
| 30.05.2007 |
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| Indien ist eines seiner neuesten Standbeine. Viele Unternehmen auf dem Subkontinent sind längst zu potenziellen Kunden geworden. Wenn Kerkhoff in Indien unterwegs ist, schlägt er zwei Fliegen mit einer Klappe: Neben der Suche nach neuen Kunden besucht er auch mögliche Zulieferer für seine deutschen Auftraggeber, denn auf dem indischen Markt ist vieles noch günstiger zu bekommen. Aber nicht nur der Preis, auch die Zuverlässigkeit und natürlich die Qualität sind wichtig bei seinen Recherchen. Michael Wetzel hat Gerd Kerkhoff auf Einkauftstour in Indien und bei einem Beratertreffen in Düsseldorf begleitet. Besuch in einer kleinen Näherei im indischen Mumbai. Wenn Unternehmensberater Gerd Kerkhoff auftaucht, kann das ihre Zukunft verändern. Kerkhoff sucht im Auftrag seiner Kunden nach dem perfekten Zulieferer. Das ist vielleicht diese Näherei. Der Kunde in Europa will vor allem Kosten sparen. Gerd Kerkhoff: "Das ist wirklich abhängig von Produkt zu Produkt. Das kann anfangen bei 10 Prozent nach allen Kosten die entstehen, Transport und so weiter. Bis hin zu 50 Prozent. Der Kundfe muß das richtig spüren. Andernfalls würde er a) den Lieferanten nicht wechseln und b) die Produktion so weit entfernt ansiedeln." Auch ein noch so kleiner Produzent in Indien könnte genau der Richtige sein. Den muss man aber erstmal finden. Kerkhoff ist darauf spezialisiert. Kerkhoff guckt nicht nur nach Preis und Qualität, sondern auch nach den Arbeitsbedingungen. Landesübliche Standards sind ausreichend. Kinderarbeit ist tabu. Heute bleibt es aber beim Informationsbesuch. Sein Büro in Mumbai gibt es seit 3 Jahren, mit mehr als 20 Beratern. Alle paar Monate ist Kerkhoff hier, um nach dem Rechten zu schauen. Heute aber verkündet er eine neue Strategie. Bisher haben seine Mitarbeiter in Indien nur Lieferanten für europäische Kunden gesucht. In Zukunft sollen sie auch indische Firmen beim Einkauf beraten, so Kerhoffs neue Strategie: "Das Billiglohnland Indien gerät selbst unter Kostendruck. Deshalb müssen wir das Produkt, das wir in Europa anbieten, jetzt auch indischen Unternehmen verkaufen. Die sind dafür sehr offen..." Die ersten Kundengespräche wird Kerhoff selbst führen. Da darf die Kamera nicht mit. Die Kunden wollen Diskretion. Wir treffen ihn nach dem Gespräch. Nicht alles ist glatt gelaufen. Bis zum Auftrag, das wird noch dauern. Aber Kerkhoff ist hartnäckig. "Ich meine das muss man ja auch mal sehen. So eine Unternehmensgruppe muss man in Deutschland oder in Europa sehr lange suchen. Die sich sowohl beschäftigen mit Consumer Goods. Also die produzieren Kekse, betreiben gleichzeitig ne Airline, betreiben 'nen Real Estate Geschäft, bauen Bürogebäude somit, hier in Indien, haben ein chemisches Unternehmen und das als ein Konglomerat einer Familie gehörend. Das wär ein sehr interessanter Kunde." Dann ein Verkehrsstau. Alltag in Indien. Genauso wie die Armut. Unternehmensberater Kerkhoff: "Der erste, der zweite, der dritte Besuch in so einem Land sind schon sehr beeinträchtigend. Man lernt dann, damit umzugehen. Und ich glaube irgendwann wird man Inder! Man nimmt es nicht mehr wahr. Außer wenn so ne extreme Nähe entsteht. Ich habe selber ja zwei Töchter zum Teil dann auch in dem Alter, die hier betteln, das fällt dann schon immer wieder erneut schwer." Wenn Zeit bleibt, zwischen den Terminen, dann macht Kerkhoff auch selbst, was er anderen gerne empfiehlt: Einkaufen. Zum Beispiel Brillen, die sind hier viel billiger als in Deutschland: "Ich achte eigentlich nur darauf, dass sie mir gefällt, zunächst einmal. Ich hab hier mehrere gekauft. Sie werden es nicht glauben, selbst die, die ich trage ist hier in diesem Geschäft entstanden." Acht Brillen kaufen Kerkhoff und seine Begleiter. Dreißig Mal war Kerkhoff in den letzten Jahren sicher schon im Land. Aber immer noch entdeckt er Neues. Wie hier eine hinduistische Tradition. 'Kirtan' nennen die Inder diese religiöse Zeremonie. Kerkhoff ist beeindruckt. Und: Sprachlos. Sein Alltag in Deutschland ist weniger farbenfroh. 36 Stunden später in Düsseldorf. Wenn er reist, hält seine Frau Stefanie hier die Fäden in der Hand. Heute abend sind fast alle seine Berater versammelt. Eine seltene Gelegenheit, die er nutzt, um seine Erfolge in Indien zu verkaufen: "Wir haben drei Termine aus den Top Ten Unternehmen, die wollen, dass wir uns in vier Wochen zusammen setzen." Manchmal wirkt Kerkhoff fast etwas ungehalten. Dann, wenn er das Gefühl hat auf Widerstände zu stoßen, bei seinen eigenen Leuten. Dabei, so sagt er, kann er Kritik eigentlich durchaus vertragen: "Nur solange die Kritik als Kritik bleibt, also ohne zu sagen, wie man es besser machen kann, dann werde ich – man kann dann sagen – willkürlich entscheiden. Ok?" Denn eins will er auf keinen Fall: Dem Markt hinterherrennen. |
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DW-TV: Der Markt, das Wachstum und die Globalisierung, dazu jetzt Fragen an Professor Thomas Straubhaar, Präsident des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitutes. Was reizt eigentlich an Indien? Thomas Straubhaar: Ich denke, zunächst einmal sicher die Größe, dann aber auch die Qualifikation der dort Beschäftigten. Denken Sie beispielsweise an die Softwareentwicklung, da gibt es Hunderttausende von hochqualifizierten Spezialisten, die eben genau die Dinge liefern können, die wir in Europa nicht so schnell verfügbar haben. DW-TV: Längst nicht mehr sind nur die niedrigen Löhne das Ausschlaggebende oder? Thomas Straubhaar: Und längst nicht mehr nur Spielzeuge oder Billigprodukte, sondern das sind hochqualifizierte Dienstleistungen, gerade im Bereich der Kommunikation, der Informationsverarbeitung, der Softwareentwicklung. Das sind Bereiche, in denen Indien aus verschiedenen Gründen sehr weit vorne steht im Weltmarkt. DW-TV: Indien und genauso China haben sich ja in den vergangenen Jahren unglaublich dynamisch entwickelt. Wir sehen hier auf unserer Grafik den Vergleich der Wirtschaftsleistung mit Deutschland: Deutschland 2 Billionen Euro Gesamtwirtschaftsleistung, China knapp dahinter - soll Deutschland demnächst überholen, Indien 659 Milliarden Euro. Wichtige Frage der deutschen Globalisierungsgegner: wachsen diese Länder auf unsere deutschen Kosten? Thomas Straubhaar: Nein, das wäre, glaube ich, der größte Irrtum, dass das ein Nullsummenspiel ist: dass nur die Einen das gewinnen können, was die anderen verlieren. Das ist das tolle an der Globalisierung und am Welthandel, dass beide insgesamt nach vorne kommen können. DW-TV: Kann das denn in diesem Tempo weitergehen? Thomas Straubhaar: Das wird in diesem Tempo weitergehen, sicher nicht immer so stetig immer nur nach oben. Aber in mittlerer und längerer Frist wird es auf jeden Fall durch den Einschluss von China und Indien weiterhin zu stark wachsenden Welthandelsströmen kommen. DW-TV: Es gibt ja durchaus auch Probleme in diesen Ländern. Wo liegen die Grenzen des Wachstums? Thomas Straubhaar: Die Grenzen liegen auch in diesen Ländern dort wo sie in Europa vor 50 oder 100 Jahren gelegen haben, das sind soziale Fragen, das sind Umweltfragen, das sind Fragen der Verteilung dieses raschen Wachstums. Und ich denke, das wird diese Länder auch noch vor das eine oder andere Problem stellen. DW-TV: Bundeskanzlerin Merkel hat in ihrer Regierungserklärung zum G-8-Gipfel gesagt, man wolle und solle der Globalisierung ein menschliches Gesicht geben. Ist die Globalisierung in der jetzigen Form unmenschlich? Thomas Straubhaar: Nein, das würde ich so nicht sehen. Ich denke, die Globalisierung löst nicht alle Probleme dieser Welt, aber sie hilft auf jeden Fall, die meisten Probleme leichter lösbar zu machen. Was sicher noch wichtig sein wird, ist, dass man nicht mit Argumenten, die sozusagen eher aus einer westlichen, nordischen Sicht kommen, dann versucht, wieder neue Schutzbarrieren aufzurichten gegenüber Gütern aus dem Süden. Und ich denke, das ist das, was ich unter menschlichem Antlitz verstehen würde. DW-TV: Das ist der Vorwurf Globalisierung als Einbahnstraße: nur die Reichen profitieren. Das ist ja in der Tat in vielen Ländern so. Thomas Straubhaar: Das ist deshalb auch so, weil wir hier sozusagen mit der linken Hand mehr Globalisierung wollen und dann mit der rechten Hand, sobald der Süden was zu bieten hätte, was dem Norden Probleme verursacht, gleich wieder Grenzen hochfahren lassen. DW-TV: Aber selbst in den Ländern, wo Globalisierungsprozesse in Gang sind, hat man den Eindruck, nur wenige werden reich, viele bleiben arm. Thomas Straubhaar: Das ist richtig, aber das ist oft nicht das Thema der Globalisierung, sondern das ist die Frage: Wie wird Wachstum verteilt und wer kann davon profitieren? Und das hat etwas mit politischen Strukturen zu tun, die in vielen Ländern eben noch so sind, dass sich nur eine kleine Elite bereichert und die große Masse der Menschen nichts davon übrig behält. Interview: Katrin Prüfig |
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| Doch nach jahrezehntelangem Raubbau setzt langsam ein Umdenken ein. Und das lohnt sich auch wirtschaftlich - in Deutschland sind ökologische Hölzer sehr gefragt. Die Freiburger Firma "Unique Wood" stellt Parkettböden aus den hochwertigen Tropenhölzern her. Zu diesem Zweck wurde 2002 ein Joint Venture mit einem Forstbetrieb in Paraguay gegründet. Das Unternehmen engagiert sich für eine umweltverträgliche, nachhaltige Waldbewirtschaftung. Ein großer Teil der Wertschöpfung findet in Paraguay statt und hilft somit, in einem der ärmsten Länder der Region Arbeitsplätze zu schaffen. Eine Reportage von Matthias Kopp. |
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| 300 Mitarbeiter beschäftigt das Familienunternehmen und erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 120 Millionen Euro. Die Produktion aus dem schleswig-holsteinischen Elmshorn in Billiglohnländer zu verlegen, das kommt für den 59jährigen nicht in Frage. Trotzdem besteht er gegen Konkurrenten wie Kellogg´s, der Mittelständler will sogar Umsatz und Ertrag weiter steigern. MADE IN GERMANY hat den Kölln-Chef besucht, von dem seine Mitarbeiter sagen, er sei einer der wenigen sozial eingestellten Unternehmer. Ein Porträt von Mabel Gundlach. | ||||||||
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