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DW-TV: Frau Funke, die Chancen für Frauen im mittleren Management seien besser denn je, heißt es. Stimmt das?
Claudia Funke: In Zahlen zeigt sich das leider noch nicht ganz. Tatsache ist, dass der Anteil von Frauen in Managementpositionen noch nicht gestiegen ist. Wahr ist allerdings, dass immer mehr Unternehmen richtig in Frauen investieren und teilweise in familienfreundlichere Arbeitsplätze.
DW-TV: Warum? Was haben die Chefs erkannt?
Claudia Funke: Nun, gemischte Teams erzielen besserer Ergebnisse. Das gilt in der Beratung, wie auch - und das ist wissenschaftlich nachgewiesen - in anderen Bereichen auch. Und insofern wollen die Unternehmen nicht auf das Potenzial von solchen Teams verzichten.
DW-TV: Aber Sie sagen, im Management spiegelt sich der Trend von starken, erfolgreichen Frauen noch nicht - wo hängt's?
Claudia Funke: Das Problem in Deutschland ist wie folgt: die Kinderbetreuung, gerade von Kleinkindern ist eine ziemliche Katastrophe, wenn ich ehrlich bin. Es gibt nur 12 Krippenplätze für 100 Kinder im Bundesdurchschnitt, das ist ein Problem. Das zweite Problem ist, dass in vielen Familien noch ein sehr traditionelles Rollenmodell vorherrscht, d.h. der Mann arbeitet und die Frau ist zuhause bei den Kindern oder arbeitet nur wenige Stunden pro Woche.
DW-TV: Aber dazu braucht es natürlich auch Frauen, die das mitmachen?
Claudia Funke: Ja, in der Tat.
DW-TV: Sind die Frauen auch zum Teil selbst schuld, dass es nicht weiter vorwärts geht?
Claudia Funke: Wir Frauen haben natürlich auch einen massiven Anteil daran und ich kann immer nur sagen, Neugierde, Mut, Leidenschaft und eben das Gefühl, nicht in solche Rollenclichés passen zu wollen, helfen natürlich enorm.
DW-TV: Mut ist ein gutes Stichwort. Eine Studie hat ergeben, dass Frauen sehr viel weniger risikobereit sind und das auch ein Hemmnis ist auf der Karriereleiter. Sehen Sie das auch so?
Claudia Funke: Das stimmt. Das trifft nicht für alle Frauen zu, deshalb gibt es ja auch immer wieder positive Beispiele. Allerdings, in der Erziehung von Frauen wird schon vieles dahingehend eingestellt, dass sie später nicht ganz so stark ihre Punkte machen und das Risiko so sehr lieben.
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DW-TV: Lassen Sie uns darüber sprechen, was Frauen verdienen. Wir haben das Durchschnittseinkommen von Frauen in Europa verglichen und es gibt tatsächlich erhebliche Unterschiede: In Italien verdienen Frauen 6 Prozent weniger als die Männer im Schnitt, in Polen und Frankreich sind es um die 10 Prozent und in Deutschland sogar 23 Prozent weniger! Wie kann das sein?
Claudia Funke: Tatsache ist, dass in der Altergruppe unter 30 wir Frauen mittlerweile sogar etwas mehr verdienen als die männlichen Kollegen. Danach tut sich aber die Schere gewaltig auf, dafür gibt es zwei Gründe: erstens, Frauen landen doch noch häufiger in den weniger bezahlten, sozialen Berufen und der zweite Grund ist, dass zwischen 30 und 40 die Karriere dann oftmals auch wegen Kinder stoppt und Frauen dann eine lange Pause machen und nachher den Vorsprung dann nicht mehr aufgeholt bekommen.
DW-TV: Das sind wir dann wieder in der "Kind als Karriere-Hemmnis-Falle" - wie war das bei Ihnen, Sie sind ja auch in der Altergruppe zwischen 30 und 40?
Claudia Funke: Bei mir hat sich herausgestellt, dass es vor allem auf folgenden Dinge ankommt: ich würde sagen, große Neugierde, Angstfreiheit, auch sehr, sehr viel harte Arbeit und Glück. Nämlich das Glück im Leben auch auf die richtigen Menschen zu treffen, die letzten Endes diese Idee "Follow your own passion - Folge deiner eigenen Leidenschaft" immer sehr stark mitgefördert haben und auch gut fanden, so wie ich das jetzt auch versuche zu vermitteln.
DW-TV: Das kann man aber schlecht als Rat mitgeben an Frauen, die es vielleicht auf die Karriereleiter nach oben schaffen wollen. Wenn jemand ins Top-Management möchte, was muss er mitbringen?
Claudia Funke: Genau diese Eigenschaften: also Talent natürlich, Wissen, Können, Superideen und in der Tat das nötige Selbstbewusstsein, seine Punkte auch vertreten zu können.
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