Peary als erster Mensch den Nordpol erreicht haben. Am Jubiläumstag machen auch wir uns auf den Weg zum Pol. Für Frank beginnt der Tag mit einem Fehlgriff. Er schaut in sein Frühstücksmüsli und ruft aus: "Da ist ja nur Schokolade drin!" "Kein Wunder", sagt Zeltnachbar Arnold, "du hast ja auch die Mousse au Chocolat genommen, den Nachtisch für abends." Eiszapfen an der Nase ![]() Selbstporträt Drei Stunden nach dem Wecken sind die Zelte abgebaut und die Schlitten gepackt. Wir starten bei minus 32 Grad Celsius. Dazu bläst ein leichter, aber durchdringender Wind. An der Neoprenmaske über Nase und Mund bilden sich kleine Eiszapfen. Die Sonnenbrillen packen wir schnell weg. Sie beschlagen von unserem Atem, der sofort gefriert. Fleischeis Die Kälte kriecht förmlich von allen Seiten in den Körper. Ich versuche ständig, Finger und Zehen zu bewegen, doch wärmer werden sie davon auch nicht. Linderung verschaffen die Pausen. Ich trinke warmes Wasser und esse Schweizer Schokolade sowie gefriergetrocknetes Fleisch, das zu einem einzigen Klumpen zusammengefroren ist. ![]() Kräfte tanken trotz Kälte Die Landschaft ist beeindruckend. Eis, so weit das Auge reicht, glatt, verweht oder aufgepresst, Brocken wie willkürlich hingestreut. Braver Poldi Mein Schlitten Poldi pariert übrigens prächtig. Er läuft fast wie am Schnürchen, ohne zu kippen, wie sein Namensgeber in Bestform. Nach sechs Stunden erklärt Thomas die erste Tagesetappe für beendet. In Rekordzeit bauen wir die Zelte auf. Nur heraus aus der Kälte, hinein in den warmen Schlafsack! Zwölf eiskalte Kilometer sind wir heute dem Nordpol näher gekommen. Die Arktis hat ein wenig die Muskeln spielen lassen. Was, wenn sie einmal richtig ernst macht? |
||||||||
|
||||||||
|
||||||||
| 06.04.2009 |
|
||||||||
| Als ich in Longyearbyen, fertig angezogen, auf das Taxi zum Flughafen warte, fragt mich Eugen: "Wohin gehst du?" Ich antworte: "Zum Nordpol. Da war ich noch nicht." Weiche Landung ![]() Herzlich willkommen in Borneo Zwei Stunden später sitzen wir mit etwa zwei Dutzend weiteren Passagieren in einer Antonow-Düsenmaschine. Die andere Hälfte des Kabinenraums ist mit Gepäck und Ausrüstung gefüllt. Nach einer halben Stunde Flugzeit lassen wir die Inseln Spitzbergens hinter uns. Endlos erstreckt sich nun bis zum Horizont eine Eiswüste. Mir schräg gegenüber sitzt ein russischer Mitarbeiter der Eisstation Borneo, sehr beleibt, um es vorsichtig auszudrücken. Er könnte wahrscheinlich wie ein Eisbär ein Jahr fasten und würde dennoch überleben. Der Russe ist ein freundlicher Zeitgenosse. Er übersetzt uns die Durchsagen des Flugkapitäns und schreibt sie auf einen Zettel: "Minus 24 Grad auf Borneo, noch 40 Kilometer." Dann erleben wir eine Bilderbuchlandung auf dem Eis: Kein Ausrutscher, kein Ruckeln. Lediglich die Vollbremsung,die uns in die Sicherheitsgurte drückt, erinnert uns daran, dass wir auf einer kurzen Eispiste gelandet sind. Nummerierte Zelte Auf der Station Borneo ist alles perfekt durchorganisiert. Zelt 11 für einen kleinen Snack, Zelt 7 für die Instruktionen, wie es weitergeht. Die nächsten zwei Stunden vergehen wie im Flug. Wir befüllen und verpacken die Benzinflaschen, lassen uns heißes Wasser in unsere Thermoskannen füllen und ziehen schließlich unsere Schlitten zum wartenden Helikopter. Geduckt neben dem Heli ![]() Erster Zeltaufbau im Eis Borneo liegt derzeit nur 30 Kilometer vom Nordpol entfernt. Also werden wir rund 80 Kilometer weit zurück-, genau auf den 89. Breitengrad geflogen. Nach einer Dreiviertelstunde setzt uns der Hubschrauber ab. Unsere Schlitten werden ausgeladen. Wir ducken uns neben den Helikopter, weil sich die Rotoren weiterdrehen. Dann hebt der Hubschrauber ab. Wir sind alleine, mitten in der Eiswüste. |
||||||||
|
||||||||




