
| 04.04.2009 |
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![]() Spitzenwetter auf Spitzbergen. Als ich heute Morgen das Rollo des Schlafzimmers aufziehe, blicke ich in einen strahlend blauen Himmel - und sehe eigentlich zum ersten Mal die schöne Umgebung Longyearbyens, die sich gestern hinter den Schneewolken versteckt hielt. Eigentlich das ideale Wetter für eine Spritztour mit einem Skidoo, einem Motorschlitten. Doch leider hatten und haben wir heute noch jede Menge Vorbereitungen zu erledigen. Learning by doing Nach dem Frühstück bauen wir auf einer Eis- und Schneefläche in der Nähe unseres Hauses noch einmal beide Zelte auf - im Gegensatz zu unserem Vorbereitungswochenende in der Schweiz jedoch unter erschwerten Bedingungen. Denn trotz Sonne klettert das Thermometer auch heute nicht über minus 15 Grad Celsius. Und auch der Wind hat sich nicht verabschiedet. Wir haben uns die dicken, klobigen Handschuhe über die Finger gezogen und versuchen nun, die Knoten der Zeltschnüre zu lösen. Ich stoße an die Grenzen meiner Geschicklichkeit und streife die Handschuhe ab. Doch selbst bei diesen im Vergleich zur Nordpolregion wahrscheinlich noch milden Temperaturen rächt sich das sehr schnell. Ruckzuck kühlen die Finger aus. Nach jedem Knoten schlüpfe ich rasch wieder in die Handschuhe. Eine Mogellösung, die ich mir in den nächsten Tagen nicht mehr leisten kann. ![]() Wer hat noch nicht, wer will noch mal? Ein bisschen wirken wir alle noch wie eine Tollpatsch-Kombo – natürlich mit Ausnahme unseres Expeditionsleiters, der alle Handgriffe wie blind beherrscht. Verzweiflung bricht dennoch nicht aus. "Learning by doing" heißt unser Prinzip. Wir setzen darauf, dass wir beim Zeltauf- und -abbau und allem anderen schnell Routine entwickeln. Denn eigentlich ist es ja ganz einfach, und uneigentlich auch. SOS, ein Eisbär! Nachdem wir die Zelte wieder eingerollt haben, ruft uns Thomas zum Notfall-Training. Er zeigt uns, wie das Satellitentelefon, das internationale Alarmgerät und das GPS-Gerät zu bedienen sind, "wenn ich dazu nicht mehr in der Lage sein sollte". Das will ich mir lieber nicht ausmalen. Genauso wenig wie ein ungewolltes Rendezvous mit einem hungrigen Eisbären, der auf Menschenfleisch zum Frühstück steht. "Schön den Arm ausstrecken, bevor ihr den Revolver abfeuert", rät uns Thomas, "sonst habt ihr am Ende selbst ein Loch im Kopf." Was zweifellos unangenehm wäre. Doch vorher würden wir natürlich versuchen, den zotteligen Gast mit einem Schuss aus der Leuchtpistole oder einer Ladung Pfefferspray zu verscheuchen. „Ihr dürft die Dose nicht zu nahe vor das Gesicht halten, sonst hängt ihr selbst in der Pfefferwolke.“ Was ebenfalls ganz und gar nicht im Sinne des Erfinders wäre. ![]() Tischlein, deck dich für Notfälle Besser oben bleiben Auch im eiskalten Polarwasser sollten wir nach Möglichkeit nicht landen."Das Dümmste ist, wenn einer wirklich komplett durchbricht", macht uns Thomas Mut. Dann geht es zunächst einmal darum, den Unglückraben möglichst schnell wieder herauszuziehen, in Windeseile das Zelt aufzustellen und mit Kochern aufzuheizen. Nun wird der lebende Eiszapfen aus seinen Kleidern geschält und in den Schlafsack verfrachtet. Details der Aktion können unten nachgehört werden. Spätestens dann dürfte allen klar sein, dass es wirklich besser wäre, auf dem Eis zu bleiben. |
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| 04.04.2009 |
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| John Garvik entspricht so gar nicht dem Klischee eines Arbeiters in einer Kohlemine. Er ist weder ausgezehrt noch blass. Der 38-Jährige, den wir in einem Restaurant in Longyearbyen treffen, wirkt gesund, topfit und verbreitet gute Laune. John verdient sein Geld in einer Mine in Svea, knapp zehn Kilometer entfernt von Spitzbergens Hauptort: „Es ist eine harte Arbeit. Ich schufte den ganzen Tag in der Mine, zehn bis zwölf Stunden lang. Es ist meist dunkel, nass und kalt.“ Leben zwischen Mine und Tourismus ![]() Wie einst John Munroe Longyear Eine Woche lang arbeitet Garvik in den Stollen der Mine, dann hat er eine Woche frei. In dieser Zeit widmet er sich gemeinsam mit seiner Frau Hanne Bjerk den Touristen, die nach Spitzbergen kommen. Mehrere zehntausend sind es jeden Sommer. Ein Job reicht auf der Insel kaum noch, um über die Runden zu kommen. „Bis zu diesem Jahr konnten die Leute in den Minen arbeiten und hatten ein gutes Auskommen“, sagt Garvik. „Aber in diesem Jahr wurden die Einkommen gekürzt. Ich kenne viele, die andernorts Arbeit suchen, weil es hier immer weniger Geld gibt.“ Auf Spitzbergen sind noch etwa ein Dutzend Minen in Betrieb. Die Kohleindustrie hat Tradition. Longyearbyen verdankt seinen Namen dem US-Amerikaner John Munroe Longyear, der Anfang des 20. Jahrhunderts dort die erste Grubensiedlung auf der Insel gründete. Damals wurde die zahlreichen Schiffe, die zum Fischfang nach Spitzbergen kamen, mit Brennstoff versorgt. Das Denkmal, das an Longyear erinnert, steht heute mitten in der Einkaufszone der Kleinstadt. Wenig Kohle für Kohle Die Kohlemine, in der John Garvik arbeitet, förderte im vergangenen Jahr immerhin vier Millionen Tonnen. Früher subventionierte der norwegische Staat die Kohleindustrie. Jetzt müssen sich die Firmen selbst tragen. Die Weltwirtschaftskrise ist auch an ihnen nicht vorbeigegangen. Der Preis für eine Tonne sei innerhalb eines Jahres von 174 auf 60 Dollar gefallen, sagt Garvik. „Das ist ein echtes Problem.“ Viele Arbeitlose gibt es auf der Inselgruppe, die von Norwegen verwaltet wird und offiziell Svalbard heißt, dennoch nicht. „Jeder, der arbeiten will, kann herkommen“, erklärt John. „Aber wenn du keinen Job mehr hast, musst du wieder mit dem Schiff zurückfahren.“ Herzensangelegenheit ![]() John Garvik und seine Frau Hanne Bjerk Garvik lebt seit November 2000 auf Spitzbergen. Seine Frau lernte er zwei Wochen nach deren Ankunft auf der Insel kennen. Seitdem sind sie ein Paar. John glaubt aber nicht, dass sie hier alt werden. Es gebe viele Leute, die nur für sechs Monate hätten herkommen wollen, nun aber schon dreißig Jahre hier lebten. „Das kommt für mich nicht in Frage“. Garvik macht seine Zukunft davon abhängig, wie es mit der Kohleindustrie weiter geht. „Wenn sich die Talfahrt fortsetzt, mache ich in ein paar Jahren etwas Anderes: auf dem Festland, in Norwegen.“ Solange es geht, wollen John Garvik und Hanne Bjerk aber auf Spitzbergen bleiben. Denn irgendwie hängen die beiden an der Insel. Vielleicht, weil sie hier ihre Herzen aneinander verloren haben. |
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