22.12.2009  
     
 
Porto Alegre
Schokopizza und ein verlorenes Geschenk
 
  Meine Hoffnungen für die heutige Nacht aber sind längst übererfüllt, das ist wirklich ein furioses Finale meiner Reise, die sich nun leider langsam dem Ende zuneigt. Nur noch zwei Tage, dann geht es in Richtung Deutschland. Nach einer viel zu kurzen Nacht in der Pension "Camilas Eltern" fahren Koni und ich also nach Porto Alegre.



Wir nehmen dabei Freund Raúl mit, dessen Flugzeug nach Montevideo allerdings erst abends geht. So nutzen wir die Zeit, nochmal nach den Schwarzkröten in Taquara zu gucken - leider erfolglos, denn von den extremen Unwettern in Santa Maria ist dort nur ein dünner Nieselregen angekommen. Ein weiterer Beleg für die Wetterabhängigkeit und die Unwägbarkeiten, denen man als Feldbiologe auf der Suche nach den Objekten seiner Begierde ausgesetzt ist.

Einen schönen Abschluss des Samstags haben wir dennoch: Das erste Mal seit langer Zeit esse ich mal wieder Pizza in einer speziellen südbrasilianischen Variante: das berühmte Rodízio. Das gibt es nämlich nicht nur im Churrasco, wenn viele Ober mit noch mehr Fleischvarianten an den Tisch kommen, und man wirklich Mühe hat, eine Auswahl zu treffen oder gar nein zu sagen, sondern auch in der Pizzeria. Unglaublich, welche Mengen man auf die Weise verzehren kann. Koni steigt nach etwa acht fetten Pizzaschnitten aus (jede wie gesagt in einer anderen Sorte), ich nach vielleicht 12, aber Raúl schafft locker nochmal fünf mehr. Nun gut, wer ihn kennt, weiß, dass er uns gegenüber klar im Volumenvorteil ist. Aber so leicht gebe ich nicht auf. Ich erinnere mich, dass es ja auch noch die Nachtisch-Pizza gibt. Das ist mein Metier und meine Chance: Raúl schafft nur noch zwei der für uns Deutsche unbekannten Pizzasorte, die immer süß ist und am ehesten an einen Crepe erinnert. Ich dagegen verschlinge tatsächlich folgende sechs (oder waren es sogar sieben?) dieser Teile (in chronologischer Reihenfolge): zunächst eine Eis-Pizza (die kommt gefroren auf den Tisch, wirklich!), dann die warmen Sorten, nämlich eine mit Mandeln, dann mit Banane, mit Honig, Ananas und Schokolade, die siebte weiß ich leider nicht mehr. So oder so ein knapper Ausgang zwischen Raúl und mir!

Nach der Pizza-Schlacht liefern wir Raúl so gegen zehn Uhr abends am Flughafen ab, und da der Abend ansonsten noch jung ist, wir anderseits aber seit Wochen auf Nacht gepolt sind, also so früh schon keinesfalls müde sind, entscheiden Koni und ich uns, heute ausnahmsweise mal in Porto Alegre auszugehen. Das erste Mal überhaupt, seit wir hier sind, keine nächtlichen Froschexkursionen.

Zu Zeiten meiner Dissertation, als ich ja länger in Porto Alegre lebte, gab´s das öfter mal, dass man mit befreundeten Studenten in die Kneipe oder zum Tanzen ausgegangen ist. So kann ich mich an eine spezielle Adresse erinnern, die es denn auch heute noch gibt und die ich Koni zeigen will. Sie heißt Stuttgart! Wie meine Heimatstadt also, und ich habe nie rausgefunden, ob der Besitzer (oder dessen Eltern) vor Jahren vielleicht mal aus der Schwabenmetropole ausgewandert ist oder ob er vielleicht nur eine unsere schwäbischen Nobelkarossen fährt (dann sicher aufgrund des Gewinns, den er mit dem Laden eingefahren hat – Porsche und Mercedes-Limousinen sind wirklich selten auf den Straßen von Porto Alegre zu sehen). Der Abend jedenfalls endet feucht-fröhlich mit Bier und einigen Caipirinhas – und bei mir mit einem Geschenk von Koni: am Eingang schafft er es, zwei T-Shirts mit dem Aufdruck Stuttgart (zum achtjährigen Jubiläum der Cervecaria) zu ergattern, die sind eigentlich nur für Bedienstete gedacht! Damit bedankt er sich auf wirklich originelle Weise bei mir für die zwei Wochen im Feld. Die haben aber natürlich auch mir viel Spaß bereitet, und vielen Dank daher auch zurück an Dich, Koni, für die tolle Begleitung. Was wir super finden: Da Koni zwei Shirts gekauft hat und die Geschichte von dem Stuttgarter Biologen in der Stuttgarter Bar in Brasilien offenbar bis zum Besitzer vorgedrungen ist, müssen wir beim Rausgehen an der Kasse (wo man die Rechnung für den ganzen Abend bekommt) nichts zahlen, alles umsonst, und so wenig haben wir wirklich nicht getrunken...

Ein kleiner Wermutstropfen nur, bevor Koni am übernächsten Tag dann weiter nach Buenos Aires fliegt, offenbart sich erst am Flughafen. Als wir dort nämlich unser offizielles Abschiedsfoto machen wollen, zeigt sich, dass Konis Stuttgart-Shirt nicht da ist. Dem reichlichen Caipirinha-Genuss sei Dank, hat er es offenbar im Taxi liegengelassen… Schade, wie gewonnen, so zerronnen. Ganz zerronnen ist unsere gemeinsame Zeit im Feld aber noch nicht, ein letzter Tag und eine letzte Nacht liegt morgen noch vor uns: Wir wollen an den Strand bei Pinhal fahren. Natürlich nicht zum Baden!
 
 
 
Wissenschaftsredaktion 22.12.2009, 14:21 # 0 Kommentare
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