05.12.2006  
     
 
Porsche – Ingenieure gesucht
 
  In Deutschland fehlen zur Zeit rund 15.000 Ingenieure. Fatal, denn immer wieder beschwören Wirtschaftsexperten, dass sich Deutschland angesichts der globalen Konkurrenz auf seine Innovationskraft konzentrieren muss.

Deshalb versuchen Unternehmen wie zum Beispiel der deutsche Sportwagenhersteller Porsche, junge Menschen wieder für den Beruf des Ingenieurs zu begeistern. Das soll auch über einen Imagewechsel funktionieren. Ingenieure, das sollen nicht länger die einsamen Tüftler sein, sondern Allrounder, die in der Lage sind, gesamte Projekte selbständig zu entwickeln, die Auslandserfahrungen haben und mehrere Sprachen sprechen. Porsche geht noch einen Schritt weiter: speziell Frauen sollen für den Beruf des Ingenieurs begeistert werden. 35 angehende Ingenieurinnen auf Tuchfühlung mit Porsche - zwischen Motorenöl und Zylinderkopfdichtungen. Nachwuchs für die Ideenschmiede.

-----------------------------------------------------------

Off-Road-Fahren auf dem Porsche-Gelände in Leipzig. Das dürfen eigentlich nur gute Kunden. Doch in diesen Autos sitzen Praktikanten! Es geht steil bergab, aber der Porsche-Fahrer hat Hochgefühle: "Mein eigenes Fahrzeug wär jetzt vorne total beschädigt. Mein Motor wär halb rausgerissen – aber bis jetzt ging's gut.Ich find's Klasse!"

Ralf Keller ist 23 und studiert im 8. Semester Maschinenbau. Als Praktikant bei Porsche hat er eine besonders gute Figur gemacht. Jetzt versucht die Firma ihn zu binden: "Man merkt, dass die Firma etwas für einen tut. Man fühlt sich irgendwie richtig aufgehoben. Und es gibt halt nen Riesen-Motivationsschub so auch das Richtige zu tun, sei es vom Studium her, oder im Praktikum oder als Werksstudent, je nachdem was wer macht."

Ein bisschen wie in der Zigarettenwerbung: Abenteuer. Und scheinbar wirkt es. Zwei andere Studenten jedenfalls hat's erwischt. Ein möglicher Sieg für Porsche, beim Kampf um Ingenieure. Martin Meyer, Leiter Personalmarketing Porsche: "Die Lage wird auf jeden Fall schlimm werden. Das zeigen die Zahlen jetzt schon. Vor allem so ab 2012 wird es deutlich weniger Studenten und dann auch irgendwann Absolventen geben, ja. Der VDI spricht heute schon von 15 bis 18.000 in Deutschland, die fehlen und das wird sich sicherlich noch dramatischer gestalten in ein paar Jahren."

Im Stammwerk Zuffenhausen versucht Porsche deshalb auch verstärkt junge Frauen für schnelle Autos zu begeistern. Für einige Studentinnen ist das Neuland: "Ich bin noch nicht so ganz autofanatisch, aber ich lass mich gerne anstecken von der Faszination, ich würde gern mal mit einem Porsche fahren, vielleicht springt das ja über." Sie sind alle Anfang 20 und studieren technische Berufe.

Porsche ist Teil eines Netzwerkes, das gezielt Frauen fördert. Als Ingenieure sind sie in Deutschland immer noch unterrepräsentiert. Martin Meyer's Job ist es, den Nachwuchs für's Unternehmen zu sichern. Frauen sind für ihn erste Wahl: "Also ich denke, Frauen sehen viele Dinge aus anderen Blickrichtungen. Man muss auch sagen, wir haben auch einen steigenden Anteil von Kundinnen und ich denke dann kann es uns auch nur gut tun, wenn auch Frauen in der Entwicklung und der Produktion mitarbeiten."

Wer stellt welche Fragen, wer ist ganz bei der Sache. Auch wenn es nicht immer so wirkt. Martin Meyer und seine Mitarbeiter beobachten die Studentinnen ganz genau: "Wir schauen, wer sich besonders für unser Unternehmen begeistert, fürs Thema Auto begeistert. man sieht so ein bisschen in den Augen, wer vielleicht darüber nachdenkt bei uns mal anzufangen, ein Praktikum zu machen."

Selbst einen Porsche fahren, daraus wird heute wohl noch nichts. Mal Gas geben, das ist ja auch schon was. Auch die Praktikanten in Leipzig müssen jetzt auf den Beifahrersitz.

Aus gutem Grund. Auf der Rennstrecke sollen sie mal richtig ins Schleudern kommen. Ihr Entschluss steht längst fest. Nach dem Studium geht die Bewerbung an Porsche. Wenn dann die passende Stelle frei ist. Ihnen stehen viele Türen offen, solange in Deutschland Ingenieure Mangelware sind.
 
 
 
Made in Germany: Porsche
 
 
MIG 05.12.2006, 15:45 # 0 Kommentare
 
 
     
  05.12.2006  
     
 
McZahn – nie wieder Zuzahlung
 
  Mc Donald's, Mc Paper und nun auch... Mc Zahn. Franchising hat die Gesundheitsbranche erreicht. Und Deutschland hat seine erste Zahnarzt-Kette.

Ein Dentaldiscounter, der mit der Zauberformel "Zahnersatz zum Nulltarif" wirbt. Das Prinzip ist einfach: Kronen und Brücken werden in China hergestellt und dann in die deutschen Münder gepflanzt. Die Kosten dafür sind so gering, dass die Krankenkassen sie übernehmen. Zuzahlung des Patienten: 0 Euro. Das kommt an: Die erste Mc-Zahn-Praxis in Krefeld schleust die Patienten inzwischen im Minuten-Takt durch das Behandlungszimmer. Und sie ist ausgebucht bis April 2007. Nun wächst die Kette, und das Franchise-Prinzip nimmt Formen an. Am 01. Dezember hat im westfälischen Bünden die zweite komplett ausgestattete Mc-Zahn-Praxis eröffnet. Damit ist der Gründer der Kette, Werner Brandenbusch, seinem Ziel einen Schritt näher gekommen: ein Netz von 400 Filialen bis 2009.

Doch Einheitspraxis und chinesische Zahnprodukte kommen nicht überall gut an. Werner Brandenbusch hat sogar schon Morddrohungen erhalten. Und auch im kleinen Bünden sorgen sich Zahnärzte um ihre Zukunft.
 
 
 
Made in Germany: McZahn
 
 
MIG 05.12.2006, 15:40 # 0 Kommentare
 
 
     
  05.12.2006  
     
 
Social Entrepreneur – Kyle Zimmer: First Book-Präsidentin
 
  Seit inzwischen 14 Jahren setzt sich Kyle Zimmer dafür ein, dass Kinder aus den ärmsten Schichten gratis an druckfrische Kinder- und Jugendbücher kommen.

Früher eine erfolgreiche Juristin und Politikberaterin, arbeitete Kyle Zimmer eine Zeitlang als ehrenamtliche Helferin in einem Washingtoner Kinderzentrum: "Das hat mir die Augen geöffnet" sagt sie. Die Kinder hatten keine altersgemäßen Bücher, keine Lesekompetenz, keine Chance auf Bildung. In den USA gilt das für 27 Millionen Kinder. Deshalb hat Kyle Zimmer First Book gegründet: Sie sucht unter den zahlreichen Kinder- und Jugendzentren in den USA die Partner aus, über die sie die bedürftigsten Kinder am besten erreicht. Sie wirbt Spenden ein, und sie hat die Verlage mit ins Boot geholt. Die geben ihr die vom Buchhandel zurückgeschickten Exemplare kostenfrei ab. Und neuerdings lässt Kyle Zimmer auch selber drucken: Nachdrucke von Kinderbuchklassikern, die sie zum Tiefstpreis en gros von den Verlagen abnimmt und kostengünstig über das Internet vertreibt. First Book stellt im Jahr 7 Millionen Bücher zur Verfügung, die an 3000 Gemeinden und 16.000 Kindereinrichtungen gehen. First Book ist so erfolgreich, dass das Konzept jetzt auch in Kanada und Indien eingeführt werden soll. Christian Uhlig hat die unermüdlich für ihre Mission arbeitende Kyle Zimmer in Washington getroffen.
 
 
 
Made in Germany: Entrepreneur
 
 
MIG 05.12.2006, 15:39 # 0 Kommentare
 
 
     
  05.12.2006  
     
 
Flughafen Halle-Leipzig – Streit um Subventionen
 
  Bisher galt Sachsen immer als Musterland, wenn es um die Ansiedlung von Unternehmen geht. Porsche, BMW, AMD, Amazon: Alles Erfolgsgeschichten. Das aktuelle Großprojekt heißt Flughafen Leipzig-Halle.

Der Regionalflughafen soll zu einem der weltgrößten Umschlagplätze für Güter werden. Dafür hat der Flughafen, der zum großen Teil dem Land Sachsen gehört, 300 Millionen Euro in eine zusätzliche Landebahn investiert und das Nachtflugverbot aufgehoben. Der Coup scheint gelungen, denn der Logistikriese DHL verlegt seinen europäischen Umschlagplatz nach Leipzig und baut ebenfalls für 300 Millionen Euro Infrastruktur auf. Doch nun kommt die EU dem Flughafen in die Quere: Sie wirft dem Land illegale Subventionen vor: Die neue Landebahn sei exklusiv für DHL gebaut worden, eine verdeckte Subvention. Erlebt der Musterknabe seinen ersten Sündenfall? Oder wird hier clevere Ansiedlungspolitik durch EU-Bürokratie torpediert? Kerstin Schweizer und Frank Hofmann versuchen, Licht ins Dunkle zu bringen.
 
 
 
Made in Germany: Subventionen
 
 
MIG 05.12.2006, 15:39 # 0 Kommentare