15.11.2009  
     
 
Stuttgart
Lauschangriff im Urwald...
 
  Auf Froschjagd im Dienste der Wissenschaft – dafür braucht man schnelle, kräftige Hände, keine Angst vor giftigen Tieren - und ein Mikrofon. Denn die Rufe der Frösche sind total wichtig, um die Arten im nächtlichen Dschungel zu bestimmen und zum Beispiel Männchen und Weibchen einer Art zu finden.

Mit dem langweiligen Gequake an deutschen Teichen hat das Froschkonzert im urtümlichen Araukarienwald nicht all zu viel zu tun: was ich bisher so alles auf meinem Rekorder aufgezeichnet habe, erinnert eher an Ziegengemecker, Krähenkrächzen oder das Heulen eines vorbeifahrenden Formel-1-Rennwagens.



Fast immer sind Arten dabei, die in keinem Bestimmungsbuch stehen. Denn die meisten Frösche hier sind unbekannt. Mir bleibt dann meist nichts anderes übrig, als ihnen provisorische Namen zu geben: Ziegenfrosch zum Beispiel oder "Senna"-Frosch nach dem berühmten brasilianischen Rennfahrer.

 
 
 
Wissenschaftsredaktion 15.11.2009, 17:35 # 4 Kommentare
 
 
     
  15.11.2009  
     
 
Stuttgart
Die Namenlosen aus dem Araukarienwald
 
  Was Amphibien angeht, kann Deutschland echt einpacken: Hier leben gerade mal 14 Arten...

Kein Wunder also, dass es einen Froschfan wie mich immer wieder nach Brasilien zieht: In keinem Land der Erde gibt es mehr Amphibien als hier. 800 Arten sind bekannt und es kommen jährlich neue dazu. Es ist schon echt irre, wenn man das Glück hat, selber eine neue Art zu entdecken - das kann man kaum beschreiben. Vor allem wenn es auch noch so ein prächtig gefärbter ist wie dieser hier, der inzwischen als "Leopardenfrosch" in die Literatur eingegangen ist:




Wobei ich sagen muss, es war schon echt Glück dabei. Der Frosch sprang mir nämlich fast in den Arme. Naja, ganz so romantisch war es auch nicht...genau genommen hatten wir einen Verkehrsunfall: Der Frosch sprang mir nachts in einem Sturzregen einfach vor den Jeep. Und auch als ich ein zweites Mal eine neue Art entdeckt habe, war es wirklich ein Riesenzufall. Ich hatte gerade beide Hände voll zu tun und versuchte, eine wild um sich peitschende Haubennatter zu sichern, die ich im Küstenregenwald gefangen hatte, als sie vor Stress ihre letzte Mahlzeit erbrach...das war natürlich nicht so schön im ersten Moment, aber unten den erbrochenen Fröschen war halt auch dieser dabei:


Wir haben ihn Urhornfrosch genannt. Zu Ehren meines verstorbenen brasilianischen Forscherkollegen Pedro Braun haben wir ihn wissenschaftlich Proceratophrys brauni getauft.

 
 
 
Wissenschaftsredaktion 15.11.2009, 15:37 # 0 Kommentare
 
 
     
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