06.04.2009  
     
 
89° 06' 47 ''/157° 25' 40''
Muskelspiele der Arktis
 
  Auf den Tag genau vor 100 Jahren will Robert Peary als erster Mensch den Nordpol erreicht haben. Am Jubiläumstag machen auch wir uns auf den Weg zum Pol.
Für Frank beginnt der Tag mit einem Fehlgriff. Er schaut in sein Frühstücksmüsli und ruft aus: "Da ist ja nur Schokolade drin!" "Kein Wunder", sagt Zeltnachbar Arnold, "du hast ja auch die Mousse au Chocolat genommen, den Nachtisch für abends."

Eiszapfen an der Nase


Selbstporträt

Drei Stunden nach dem Wecken sind die Zelte abgebaut und die Schlitten gepackt. Wir starten bei minus 32 Grad Celsius. Dazu bläst ein leichter, aber durchdringender Wind. An der Neoprenmaske über Nase und Mund bilden sich kleine Eiszapfen. Die Sonnenbrillen packen wir schnell weg. Sie beschlagen von unserem Atem, der sofort gefriert.

Fleischeis

Die Kälte kriecht förmlich von allen Seiten in den Körper. Ich versuche ständig, Finger und Zehen zu bewegen, doch wärmer werden sie davon auch nicht. Linderung verschaffen die Pausen. Ich trinke warmes Wasser und esse Schweizer Schokolade sowie gefriergetrocknetes Fleisch, das zu einem einzigen Klumpen zusammengefroren ist.


Kräfte tanken trotz Kälte

Die Landschaft ist beeindruckend. Eis, so weit das Auge reicht, glatt, verweht oder aufgepresst, Brocken wie willkürlich hingestreut.

Braver Poldi

Mein Schlitten Poldi pariert übrigens prächtig. Er läuft fast wie am Schnürchen, ohne zu kippen, wie sein Namensgeber in Bestform.
Nach sechs Stunden erklärt Thomas die erste Tagesetappe für beendet. In Rekordzeit bauen wir die Zelte auf. Nur heraus aus der Kälte, hinein in den warmen Schlafsack!
Zwölf eiskalte Kilometer sind wir heute dem Nordpol näher gekommen. Die Arktis hat ein wenig die Muskeln spielen lassen. Was, wenn sie einmal richtig ernst macht?
 
 
 
Audio (mp3): Tagesbericht vom 6. April 2009
 
 
Stefan Nestler 06.04.2009, 19:15 # 3 Kommentare
 
 
     
3 Kommentare

  Wer oder was ist das auf dem Selbstportrait? Wolperdinger in der "saukalten" Arktis?
Chris
 
  Chri | Homepage | 07.04.2009, 20:21  
 
 
  Hallo Frank,

wir wünschen Dir auf Deinem Weg viel Erfolg. Hut ab!

VG Matthias und Claudia
 
  Matthias und Claudia | E-Mail | 07.04.2009, 20:18  
 
 
  Hallo Stefan, ICH werde wohl nie zum Nordpol kommen.Wenn ich noch bei plus 12 Grad friere ( ich bin eine Frostbeule !!! )was würde ich dann bei minus 32 Grad machen ??? Meine Bewunderung für Euch "Nordpoleroberer" steigt von Tag zu Tag.Deine Berichte und Fotos sind toll.Die Eislandschaft wunderschön....wie lange bleibt sie den Menschen wohl noch erhalten ??
Dir und dem Team wünsche ich weiterhin toi toi toi...gutes Weiterkommen,keine Eisbären und warme Hände,Füße und Ohren :-)
Lieben Gruß Heidrun
P.s. mußte Frank jetzt sein Frühstücksmüsli abends essen ? hihi
 
  Heidrun | Homepage | E-Mail | 07.04.2009, 12:44  
 
 
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