18.04.2007  
     
 
Deutsche Handwerksbetriebe im Dschungel des europäischen Binnenmarktes
 
  Irland z.B. sei "eine Katastrophe" gewesen. Für eine Steuernummer, nur eine von vielen Voraussetzungen für den Auftrag, musste er eigens nach Belfast reisen - persönlich. Kentzler ist froh, dass er eine Sekretärin hat, die perfekt Englisch spricht. Angesichts solcher Hürden kapitulieren viele deutsche Handwerksbetriebe, vor allem die kleinen Betrieb. Der Aufwand übersteigt den Ertrag. 5 Prozent aller Handwerksbetriebe sind bislang im Ausland aktiv. Das muss mehr werden, sagt Heikos Vater, Otto Kentzler. Als Verbandspräsident (ZDH) versucht er, den Handwerkern auf politischer Ebene den Weg ins Ausland frei zu machen. Ein solcher Schritt sei überlebenswichtig. In Deutschland wächst die Billig-Konkurrenz aus Osteuropa. Im Ausland dagegen werde deutsche Handwerksarbeit sehr geschätzt, trotz hoher Preise. Ralf Jäckel stellt den Dortmunder Familienbetrieb der Kentzlers vor.


Es ist Montag morgen. Der Klempner aus Deutschland ist bereits unterwegs. Genau um 8 Uhr ist Michael Schwan vor Ort, einer Villa in Richmond suedwestlich von London. Seine englischen Kunden schaetzen die deutsche Tugend Puenktlichkeit sehr, erzaehlt Schwan, denn viele englische Kollegen haetten damit so ihre Probleme.

Michael Schwan, Klempner: "Wir installieren hier gerade ein komplettes Badezimmer, mit deutschen Armaturen, die hat sich der Kunde wohl uebers Internet gekauft, und fuer die englischen Kollegen ist es wohl sehr schwierig, diese Sachen zu montieren."

Abenteuerlustig war Schwan schon immer, als die Auftraege in Deutschland vor ein paar Jahren immer duenner wurden, wanderte er kurzerhand mit seiner Familie aus. Dass er ein "German Plumber - ein Klempner aus Deutschland" ist, sei die beste Werbung. Deutsches Handwerk sei fuer viele Englaender noch immer ein Guetesiegel. Kurz vor Mittag, der naechste Kunde wartet bereits. Jim hat fuer sein neues Bad Armaturen aus Deutschland gekauft. Michael, meint er, sei genau der richtige Mann fuer die Installation.

Jim Newell, Kunde: "Mir gefaellt Michaels Einstellung zur Arbeit. Er weiss, was er macht und er kommuniziert mit seinen Kunden. Ich habe volles Vertrauen zu ihm und kann ihn nur weiterempfehlen."

So zufriedene Kunden im Ausland wünscht sich Dachdecker Heiko Kentzler auch. Noch arbeitet er vorwiegend in Deutschland. Allein dieser Auftrag in Dortmund bringt ihm 600.000 Euro ein. Eine ganze Menge - in einer Branche, in der sich die Betriebe ständig beim Preis unterbieten.

Heiko Kentzler, Geschäftsführer: "Ein Unternehmen wie wir es sind mit knapp 50 Mann, muss sich schon lange recken und strecken, um da an Aufträge zu kommen. Damit wir die Familien beschäftigen können, die wir bei uns im Unternehmen angestellt sind."

Deshalb orientiert sich Kentzler nach Österreich und England. Seine Dächer stehen nun sogar in Irland. Dazu kommt der Aufwand, damit seine Leute überhaupt in Irland arbeiten dürfen. Heiko Kentzler denkt mit Schrecken daran zurück. Zig Formulare mussten ausgefüllt, etliche Steuernummern beantragt werden. Und alles auf englisch. Zum Glück beherrscht die Sekretärin die Sprache. Den meisten Aufwand aber verursachte diese Steuerkarte. Kentzler musste für sie eigens ins Finanzamt nach Irland reisen.

Heiko Kentzler, Geschäftsführer: "Das muss ich alle zwei Jahre machen. Und das muss ich höchstpersönlich machen. Und deshalb muss ich immer wieder nach Irland fahren, um die Karte abzuholen. Das dauert drei Minuten um die Karte zu bekommen, aber ich muss jeweils dahin fahren."

Der Senior treibt das Engagement im Ausland voran. Denn diese Aufträge lohnen sich. Nicht nur im Familienbetrieb, auch in der gesamten Branche. Als Verbandspräsident macht er Politik für die deutschen Handwerksbetriebe. Weniger Bürokratie in Europa. Dafür setzt er sich ein. Damit sich künftig noch mehr deutsche Handwerker ins Ausland trauen.

Otto Kentzler, Verbandspräsident ZDH: "Das ist kein Patentrezept, um den Goldesel anzustecken. Das mit Sicherheit nicht. Aber es lohnt sich, darüber nachzudenken, weil man auf Märkte kommt, die nicht so besetzt sind, wie das unsere im Moment sind."

Der Klempner Michael Schwan bereut seinen Schritt nicht, nach England gegangen zu sein. Bis August ist er ausgebucht, kann sich vor Aufträgen kaum retten. Umgerechnet 75 Euro pro Stunde verdient er, damit koenne er so gut wie in Deutschland leben. Auszuwandern koenne er anderen nur empfehlen.

Michael Schwan, Klempner: "Die Leute, die hierherkommen, duerfen keine Angst haben, English zu sprechen, auch wenn es nur Schulenglisch ist. Und man sollte sich alle Zeugnisse und Qualifikationen aus Deutschland uebersetzen lassen. Dann hat man eigentlich schon die Eintrittskarte."

Nach Deutschland zurueck will Michael Schwan nicht, seine Zukunft sieht er in England. Im naechsten Jahr will er sich hier sogar ein Haus kaufen, nur das Badezimmer, meint er, werde er sicherlich aus Deutschland importieren.

 
 
 
Made in Germany: Handwerker
 
 
MIG 18.04.2007, 13:06 # 3 Kommentare
 
 
     
  18.04.2007  
     
 
Studiogast: Gerhard Bosch, Arbeitsmarktexperte zum Thema Handwerk
 
 
DW-TV: Neue Chancen für deutsche Handwerker - dazu Fragen an Herrn Professor Gerhard Bosch, Direktor am Institut für Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen. Für den einzelnen Handwerker ist das sicherlich schön und gut, wenn man anderswo neue Aufträge findet, aber wo liegen die Risiken für den Deutschen Markt?

Gerhard Bosch: Zunächst einmal ist das ein Kompliment für die deutsche Ausbildung, dass die ausländischen Betriebe die Facharbeiter aus Deutschland wegen der guten Ausbildung wollen, wegen der guten Qualität, die sie liefern. Für die deutschen Betriebe ist das ein Problem, dass die besten Fachkräfte in andere Länder abwandern. Sie können dann ihre Stellen nicht mehr besetzen, gerade wenn die Wirtschaft wie jetzt anzieht.

DW-TV: Der Zentralverband des deutschen Handwerks meldet regelmäßig die offenen Stellen. Und da zeigt sich möglicherweise das Problem: 2005 waren es 48.000 offene Stellen im Handwerk, ein Jahr später 84.000 offene Stellen. Wo sind die fehlenden Leute, die können ja nicht alle in England sein?

Gerhard Bosch: Nein, natürlich nicht. Ein Teil der qualifizierten Leute aus dem Handwerk ist arbeitslos geworden, ist woanders hingegangen. Die sind jetzt in einem Großbetrieb und wollen nicht wieder in einem Kleinbetrieb hineingehen. Dann hat das Handwerk möglicherweise zu wenig ausgebildet in den Zeiten der Krise und jetzt fehlen ihnen die Arbeitskräfte. Und schließlich glaube ich, dass man auch einige Vorurteile ändern muss. Wir haben eine ganz Menge arbeitslose, ältere Beschäftigte. Und man kann auch auf die älteren qualifizierten Arbeiter zurückgreifen, man muss nicht nur Junge nehmen.

DW-TV: Das heißt, Sie sehen die Probleme vor allen Dingen bei den Unternehmen. Die Unternehmen haben vieles falsch gemacht?

Gerhard Bosch: Sie haben auf jeden Fall auch Fehler gemacht. Was die Ausbildung angeht, haben sie nicht langfristig genug gedacht. Sie haben natürlich die Situation vielleicht auch nicht vorausgesehen. Sie waren unter ökonomischen Druck, aber jetzt müssen sie handeln. Und ich denke, sie müssen in Ausbildungen investieren.

DW-TV: Auf dem gesamten Arbeitsmarkt sieht es ja auch derzeit etwas seltsam aus, viele Unternehmen suchen händeringend Fachleute. Auf der anderen Seite haben wir immer noch fast vier Millionen Arbeitslose. Was ist da das Problem?

Gerhard Bosch: Das ist das gleiche Problem wie im Handwerk. Es wurde zuwenig ausgebildet, in der Industrie und im Dienstleistungsbereich noch stärker als im Handwerk. Das Handwerk ist vergleichsweise ausbildungsstark. Der zweite Grund ist, dass die Unternehmen auch falsche Erwartungen haben. Sie erwarten, dass sie von heute auf morgen jemanden finden, der sofort vollproduktiv ist und das geht nicht. Für qualifizierte Tätigkeiten braucht man Einarbeitung und auch Weiterbildung. Ein bisschen muss man schon investieren.

DW-TV: Da sagen die Unternehmer dann, die jungen Leute sind einfach nicht gut genug, die können ja nicht einmal Lesen und Rechnen und Schreiben.

Gerhard Bosch: Wir haben Tausende, Zehntausende von Jugendlichen mit guten Schulzeugnissen, die verzweifelt eine Lehrstelle suchen. Also, das ist ein bisschen zu pauschal.

DW-TV: Rächt es sich im Moment auch, Stichwort Fachkräftemangel, dass manche Firmen ihre älteren Mitarbeiter zu früh in den Vorruhestand geschickt haben?

Gerhard Bosch: Ja auf jeden Fall. Die älteren Jahrgänge in Deutschland sind qualifizierte Jahrgänge mit einer sehr guten Ausbildung, mit sehr viel betrieblicher Erfahrung. Oft hat man die Besten, ganze Meisterjahrgänge in Betrieben in Rente geschickt. Und die würde man gerne heute wieder haben.

Interview: Katrin Prüfig

 
 
 
Made in Germany: Bosch
 
 
MIG 18.04.2007, 13:04 # 0 Kommentare
 
 
     
  18.04.2007  
     
 
Indien: Rupien – gedruckt mit deutscher Technik
 
  Giesecke und Devrient ist eines der führenden Unternehmen im Bereich Banknotendruck und -kontrolle, außerdem produzieren die Deutschen Chipkarten für Mobiltelefone und elektronischen Zahlungsverkehr. Um geschätzte 20 Millionen Menschen wächst Indiens Mittelschicht pro Jahr, entsprechend boomt der Verkauf von Handys. In beiden Geschäftsfeldern, sowohl bei der Banknotenbearbeitung als auch bei Chipkarten, ist Indien momentan ein Boom-Markt. Eine Reportage aus Indien von Michael Altenhenne.  
 
 
Made in Germany: Indien
 
 
MIG 18.04.2007, 13:02 # 0 Kommentare
 
 
     
  18.04.2007  
     
 
My Favourite: Roland Berger
 
  In dieser Sendung stellt uns Roland Berger sein Favourite vor. Manche behaupten, er habe den Beratergedanken in Europa überhaupt erst erfunden. Roland Berger - Unternehmensberater aus Deutschland. Sein Favourite ist ein Aktenkoffer, den er seit Jahren auf allen Geschäftsreisen dabei hat. Ute Schneider bekam ungewohnte Einblicke in das Innenleben des Koffers und damit auch des Trägers.  
 
 
Made in Germany: My Favourite
 
 
MIG 18.04.2007, 13:01 # 0 Kommentare
 
 
     
  18.04.2007  
     
 
Ferdinand Piech - Rastlos im Ruhestand
 
  Seit Porsche Großaktionär bei VW ist, laufen bei Ferdinand Piech die Fäden beider Konzerne zusammen. Es gab ein paar Wochen im Leben des 70jährigen, da schaute auch er in den Abgrund seiner Karriere: mit dem Skandal um Korruption und Lustreisen des VW Betriebsrats. Doch sein Image wurde davon nicht beeinträchtigt. Sein Wirken als technischer und wirtschaftlicher Sanierer war stets erfolgreich und nachhaltig. So hat er Volkswagen mit einer modernen Modelloffensive aus den roten Zahlen herausgeführt und zu einem profitablen Weltkonzern geformt – aus Marken wie VW, Audi, Seat, Skoda, Bentley, Bugatti, Lamborghini und Scania. Das Modell 5000 x 5000 steht für die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Unter seiner Verantwortung wurde das 3-Liter-Auto zur Serienreife gebracht, aber auch der mit 1001 PS stärkste Sportwagen der Welt. Ein filmisches Profil von Dagmar Zindel.  
 
 
Made in Germany: Piech
 
 
MIG 18.04.2007, 13:00 # 0 Kommentare