27.06.2007  
     
 
Die Stromspione – den Energiekonzernen auf der Spur
 
  Wie viel Strom die Kraftwerke produzieren – davon hängt wesentlich die Höhe des Strompreises an der Strombörse in Leipzig ab. Noch kontrollieren die vier großen deutschen Stromerzeuger diese Informationen. Doch eine kleine Firma aus Bayern ist der Stromproduktion auf der Spur und sorgt für schnelleren Durchblick am Strommarkt. "Energiemanagement" hat in der Nähe der Kraftwerke Messgeräte installiert, die deren Stromausstoß messen. Die Stromkonzerne allerdings wollen ihre Informationsmacht nicht aufgeben und haben die Firma verklagt - wegen Industriespionage. Bisher sind sie mit der Klage vor allen deutschen Gerichten gescheitert. Karl Harenbrock hat die "Stromspione" bei Ihrer Arbeit begleitet.

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Stromschnüffler auf dem Weg zum Einsatz. Eine Mülltonne schützt das Geheimnis der beiden Stromexperten Timo und Helmut Sendner. Mit einem simplen Messgerät ermitteln sie wie viel Strom gerade produziert wird: "Wir wussten seit langem das es Bedarf am Markt gibt für solche Daten, weil niemand sie hat und jeder sie gerne hätte und alle Unternehmen sie hüten wie den heiligen Gral. Und da dachten wir – da wir sowieso für Transparenz sorgen wollen – fangen wir doch an, ein eigenes System zu entwickeln und haben dann Power Monitor gegründet."

Angetrieben von einer Autobatterie prüft ein Gerät die elektromagnetische Strahlung unter einem Hochspannungsmast. Durch diese Daten lässt sich die Kraftwerkskapazität errechnen. Die Informationen werden über Funk an einen Computer übermittelt. So verschaffen sich die Stromschnüffler eine Überblick über die Kraftwerksleistungen in ganz Deutschland.

Schon haben Kraftwerksbetreiber sie verklagt; der Vorwurf Industriespionage. Doch vor Gericht haben die Beiden bisher immer Recht bekommen. Power Monitor Sprecher Helmut Sendner erklärt warum: "Wir sind hier auf freier Flur für jeden zugänglich, somit kann man von Spionage eigentlich nicht reden. Zum anderen messen wir mit einer Technik, die in jedem Elektrosupermarkt zu haben ist. Das ist nichts aufwendiges, das ist nichts kompliziertes. Also damit ist man von der Spionage weit entfernt."

Ein Zweimannbetrieb gegen die Großen der Branche. Das Kraftwerk Emsland gehört dem Energiekonzern RWE. In dieser Woche steht hier alles still. Das spürt auch gleich die Strombörse in Leipzig. Denn der zentrale Faktor für den Handelspreis ist die Kraftwerksleistung. Gehen nur wenige Megawatt Leistung vom Netz reagiert der Markt sofort. Für Stromhändler ist es deshalb entscheidend zu wissen, wann welches Kraftwerk wie viel Strom liefert. Aber das wissen zuerst die Kraftwerksbetreiber, und die kaufen und verkaufen auch selber Strom. Diesen Informationsvorsprung könnten die Erzeuger nutzen, um die Preise zu manipulieren.

Dem widerspricht RWE-Sprecherin Annett Urbaczka, Insiderhandel habe es nie gegeben: "Ich kann die Informationen ganz klar dementieren, die behaupten, dass innerhalb des RWE Konzerns von Seiten der Erzeugungsseite an die Händlerseite Informationen weiter gegeben worden sind und zwar so, das die Händler des RWE Konzerns einen Vorteil gegenüber den übrigen Marktteilnehmern gehabt hätten."

Das Dementi ist für Power Monitor-Geschäftsführer Timo Sendner kein Grund sein Geschäft in Frage zu stellen. Sein Misstrauen gegenüber den Kraftwerksbetreibern bleibt: "Es ist zumindest nicht sehr wahrscheinlich das ein Unternehmen Daten die es selbst sehr viel Geld kosten könnte vor sich selbst geheim hält und insofern ist schon davon auszugehen natürlich, dass die eine Abteilung die andere Abteilung informiert Wissen oder garantieren das es so ist kann man natürlich nicht." Für 3.000 Euro im Monat verkaufen die beiden ihre Informationen an Stromhändler. Solange die Stromerzeuger auch als Stromhändler auftreten, liefern die Stromschnüffler Daten. Der Kampf David gegen Goliath geht in die nächste Runde.




 
 
 
Made in Germany: Stromspione
 
 
MIG 27.06.2007, 14:45 # 0 Kommentare
 
 
     
  27.06.2007  
     
 
Studiogast – Felix Matthes, Energieexperte
 
 
DW-TV: Das Konzept ist so einleuchtend, Felix Matthes vom Ökoinstitut, dass man sich fragt, warum werden eigentlich immer noch Häuser mit Öl- und Gasheizungen gebaut! Haben Sie eine Antwort?

Felix Matthes: Ich glaube, es gibt zwei zentrale Gründe. Erstens: das sind neue Techniken, neue Systeme. Architekten und Handwerker müssen sich daran gewöhnen, dass so was verfügbar ist und wie man so was vernünftig baut. Und der zweite Grund ist, dass bei steigenden Energieträgern solche Investitionen wirtschaftlich sind, ist die eine Sache, aber man zum Anfang ein bisschen mehr Geld aufbringen und Finanzierung ist ein Problem und das wird dann ohne staatliche Flankierung ganz sicher nicht am Anfang ohne weiteres gehen.

DW-TV: Glauben Sie denn, dass die Bereitschaft da ist, dass wirklich im großen Stil in Deutschland so umzusetzen, so zu bauen?

Felix Matthes: Ich glaube, es gibt überhaupt gar keine Alternative dazu. Der Großteil unseres Energieverbrauchs entsteht in den Gebäuden und wenn wir Treibhausgase wirklich massiv reduzieren wollen, kommen wir nicht daran vorbei deutlich weniger Energie zu verbrauchen, und den verbleibenden Energiebedarf mit erneuerbaren Energien abzudecken.

DW-TV: Wie heizt denn Ihr Ökoinstitut?

Felix Matthes: Unser Ökoinstitut hat seine Zentrale in genau dieser Solarsiedlung und wir haben dort auch ein Bürogebäude, in dem mehr Energie erzeugt wird als verbraucht.

DW-TV: Ok, bei der Stromerzeugung in Deutschland insgesamt spielen trotz allem Öl, Gas und Kohle die dominierende Rolle. Erneuerbare Energien haben nur einen Anteil von knapp 11 Prozent. Da sehen wir es nach der Wasserkraft kommen die erneuerbaren Energien. Wie kann man den ganz schnell, ganz doll steigern?

Felix Matthes: Wir haben ja in Deutschland ein Erfolgsmodell. Wir haben heute 11 Prozent aus diesen neuen erneuerbaren Energien, aber jedes Jahr kommt etwa ein Prozentpunkt dazu und das ist ein Erfolgsmodell, was international ja viel beachtet worden ist, dass man nämlich, wenn man Strom aus erneuerbaren Energie erzeugt, für jede Kilowattstunde einen garantierten Preis bekommt, und das hat dazu geführt, dass der Anteil sehr schnell gestiegen ist.

DW-TV: Und wie lange lässt sich das denn beibehalten diese Subventionierung des sauberen Stroms?

Felix Matthes: Ich glaube, dass lässt sich so lange beibehalten bis wir technologische Durchbrüche haben, weil Sie müssen sich klarmachen, dass ein Großteil der Herstellung dieser Technologien heute eigentlich im Manufakturmaßstab erfolgt und wir brauchen die Industrialisierung dieser Produktion, dann werden auch erneuerbare Energien wettbewerbsfähig.

DW-TV: Statt volle Teller also voller Tank! Felix Matthes, finden Sie es richtig Nahrungsmittel zu Biogas zu verarbeiten?

Felix Matthes: Ich glaube, da muss zwei verschiedene Dinge sehen. Erstens geht’s da im Moment um eine Marktanpassungsphase, die Nachfrage, und das ist ja klar gesagt worden, kam sehr überraschend und die Produktion ist nicht entsprechend ausgeweitet worden. Das heißt, es wird dort Anpassung geben, gerade, wenn der Getreidepreis sehr sehr hoch ist, aber wir haben natürlich auch technologische Entwicklungen, die einen Teil der Dramatik aus der Diskussion rausnehmen werden.

DW-TV: Da sprechen wir gleich noch rüber! Erst einmal die Frage, also so ganz unbegrenzt lässt sich die Anbaufläche aber ja nicht ausweiten?

Felix Matthes: Ja, aber wir haben Weltmärkte, die auch in der Lage waren sehr sehr große Mengen an Getreide verfügbar zu machen und da muss man die Situation ein bisschen unterscheiden. Das ist in der europäischen Union nicht so ein großes Problem, weil dieses Getreide ohnehin nur im begrenzten Maße dem Weltmarkt zur Verfügung steht, das sieht in Amerika, wo das Schlagwort Tortillakrise ja schon die Runde macht, ein bisschen anders aus.

DW-TV: Sie haben eben auf die Technologien hingewiesen, die die Lage möglicherweise entspannen, welche sind das?

Felix Matthes: Die Technologie, das man letztendlich nur, die auch für Lebensmittel nutzbaren Teile der Pflanzen, für die Energiegewinnung nutzt, ist eigentlich nur ein wichtiger Weg für die Einführungsphase. Wir haben Technologien in der technologischen Entwicklung die eine Arbeitsteilung erlauben werden. Das Korn für den Teller und den Strohhalm für die Energie!

Interview: Katrin Prüfig

 
 
 
Made in Germany: Studiogast, Felix Matthes
 
 
MIG 27.06.2007, 14:42 # 0 Kommentare
 
 
     
  27.06.2007  
     
 
Insel der Seeligen – Sonnenhäuser zum Geldverdienen
 
  In Freiburg steht seit Kurzem die modernste Solarsiedlung der Welt. Der Clou: die sogenannten "Plusenergiehäuser" produzieren mit ihren Solarzellen auf dem Dach mehr Strom als sie verbrauchen. Der überschüssige Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist. Damit können Hausbesitzer pro Jahr bis zu 5.000 Euro verdienen. Da sind die 15 Prozent Mehrkosten für das Energiespar-Haus gegenüber einem herkömmlichen schnell wieder eingespielt. Die von Freiburger Architekten konzipierte Solarsiedlung zieht internationale Besuchergruppen in Scharen an. Joachim Eggers über das Sonnenglück in der Solarsiedlung.  
 
 
Made in Germany: Sonnenhäuser
 
 
MIG 27.06.2007, 14:37 # 0 Kommentare
 
 
     
  27.06.2007  
     
 
Sprit statt Brot – die Getreidepreise explodieren
 
  Deutschlands größter Agrarhändler, die Münchener Baywa, schlägt Alarm: Global werde zu viel Getreide für die Produktion von Biokraftstoffen verwendet. Weizen und Mais werden daher an anderer Stelle knapp, was die Preise auf dem Weltmarkt geradezu explodieren lässt. Allein in den letzten 12 Monaten ist der Preis für Weizen, Mais und Futtergerste um bis zu 70 Prozent gestiegen. Gleichzeitig sinken die weltweiten Getreidereserven auf neue Tiefstände. Zu den Gewinnern dieser Entwicklung gehören die deutschen Landwirte. Doch dramatische Auswirkungen könnten die immens hohen Getreidepreise in weniger entwickelten Ländern haben. Eine Reportage von Wolfgang Bernert.  
 
 
Made in Germany: Sprit
 
 
MIG 27.06.2007, 14:36 # 0 Kommentare
 
 
     
  27.06.2007  
     
 
Schlaue Schweizer – Edelstrom aus Wasserkraft
 
  Mehr als 500 Wasserkraftwerke gibt es in der Schweiz – sie produzieren zwei Drittel des schweizerischen Stroms. Der Rest wird exportiert. Das lohnt sich für das kleine Land, das damit mehr als 600 Millionen Euro im Jahr verdient. Das Konzept: Tagsüber lassen die Wasserkraftwerksbetreiber das Wasser vom oberen See in den unteren fließen und produzieren damit Strom, der hohe Verkaufspreise erzielt, nachts wird das Wasser mit billigem Strom aus dem Ausland wieder nach oben gepumpt. Umweltschützer sehen das Business skeptisch. Sie sagen, die Wasserkraftwerke veredeln den Strom nur, denn der billige Nachtstrom kommt hauptsächlich aus Kohlekraftwerken. Hagen Tober berichtet.  
 
 
Made in Germany: Schweiz
 
 
MIG 27.06.2007, 14:34 # 0 Kommentare