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Bernhard Jünemann ist Finanzmarktexperte und stellvertretender Chefredakteur bei Börse Online. Wir sprachen mit ihm über die Krise bei Siemens und VDO.
DW-TV: Bernhard Jünemann ist unser Gast, stellvertretender Chefredakteur von Börse-Online. Warum will Siemens die Tochter VDO verkaufen, wo dort doch eigentlich alles prima läuft?
Bernhard Jünemann: Ja, aber noch nicht gut genug auf die Zukunft bezogen. Es sind gewaltige Investitionen in diesem Bereich, in der Automobilzulieferung nötig. Und Siemens hat sich entschieden, diese Investitionssummen nicht selbst aufzubringen, sondern über die Börse aufzunehmen. Eigentlich ein ganz kluger Schachzug, dass muss man jetzt durchsetzen, oder man nimmt einen strategischen Investor mit hinein.
DW-TV: Eine Entscheidung in Sachen VDO die auch Klaus Kleinfeld noch mitgetroffen hat, der jetzt scheidende Siemenschef. Was muss ein neuer Chef anpacken bei Siemens, jetzt in dieser Situation?
Bernhard Jünemann: Eigentlich nicht soviel Neues, denn Herr Kleinfeld hat eigentlich das, was Herr von Pierer vorher liegengelassen hat, wirklich aufgenommen und umgesetzt. Er hat die Handysparte verkauft unter unglücklichen Umständen mit der späteren Insolvenz. Man hat ein Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia im Bereich der Telekommunikation gemacht und hat eben auch die anderen Bereiche, da wo es sehr gut läuft, mit besseren Renditezielen versehen, beispielsweise im Bereich Automation and Drives und im Bereich Medical Solutions. Er hat also eigentlich alles richtig gemacht und deswegen auch diese hervorragenden Zahlen abgeliefert. Der Neue muss nur das weiter fortführen, aber wir haben jetzt natürlich erst einmal ein gewisses Führungsvakuum. Herr Kleinfeld bleibt noch. Er wird jetzt natürlich nicht mehr so entscheidungsfreudig sein. Und der Neue muss sich erst einmal ein bisschen einarbeiten. Also, bis Ende des Jahres wird Siemens eine kleine Führungsschwäche haben. Wir haben auch von Börse-Online die Aktie erst einmal auf Halten zurückgestuft.
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: DW-TV: Wir wechseln das Thema: Bio-Technologie in Deutschland. Gucken wir einmal, wie viele Biotechnologie-Unternehmen sich in Deutschland insgesamt so tummeln, die "Grüne" und die "Weiße Biotechnologie", nämlich die, die sich mit medizinischen Präparaten befassen: 1996 waren es 290 Unternehmen, 2003 stieg die Zahl auf 530 und 2006 – im vergangenen Jahr – nur noch 480. Was ist da passiert?
Bernhard Jünemann: Das ist kein Trend, das sind Schwankungen. Es ist natürlich eine risikoreiche Geschichte. Da scheidet der eine oder der andere wieder aus. Und es gab auch eine gewisse Konsolidierung. Da haben sich manche Pharmafirmen bei den Biotechnologie-Unternehmen im medizinischen Bereich eingekauft und deswegen ging es auch wieder ein bisschen zurück. Insgesamt ist das aber weiterhin ein Wachstumsmarkt. Und die Deutschen stehen inzwischen in der "Weißen Biotechnologie" auch gar nicht so schlecht dar, sondern sogar sehr gut.
DW-TV: Es heißt, das wird ein Jahr der Entscheidungen jetzt 2007, was heißt das?
Bernhard Jünemann: In der Tat, es wird das erste biotechnologisch hergestellte Medikament geben von der Firma GPC Biotech, Satraplatin ist das, ein Krebsmedikament gegen Prostatakrebs, das dann in Amerika zugelassen wird. Der Zulassungsantrag wurde gestellt und die Aufsichtsbehörde FDH hat auch eine schnelle Bearbeitung zugesagt. Und das wäre dann sozusagen der Durchbruch. Das ist ein Medikament mit ungefähr fünfhundert Millionen Euro Umsatzvolumen.
DW-TV: Was passiert, wenn es floppt?
Bernhard Jünemann: Jetzt wahrscheinlich nicht mehr, aber in anderen Fällen ist es natürlich so, es wird immer klinisch getestet über die Jahre hinweg. So eine Entwicklung dauert acht bis zehn Jahre. Und wenn es dann floppt, muss man wieder von vorne anfangen, wenn die klinischen Tests versagen. Und das ist natürlich für diejenigen bitter, die vielleicht Aktien einer Biotechnologiefirma gekauft haben, da gibt es meistens einen ganz kräftigen Kursverlust.
Interview: Katrin Prüfig
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