
| 06.02.2007 |
|
||||||||
| DW-TV: Felix Matthes ist unser Gast, Energieexperte vom Öko-Institut. Was steckt denn aus Ihrer Sicht dahinter, dass zwar seit langer, langer Zeit eine Baugenehmigung in Wilhelmshaven vorliegt, aber doch noch nichts passiert ist? Ein paar Gründe haben wir ja schon gehört. Felix Matthes: Ja ich glaube, es gibt noch drei zusätzliche Gründe. Die Technologie hat ungeheure Fortschritte gemacht, dass bei heutigen Öl- und Gaspreisen auch verflüssigtes Erdgas konkurrenzfähig ist. Der zweite Punkt ist, wir haben inzwischen liberalisierte Energiemärkte, das heißt nicht nur, der eine große Anbieter, der über reichlich Gas aus Russland verfügt, kommt auf den Markt, sondern es gibt zusätzliche Anbieter und die brauchen zusätzliche Versorgung und der dritte Punkt ist, dass das Problembewusstsein für die Frage der Verteilung der Lieferregion enorm gewachsen ist in Deutschland wie auch in der Europäischen Union. Und da sind zusätzliche Lieferungen natürlich auch ein hoher Wert. DW-TV: Wie wichtig ist eine solche Anlage für die Versorgung in Deutschland und Europa? Felix Matthes: Sie wird nur ein Bruchteil der Versorgung von Deutschland und auch nur Bruchteile der Versorgung für Europa darstellen können, aber das Wichtige ist, dass es diese zusätzliche Versorgung gibt, die auf wettbewerbsorganisierten Märkten eine ganz wichtige Ausgleichsfunktion ist, auch zur Disziplinierung der traditionellen Lieferanten. DW-TV: Ein Vorteil dieses verflüssigten Gases heißt es, ist die Möglichkeit jetzt immer da zu kaufen, wo es gerade billig ist. Stimmt das? Felix Matthes: Das ist die eine Seite der Medaille. Man kann sich seine Kunden oder seine Lieferanten aussuchen, aber die andere Seite der Medaille ist natürlich, dass sich auch die Lieferanten Ihre Kunden aussuchen können. Das heißt, der Wettbewerb wird stärker auf der Kundenseite und auf der Anbieterseite. DW-TV: Mit welchen Folgen für die Verbraucher? Felix Matthes: Wir werden es mit einer Globalisierung des Erdgasmarktes zu tun bekommen. Ein Tanker kann man auf dem Atlantik umlenken in die USA oder nach Europa. Das heißt, wahrscheinlich werden die Erdgaspreise volatiler, so wie wir das auf den Ölmärkten und Kohlemärkten schon gewöhnt sind. Der Erdgasmarkt globalisiert sich. DW-TV: Ganz herzlichen Dank für diese ersten Einblicke. Wir sprechen gleich noch zum Thema Kernenergie. |
||||||||
|
||||||||
|
||||||||
| 06.02.2007 |
|
||||||||
| Wie kann man einen Kernreaktor sicherer machen? Diese Frage stellten sich in den 90er Jahren Siemens und die französische Firma Framatome. Gemeinsam gründeten sie ein Unternehmen und entwickelten den ersten sogenannten „Europäischen Druckwasser Reaktor EDR“. Der EDR gilt als 100mal sicherer gegenüber Störfällen als vergleichbare Reaktoren. Den ersten Auftrag zum Bau haben sie vom finnischen Stromkonzern TVO erhalten. Finnland verfügt über keinerlei Erdgas-, Kohle- oder Erdölvorkommen. Auch deshalb gab es über die Notwendigkeit eines fünften Atomreaktors keine große Debatte. In Olkiluoto entsteht ein neues Kernkraftwerk, das Strom für 1,6 Millionen Menschen liefern wird. Neben dem eigentlichen Reaktor kommt fast das komplette Knowhow für das Kraftwerk aus Deutschland. Über die Atomkraftdiskussion in Deutschland und deutsche Firmen, deren Knowhow im Ausland gefragt ist. Reportage von Hagen Tober. | ||||||||
|
||||||||
|
||||||||
| 06.02.2007 |
|
||||||||
| Peter Eigen, der ehemalige Chef von International Transparency, engagiert sich derzeit vor allem in Sachen Rohstofflieferanten und Korruption. Seine Firma heißt EITI, Extractive Industries Transperency Initiative. Eigen fliegt nach Äthiopien. Auf einer Konferenz in Addis Abeba geht es um die vernünftige Vermarktung der Rohstoffvorkommen, dem Umgang mit der Natur und der Korruptionsbekämpfung im Umfeld von Bohr- und Schürfrechten. Mit dem erhöhten Energiebedarf von China und Indien werden die afrikanischen Länder als Rohstofflieferanten immer wichtiger. Konzerne aus China und Indien kaufen in Afrika in großem Stil ein und zwar dort, wo bereits die westlichen Öl-Multis sitzen. Der Kampf um die Rohstoffe wird immer heftiger. Schon jetzt werfen westliche Konzerne den chinesischen und indischen Unternehmen vor, dass sie mit unlauteren Methoden Vorkommen sichern. Prof. Peter Eigen – in heikler Mission unterwegs. Er muss in diesem Verteilerkampf neutral bleiben und will sich vor keinen Karren spannen lassen. Karl Harenbrock porträtiert Peter Eigen und begleitet ihn in die Hauptstadt von Äthiopien, nach Addis Abeba. | ||||||||
|
||||||||
|
||||||||
| 06.02.2007 |
|
||||||||
| Gas gehört zu den wichtigsten fossilen Energieträgern. Doch die Erdgasfelder, die nahe den Verbrauchern liegen, erschöpfen sich. Immer mehr Länder setzten daher auf den Transport von verflüssigtem Gas. Flüssiggas hat zudem den Vorteil, dass Importländer wie Deutschland nicht mehr allein von den Lieferungen per Pipeline abhängig sind, sondern das Gas dort einkaufen können, wo es gerade am billigsten ist. Doch eine Verflüssigungsanlage ist teuer und erfordert viel technisches Knowhow. Eine Chance für die Firma Linde, die im norwegischen Hammerfest unter extrem schwierigen Bedingung eine Verflüssigungsanlage installiert hat. Auch im deutschen Wilhelmshaven könnte in den nächsten Jahren ein sogenannter Energiehafen entstehen. Noch hat verflüssigtes Erdgas nur einen Anteil von 7% am Gasmarkt. Doch mit Wachstumsraten von 7% jährlich könnte es nach Ansicht von Experten schnell zum Öl des 21.Jahrhunderts werden. Ein Bericht von Vanessa Fischer. | ||||||||
|
||||||||
|
||||||||
| 06.02.2007 |
|
||||||||
| Der Stachel sitzt tief bei den Rettenbacher Energieaktivisten. Im vergangenen Jahr hat es nur für Platz zwei in der Solarbundesliga gereicht. Doch spätestens in 2008 will sich die bayerische Gemeinde den Titel zurückholen. Das was lustig klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Rettenbach kämpft um seine Unabhängigkeit - von fossilen Brennstoffen und den großen Energiekonzernen. Inzwischen gibt es auf fast jedem Süddach im Ort eine Fotovoltaik-Anlage, außer auf dem Kirchturm. Außerdem sind drei Biogasanlagen in Betrieb. Der Umsatz an Rapsöltankstelle steigt langsam aber stetig. Immer mehr Bewohner des Ortes machen mit - nicht aus puren Idealismus, sondern weil es sich schlicht rechnet. Ute Walter über die energiebewussten Dorfbewohner. |
||||||||
|
||||||||
|
||||||||
