08.05.2007  
     
 
Edel und teuer – das venezianische Schuhparadies
 
  Viele Fabriken mussten schließen, nachdem der wichtigste Abnehmer Deutschland die Schuhe in Massen anderswo billiger einkauft. Doch an der Riviera del Brenta, in der Nähe von Venedig, hat sich eine Insel der Erfolgreichen halten können. Hier hat das Schuhhandwerk eine lange Tradition. Rund 300 kleine und mittlere Schuhbetriebe haben sich auf Exklusivität und Qualität konzentriert. Ihre 13.000 Beschäftigten produzieren für die teuren Modehäuser wie Dior und Yves Saint Laurent, bei denen der Preis Nebensache ist. Der Vorteil, sie beherrschen ihr Handwerk kunstvoll und liefern beste Qualität in kurzer Zeit. Katharina Bahn hat sich bei den italienischen Schuhmachern umgesehen und erfahren, dass ihr Umsatz im vergangenen Jahr noch mal um 25 Prozent gestiegen ist.  
 
 
Made in Germany: Schuhe aus Italien
 
 
MIG 08.05.2007, 20:22 # 0 Kommentare
 
 
     
  08.05.2007  
     
 
Deutschlands neue Gründer – Augusta Behnstedt
 
  Die Berlinerin Augusta Behnstedt hatte eine simple, aber durchschlagende Idee. Was lässt sich aus riesigen Film- und Werbeplakaten an Häusern und Denkmälern machen? Ganz einfach: individuelle Taschen. Sie nutzt das robuste Material, um daraus ein besonderes modisches Accessoire zu machen. Keine Tasche gleicht der anderen. Die 40-jährige verkauft diese inzwischen aus Berlin in die ganze Welt, z. B. nach Brasilien und Japan. Zu ihren Kunden gehört unter anderem das Porschemuseum. Augusta Behnstedt hat Design in Berlin studiert, bevor sie sich mit ihrem eigenen Label selbständig machte. In ihrem Berliner Loft hoch über der Spree entstehen täglich neue Ideen für neue Modelle. Miltiades Arsenopoulos hat ihr dabei über die Schulter geguckt.  
 
 
Made in Germany: Deutschlands neue Gründer – Augusta Behnstedt
 
 
MIG 08.05.2007, 20:19 # 0 Kommentare
 
 
     
  08.05.2007  
     
 
Studiogast – Klaus Deutsch, Deutsche Bank Research
 
  DW-TV: Die ausgehandelte Lohnerhöhung um mehr als 4 Prozent schlägt ganz schön zu Buche. Klaus Deutsch, glauben Sie, dass die Unternehmen diesen, vergleichsweise hohen Abschluss tatsächlich verkraften können?

Klaus Deutsch: Die Metallbranche hat eine sehr gut Entwicklung genommen, und es liegt durchaus im Rahmen dessen, was die Firmen verkraften können.

DW-TV: Also der Aufschwung in Deutschland oder die Wirtschaftskraft des Landes wird dadurch nicht gebremst?

Klaus Deutsch: Nein, die Arbeitnehmer haben in den letzten Jahren sehr wenig an Lohnerhöhungen gesehen, und dieses Jahr läuft es entsprechend der Konjunktur wesentlich besser.

DW-TV: Glauben Sie denn, die werden das Geld dann auch tatsächlich ausgeben, also dem Konsum einen Schub geben?

Klaus Deutsch: Ja, dafür spricht einiges. Aber wichtiger als die aktuelle Lohnerhöhung ist wahrscheinlich die Tatsache, dass man die Beschäftigungsperspektiven auf dem Arbeitsmarkt wieder positiver sieht, und dazu haben die rückgehenden Zahlen bei der Arbeitslosigkeit sicherlich auch einen Beitrag geleistet.

DW-TV: Wir wollen uns anschauen, wie die Wirtschaftsstimmung ist, nicht nur hier in Deutschland, sondern auch weltweit, und das sagt uns, wie immer, der DBIX.

Der DBIX wird jeden Monat von Deutsche Bank Research exklusiv für DW-TV berechnet. Grundlage sind die wichtigsten Konjunkturdaten aus Deutschland, den USA und Japan.

Die deutschen Daten sammelt das renommierte Münchner Ifo-Institut. Es fragt jeden Monat die Stimmung bei Tausenden Unternehmern ab. In den USA werden 400 Einkaufsmanager nach ihren Erwartungen befragt. Und in Tokio sammelt das Wirtschaftsforschungsinstitut ESRI die wichtigsten Daten:

Nach dem Rückgang im vergangenen Jahr ist der DBIX in diesem Jahr erstmal Zickzack gefahren, jetzt im April aber auf den höchsten Stand in diesem Jahr gestiegen. Was hat ihn dahin gebracht?

Klaus Deutsch: Ja, zum einen erneut die Deutschen. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist ausgezeichnet, und die Auftragsbücher sind voll. Sowohl aus dem Ausland als auch aus dem Inland und in Amerika war der letzte Wert sehr gut. Dort haben die Industrie und die Exportwirtschaft immerhin eine gute Entwicklung genommen, während der Häusermarkt und die Verbraucher immer noch in Schwierigkeiten sind.

DW-TV: Das ist ja die entscheidende Frage: Wie entwickelt sich die Wirtschaft in den USA weiter? Was meinen Sie?

Klaus Deutsch: Wir haben natürlich eine Abkühlung in diesem Jahr, aber bis jetzt haben wir noch nicht, sozusagen, das ganze Leid gesehen, das wahrscheinlich noch vor den amerikanischen Firmen, insbesondere der Bauwirtschaft liegt. Und man muss schauen, ob die Industrie und die Dienstleistung, die Exporte das alles wettmachen können. Aber die Jury ist noch offen für diesen Vorgang.

DW-TV: Wird sich das irgendwann bei uns auch bemerkbar machen, die Entwicklung in den USA, und wenn, wann?

Klaus Deutsch: Möglicherweise zum Jahresende, wenn es in Amerika eine deutliche Abschwächung gibt, dann ist das auch schlecht für unsere Exporteure. Es kann sich auswirken auf den Wechselkurs des Euro, der noch stärker wird und unser Exportgeschäft erschwert - viele Möglichkeiten, wie uns die Amerikaner in die Suppe spucken können.

Interview: Christiane Gronau
 
 
 
Made in Germany: Studiogast Klaus Deutsch
 
 
MIG 08.05.2007, 20:12 # 0 Kommentare
 
 
     
  08.05.2007  
     
 
Metall – die Stimmung nach dem Tarifabschluss
 
  Die Arbeitnehmer bekommen ab Juni 4,1 Prozent mehr Lohn. Einer der höchsten Abschlüsse der vergangenen zehn Jahre. Die Gewerkschaft hatte allerdings ursprünglich 6,5 Prozent mehr Lohn verlangt. Mit der Begründung, schließlich hätten auch ihre zurückhaltenden Forderungen der letzten Jahren den Unternehmen zu guten Zahlen verholfen. Ob die Metall-Arbeitnehmer dennoch zufrieden sind, hat Wolfgang Bernert erfahren. Er hat das Unternehmen Leitz in Oberkochen bei Stuttgart besucht und dort mit dem Geschäftsführer und einigen der 3.500 Mitarbeiter des Herstellers von Präzisionswerkzeugen und Werkzeugsystemen gesprochen.  
 
 
Made in Germany: Metall
 
 
MIG 08.05.2007, 20:06 # 0 Kommentare
 
 
     
  08.05.2007  
     
 
Boomtown Bremerhaven – Dubai hinterm Deich
 
  Aber nicht nur die Automobilwirtschaft und die Fischindustrie sondern eine ganze Reihe mittelständischer Firmen, die High-Tech Produkte herstellen. Zum Beispiel das Drahtseilwerk Bremerhaven. Das Werk produzierte früher Schleppseile für die deutsche Schifffahrt. Inzwischen hat das Unternehmen Kunden in aller Welt. 60 Prozent der Bremerhavener Drahtseile gehen in den Export. Verkaufsschlager sind Überseekabel. Oder die Firma Ludolph, die früher Schiffskompasse produzierte und heute Flugzeugcockpits mit Technik ausstattet. Beide Unternehmen sind Spiegelbild des Booms in Bremerhaven, der sich übrigens direkt im historischen Hafen zeigt: Dort baut ein Bremer Unternehmer gerade ein hypermodernes Luxushotel, das so aussieht wie die Mini-Ausgabe des Burj al Arab in Dubai. Bettina Thoma hat erfahren, dass die Bremerhavener vor dieser Baustelle nicht ohne Stolz vom "Dubai hinterm Deich" sprechen.

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Es ist sein bisher wichtigster Bau und das neue Wahrzeichen der Stadt: Das Hotel Sail City. Alfred Lüneburg ist verantwortlich für das Projekt. Ein Bauherr mit Höhenangst. Heute aber will er unbedingt bis ganz nach oben. Der Rohbau ist fertig. "Das ist jetzt das zweite Mal, dass ich hier hochfahre, aber ich werd's schon überstehen."

18 Stockwerke und gut 100 Meter bis fast nach ganz oben. In wenigen Monaten soll das Luxushotel direkt an der Weser fertig sein. "So, jetzt haben wir Blick Richtung Süden. Man kommt sich hier oben vor, als stünde man mitten in der Weser. Das ist die Situation hier. Und man sieht hier Richtung Süden noch einen weiteren Bereich unseres Entwicklungsgebietes,"

Ein gewagter Schritt des Bauherrn, die Stadt voranzubringen, die schon mal ganz am Boden war. "Direkt in der Nachbarschaft wird die Albrecht Vermögensverwaltung aus Buxtehude ein neues mediteran ausgerichtetes Einkaufszentrum errichten," erklärt Alfred Lüneburg von der Bremerhavener Entwicklungsgesellschaft Alter/Neuer Hafen

Hotel, Einkaufszentrum und andere Touristenattraktionen verschlingen 600 Millionen Euro - die Hälfte davon öffentliche Gelder. Das Großprojekt soll das Image der Stadt aufpolieren, und zwei Millionen Touristen im Jahr anlocken. Doch was denken die, die schon immer hier waren?

"Viele meiner Kollegen sagen: was soll das hier?"

"Tja, was soll man dazu sagen?"

"Architektonisch architektonisch finde ich es nicht schlecht."

"Auf jeden Fall ist mehr los, und wenn mehr los ist, rollt auch mehr Geld."

Auch er hat seine Baustelle: Walter Bünte. Eine 700 Quadratmeter große Produktionshalle entsteht. Die alte reicht schon lange nicht mehr. Seit 150 Jahren baut die Firma Ludolph Kompasse für Schiffe. Bünte hat in Bremerhaven schon schwierige Zeiten erlebt. Inzwischen ist seine Firma auf Kurs. "Dies ist jetzt ein Schiffskompass, unser größter M55 und der wird weltweit auf allen größeren Schiffen eingesetzt."

Die Kompasse sind nur noch Randgeschäft. Wirklich Geld verdient die Firma mit High-Tech fürs Cockpit - im Flugzeug. Nur weil er sich auf neue, hochmoderne Produkte eingestellt hat, ist seine Firma heute überlebensfähig.

Bremerhaven: Hier boomt der Containerhafen. Motor der ganzen Region. Ohne ihn wäre die Stadt wirtschaftlich bedeutungslos. Der Hafen profitiert vom stark gewachsenen Welthandel. Davon profitiert auch dieses Unternehmen: Das Drahtseilwerk. Für Geschäftsführer Joachim Pahl ist die Nähe zum Hafen ideal. Seine Seile werden weltweit exportiert, sind auf allen großen Containerschiffen als Festmacher zu finden.

"Noch nach dem Krieg, da nahm die Fischerei einen überwiegenden Teil der Produktion ab. Das ist jetzt sehr klein geworden, was die deutsche Fischerei noch abnehmen kann, weil sie als Hochseefischerei kaum noch existiert. Der Schlüssel war also, immer rechtzeitig Entwicklungen zu erkennen und zu reagieren." Der Spleiss - das Ende des Seils - wird noch mit der Hand gefertigt. Jedes Seil muss genau überprüft werden bevor es eingesetzt werden darf.

"Ich glaube nur zwei mit jeweils hundertzehn Meter. Das ist für eine kleine Fähre und für ein kleines Containerschiff" erklärt Joachim Pahl die aktuelle Produktion.

Zurück zum Hotel. Die Betonarbeiten für die Captain's Lounge mit Panoramablick sind so gut wie abgeschlossen. Alfred Lüneburg traut sich jetzt bis ganz nach oben. 1000 neue Arbeitsplätze sollen hier mal entstehen. Darauf ist er stolz.

Der Bauleiter Manfred Lehmann von Zechbau beschreibt die Arbeiten: "Der Kranführer sitzt jetzt in 105 Meter Höhe und in vierzehn Tagen bis drei Wochen drücken wir den noch mal 40 Meter hoch, dann sitzt der in 145 Meter Höhe." Das Hotel ist das höchste Gebäude weit und breit - ein Symbol des Aufbruchs und zugleich eine Chance für die Stadt, ihr schlechtes Image endgültig abzuschütteln.
 
 
 
Made in Germany: Boomtown Bremerhaven
 
 
MIG 08.05.2007, 20:04 # 0 Kommentare