15.12.2009  
     
 
Ein Morgen im Museum und viele schwarze Wolken
 
 

Morgens schauen wir uns noch zusammen mit Jair das Museum an.

Seit meinem letzten Aufenthalt hat sich viel geändert, er ist mit den ganzen Exponaten in ein größeres Gebäude umgezogen und es sind viele neue hinzugekommen. Es gibt z. B. Aquarien mit einheimischen Wasserpflanzen, Insekten- und Froschmodelle, selbst gebaute, von Kindern bemalte Dinosaurier, sogar ein Charles Darwin begegnet mit (und draußen auf der Wiese steht ein halb fertiges Modell seines Schiffs, der Beagle – fast so wie bei uns im Stuttgarter Museum, nur hat das dort ein Vermögen gekostet!).



Eine weitere Leidenschaft von Jair kommt im Museum noch zum Tragen: die des Fliegens. Jair hat drei noch funktionierende Ultraleichtflugzeuge, mit denen er manchmal abhebt, und im Museum sind außerdem noch nette Modelle alter Flugzeugveteranen zu bewundern.



Und Koni fängt direkt neben dem Museum immerhin noch einen
halbwüchsigen Teju - so ist der Schmerz über die verpasste
Wassernatter zwar nicht ganz verwunden, aber immerhin etwas
abgemildert.



Apropos Schmerz: Bei der näheren Besichtigigung einer der Flieger von Jair werde ich kurz und schmerzhaft aus dem Nichts attackiert, sozusagen ein Angriff nach der Blitzkriegstaktik: Eine Wespe aus einem kleinen Nest, das an der Unterseite des Gestänges saß, hat sich da wohl auf den Schlips bzw. Flügel getreten gefühlt.

Ich bezahle mit einer schmerzhaften Schwellung am Arm, sie mit dem Tode …



Toll jedenfalls, was Du da aufgebaut hast, Jair und vielen Dank für die tolle Bewirtung! Dann verabschieden wir uns (nicht ohne noch ein Mittagessen zu bekommen), denn wir müssen wieder zurück nach Santa Maria.

Gegen 17 Uhr haben wir mit Raúl und zwei Studenten einen weiteren Treffpunkt an der Uni ausgemacht. Wir fahren also los und haben schon so eine Vorahnung: Am Himmel stehen in Richtung Santa Maria/Itaara rabenschwarze Wolken: Kein Zweifel, Unwetter gehen im Gebiet der neuen Melanophryniscus-Art nieder!




 
 
 
Wissenschaftsredaktion 15.12.2009, 09:52 # 0 Kommentare
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  15.12.2009  
     
 
Churrasco um zwei Uhr nachts
 
  So ändern wir also wieder mal den Plan und schauen uns stattdessen die Froschfauna hinter Jairs Haus an.



Dort gibt es einige interessante Teiche und aufgelassene Reisfelder (vermutlich war das der Nachbar, der nach den vielen Unwettern und dreimaligen Verlusten der Aussaat für dieses Jahr aufgegeben hat …).



Koni und ich freuen uns jedenfalls, dass Jair und seine Frau so flexibel sind, dass wir das Churrasco kurzfristig auch in ihrem Haus durchführen können. Alles kein Problem, ich weiß, aber dass der kaum zehnjährige Sohn einfach um Mitternacht aus dem Bett „geworfen“ wird, damit wir in seinem Zimmer ein Plätzchen zum Schlafen finden, ist uns nun wirklich peinlich. Als wir aus dem Feld zurückkehren, ist das Zimmer schon für uns vorbereitet, und der arme Kleine ist vermutlich ins Wohnzimmer umgezogen. Hier ist sie wieder, die großartige brasilianische Gastfreundschaft! Koni und ich sind jedenfalls froh, dass wegen uns nicht auch noch die ältere Tochter aus ihrem Zimmer geworfen wird.

Ach so, das hätte ich fast vergessen: Etwas amphibische Feldarbeit gab´s ja wie erwähnt auch noch. Zu viert ziehen wir kurz vor Mitternacht ins Gelände und suchen statt Hypsiboas stellae eben die „normalen“ Arten im Tiefland von Rio Grande do Sul.



Immerhin sind die auch fast alle neu für Koni, da wir diesen Naturraum bisher noch nicht bereist haben. Wir finden zum Beispiel Leptodactylus latinasus, Leptodactylus fuscus (der mit seinen lustigen Pfiffen so klingt, als ob man von einem frechen Mitbürger veräppelt wird), Pseudopaludicola falcipes (mit etwa 15 mm Länge der kleinste Frosch hier im Süden) oder Dendropsophus sanborni (auch kaum größer).






Und was traurig stimmt: Es gibt leider auch Ochsenfrösche. Tatsächlich ist dieser gefährliche Einwanderer aus Nordamerika auch schon hier angekommen. Vor Jahrzehnten in vielen Teilen Brasiliens im großen Stil gezüchtet (Froschschenkel), dann oft entflohen oder ausgesetzt, haben sich diese großen und gefräßigen Frösche mittlerweile unkontrolliert im Freiland vermehrt und sind wohl nicht zu stoppen. Gerade sind sie dabei, ganz Südbrasilien und Uruguay zu erobern, man findet sie dort bereits in sehr vielen Gebieten, auch in Nationalparks. Ochsenfrösche verdrängen die einheimische Froschfauna und sind Überträger des erwähnten Chytridpilzes, gegen den sie selbst immun sind. Camila, die mit Ochsenfröschen arbeitet, kann ein Lied davon singen, welch großes Problem diese Art in Südamerika darstellt. Das ist kaum mit dem vergleichbar, was sich in Europa (Italien, Frankreich, Spanien) abspielt, obwohl die Art auch bei uns ein Problem ist. Selbst an einer Stelle in Deutschland ist der Ochsenfrosch seit einigen Jahren heimisch und vermehrt sich rasant, in der Nähe von Karlsruhe.

Eine kleinere, sagen wir mal, zwischenmenschliche „Interaktion“ ergibt sich schließlich zus der Tatsache, dass ich im Uferbereich eines Teiches plötzlich eine Helicops infrataeniatus erspähe. Diese harmlose, aber oft bissige und stinkende Wassernatter (wenn man sie fängt, entleert sie ihre Kloake) mit schönem schwarz-roten Bauch ist eigentlich sehr häufig im Tiefland, und ich habe sie schon öfter gesehen und fotografiert. Nun will ich aber auch mal ein schönes Foto im Habitat machen, die Schlange eventuell sogar dort filmen. Daher fange ich das Tier nicht, rufe zur Sicherheit aber schon mal Koni herbei, der beim Stichwort Schlange auch sofort aus dem Hintergrund heranpoltert. So war das aber natürlich nicht gedacht von mir, die Schlange reagiert sofort und taucht ab. Am Ende stehen wir beide mit leeren Händen da: ich ohne Film und Foto, Koni ohne Schlange. Beide sind wir etwas säuerlich und es fallen ein paar härtere Worte, aber glücklicherweise glätten sich die Wogen schnell wieder. Dem brasilianischen Studenten, der direkt daneben stand, ist das übrigens gar nicht aufgefallen. Für Brasilianer klingt die offenbar harte Aussprache der Deutschen wohl immer so, als würden wir uns beschimpfen. Das haben mir jetzt schon mehrere Leute dort bestätigt, eigenartig, wenn die Selbstwahrnehmung eine ganz andere als die Außenwahrnehmung ist.

Gegen 1.00 (Koni und ich dürfen noch etwas länger im Feld bleiben) kehren Jair und der Student ins Haus zurück und entzünden tatsächlich noch das Feuer: Ganz klar, das Churrasco wird noch serviert, und zwar um 2 Uhr nachts! Nachdem der Biervorrat leer getrunken und der selbst
gebrannte Schnaps ausprobiert ist, geht´s irgendwann gegen 4 Uhr ins Bett.


 
 
 
Wissenschaftsredaktion 15.12.2009, 09:41 # 0 Kommentare
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  15.12.2009  
     
 
Der Stellae-Frosch
 
  Vermutlich gibt es im Reservat auch den schönen Hypsiboas stellae. Diesen seltenen Laubfrosch habe ich erst vor wenigen Jahren entdeckt und kürzlich auch beschrieben.



Die Exemplare für die Beschreibung (das sog. Typusmaterial) stammen aus drei Bächen der Hangwälder in der Umgebung
von Santa Cruz bzw. der nahe gelegenen Orte Rio Pardinho und Sinimbu.

Damals war ich auf abenteuerlichen Pfaden alleine mit einem PUC/Tübingen-Kombi (das war, glaube ich, damals noch das Vorgängermodell) unterwegs und musste eine Nacht im Auto übernachten (direkt in der sog. Typus-Lokalität), weil der steinige Mini-Weg irgendwann gegen drei Uhr morgens an einem abgelegenen Gehöft aufhörte und mich die Müdigkeit übermannte.



Den Artnamen dieser neuen Froschart haben wir damals über den Verein Biopat an einen Spender vermittelt, in diesem Fall an die britische Firma Stellae Company (ich hab darüber, glaube ich, schon mal kurz gebloggt).

Der "Taufpate" gibt Geld für die Erforschung der neuen Art
oder allgemein für den Naturschutz (z. B. zum Aufkauf von Waldflächen usw.) und darf dafür den Artnamen wählen, in diesem Fall eben stellae.

Ob man das nun mag oder nicht, es ist längst Realität, dass die Kommerzialisierung auch in der Biologie angekommen ist. Das lässt sich nicht wegdiskutieren und nicht wegleugnen. Da für taxonomische Forschungen und für Feldarbeiten, wie ich sie durchführe, leider traditionell nur wenig Geld zur Verfügung steht, selbst an unseren Naturkundemuseen nicht, ist man als Biologe dazu gezwungen, auch solche Wege zu gehen. Letzten Endes ist es aber nicht verwerflich und eigentlich eher eine Geschmacksfrage.

Es macht keinen großen Unterschied, ob man eine neue Art nach einem Paten benennt, der die eigene Arbeit mit einer Geldspende ermöglicht, oder zu Ehren eines verdienten Kollegen, sei der nun schon tot (wie bei mir im Falle von Pseudis cardosoi, Proceratophrys brauni oder Trachycephalus
dibernardoi) oder am Leben, wie bei Adenomera engelsi. Der
Forscherkollege hat sich eben durch wissenschaftliche Leistungen hervorgetan, der Pate durch monetäre Unterstützung der eigenen Forschungsarbeiten. Beides ist wichtig.

Natürlich kann man eine Art auch einfach nach bestimmten typischen Merkmalen, z. B. nach ihrem Aussehen (wie Elachistocleis erythrogaster, das bedeutet: mit rotem Bauch) oder nach dem Lebensraum benennen (wie Adenomera araucaria, nach dem gleichnamigen Nadelbaum, unter dem der kleine Frosch lebt). Nur hat man dann schnell das Problem einer "Namensinflation", denn es gibt ja viele rotbäuchige Frösche oder Amphibien, die sich im Araukarienwald wohlfühlen. Wollte man die alle nach denselben Merkmalen benennen, könnte es schnell unübersichtlich werden, zu viele "erythrogasters" und "araucarias" … Ich selbst bin übrigens auch froh, dass mein Name selten ist, ja, vermutlich ein Unikat darstellt (jedenfalls weiß ich von keinem zweiten Axel Kwet).

Zum taxonomischen Problem wird das Ganze dann, wenn bei
Gattungsumstellungen von Arten (was immer wieder vorkommt), ein häufiger Name plötzlich doppelt belegt ist, z. B. wenn zu einem schon in einer Gattung existierenden "maculatus" (die "Gefleckten" gibt´s wirklich fast wie Sand am Meer)durch die Umstellung nun ein weiterer dazukommt; der wurde ursprünglich in einer anderen Gattung beschrieben und aufgrund seiner Flecken eben auch "maculatus" benannt. Zwei
identische Namen, also Träger derselben Art- und Gattungsnamen, sind nach dem zoologischen Code unzulässig, sodass man in solchen Fällen einen neuen Namen (replacement name) vergeben muss. Doch eigentlich ist das zu kompliziert jetzt hier … Und auch unnötig, weil wir Hypsiboas stellae in dieser Nacht ja eh verpasst haben.

 
 
 
Wissenschaftsredaktion 15.12.2009, 09:33 # 0 Kommentare
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  15.12.2009  
     
 
Universität von Santa Cruz
Vorlesung bis um zehn Uhr nachts
 
  Jair ist zwar kein Herpetologe, doch Interesse hat er auch an Fröschen und Schlangen, eigentlich an allem, was so kreucht und fleucht. Und er ist ein Macher, sprüht nur so vor Energie und Ideen. Der Mann ist nie untätig, arbeitet eigentlich nur, schläft kaum: Vier Stunden reichen ihm.

Doch was mich wirklich beeindruckt: Auf seinem ausgedehnten
Grundstück mit landwirtschaftlichen Produkten für den Eigenbedarf, wie Kühen, Hühnern oder Bienen (einige Stöcke wurden allerdings kürzlich von Dieben geraubt), hat Jair ein kleines selbst konzipiertes, wirklich superoriginelles Naturkundemuseum für Kinder aufgebaut – alles in seiner Freizeit und fast ganz alleine. Als wir ihn jetzt an
der Uni treffen, kann er nicht mehr Autofahren, denn vor wenigen Tagen hat sich bei Umbauten im Museum ein alter Nagel in seinen Arm gebohrt; nur wenig fehlte, und das rostige Eisen wäre an der anderen Seite wieder rausgekommen

Der Arm ist dick geschwollen, und so muss Jair sich von einem Studenten fahren lassen: Per E-Mail haben wir ausgemacht, dass wir heute Abend/Nacht noch zusammen mit zwei Autos in das Waldschutzreservat der Universität fahren, eines dieser sog. RPPN (Reserva Particular do Patrimônio Natural), um dort nach Fröschen zu suchen.

Danach wollen wir noch Churrasco machen, fachliche Dinge
diskutieren und über alte Zeiten plaudern. Jair spricht fast perfekt deutsch, und so kann auch Koni besser mitreden – wobei er mit seinem Spanisch bisher eigentlich recht gut über die Runden kam (viel besser jedenfalls als mit Englisch, das selbst Studenten erstaunlich wenig
sprechen – am besten ist es natürlich, man kann etwas Portugiesisch).

In der kleinen Feldstation wollen wir schließlich auch übernachten, allerdings muss Jair schon um sechs Uhr morgens wieder los, für irgendwelche Prüfungen an der Uni. Naja, wie wir wissen, ist das ja kein Problem für ihn. Für mich schon, sechs Uhr morgens ist bei mir immer ein Problem, egal ob ich um acht Uhr abends oder um vier Uhr
morgens ins Bett falle. So machen wir aus, dass Koni und ich liegenbleiben und morgens noch etwas alleine durchs Gelände streifen.

Das ist der Plan, doch leider, leider kommt es aus Zeitgründen nicht mehr dazu. Kein Wunder, nachdem wir erst diverse Dinge an der Uni erledigen (Skype, Email, Telefon nach Argentinien, Internet usw.) und Jair noch Vorlesung hat. Die gehen an brasilianischen Unis oft bis 22 Uhr, anders als bei uns, wo das Unigelände spätestens um 18 Uhr
absolut menschenleer ist!

So kommen wir erst kurz vor 23 Uhr weg und müssen ja erst noch das Bier kaufen (Antarctica, Polar … und das Fleisch bei Jair zuhause abholen. Dennoch bin ich guter Dinge, dass wir das alles einigermaßen hinkriegen, denn ich vermute das Reservat direkt hinter dem Unicampus, in fußläufiger Entfernung oder bestenfalls 10 Minuten mit dem Auto entfernt. Weit gefehlt, wieder einmal habe ich mich da getäuscht! Ich falle aus allen Wolken, als Jair mir eröffnet, dass es mindestens 1,5 Stunden mit dem Auto sind, über eine schlechte Schotter- und Schlammpiste.

Und sein "Chauffeur", ein junger, netter Student, fährt langsam und unsicher, wie ich schnell merke – wir kommen kaum die Ausfahrt auf die gut befahrene Bundesstraße raus ... So überdenken wir das Ganze nochmal und kommen
zum Entschluss, als dass das wohl nicht viel Sinn macht: Wir wären dann gegen 0.30 Uhr dort, gemessen an den bisherigen Fahrleistungen des Studenten auf offenem Asphalt vermutlich eher gegen 1 oder 2 Uhr.

Bis das Churrasco-Feuer brennt, das Fleisch gar und gegessen ist, wäre es locker mal 2 oder 3 Uhr morgens – da ist nicht mehr viel los mit Fröschen.
 
 
 
Wissenschaftsredaktion 15.12.2009, 09:29 # 0 Kommentare
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  15.12.2009  
     
 
Santa Cruz do Sul
Gefrorenes Bier
 
  Das Hauptarbeitsgebiet von Jair allerdings werde ich wohl nie kennenlernen: Er ist nämlich zum Großteil in der Antarktis tätig, dort gibt es Amphibien und Reptilien bestenfalls als Fossilien.

Auch mir als Säugetier ist es dort eigentlich zu kalt, aber immerhin hat dieser Kontinent vor vielen Jahrmillionen, etwa in der Karbonzeit, schon bessere, sprich wärmere Zeiten gesehen. Er weiß, vielleicht sind wir einigen Jahrzehnten wieder so weit, dass sich die ersten Frösche und Schlangen dort ansiedeln …

Jair jedenfalls war schon sieben oder acht Mal in der brasilianischen Antarktisstation, und man sollte kaum glauben, wie eng die Beziehungen Brasiliens zum Eis generell sind. Dies zeigt sich auf ganz anderen
Gebieten und äußerst sich zum Beispiel durch die Namen einiger der größten Bierproduzenten des Landes wie Polar oder Antarctica.

Noch ungewöhnlicher als die Biernamen ist für Deutsche allerdings die Tatsache, dass sich das Getränk auch entsprechend verhält: In guten „Cervecarias“ kommt das Bier tatsächlich halb gefroren auf den Tisch, in einem vereisten Glas, wie auf dem Bild hier zu sehen ist.



Und es ist in der Tat immer wieder verblüffend, wenn ein versehentlich zu stark gekühltes Bier in der Kneipe geöffnet wird: Der Inhalt ist zunächst noch flüssig, aber sobald der Ober die Flasche öffnet, gefriert das Bier binnen Sekunden völlig durch! Dann kann man sich (oder die Flasche) auf den Kopf stellen, da kommt dann nichts mehr raus, erst nach einigen Minuten, wenn alles wieder abgeschmolzen ist!

Aber dann schmeckt der Gerstensaft wie kalter Hopfentee, schal und abgestanden. Ich bin zwar kein Physikprofessor, aber das Phänomen hat wohl mit dem plötzlich abfallenden Druck beim Öffnen zu tun. Dadurch perlt CO2 aus, und die Gasblasen dienen als Kondensationskeime, an denen das Eis sozusagen „ansetzen“ kann. Als Deutscher ist man Bier
aber nur im flüssigen Zustand gewohnt, und wir lassen solche Flaschen daher zurückgehen. Vermutlich deshalb hält sich in Brasilien so hartnäckig das Gerücht, die Deutschen würden ihr Bier „quente“, also heiß, zu sich nehmen!

So ein Quatsch, doch mir ist es bisher nicht gelungen, dieses Vorurteil wirklich auszuräumen.



 
 
 
Wissenschaftsredaktion 15.12.2009, 09:10 # 0 Kommentare
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  15.12.2009  
     
 
Santa Cruz do Sul
Fritz und Frida lassen grüßen!
 
  So, und nun sind wir also in Santa Cruz do Sul. Die Stadt und ihr Umland ist stark von den vielen deutschen Auswanderern im 19. Jahrhundert geprägt. Autofahrer, die aus Porto Alegre kommen, werden an der Zufahrt von Fritz und Frida begrüßt. Das sind zwei überlebensgroße, vielleicht 5 m hohe "Puppen", ich vermute mal aus Beton und bunt bemalt: sie mit blondem Haar und Dirndl, er mit blondem Schnauzbart, Hut und Lederhose. Die beiden sind als Synonym für deutsches Brauchtum in ganz (Süd-)Brasilien bekannt. Ein guter Freund von Marcio (mein Kollege an der UFRGS, über den ich ganz am Anfang schon mal berichtet habe) mit blauen Augen und deutschen Vorfahren hat daher nur den Spitznamen Fritz. Die Omnibus-Linie in Santa Cruz nennt sich „Stadtbus“, und auch viele ältere Gräber auf dem städtischen Friedhof haben deutsche Inschriften. Außerdem gibt es ein Oktoberfest wie in Blumenau – witzig nur, dass der ursprüngliche Gedanke, im Herbst ein Erntedankfest zu feiern, in Brasilien gar nicht passt, denn im Oktober ist hier ja grad erst Frühling und die Ernte noch fern …




Das mit der Ernte hat mittlerweile aber sogar einen durchaus ernsten Hintergrund, denn seit einigen Jahren sind durch die erwähnten Unwetter starke Ernteeinbußen zu verzeichnen. Ein Nachbar von Jair, den wir nun besuchen, hat in diesem Jahr schon dreimal hintereinander durch sintflutartigen Regen seine gesamte Reisaussaat verloren und lässt das Feld nun brachliegen! Vielleicht sollte man sich überlegen, das Oktoberfest lieber als Februar- oder Märzfest zu feiern, wenn die Ernte wirklich im Sack und es auch was zu danken gibt.

Die Wurzeln des Tübinger Zoologie-Professors Wolf Engels, der mir meine Froschstudien in Brasilien seit 1995 ermöglicht, liegen übrigens ebenfalls hier. Prof. Engels hat in den 80er-Jahren zusammen mit einem ehemaligen Studienkollegen, der hier aus Sinimbu stammt und nach seiner Doktorarbeit in Deutschland an der PUC-Uni in Porto Alegre Biologie lehrte, den convênio zwischen den beiden Universitäten in Tübingen und Porto Alegre ins Leben gerufen. Wenn ich mich richtig erinnere, war sein Großvater deutscher Auswanderer, der als Pfarrer in der Nähe von Santa Cruz in Rio Pardinho tätig war. Herr Engels hat daher auch noch einen brasilianischen Pass. Ich erinnere mich auch, als ich das letzte Mal mit Rainer Radtke vom Brasilien-Zentrum hier war, haben wir vergeblich versucht, den reich verzierten Stuhl von Engels Opa, eine echte Antiquität, der heutigen Besitzerin abzutrotzen. Zu einem nicht zu hohen Preis versteht sich, denn die Überführung nach Deutschland kostet ja auch ein halbes Vermögen. 
Damals ist das an der Hartnäckig- und Unnachgiebigkeit der Besitzerin (und des Unterhändlers) gescheitert. Ein paar Jahre später konnte Engels den schönen alten Stuhl aber doch noch erhalten, und mittlerweile befindet er sich bei ihm in Tübingen. Damit besteht keine Gefahr mehr, dass er irgendwann bei dem nächsten Jahrhundertunwetter vom Hochwasser des Rio Pardinho hinweg geschwemmt werden könnte.

Santa Cruz do Sul ist auch ein Zentrum des Tabakanbaus, einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Region, und die Stadt hat ebenso eine florierende Universität. Seit ich das letzte Mal vor vielleicht sechs Jahren hier war, hat sich der Unicampus stark verändert, die Studentenzahlen haben zugenommen und die Zahl der Gebäude ebenfalls.

Großen Anteil am rasanten Wachstum der UNISC hat auch mein Freund Jair, der mittlerweile Chef des gesamten Departments für Biologie ist. Kennengelernt habe ich ihn vor einigen Jahren anlässlich seiner Reise durch Deutschland, während der er auch bei uns am Stuttgarter Naturkundemuseum Halt machte. Ein Jahr später haben drei Stuttgarter, darunter eben auch ich, in Santa Cruz einen einwöchigen Insekten-,
Frosch- und Präparationskurs veranstaltet. Mit Pilzen und Flechten, dem Arbeitsgebiet von Jair, habe ich ansonsten ja eher wenig zu tun.

Das heißt, mittlerweile haben sich die Vorzeichen etwas geändert, und in meinen Froschvorträgen spielt zunehmend ein Pilz sogar die Hauptrolle: Es ist der berühmt-berüchtigte Chytridpilz, dem vermutlich ein Großteil des globalen Amphibiensterbens anzulasten ist. Dies könnte in Zukunft eine engere Zusammenarbeit zwischen uns beiden
bedeuten. Mal schauen.

 
 
 
Wissenschaftsredaktion 15.12.2009, 09:07 # 0 Kommentare
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  15.12.2009  
     
 
Universität in Santa Maria
Ein geklautes Bild und zwei gefährliche Giftschlangen
 
  Bevor wir gleich zu Jair nach Santa Cruz fahren, mit dem ich ein Treffen locker gegen 20 Uhr an der Uni ausgemacht habe, schauen wir uns erst noch das "serpentário" in Santa Maria an.

Dieses Serpentarium ist nicht sehr groß und enthält in einem einzigen Raum außer einigen lokalen Kuriositäten und "ausgestopften" Tieren (meine Präparatoren-Kollegen im Stuttgarter Naturkundemuseum mögen mir den Begriff hier verzeihen, aber auf die hier ausgestellten Schauobjekte trifft er zweifellos zu) nur etwa zehn Terrarien. Sie sind allesamt mit Giftschlangen belegt, die eben auch hier am meisten Aufmerksamkeit erregen. Witzig finde ich, dass ich an einer Terrarienbeschriftung mein eigenes Foto der schönen Trugnatter Philodryas olfersii (die, die Koni so gern mal fangen möchte) wiedererkennen kann. Das Bild ist aus dem Internet geklaut, von meiner Homepage vermutlich – gefragt hat mich niemand, und der Copyright-Name ist natürlich unkenntlich. Nun gut, ich entscheide mich dafür, geehrt zu sein – in Nordamerika hätte ich jetzt sicher einen Millionenprozess wegen der Urheberrechtsverletzung angestrengt. Glück für die, dass wir in Südamerika sind. Da nimmt man so was locker.

Weniger witzig allerdings ist die Behausung der beiden alten und für diese südliche Unterart ungewöhnlich großen (offenbar auch zu gut genährten) Schauer-Klapperschlangen.



Diese sehr giftigen Vipern kommen hier in der Umgebung vor, sind allerdings selten. Dass ihr Terrarium die Mindestanforderungen für die Haltung von Reptilien erfüllt, wage ich zu bezweifeln. Dieses Gutachten hat die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) ja mal im staatlichen Auftrag ausgearbeitet, und ich als DGHT-Vizepräsident muss auf die Einhaltung der Kriterien natürlich auch im Ausland bestehen, naja, sagen wir
lieber mal: einen Blick werfen … Das heißt, Zweifel an der
Nichteinhaltung bestehen in keinster Weise, denn sollte in Deutschland jemand unter solchen Bedingungen Giftschlangen halten (wollen), wären die schnell von Behörden konfisziert und eingezogen.



Unglaublich, das für zwei Schlangen dieser Größe eh zu kleine Becken steht auf zwei äußerst wackeligen Tapeziertisch-Beinen, die selbst gebastelte Abdeckung ist jederzeit und von jedermann abnehmbar, der die unscheinbare optische Begrenzung vor dem Terrarium überschreitet.
Mich hat jedenfalls niemand davon abgehalten, mit der Kamera für ein Foto direkt an die Beckenscheiben zu stoßen. Immerhin finden sich oben auf der Abdeckung zur Sicherheit noch zwei mittlere Steine und ein ausgestopfter Brüllaffe. Der immerhin könnte potenzielle Übeltäter zumindest optisch abschrecken, so wie er präpariert ist. Sonst gibt es
eigentlich nichts am Terrarium, kein Schloss, kein extra
Hinweis, dass das hoch giftige Tiere sind, und auch im Becken findet sich nichts weiter, also keinerlei Einrichtung außer einem winzigen Planschbecken (irgendein lapperiges Plastikgefäß aus dem Supermarkt). Dort hinein
würde mit Mühe die Schwanzrassel einer der beiden Schlangen passen, beide Rasseln zusammen wohl eher nicht. Mein Vorschlag wäre noch, die beiden Steine vom Deckel ins Beckeninnere zu verfrachten, dann ergeben sich dort Versteckmöglichkeiten – und die Schlangen kommen bei Bedarf
jederzeit noch leichter aus dem Becken, wenn sie sich mal wieder richtig "strecken" möchten …
 
 
 
Wissenschaftsredaktion 15.12.2009, 09:07 # 0 Kommentare
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  15.12.2009  
     
 
Universität in Santa Maria
Kleine brasilianische Fußballkunde
 
  Pünktlich wie die Maurer treffen wir um 17.00 Uhr dann tatsächlich an der Universität in Santa Maria ein. Unglaublich, dass das geklappt hat, ich treffe meinen alten Freund Raúl, mit dem ich schon so einige Feldstunden in Uruguay verbracht habe, seit vielen Jahren also das erste mal wieder.



Sein Motto lautet diesbezüglich ja immer: "pensa positivo" (also: denke positiv), wenn ich mal wieder rumnörgle, dass das mit einem Treffen irgendwo im Feld viel zu kompliziert wird und dass das gar nicht klappen kann. Meist behält er aber recht, und es klappt doch, so wie auch jetzt wieder.

Und wie abgemacht hat er auch tatsächlich extra seine Feldausrüstung wie Lampen, Netze, Fanggefäße usw. aus Uruguay mitgebracht, damit wir zusammen eine Nacht mit Studenten ins Feld ziehen können. Tja, nun kann ich wohl kaum mehr einen Rückzieher machen, denn insgeheim habe ich ja schon überlegt, ob man nicht diese eine Exkursion einfach "canceln" und ich stattdessen eine weitere Nacht in Santa Cruz do Sul bei Jair Putzke bleiben sollte. Das würde uns immerhin rund 250 km Fahrt und 3-4 Stunden im Auto sitzen sparen.

Aber gut, abgemacht ist abgemacht, auch mit den beiden Studenten von der Uni in Santa Maria – fragt mich jetzt bitte nicht, wie die Uni dort heißt, ist immer ganz schön kompliziert mit den vielen teilweise doch recht ähnlich klingenden Namen, alle natürlich abgekürzt und mit Leuten versehen, die man besuchen soll: zum Beispiel UFRGS und PUC in Porto Alegre, UCS in Caxias do Sul, UFCS in Florianópolis, UNISC in Santa Cruz do Sul, FURB in Blumenau, manche staatlich, die meisten privat). Ganz anders als in Deutschland, wo es recht übersichtlich zugeht und man gleich am Namen erkennt, wo das Dingen zu Hause ist.

Ähnlich unübersichtlich wie die Uni- ist für Ausländer auch die Fußballlandschaft in Brasilien. Da gibt es nicht einfach den 1. FC Porto Alegre oder Florianópolis 04 (bzw. 05), sondern die Clubs heißen z. B. Flamenco oder Corintians (sind also immer ohne Städteangaben in der Zeitung) – oder auch Gremio und Inter: Diese beiden Erste-Liga-Teams von Porto Alegre verbindet (oder trennt natürlich die entsprechende Lokalkonkurrenz, man könnte ruhig auch sagen, Feindschaft. Man ist entweder "colorado" (Inter-Fan) oder "gremista"(Gremio-Fan).

Im Moment ist es besser, "colorado" zu sein, denn Inter wurde in der kürzlich beendeten Saison Zweiter. Inter ist also Vizemeister. Gremio dagegen ist ganz weit hinten in der Tabelle zu finden. Das wiederum ist auch nicht anders als bei uns, wo es im Allgemeinen am besten ist (oder sagen wir doch lieber mal: am einfachsten), Bayern-Fan zu sein (und Stuttgart sich ganz weit hinten in der Tabelle findet …).
 
 
 
Wissenschaftsredaktion 15.12.2009, 09:06 # 0 Kommentare
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  15.12.2009  
     
 
Pedra do Segredo bei Caçapava do Sul
Some like it hot, snakes not
 
  So, nun aber los, schnell noch getankt und Öl nachgeschaut
(glücklicherweise, das war schon am unteren Limit, ein Motorschaden hätte jetzt gerade noch gefehlt). Die Strecke nach Süden nehme ich wieder im "Senna-Stil", also jenem Fahrstil, den Koni gar nicht mag (s. meinen letzten Eintrag von Joacaba). Sie ist aus diesem Grund, und weil die Straße neu geteert wurde, schnell abgehakt. Eine halbe Stunde früher als Camila vorausgesagt hat, treffen wir schon am Ziel ein. Prima, endlich hatte sie mal nicht Recht mit ihrer Zeitplanung! Wir schwärmen sofort ins Gelände aus.

Leider ist es extrem heiß hier und heute, ganz anders als noch in der Nacht zuvor in Santa Maria. Das ist deshalb schlecht, weil es Reptilien zwar generell warm mögen, sich
aber in den heißen Mittagsstunden dann doch meist zurückziehen. Ideal sind die Morgen- und frühen Vormittagsstunden, wenn die Schlangen und Echsen hervorkommen, um sich auf Betriebstemperatur zu bringen. Und dann wieder die späten Nachmittags- bis Abendstunden, wenn sie die letzten Sonnenstrahlen tanken. Koni ist schon gleich skeptisch, und er behält leider Recht.

Ich schwärme ihm noch vor, dass man hier in der Serra do Sudeste an jeder Ecke zumindest die beiden Lanzenotternarten findet, nämlich Bothrops pubescens und die herrlich gezeichnete B. alternatus. Aber leider Fehlanzeige, nicht mal eine einzige Wurmschlange (für Nicht-Herpetologen: die gibt es dort wirklich) gerät ihm heute unter seinen "Fangbesen".

So nehmen wir das Ganze sportlich-touristisch, denn es ist ja auch wirklich ein zu herrliches Plätzchen. Während Koni nicht aufgeben mag und weiterhin die Büsche am Fuß des Felsens unsicher macht, versuchen Camila und ich, auf das Hochplateau des Tafelbergs zu gelangen.

Dort sind zwar auch keine Reptilien und erst recht keine Amphibien zu erwarten, doch eine tolle Aussicht – und ich erinnere mich an die mahnenden Worte (und Emails) meines Freunds Boris in München (der mit den Kakteen), dass ich nämlich auch mal einen schönen Kaktus aufnehmen muss. Und die gibt‘s dort oben mit Sicherheit. Doch leider gelingt uns das Erstürmen der Gipfelregion nicht, denn bei zurückgelegten zwei Dritteln der Höhenmeter scheitern wir zweimal kläglich am unüberwindlich steilem Fels, der sich nun zwischen uns und der Hochfläche auftürmt.

Es sind eigentlich nur wenige Meter, aber die haben es in sich und sind dafür vertikal ausgerichtet. Für Free-Climber, die sich hier wohl auch öfter versuchen, eine Herausforderung, für uns aber ein Grund umzukehren. Es gibt für mich in den letzten Tagen meiner Reise noch viel zu viel am Boden zu tun, als dass ich mir jetzt einen Krankenhausaufenthalt durch Absturz leisten möchte.

Immerhin bekommen wir einen grandiosen Ausblick aus einem Loch im Gestein, das sich mitten im Felsen befindet. Um diesen ausgesetzten Punkt zu erreichen, muss man erst eine Querscharte durchklettern und dann einen engen natürlichen Tunnel im Fels. Bis zu dieser Stelle war Camila wohl schon im letzten Jahr mit einem dicklichen Führer gelangt, doch auch dieser "Local Guide" konnte sie nicht ganz bis auf den Gipfel bringen, weil er den Zugang nicht fand (den es laut offiziellen Infos aber geben muss).

Komischer Führer, ich vermute mal, der hatte in der Hitze ganz einfach keine Lust, vor allem nachdem er aufgrund seiner Leibespracht bereits an dem zu engen Felsentunnel gescheitert und schwer blamiert war. Wir aber genießen
die geniale Aussicht auch ein Stockwerk unterhalb des Plateaus, und um 15.00 Uhr treten wir die Rückfahrt nach Santa Maria an.
 
 
 
Wissenschaftsredaktion 15.12.2009, 09:06 # 0 Kommentare
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  15.12.2009  
     
 
Pedra do Segredo bei Caçapava do Sul
Stein des Geheimnisses
 
  Heute Morgen wollen wir wirklich mal etwas früher los als sonst, denn der Zeitplan ist noch gedrängter: Erst geht es zum erwähnten Pedra do Segredo bei Caçapava do Sul, also rund 100 km von Santa Maria in Richtung Süden.



Dann wieder zurück nach Santa Maria, wo ich seit langem schon mit einem uruguayischen Kollegen und Freund Raúl Maneyro ein "Date" an der Uni für genau 17.00 ausgemacht habe (er ist da auf einem Kongress und hat grad Pause).

Am selben Tag muss ich dann abends auch noch im 120 km entfernten Santa Cruz do Sul sein, wo ich wiederum einen weiteres "Date" mit meinem Freund Jair geplant habe. So dürfte es wieder mal eng werden. Darüber hinaus soll es morgen auch schon wieder zurück nach Santa Maria gehen, um mit zwei Studenten und Raúl eine Nacht dort ins Feld zu ziehen.

Nicht ideal mit diesen dauernden langen Fahrstrecken, ich weiß, aber es geht leider nicht anders, da Jair nun kurzfristig an diesem Tag mit Studenten nach Argentinien muss. Geschickter (und eigentlich so geplant) wäre es natürlich gewesen, erst Santa Maria "ganz abzuhaken" und dann Santa Cruz auf der Rückfahrt nach Porto Alegre unterzubringen.

Doch es erweist sich halt leider immer als extrem schwierig bis fast unmöglich, alle Leute im eigenen Zeitplan unterbringen. Sonst hätte ich einen der beiden nicht treffen können, und das war mir eben auch wichtig auf dieser Reise: Beides sind alte Freunde, die ich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen habe, und ich möchte abgesehen davon ja auch in Zukunft mit ihnen zusammenarbeiten.

 
 
 
Wissenschaftsredaktion 15.12.2009, 09:06 # 0 Kommentare
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  15.12.2009  
     
 
Rio Grande do Sul
Eine falsche Korallen-Schlange
 
  Heute bin ich es, der mal wieder eine Schlange findet: die ebenfalls wunderschöne Mondnatter, Oxyropus rhombifer! Sie wird hier die "falsa coral" genannt, also falsche Korallenschlange, denn ihr Farbkleid ahmt die Zeichnung der echten (und sehr giftigen) Korallenschlange nach (Micrurus altirostris).



Ein Fall von Mimikry! So brechen wir also
leider ohne die ersehnten "Melanos" wieder auf und fahren die restlichen Kilometer nach Santa Maria. In dem Moment weiß ich noch nicht, dass das letzte Wort in Sachen Melano noch nicht gesprochen ist.

Übernachten müssen wir kurzfristig, nach der Absage in Caçapava do Sul, im Haus der Eltern von Camila. Da die Tochter ja schon längst aus dem Haus und verheiratet ist (hier in Brasilien geht das meist schneller als bei uns), dürfen wir im ehemaligen Kinderzimmer von Camila unterkommen.

Super, auch jetzt ist wieder die überwältigende Gastfreundschaft zu spüren, und wir dürfen nicht ohne ein warmes Abendessen ins Feld zurück. Und mehr noch, wir bekommen zusätzlich gleich noch einen Hausschlüssel ausgehändigt, denn in zwei Tagen wollen wir hier nochmal übernachten – ohne Camila, die dann wieder in Porto Alegre sein wird. Ich bin mir nicht sicher, ob das in Deutschland jeder machen würde, zwei quasi wildfremden "estrangeiros" (Ausländern) einfach die Schlüssel auszuhändigen …

So, mittlerweile ist es 23.00 Uhr, allerhöchste Eisenbahn loszuziehen, sonst lohnt es sich auch nicht mehr. Im Allgemeinen sinkt die Rufaktivität der Frösche ab Mitternacht stark ab, manche hören ganz auf zu rufen. Glücklicherweise ist der nächste Tümpel aber nicht weit - und er ist nicht schlecht. Zwar gibt es nicht all zu viele Arten dort, aber wenn der grüne Makifrosch Phyllomedusa iheringii dabei ist, ist eigentlich alles geritzt. Ein weiterer Superfrosch in der langen Reihe wirklich toller Frösche, die wir schon gefunden haben auf unserer Reise. Ich fotografiere und filme mehrere Tiere in unterschiedlichen Positionen auf dem Baum und an Blättern, herrlich.

Dazu gibt es den Chaco-Knickzehenlaubfrosch (hier ist der lateinische Name mal deutlich einfacher als der deutsche: Scinax nasicus) und diverse weitere Arten. Das hat sich ja doch noch gelohnt. Glücklich und zufrieden fallen wir gegen 3.30 ins Bett.
 
 
 
Wissenschaftsredaktion 15.12.2009, 09:05 # 2 Kommentare
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  15.12.2009  
     
 
Itaara
Explosiv-Laicher und ein warmer Swimmingpool
 
  Nachdem es also wirklich dreimal extrem geschüttet hat auf dem Weg nach Santa Maria, wollen wir kurzfristig noch in Itaara halt machen. Dort, nur noch wenige Kilometer Luftlinie von der Stadt entfernt, aber noch oben am Rand des Araukarienplateaus gelegen (Santa Maria befindet sich an dessen Fuß), hat Camila vor drei Jahren eine unbekannte Schwarzkrötenart gefunden. Die Fotos, die sie mir damals geschickt hatte, konnte ich auch nicht identifizieren, und so haben wir "den Fall" damals weitergeleitet an den Spezialisten für diese Gruppe, Diego Baldo.

Der Argentinier hat seine Doktorarbeit mit den Tieren gemacht, und nach dessen Aussagen ist es wohl eine neue, noch unbeschriebene Art. Er arbeitet nun an der wissenschaftlichen Beschreibung. Da das Gelände dieser Art fast auf dem Weg liegt (ein zeitlicher Abstecher von einer Stunde ist ja nichts bei unseren sonstigen Strecken), fahren wir also kurzfristig dort hin und canceln den Termin bei den Verwandten in Caçapava do Sul.

Peinlich, als wir dann im Nachhinein erfahren, dass die extra für uns ihren kleinen Swimmingpool mit Holzkohle aufgewärmt hatten. Keine Ahnung, was die Leute erwartet haben, aber Camila hat uns vermutlich falsch als Touristen angekündigt. Ein wassergefülltes Becken ist für Herpetologen jedenfalls nur als Laichgewässer von Fröschen interessant. Wir fahren und laufen also zu dem einzigen Bach, an dem man diese kleinen bräunlichen Schwarzkröten schon mal gefunden hat: nichts!

Schade, wir waren guter Hoffnung, aber tatsächlich hatte das Gebiet von allen drei Gewitterzonen, durch wie wir kamen, so gut wie nichts abgekriegt. Nur ein paar mittelgroße Pfützen sind geblieben, viel zu wenig für Schwarzkröten, die ja, wie schon mal erzählt habe, Explosivlaicher sind und nur nach sintflutartigen Regenstürmen zum Vorschein kommen. So wie ganz am Anfang bei Eden! Ein paar Kaulquappen immerhin identifiziert Camila noch im Bach, aber das ist zugegebenermaßen wenig spektakulär. Auch Koni findet keine Reptilien, obwohl er fast wild wird, als Camila erzählt, dass sie hier schon oft die herrliche grüne Strauchnatter Philodryas olfersii gefunden haben.

 
 
 
Wissenschaftsredaktion 15.12.2009, 09:03 # 0 Kommentare
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  15.12.2009  
     
 
Rio Grande do Sul
Fahrt ins Herz von Rio Grande do Sul
 
  Es waren drei sehr erfolgreiche Tage und Nächte hier in Joaçaba, vielen Dank, Rodrigo und Karina!

Die große Gastfreundschaft in Brasilien begeistert mich ja immer wieder. Die Kinder der beiden mussten ausziehen, damit der herpetologische Besuch ein trockenes Plätzchen nach nassen Exkursionsnächten fand, und wir kamen uns fast
vor wie im Dreisternehotel: jeden Tag frische Handtücher, reichlich Frühstück mit viel Kaffee (wichtig!) und auch ein ausgiebiges Mittagessen! Sogar die verdreckten Feldhosen wurden täglich gewaschen.

Eine lange Fahrt liegt nun aber vor uns, und wie immer kommen wir morgens viel zu spät fort. Rund 10 Stunden sind es nach Santa Maria mitten im Herzen von Rio Grande do Sul. Das heißt, eigentlich wollen wir sogar nochmal 100 km weiter in Richtung Süden fahren, nach Caçapava do Sul. Dort hat Camila Verwandte, in deren Haus wir eine Nacht unterkommen können, und ganz in der Nähe liegt der schöne, wenn auch kleine Tafelberg "pedra do segredo" (Stein des Geheimnisses).



Den wollen wir am nächsten Tag erkunden. Als weitere Option, etwas weiter entfernt in der Serra do Sudeste, befinden sich außerdem die wunderschönen Guaritas, ein einsames Gebiet, in dem ich vor einigen Jahren schon herrliche Tage und Nächte mit Zelt verbracht habe. Mit meinem Kollegen Boris zum Beispiel, der mir damals die Kakteenflora nähergebracht hat (als Revanche gab’s für ihn eine ausführliche Einführung in die dortige Froschfauna …).



Die Fahrt nach Santa Maria gestaltet sich erfreulich abwechslungsreich: Koni kommt endlich dazu, seine Araukarienbäume zu fotografieren, und Farbe ins Spiel bringen vor allem drei extreme Gewitterfronten, die wir kurz nacheinander durchfahren. Das war wirklich spektakulär, unglaubliche Wassermassen haben sich da in kürzester Zeit über uns entladen, dazu gab’s Blitz und Hagel. Man konnte teilweise nicht mehr als 30 Stundenkilometer fahren, überall nur Wasser, und die allermeisten PKWs haben aufgegeben und sich einfach mit Warnblinker auf den seitlichen Grünstreifen gestellt.



Wie in der Zeitung zu lesen stand, ist an diesem Tag in manchen Gegenden soviel Niederschlag gefallen wie sonst im ganzen Monat. Und kalt wurde es: Schuld daran: die so genannten "frentes frias". Das sind Kaltfronten, die aus dem Süden kommen (vorherrschend in Rio Grande do Sul sind ja die warmen atlantischen Passatwinde). Sie kommen zwar nicht direkt aus der Antarktis, aber immerhin aus Patagonien, da ist es schon kalt genug – besonders für hitzegewohnte Brasilianer (aber erstaunlicherweise auch für Koni, der offenbar nicht auf das nun herrschende Schweizer Alpenklima eingestellt ist: Er muss sich für 50 Euro ein wirklich teures Sweat-Shirt kaufen, und noch dazu eines, das ihm überhaupt nicht gefällt …).

Tatsächlich ist diese "Kälte" von weniger als 20 Grad äußerst ungewöhnlich für Dezember. In diesem Monat hatten wir sonst immer zwischen 30 und 35 Grad in Porto Alegre, manchmal fast 40 Grad! Ob dieser Wetterwandel Vorbote eines globalen Klima-Umschwungs sind oder auch nur auf das "El-Niño-Jahr" zurückzuführen ist, wird sich herausstellen. Tatsache aber ist, dass die Extremwetterlagen in der Region zugenommen haben (über die verheerenden Erdrutsche in Santa Catarina habe ich ja schon mal gebloggt). Südbrasilien ist mittlerweile die Region der Erde, über die – nach den südlichen USA – die meisten Zyklone und Wirbelstürme hinwegfegen.

 
 
 
Wissenschaftsredaktion 15.12.2009, 09:01 # 0 Kommentare
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  15.12.2009  
     
 
On the road
Der Rennfahrer-Frosch
 
  Zurück auf der Asphaltstraße, fahren wir erst noch ein ganzes Stück in Richtung Süden, doch ohne Glück. Überall trocken, die wenigen Gewässer, von denen man vom Auto aus ein paar Froschrufe hören kann, sind abgezäunt und mit kläffenden Hunden "verseucht".

Irgendwann sehen wir ein, dass es hier aussichtslos ist und fahren – sozusagen als Notlösung – in die Stadt zurück. Dort auf dem ausgedehnten Unigelände befindet sich ein Sumpf, in dem laut Rodrigo mehrere Froscharten rufen, nichts Neues zwar, aber besser als nichts.

Zum Beispiel der knuffige grüne Laubfrosch Aplastodiscus perviridis oder, passend zur vorigen Rennfahrerszene, der "Senna-Frosch": Physalaemus sp. Über den hab ich ja schon mal kurz gebloggt – es ist eine neue Froschart, die auch in Pró-Mata vorkommt und die ich zu Beginn meiner Doktorarbeit wegen seines Rufs, der mich an vorüberbrausende Formel-1-Boliden erinnerte, übergangsmäßig so benannt habe.



Die Beschreibung dieser Art steht ja schon seit vielen Jahren aus. Der potenzielle Beschreiber, ein argentischer Herpetologe vom Museum in Buenos Aires, hat mir schon 1998, anlässlich meines Besuchs dort, eine Kopie der damals schon fast fertigen Beschreibung mitgegeben.



Der Name des Frosches sollte entsprechend dem Namen seines Sohnes lauten, nämlich rodrigoi (also nicht nach "unserem" Rodrigo…). Leider ist bisher nichts daraus geworden, und so ist der Name des vor allem auf der Bauchseite ganz hübschen Frosches noch immer nicht offiziell. Auf alle Fälle ein würdiger Abschluss einer etwas glücklos begonnenen Nacht.

 
 
 
Wissenschaftsredaktion 15.12.2009, 08:56 # 0 Kommentare
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  15.12.2009  
     
 
Im Rennfahrerstil nach Süden
 
  Naja, gelohnt hat sich die lange Anfahrt wohl eher nicht, aber das gehört halt auch dazu bei solchen Exkursionen. Schwierig wird es dann auf dem Gelände selbst, weil der kleine Fahrweg (eh nur für Traktoren gedacht), immer schlechter wird, bis wir schließlich sogar aufsetzen.



Erstaunlich, denn unser Kombi hat eigentlich eine enorme Bodenfreiheit. Ich steige jetzt lieber mal aus, um zu sehen, wie sich der Weg weiterentwickelt: In der Tat, das wird nicht besser, und ich beschließe, lieber umzudrehen. Aber keine Chance für uns, auf dem schmalen Weg irgendwo zu wenden! Rechts und links ist Weidezaun, und an der einzigen Stelle ohne Zaun führt eine Erdpiste mit gefühlten 20 Grad Neigung steil nach unten. Wenn man da zurückstößt, ist eh alles verloren. Also bleibt als einzige Möglichkeit, die gesamte Strecke im Rückwärtsgang zu fahren – das ist beileibe kein Spaß, bei einigen hundert, sehr kurvigen Metern und Kuhnacht (ach so, was das eigentlich ist, hat neulich mal jemand gefragt: Kuhnacht sagt man bei uns im Schwabenland ganz einfach, wenn es wirklich stockdunkel ist. Ich kann weder den Ursprung des einen noch des anderen Worts erklären, vielleicht, weil man bei diesen Helligkeitswerten weder Kühe noch Stöcke erkennen kann …).

Zunächst suche ich erst noch alles Holz zusammen, das ich finde, und fülle damit die Stelle am Weg auf, dort wo unser Kombi aufgesessen ist. Koni ist skeptisch, ob das so geht (das Holz ist in der Tat völlig morsch und brüchig), die anderen auch. Ich aber nicht, schließlich hab ich das ja schon öfter gemacht, oben auf den Pisten von Pró-Mata und Umgebung. Und es klappt tatsächlich wunderbar: Zunächst rückwärts über die "Holzschwelle", dann gibt Koni von außen die Richtung vor, bis wir irgendwann wieder im Hof der Fazenda angelangt sind – ich schweißgebadet. Ufffff, jetzt kann ich das sperrige Fahrzeug endlich wenden!

Mein Rücken beschwert sich über die verkrampfte Haltung der letzten Minuten, doch jetzt geht es wieder im Vorwärtsgang zurück in Richtung Asphaltstraße! Ich bin so happy darüber, dass ich die wirklich gut zu befahrende Staubpiste im Ayrton-Senna-Stil nehme. Wer nicht weiß, wer Ayrton Senna war: ein berühmter Formel-1-Rennfahrer, mehrfacher Weltmeister und noch heute großes Idol in Brasilien.

Vielleicht, weil dieser Pilot in einem Rennen tödlich verunglückt ist, wird Koni mein Fahrstil wohl etwas zu viel: In einer stark abschüssigen Kurve, die in eine Holzbrücke mündet, etwa zehn Meter hoch über einem Bach, schreit er jedenfalls plötzlich laut auf. Dabei "schneide" ich die Linkskurve in der Idealform und nehme die Stelle eigentlich perfekt – gut, 10 Stundenkilometer weniger hätten es vielleicht auch getan. Pech halt, dass Koni auf dem Beifahrersitz die "Außenposition" innehat und deshalb entsetzt ist, was sich im Scheinwerferlicht direkt unter ihm auftut (zur Erklärung ist noch hinzuzufügen, dass man im Kombi ja extrem weit vorne sitzt, also quasi auf oder vor den Rädern). Pahhh, offenbar noch nie Wilde Maus auf dem Cannstatter Wasen gefahren! Der Schrei jedenfalls hört sich ehrlich entsetzt an – und endlich steigt Koni jenes Adrenalin in den Kopf, das bei der wirklich gefährlichen Situation vor 10 Tagen in Blumenau, als es fast das Aus seiner Reise bedeutet hätte, noch gefehlt hat.

Heute aber war es wirklich harmlos, und Koni beruhigt sich auch schnell wieder nach einer kleinen Zigarettenpause. Wir anderen jedenfalls haben uns herrlich amüsiert.


 
 
 
Wissenschaftsredaktion 15.12.2009, 08:55 # 0 Kommentare
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  15.12.2009  
     
 
Joaçaba
Ein nächtlicher Flopp
 
  Am nächsten Tag fotografieren wir erst mal ausgiebig die nachts gefangenen Frösche und Schlangen. Ohhh, das hätte ich jetzt beinahe vergessen: Koni hatte nämlich gestern am Teich neben den Fröschen noch ein weiteres Erfolgserlebnis: zwei Schlangen, eine junge Liophis semiaureus und eine offenbar schon alte oder kranke Thamnodynastes.

Beides sind harmlose Nattern (aber heftige Froschfresser, die sich fast nur von meinen Objekten der Begierde ernähren (mmmh, grummel, grummel). Immerhin kann die braune Thamnodynastes durchaus auch mal aggressiv auftreten. Ein Exemplar von Pró-Mata ist die einzige Schlange, von der ich in Brasilien bisher schon mal gebissen wurde. Glücklicherweise haben das die Lanzenottern nie geschafft…

Abends fahren wir in ein Gebiet südlich der Stadt, mit schönem Wald und direkt an einem Fluss gelegen. Dort hat Rodrigo im letzten Jahr mit Kollegen der Uni auf dem Gelände einer kleinen Fazenda gezeltet und Fische gesammelt. Ein gutes Gebiet auch für Frösche, wie er meint. Doch leider gerät der Ausflug etwas zum Flopp, denn es ist dort schon seit Tagen sehr trocken (die Niederschläge sind regional halt extrem unterschiedlich) – schlecht für Amphibien. So sind der einzige Bach und der kleine Tümpel, die wir finden, ziemlich ausgetrocknet und fast menschen-, oder besser gesagt froschleer. Nur gut, dass Koni im Zurückgehen wenigstens noch einen ausgewachsene Jararaca am Wegrand findet.



Irgendwie scheint diese Giftviper in der Region tatsächlich die häufigste Schlange zu sein. Kein Wunder, dass es da auch immer wieder zu Bissunfällen kommt. Ich bin allerdings erstaunt, dass die beiden Angestellten am Eingang der Fazenda recht unfreundlich zu uns sind, als wir um Erlaubnis fragen, hier nachts nach Fröschen suchen zu dürfen – eine seltene Erfahrung in Brasilien. Nur weil Rodrigo so hartnäckig ist und schließlich den Eigner sprechen kann, dürfen wir überhaupt passieren.

Nun gut, der Fairness halber muss man dazusagen, dass die letzten Erfahrungen mit Biologen auf dem Gelände eher unangenehmer Natur waren (auch wenn selbige gar nichts dafür konnten). Nachbarn hatten sich damals über eigenartige nächtliche "Lichtspiele" im Wald gewundert und in höchster Sorge die Polizei informiert. Die kam denn auch mit mehreren Mann – und zwar um 5 Uhr morgens! Die Uniformierten rückten "in geheimer Mission" über den Wald des Nachbargeländes an und schreckten nicht nur die Biologen auf, die schlafend im Zelt mit automatischen Waffen im Anschlag gestellt wurden, sondern auch die Bewohner der Fazenda – da herrschte natürlich helle Aufregung. Das Missverständnis klärte sich zwar schnell auf, doch seitdem schlägt im weiten Umfeld der Fazenda nicht nur Ichthyologen (also "Fischforschern"), sondern auch uns Herpetologen – und vielleicht sogar Botanikern – eine breite Welle des Misstrauens entgegen …


 
 
 
Wissenschaftsredaktion 15.12.2009, 08:54 # 1 Kommentar
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  15.12.2009  
     
 
Kopenhagen, 14. Dezember
Kommen wir hinein?
 
  Das größte Problem beim Klimagipfel für viele Teilnehmer ist heute: wie kommt man rein? Mit über 30.000 akkreditierten Teilnehmern (8.000 Vertragsparteien, 22.000 NGO, 3.000 Journalisten) sprengt Kopenhagen alle Dimensionen bisheriger Klimakonferenzen. Und überfordert inzwischen offenbar die Organisatoren.

Im Laufe des Tages kamen Meldungen, der Zutritt für Mitglieder von NGOs (und dazu gehören auch Forschungsinstitute wie das unsere) sei begrenzt, man brauche nun besondere Zugangsausweise, die nur in wesentlich kleinerer Zahl ausgegeben werden als die Akkreditierungen, die wir schon vor Wochen angemeldet hatten.

Als ich am Nachmittag in Kopenhagen ankam, sagte man mir schon an einem Informationsstand am Flughafen, dass es keinen Sinn habe, noch zur Registrierung zum Bella Center zu fahren. Die Türen dort seien wegen der langen Warteschlangen schon geschlossen worden.

Im Hotel traf ich meine Kollegen aus Australien, USA und Großbritannien, mit denen wir morgen die Copenhagen Diagnosis vorstellen wollen. Sie berichteten von vier Stunden ergebnisloser Wartezeit in der Schlange vor dem Bella Center. Angeblich seien viele Leute nicht hineingelassen worden, obwohl sie Vorträge halten sollten. Wir beschlossen, uns schon morgen früh um sieben Uhr anzustellen, damit wir bis zu unserer Pressekonferenz um halb zwölf drin sind.

Dann die Hiobsbotschaft, ein Anruf von einer Kollegin im Bella Center: angeblich soll morgen gar niemand mehr hereingelassen werden, der sein Badge bis jetzt noch nicht abgeholt hat. Wir wollen uns trotzdem morgen in aller Frühe anstellen und unser Glück versuchen. Immerhin haben einige unserer Gruppe, die schon früher in Kopenhagen angekommen sind, heute noch ihre Badges bekommen, sodass unsere Pressekonferenz so oder so stattfinden kann.

Wesentlich ernstere Probleme als das, in das Konferenzzentrum hineinzukommen, haben allerdings die Bewohner der Pazifischen Inselstaaten. Staatschefs von acht dieser Staaten haben heute auf dem Weg nach Kopenhagen unser Institut in Potsdam besucht.



Foto: Schon am Flughafen von Kopenhagen begrüßen einen Plakate mit verschiedenen Politikergesichtern – unter anderem einer gealterten Angela Merkel, die sich im Jahr 2020 dafür entschuldigt, den Klimawandel nicht gestoppt zu haben.
 
 
 
Wissenschaftsredaktion 15.12.2009, 07:53 # 1 Kommentar
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