07.04.2009  
     
 
89° 15' 18'' N/ 155° 51' 20''
Träumen von der heißen Dusche
 
  Eugen hat sich schon angemeldet. "Wenn wir wieder auf Spitzbergen sind, gehe ich als Erster lange heiß duschen." Sagt es und kriecht wieder ein Stück tiefer in den Schlafsack hinein. Die Kälte bleibt für uns das beherrschende Thema. Auch heute hat sie uns wieder tüchtig zugesetzt.

Wir lachen doch über Tiefkühlschränke


Eiswandern

Es begann schon in der Nacht. Trotz Arktis-Spezialschlafsack froren wir. Tiefkühlschränke sind gegen die Kälte hier ein Witz. Während die Elektrogeräte meist bei minus 18 Grad Celsius betrieben werden, schlagen wir uns mit Temperaturen jenseits von minus 30 Grad herum.

Hühnertanz

Alle fürchten vor allem um ihre Finger. Mehrfach wedelten wir wie aufgescheuchte Hühner mit unseren Armen, um die Blutzirkulation wieder in Gang zu bringen. Hätte uns ein Eisbär dabei beobachtet, hätte er uns wahrscheinlich den Vogel gezeigt. Apropos - weder von Eisbären, noch von Vögeln, noch von anderen Lebewesen gibt es hier eine Spur. Nichts, nur wir und das Eis.

Faule Sonne

Langsam, aber sicher verliere ich nicht nur das Gefühl für den Raum, sondern auch für die Zeit. 24 Stunden lang scheint die Sonne und wärmt doch nicht. Wahrscheinlich wird sie hier nur fürs Leuchten bezahlt.


Eisimpressionen

Das Laufen durch die Eiswüste hat fast etwas Meditatives. Die Gedanken kreisen, landen aber doch immer wieder bei der alles beherrschenden Kälte. Acht Stunden lang haben wir ihr heute getrotzt.

Ein Lob zur rechten Zeit

15,3 Kilometer haben wir hinter uns gebracht - Luftlinie wohlgemerkt. 83 Kilometer fehlen noch bis zum Nordpol.
"Ihr schlagt euch wacker", hat Expeditionsleiter Thomas nach der heutigen Etappe gesagt. Sicher wollte er uns auch ein bisschen Mut machen. Damit wir uns die warme Dusche auf Spitzbergen so richtig verdienen. Erst Eugen, dann wir anderen.
 
 
 
Audio (mp3): Tagesbericht vom 7. April 2009
 
 
Stefan Nestler 07.04.2009, 22:10 # 4 Kommentare
 
 
     
4 Kommentare

  Ich will mal versuchen für Dich einen Kühlraum zur klimatischen Re-Integration in der Welle zu finden... Drücke Dir meine gewärmten Daumen, dass alles weiterhin gut verläuft, gerade da ich mir versuche vorzustellen, wie es sich anfühlt über 8 ?
Stunden über Eisknubbel einen schweren Schlitten durch eine Landschaft ohne uns gewohnte Orientierungpunkte zu ziehen...
Ich wünsche sodenn allen Teilnehmern: "Augenbrauen-Eiszapfen und eine gute Durchblutung!
 
  Simone | Homepage | 08.04.2009, 20:27  
 
 
  Hi zusammen

Lese die Beiträge täglich, besonders da Eugen mein kleinster Bruder ist..;) Pass auf Hände und Füsse, sowie Ohren und Nase besonders auf;))
Weiterhin viel Spass und ganz liebe Grüsse nach oben aus der Schweiz,heute fast 24 Grad warm;)
Rita und co
 
  Rita | E-Mail | 08.04.2009, 17:52  
 
 
  Lieber Stefan und Ihr anderen lieben Menschen im kalten Norden unseres Planeten!
Ich lese (und höre) den blog nun täglich. Die Vorbereitungen fand ich schon sehr spannend und lehrreich. Ich bewundere Euren Forschergeist! Bis Spitzbergen würde es mich auch sehr reizen zu fahren; nun lese ich lieber über den weiteren Weg.
Ich bin sicher, dass Du, Stefan, mit den Freunden durch Eure Begeisterung am Projekt Euer Blut in lebenswerter Bewegung haltet und Euch keineswegs nach einem Antifrostschutzmittel wie bei Eisbären sehnen solltet: denn der GEIST beflügelt Euch und weil der Bär das nicht hat, hat ihm die Evolution dieses Vehikel geschenkt!
Ich denke an und mit Euch! Gutes Gelingen und kommt gesund zurück an die Deutsche Welle am Rhein! Herzliche Grüße, Ute
 
  Ute | Homepage | E-Mail | 08.04.2009, 09:03  
 
 
  Hochachtung,Bewunderung und " Hut ab" vor dem,was Ihr alle da draußen leistet !!!
Schicke Euch warme Grüße... Heidrun
 
  Heidrun | Homepage | E-Mail | 08.04.2009, 09:02  
 
 
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