14.12.2009  
     
 
Potsdam - 12. Dezember
Die erste Woche
 
  Die erste Woche der Mammutkonferenz, bei der in Kopenhagen das Schicksal unseres Planeten verhandelt wird, geht zu Ende.

Nach allem, was ich von Kollegen vor Ort höre, ist die Stimmung gar nicht schlecht. Immerhin liegt jetzt ein Vertragsentwurf vor, auf dessen Basis in Woche 2 die Umweltminister und dann die Regierungschefs verhandeln sollen. Dieser Text kann ein vernünftiges Abkommen erlauben, wobei aber viele der entscheidenden Fragen und Zahlen noch offen gelassen sind.

Für einen physikalisch forschenden Klimatologen wie mich sind diese Verhandlungen und Entwurfstexte in ihrer überbordenden Komplexität übrigens beinahe so undurchschaubar wie für einen Laien – obwohl ich das nun schon seit etlichen Jahren verfolge.

Die erste dieser Verhandlungsrunden habe ich 1998 in Buenos Aires besucht, ich war dort zu einem wissenschaftlichen Vortrag eingeladen. Das war die "COP 4", jetzt haben wir die "COP 15". "COP" heißt "Conference of the Parties" – wobei es nicht ums Party feiern geht, sondern um die Parteien der UNFCCC, also der 1992 in Rio verabschiedeten Klimarahmenkonvention.

Sehr viel wird auf die Entschlusskraft der Staatschefs in den letzten Tagen ankommen. Die Schlüsselrolle spielen die Industrieländer, die bislang noch deutlich hinter dem zurückbleiben, was ihr fairer Anteil an den Emissionsreduktionen wäre – rund 40% Reduktion unter das Niveau von 1990 bis zum Jahr 2020.

Und eine besondere Schlüsselrolle wird US-Präsident Obama haben, im Spagat zwischen dem für das globale Klima Nötigen und den innenpolitischen Gegnern zuhause in den USA.

Die EU hat immerhin gerade Geld für die Entwicklungsländer für die kommenden drei Jahre bereitgestellt, insgesamt 7,2 Milliarden Euro. Deutschland ist mit 420 Million Euro jährlich dabei. Klingt vielleicht viel – das sind allerdings nur rund 5 Euro pro Kopf und Jahr. Nur aus der Portokasse wird sich die Klimakrise leider nicht bewältigen lassen.

Heute Nachmittag gab es hier in Potsdam den ersten kräftigen Schneeschauer des Winters, der unseren Garten weiß zauberte. Umso gemütlicher, den Kindern am Holzofen Geschichten vorzulesen! Am Montag fliege ich selbst nach Kopenhagen – ich bin schon sehr gespannt.

PS. Auch Wissenschaftler sind menschlich (Sie ahnten es!) – manchmal auch allzu menschlich. So gibt es auch den einen oder anderen darunter, der statt mit Forschungsergebnissen lieber mit abstrusen Unterstellungen in den Medien auf sich aufmerksam macht. In der Regel ignorieren wir so etwas; aber gestern hielt ich eine Stellungnahme bei Spektrum für sinnvoll.



 
 
 
Wissenschaftsredaktion 14.12.2009, 08:57 # 0 Kommentare
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