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Unsere Moderatorin Katrin Prüfig unterhält sich mit Michael Heise über die Nachwuchssorgen der deutschen Unternehmen und die Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung.
DW-TV: Michael Heise, es sind super Jobs zu vergeben und keiner will sie. Was läuft da falsch?
Michael Heise: In manchen Bereichen der deutschen Wirtschaft hat es in den letzten Monaten in der Tat einen ganz kräftigen Auftragsanstieg gegeben, den man personalpolitisch gar nicht richtig abfedern oder vorbereiten konnte. Insofern gibt es in einigen Sektoren und Branchen der Wirtschaft tatsächlich einen Mangel an Fachkräften.
DW-TV: Liegt es denn dann an den Unternehmen? Sind die selber Schuld daran, dass sie die Stellen jetzt nicht besetzen können?
Michael Heise: Das kann man so sicherlich nicht sagen. Dieser kräftige Anstieg der deutschen Exportkonjunktur, des Maschinenbaus, der Elektrotechnik war in diesem Umfang nicht abzusehen. Insofern wäre es keine sinnvolle Strategie gewesen, zu viel Personal über die Jahre der Schwäche hinaus vorzuhalten, um es jetzt bereitzuhalten. Ich denke schon, dass der Arbeitsmarkt in Deutschland ziemlich flexibel ist. Es gibt Millionen von Menschen, die Jahr für Jahr ihren Job wechseln und insofern wird auch kein akuter Engpass hier entstehen, der das Wachstum sehr stark behindert.
DW-TV: Den offenen Ingenieursstellen stehen aber auch ganz ganz viele Arbeitslose Ingenieure gegenüber! Warum passen die nicht auf diese offene Stellen?
Michael Heise: Ja ich glaube, dass ist bei Ingenieuren so wie bei allen Berufsständen. Es gibt immer welche deren Qualifikationen nicht mehr ganz zu den Erfordernissen passt, die der Markt verlangt werden und in so fern muss man das glaub ich überall in Anrechnung stellen.
DW-TV: Die sind arbeitslos und bleiben arbeitslos!
Michael Heise: Das glaube ich eben nicht, dass wird kein Dauerphänomen sein. Auch Ingenieure haben auch die Möglichkeit, sich dann weiter zu entwickeln und weiter an die aktuellen, modernen Techniken heranzukommen. Und wenn die Nachfrage sich so weiter entwickelt wie in den letzten Monaten, werden auch diese Ingenieure bald einen Job finden.
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DW-TV: Fakt ist auf jeden Fall, dass der Mangel an Ingenieuren ist den vergangenen Jahren sehr viel größer geworden ist. 2004 gab es 7000 offiziell als offen gemeldete Ingenieursstellen bei der Bundesagentur für Arbeit. Zuletzt sind es schon 12.000. Die wirkliche Zahl der offenen Stellen ist wahrscheinlich noch dreimal so hoch. Aus Ihrer Sicht der aktuelle Ingenieursmangel ist es eine Gefahr für den Aufschwung?
Michael Heise: Akut ist es keine Gefahr! Wie ich meine haben wir eben einen sehr mobilen Arbeitsmarkt, wir haben die Möglichkeit auch mehr Ingenieure aus dem Ausland anzulocken. Viele haben ja auch insbesondere auch Architekten, wenn man das ein bisschen weiterfasst, in den letzten Jahren Deutschland verlassen. Wir können hier über einen Rückzug auch wieder Kapazitäten gewinnen und man muss auch sehen, dass sich an den Universitäten in Deutschland sehr viel tut. Dass das Studium der Naturwissenschaft, der Ingenieurswissenschaft wieder oben ansteht. Die Berufschancen sind hervorragend und die öffentliche Hand steckt eine ganze Menge Geld in diese Ausbildung.
DW-TV: Jede offene Ingenieursstelle verhindert sozusagen Innovation und jeder Ingenieur, der nicht im Job ist, verhindert auch, dass er weitere Stellen schafft durch seine Arbeit! Das Problem ist doch gerade akut schon da?
Michael Heise: Das ist kein Problem, das wir lange akzeptieren und dulden können, denn Sie haben vollkommen recht: Wenn Ingenieure fehlen, dann fehlt es möglicherweise auch an Innovation in der Wirtschaft und dann entstehen andere Jobs nicht, die wir sonst hätten. In so fern muss alles getan werden, um diesen Mangel zu beseitigen, aber ich glaube es wird einiges getan in der Ausbildung, in der Hochschulbildung insbesondere ist sehr viel in Bewegung geraten in Deutschland und wir haben die Möglichkeit wie gesagt der Immigration.
DW-TV: Wirtschaftsverbände fordern gerade aktuell von der Bundesregierung, mehr Zuwanderung zuzulassen. Was hindert denn die Bundesregierung daran, das zu tun?
Michael Heise: Ich glaube, es hindert uns eigentlich nichts, das zu tun. Viele andere Länder tun es und lassen Zuwanderung eben auch unter berufsspezifischen oder Qualifikationskriterien zu. Wir sollten es in Deutschland tun. Wir verdrängen damit keine anderen Arbeitskräfte vom Arbeitsmarkt. Wir stärken unser Wachstum und das Hauptproblem ist: Wir müssen attraktiv genug sein, damit diese Fachkräfte kommen. |
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