20.02.2007  
     
 
RWE - Energiekonzern setzt immer noch auf Braunkohleverstromung
 
  Doch für die Braunkohleförderung muss RWE in der Nähe von Köln ganze Dörfer abreißen und hunderte Menschen umsiedeln; außerdem wird mit der Braunkohleverstromung enorm viel CO2 in die Luft geblasen. RWE baut gerade ein modernes CO2-armes Kraftwerk. Eine Anlage, nach der im Ausland bereits gefragt wird. Für manchen Umweltexperten geht das aber nicht weit genug, da die Entlastung von Bewohnern und Umwelt nur minimal sei. Sie fordern CO2-freie Kraftwerke von RWE. Eine Reportage aus dem rheinischen Revier von Manuel Özcerkes, anlässlich der Jahresbilanz von RWE am 23. Februar, auf der das Unternehmen sich zwar als "gesund saniert " präsentieren wird, aber, nach Kritikerstimmen, zu wenig in umweltfreundliche Technologien investiert.

Landschaftsfresser, so nennen die Leute das Ungetüm. Der größte Bagger der Welt begräbt unter seinen Schaufeln ganze Dörfer. RWE, der deutsche Energieversorger, holt hier Braunkohle und macht daraus Strom. Ein Besuch beim Baggerfahrer. Er weiß, dass seine Maschine bei den Menschen nicht gerade beliebt ist. Es sei denn, sie arbeiten für RWE. "Es gibt sehr viele Jobs, die hier entstehen", sagt er. So wie er, seien viele Menschen im Rheinland von der Braunkohle abhängig: Etwa 30.000, direkt oder indirekt.

Ihr Dorf wird als nächstes verschwinden. Weil unter den Häusern massenweise Braunkohle lagert, mussten Hunderte Menschen weg ziehen. Im Herbst kommt der Bagger. RWE hat alle Häuser aufgekauft - die verfallen jetzt. Ein paar Kilometer weit weg hat der Konzern den Bewohnern ein neues Dorf gebaut. Auch Hartmut Schmitz musste umziehen. Er erzählt: "Man kann einerseits nicht gegen Atomkraft sein und gleichzeitig auch gegen Braunkohle oder gegen Steinkohle. Irgendwo muss die Energie her kommen. Aus Luft und Wind alleine ist es ja zur Zeit nicht machbar, von daher muss man sich dann schon schweren Herzens dazu entscheiden, zu akzeptieren, dass solche Maßnahmen nötig sind, und wenn man das Pech hat, dass man auf der Braunkohle wohnt, muss man eben in den sauren Apfel beißen."

Wie viel Braunkohle hier lagert, will uns der RWE-Pressesprecher zeigen. Die Grube ist so groß wie 70 Fussballfelder. Braunkohle ist billiger als Gas und Öl. Und: Sie reicht wahrscheinlich noch 200 Jahre. Manfred Lang, der RWE-Pressesprecher sagt: "Braunkohle hat jetzt in der letzten Zeit an Wichtigkeit zugenommen, weil wir erfahren mussten, dass wir Braunkohle in Deutschland selber fördern, das ist unser heimischer Energieträger, den wir hier auch nutzen können, und Braunkohle macht uns auch unabhängig von Energieimporten wie zum Beispiel Öl oder Gas."

Mit seinen Braunkohle-Kraftwerken kann RWE zehn Millionen Haushalte versorgen. Aber damit ist der Konzern der größte Luftverschmutzer in Europa. Er bläst hier Tonnenweise CO2 in die Luft. Ein RWE-Mitarbeiter erklärt uns, dass sich das bald ändern soll: Ein neues Kraftwerk wird gebaut. Wenn das fertig ist, so sagt er, verbrennt RWE ein Drittel weniger Kohle - und produziert trotzdem noch genauso viel Strom. "Bei diesen neuen Prototypen der Wirbelschichttrockung haben wir den Vorteil, die Wirkungsgrade zu erhöhen, von unseren konventionellen Braunkohlekraftwerken. Diese Wirbelschichttrocknung, die Sie hier sehen, ist aber auch ein wesentlicher Bestandteil von unserem CO2-freien Kraftwerks. Da beabsichtigen wir ja mit Hilfe der Kohlevergasung, das heißt der Vergasung von Braunkohle und der Abtrennung von CO2 aus diesem Kohlegas, die CO2-Emission weitestgehend zu reduzieren auf Größenordnungen kleiner 10 Prozent. So dass wir für Braunkohle und vielleicht auch für Steinkohle eine Technik zur Verfügung haben, die auch Klimaverträglich ist", sagt der Mitarbeiter.

Mit anderen Worten: RWE will bald sogar ein Kraftwerk bauen, das überhaupt kein Co2 in die Luft bläst. Der Konzern versucht, das umweltschädliche Gas aufzufangen und im Erdboden zu lagern. Aber das ist Zukunftsmusik. Vielleicht erst 2020 geht das emissionsfreie Braunkohlekraftwerk ans Netz. Vielleicht. Auch vom neu gebauten Dorf aus sind die qualmenden Schlote gut zu sehen. Hier hat RWE manchen Umsiedlern ihr Traumhaus hingestellt. Auch Hartmut Schmitz Haus steht hier. Reinlassen will er uns lieber nicht. Aus Angst vor Neidern: "Viele Schaulustige, die hier durch die Gegend fahren, sagen: Warum regen Sie sich überhaupt auf? Wenn Sie hier schöne neue Häuser und Straßen haben? Man muss das denen klar machen."

Karl-Heinz Ehms ist der Bürgermeister des Dorfes. Er sagt: "Ich bin neulich mit Leuten hier durch gefahren - und da hieß es: Oh schau mal, schön, neue Häuser, neue Straßen, warum kommt die Braunkohle nicht zu uns? Und wenn man denen erklärt, mit welchem menschlichen Leid das zusammenhängt, und dass menschliche und finanzielle Probleme auftreten, haben die gesagt: oh, da sind die doch nicht zu beneiden."Aber wenn Hartmut Schmitz sein neues Haus sieht und überlegt, dass RWE für die Umsiedlungen 600 Millionen Euro bezahlt, kommt er ins Grübeln: Vielleicht hätte er noch mehr rausschlagen können.

 
 
 
Made in Germany: RWE
 
 
MIG 20.02.2007, 21:56 # 1 Kommentar
 
 
     
  20.02.2007  
     
 
Deutsche Börse im Umbau - Kosmetik oder Kurskorrektur?
 
  Das hat die Börse auch nötig, denn der Handelsplatz hat in den letzten Jahren einige Schlappen einstecken müssen. Zweimal war die Deutsche Börse mit ihren Annäherungsversuchen bei ihrem Londoner Pendant abgeblitzt, auch die europäische Mehrländerbörse Euronext verschmähte die Deutschen und schließt sich mit der New York Stock Exchange zusammen. Während andere Börsen fleißig fusionieren, steht die Deutsche Börse immer noch alleine da, obwohl sie wirtschaftlich gut dasteht. Investoren treibt die Frage um: Macht sich die Deutsche Börse hübsch für einen potentiellen neuen Partner? Oder versucht sie allein gegen die Konkurrenz zu bestehen? Eine Reportage von Ralf Lehnert.  
 
 
Made in Germany: Deutsche Börse im Umbau
 
 
MIG 20.02.2007, 21:54 # 0 Kommentare
 
 
     
  20.02.2007  
     
 
Studiogast - Jürgen Pfister, Bayerische Landesbank
 
  DW-TV: Jürgen Pfister, der DAX hat eine ordentliche Kletterpartie hingelegt: Seit einem Jahr von 5100 Punkten auf jetzt knapp 7000 Punkte. Läuft die Konjunktur in Deutschland wirklich so gut, wie der Index das nahe legt?

Jürgen Pfister: Ja, wir haben eine sehr fulminante Entwicklung der Unternehmensgewinne gesehen, und von daher gesehen sind auch die heutigen Kurse noch keineswegs überhöht, sie spiegeln aber auch natürlich die konjunkturelle Erholung in Deutschland, die im letzten Jahr kräftig an Schwung gewonnen hat.

DW-TV: Also der DAX tatsächlich ein Konjunkturbarometer, wo doch so viele Unternehmen auch ihre Umsätze im Ausland machen?

Jürgen Pfister: Das spielt natürlich auch eine Rolle, die Großunternehmen im DAX haben sich alle längst europaweit aufgestellt oder sogar weltweit und haben sich insofern von der deutschen Wirtschaft abgekoppelt.

DW-TV: Eine große Schlagzeile, ganz aktuell in einer großen deutschen Boulevardzeitung: Bald unter 3 Millionen Arbeitslose, heißt es da, also eine Million weniger als derzeit. Viele Experten, viele Ihrer Kollegen sind sich da einig – sind Sie auch so optimistisch?

Jürgen Pfister: Also, ich denke, dass wir eine gute Chance haben für einen langanhaltenden Aufschwung in Deutschland über das Jahr 2007 hinaus, und dann ist es eine Frage der Zeit, wann wir auch die 3-Milionen-Grenze erreichen oder durchstoßen werden, das ist sicherlich eine einigermaßen zuverlässige Aussage heute.

DW-TV: Ist das in diesem Jahr schon zu schaffen – unter drei Millionen Arbeitslose?

Jürgen Pfister: In einigen Monaten vielleicht aus saisonalen Gründen, aber insgesamt werden wir im Jahresdurchschnitt noch einmal viereinviertel Millionen haben.

DW-TV: Wie soll es denn gehen, langfristig, dass tatsächlich auf dem Arbeitsmarkt eine solche Entspannung eintritt? Was sind die auslösenden Faktoren?

Jürgen Pfister: Nun, entscheidend ist, dass die Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit deutlich gestärkt haben, durch Steigerung der Produktivität, der Rentabilität, durch Kostensenkungen – und wenn dies bewahrt werden kann, sind wir auch zuversichtlich für die Beschäftigungschancen in Deutschland.

DW-TV: Kann das bewahrt werden?

Jürgen Pfister: Ja, wir sehen das natürlich mit einer gewissen Sorge: die Lohnforderungen im Jahr 2007, die bis sechs Prozent und darüber hinaus gehen – wenn es dazu käme, zu solchen Abschlüssen, dann würde der Prozess natürlich relativ schnell wieder enden.

DW-TV: Woher wissen Sie das?

Jürgen Pfister: Nun, das zeigt die Erfahrung der Vergangenheit, dass weitere Kostensteigerungen im Hochlohn-Land Deutschland natürlich weitere Arbeitsplätze gefährden, beziehungsweise ins Ausland verlagern.

DW-TV: Aber erfahrungsgemäß liegt der Abschluss natürlich irgendwo in der Mitte. Wenn es also moderate Abschlüsse gibt in der Tarifrunde, kann dann auch Ostdeutschland vom anhaltenden Aufschwung profitieren?

Jürgen Pfister: Ja, ganz sicher. Wir sehen, dass in Ostdeutschland mitgezogen wird, aber es bleibt natürlich ein relativ großer Abstand zum westdeutschen Arbeitsmarkt, der wird auch die nächsten Jahre wohl kaum kleiner werden.



Interview: Katrin Prüfig

 
 
 
Made in Germany: Interview Jürgen Pfister
 
 
MIG 20.02.2007, 21:50 # 0 Kommentare
 
 
     
  20.02.2007  
     
 
Portrait: Hermut Kormann - Vorstandsvorsitzender der Voith AG
 
  Und er muss es wissen, denn er ist Vorstandsvorsitzender der Voith AG, einem der größten Familienunternehmen Europas. Aus dem operativen Geschäft hält sich die Familie aber raus und so ist Kormanns Job, der seit 17 Jahren bei der Firma ist, auch mit einer großen Verantwortung verbunden. Denn schließlich soll Voith auch an die nächsten Generationen weiter gegeben werden. Der Umsatz des Anlagenbauers, der zum Beispiel Maschinen für die Papierindustrie und Wasserkraftwerke herstellt, hat sich in den letzten sechs Jahren verdoppelt. Ein Porträt des studierten Betriebswissenschaftlers von Mabel Gundlach.

 
 
 
Made in Germany: Portrait: Hermut Kormann
 
 
MIG 20.02.2007, 21:48 # 0 Kommentare
 
 
     
  20.02.2007  
     
 
Norsk Hydro - Der norwegische Energieriese und sein größtes Gas-Projekt
 
  Norwegen will so einen starken Gegenspieler für den russischen Konzern Gazprom schaffen. Aber Norsk Hydro ist nicht nur ein Schwergewicht im Ölsektor, sondern auch beim Gas drittgrößter Exporteur der Welt. Derzeit treibt das Unternehmen an der Küste der Barentssee (Nordpolarmeer) ein gigantisches Gasprojekt, mit Namen Ormenlange, voran. Dort ist eines der größten Gasfelder der Welt entdeckt worden. Die Förderung gilt als technisch sehr kompliziert. Mit der Anlage soll Gas verdichtet und in Pipelines gespeist werden, die die Gasversorgung Großbritanniens sichern. Gas, um 10 Millionen Briten mindestens 40 Jahre lang warm zu halten. Im Frühjahr wird die Anlage in Betrieb gehen. Auf der Baustelle arbeiten bis zu 10.000 Menschen aus über 50 Ländern. Eine Reportage von Karl Harenbrock  
 
 
Made in Germany: Norsk Hydro
 
 
MIG 20.02.2007, 21:47 # 0 Kommentare