27.12.2006  
     
 
Claus Michaletz – ein privater Stifter hilft russischen Bibliotheken
 
  Der ehemalige Chef des Wissenschaftsverlags Springer spendiert über eine Million Euro für eine Stiftung, die sich um den Erhalt historischer Bücher kümmert.

Ein Schwerpunkt dabei: die Schätze in russischen Bibliotheken. Betreut wird Claus Michaletz dabei seit Jahren von einer Abteilung der Deutschen Bank, die unter dem Begriff "Philantrophical Wealth" ihren wohlhabenden Kunden einen speziellen Stiftungs-Service anbietet: die Bank kümmert sich um die steuerliche Ausgestaltung der Stiftungs-Initiative, erstellt die Stiftungssatzung und organisiert die laufende Verwaltung der Stiftung. Damit sich der Gönner ausschließlich dem widmen kann, was ihm am Herzen liegt: Bücher.

Die Kälte in Sankt Petersburg kann ihn nicht schrecken. Claus Michaletz war in den 70er Jahren zum ersten Mal in Russland, als Verleger des wissenschaftlichen Springerverlags. Danach kam er immer wieder. Spätestens für den 300. Geburtstag im Jahr 2003 wurde Sankt Petersburg rausgeputzt: Denkmäler und Häuser strahlen jetzt frisch renoviert. Doch von den schmucken Fassaden der Nationalbibliothek lässt sich der 73jährige nicht blenden. Er weiß, dass es dahinter viel zu tun gibt.

Dieses Buch ist mehr als 500 Jahre alt. Gedruckt noch zu Gutenbergs Zeiten. Es muss dringend restauriert werden. Der Stifter Claus Michaletz: "Dafür braucht man viel Geld. Weil es sehr unique ist. Etwa, den Einband, den kann man nicht maschinell machen. Der wird immer manuell restauriert. Das muss auch so bleiben."

Einige tausend dieser wertvollen Bücher lagern in der russischen Nationalbibliothek – teilweise in erbärmlichen Zustand. Sie drohen zu verfallen, weil schlicht das Geld für ihren Erhalt oder ihre Restaurierung fehlt. Claus Michaletz will diese Bücher retten. Auch mit seinem Privatvermögen: Vor sieben Jahren gründete er eigens eine Stiftung. Und seit Mai diesen Jahres finanziert er zusätzlich ein Restaurationszentrum in der Petersburger Bibliothek. Gemeinsam mit Leiterin Swetlana Dobusina will er möglichst viele der Schätze erhalten.

Noch dauert die Restaurierung eines Buchs bis zu fünf Jahre. Viel zu tun für Claus Michaletz und seine Stiftung. Es muss schnell geholfen werden, sonst sind die Bücher unrettbar verloren. Das Stiftungsvermögen beträgt mehr als eine Million Euro. Viel Geld! Und dennoch viel zu wenig. Regelmäßig trifft sich Claus Michaletz in Berlin mit Beratern der Deutschen Bank. Er braucht professionellen Rat. Die Bank half bei der Stiftungsgründung und begleitet den Stifter seither: sie organisiert die gesamte Verwaltung, sorgt für die steuerliche Abwicklung.

Dabei ist Claus Michaletz kein Einzelfall. Die Zahl der Stifter hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Die Deutsche Bank hat reagiert: sie gründete im Jahr 2003 den Bereich "philantropical wealth", der inzwischen fast 700 Stiftungen betreut: mit einem Gesamtvermögen von mehreren Milliarden Euro. Cordula Haase leitet die Abteilung: "Steuerliche Gründe sind in gar keinem Fall der entscheidende Faktor. Das macht einfach keinen Sinn, weil Sie maximal die Hälfte des Geldes, das Sie in die Stiftung gegeben haben von der Steuer zurückbekommen werden. Das heißt es ist in jedem Fall immer das Geben, das im Vordergrund steht. Unsere Stifter sind sehr stark gemeinnützig, philantropisch engagiert. Und ihnen geht es um den guten Zweck."

So wie Claus Michaletz. Er ist schon wieder unterwegs – diesmal in Moskau. Bibliothek für ausländische Literatur. Hier wird der Stifter wie ein alter Freund empfangen. Gemeinsam mit der Direktorin bespricht er die Lage der Bibliothek. Auch hier erschwert der chronische Geldmangel alle Versuche, das kulturelle Erbe zwischen Tausenden von Buchdeckeln zu schützen.

Sankt Petersburg und Moskau – allein kann Claus Michaletz die Bibliotheken nicht retten, das weiß er. Er sucht weitere Stifter und Sponsoren, um die alten Bücher auch für Wissenschaftler zugänglich zu machen. Schwierig für ihn: denn Bücher seien für viele Menschen einfach nicht spektakulär genug.

Am Abend kurze Entspannung beim Restaurantbesuch. Sein Geld einfach nur genießen, ist für Michaletz keine Option: "Wenn ich damit einen Beitrag leisten kann – und zwar für die nächste Generation, nicht für mich allein – da bin ich gern bereit, einen Teil meines Vermögens in eine solche Aufgabe hineinzutun. Das macht mir Spaß und Freude. Und wenn ich sehe, wie sich das Vermögen hier bewährt und ich mit diesem Vermögen etwas tun kann – natürlich mit Hilfe von anderen, das kann ich nicht allein – dann bin ich froh, und dann macht es mir Spaß, für den Rest meines Lebens einer solchen Aufgabe nachzugehen."
 
 
 
Made in Germany: Claus Michaletz
 
 
MIG 27.12.2006, 14:51 # 0 Kommentare