04.11.2006  
     
 
Ein letztes Wort
 
  Ich habe in diesem Blog so viele Einträge geschrieben, wie ich Jahre alt bin: 34. Reiner Zufall. Ich habe diese Reise wochenlang vorbereitet, am Ende war vieles Zufall. Zum Beispiel, dass ich genau an dem Tag, als Evo Morales Geburtstag feierte, auch im Chapare war. Schoener Zufall. Da gab es zwar kein Interview, ich hatte aber an meinem letzten Tag einen Termin sicher. Dann hat Evo Schnupfen bekommen, sagte alle Termine ab. Das war dummer Zufall.

Trotzdem, im Grossen und Ganzen hat alles gut geklappt. Das habe ich vor allem den zahlreichen Leuten vor Ort zu verdanken, die mir mit Kontakten geholfen haben. Ohne Kontakte geht in Bolivien und Venezuela nichts. Ein gutes Wort zählt Tausend mal mehr als eine offizielle Interviewanfrage.

Ich habe mir überlegt, welches Foto ich zum Abschluss veröffentlichen soll. Ich habe eine kleine Collage gemacht mit einigen der Kinderfotos, die ich geschossen habe. Für die meisten gab es keinen Anlass zur Veröffentlichung. Es waren einfach nette, fröhliche Begegnungen.




Vielleicht fragen Sie, wozu nur der ganze Aufwand. Eines hat mir die Reise gezeigt: Was Venezuela und Bolivien fehlt, ist eine differenziertere internationale Berichterstattung, die sich nicht nur darauf beschränkt, die verbalen Ausfälle eines Hugo Chávez oder Evo Morales zu dokumentieren. Die Präsenz internationaler Medien ist in diesen Länder gering. Die Folge: Radikale Kräfte bekommen mehr Aufmerksamkeit als gemässigte, da sie in der Logik der Medien einen höheren Nachrichtenwert haben. Als Chávez Bush als Teufel bezeichnete, war das in allen Nachrichten.

Und selbstkritisch will ich noch folgendes anmerken: Oft versuchen wir westlichen Journalisten, mit den Konzepten und Sichtweisen aus unserem Kulturkreis die Ereignisse in Laendern wie Bolivien oder Venezuela zu bewerten. Nur leider funktioniert das nicht so richtig. Begriffe wie Links oder Rechts im europäischen Sinne lassen sich nicht so einfach überstülpen. Sie können auch ein Demokratieverständnis, wie es in Deutschland üblich ist, nicht einfach eins zu eins auf Bolivien oder Venezuela übertragen. Das muss zu Fehlinterpretationen führen.

Wer sich nur ein wenig mit Bolivien auseinandersetzt, dem wird ganz schnell schwindelig angesichts der Komplexität des Landes. Ähnlich ist das mit Venezuela, aber auch mit Chile oder Brasilien.

Luna, Geraldo und ich stehen nun vor der Herausforderung, uns der Realität von vier Ländern Lateinamerikas anzunähern. Das ist jetzt die Aufgabe für die nächsten Wochen. Das Special gibt es dann Ende November.

Vielen Dank an alle Leser, die mir die Treue gehalten haben, vielen Dank auch für die vielen netten Kommentare. Sie haben mir immer wieder Antrieb gegeben, oft auch nach Mitternacht mich noch mal an den Rechner zu setzen. Hasta pronto!
 
 
 
Steffen 04.11.2006, 10:55 # 5 Comments
 
 
     
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