
| 23.11.2009 |
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So, das war zweifellos eine Anfahrt mit Hindernissen!![]() Aber sie hat sich gelohnt, denn die Schwarzkröten hier sind einfach fantastisch! Unglaublich! Sie sind tatsächlich da, und zwar nicht zu knapp: Melanophryniscus cf. tumifrons. ![]() Freund Eden, ich danke Dir! Für mich ist das eine neue Art, die ich in den bald 15 Jahren meiner Forschungstätigkeiten in Brasilien bisher nie finden konnte (und dabei fehlen mir nur noch ganz wenige der über 100 Amphibienarten in Rio Grande do Sul …). ![]() Man braucht aber wirklich sehr viel Glück und noch mehr schlechtes Wetter, um Schwarzkröten zu finden: Für mich ist das jetzt immerhin schon die siebte Art dieser Gattung von insgesamt rund 25-30 Spezies, einige davon sind wissenschaftlich auch noch unbeschrieben (und mein „Frosch-Kollege“ Mirco, der schon länger als ich in Rio Grande do Sul lebte, hat bis heute keine einzige lebende Schwarzkröte zu Gesicht bekommen …). Jedenfalls ein ganz wunderbares Erlebnis, das bei den extremen Wetterbedingungen aber fast schon vorauszusehen war: ganz viele rufende Männchen (nicht quakend, sondern eher leise trillernd), dazu einige Pärchen im sog. Amplexus (Paarungsumklammerung) und auch Kaulquappen zusammen in einem kleinen Bächlein! Wir haben dieses Jahr ein sog. El-Nino-Jahr, und in diesen in Süd-Brasilien dann sehr nassen Jahren blühen die Schwarzkrötchen so richtig auf. Allein diese Nacht war die Anreise aus Deutschland zweifellos wert! ![]() Das cf. im wissenschaftlichen Namen (Melanophryniscus cf. tumifrons) übrigens besagt, dass ich mir nicht ganz sicher bin, ob es auch wirklich diese Art ist – und mir auch nicht sicher sein kann, denn das Problem speziell in diesem Fall ist, dass niemand wirklich weiß, wo das in Alkohol konservierte, namensgebende Exemplar (der sog. Holotypus, nach dem die Art vor über 100 Jahren beschrieben wurde) einmal gesammelt wurde. Die Etiketten-Angabe Pernambuco ist definitiv falsch, denn dort oben in Nord-Brasilien gibt es gar keine Schwarzkröten. Aber woher stammt der Holotypus dann? Sicher aus dem südlichen Brasilien, und vermutlich sogar tatsächlich aus Rio Grande do Sul, aber woher da genau, weiß kein Mensch.Irgendjemand muss schon vor einem Jahrhundert die Etiketten vertauscht haben, vielleicht eine übereifrige Putzfrau, die beim „Abstauben“ ein paar Gläschen mit konservierten Fröschen umgestoßen und danach verkehrt wieder „eingetütet“ hat, möglicherweise auch ein übernächtigter Wissenschaftler, dem der Fehler beim Vergleich mehrerer Froschexemplare in einer gemeinsamen Schale passiert ist. Um sicher zu sein, was ich gestern Nacht gesehen habe, ist ein genauer Vergleich der „Eden“-Krötchen mit diesem Holotypus nötig. Sehen beide wirklich genau gleich aus, sind ihre Zeichnung, ihre Längenmaße, die Anzahl und Form ihrer sog. Metatarsal- und Metacarpaltuberkel identisch oder nicht? Immerhin sind hier aus dem Süden Brasiliens mehrere Populationen kleiner Schwarzkröten bekannt, die alle recht ähnlich aussehen und zumeist nur ein eng begrenztes Vorkommen aufweisen: Welche davon ist nun der echte tumifrons? Das sind spannende Fragen für taxonomisch arbeitende Biologen, die sich nur in langwieriger detektivischer Kleinstarbeit später im Museum lösen lassen.Das soll uns jetzt aber erst mal nicht weiter interessieren, denn die Gattung der Schwarzkröten ist auch noch aus anderen Gründen hochinteressant: Zum einen wegen ihrer phantastisch gefärbten Unterseite aus intensiv roten, orange und schwarzen Farbtönen, und zum anderen durch ihr bizarres Abwehrverhalten, die sog. Kahnstellung oder Unkenreflex. Wenn man die Krötchen nämlich etwas ärgert oder unsanft anfasst, machen sie ein „Hohlkreuz“, indem sie ihren Rücken extrem nach unten durchbiegen – zugleich präsentieren sie die leuchtend roten Unterseiten ihrer Handflächen und Fußsohlen. Das soll helfen, Feinde zu irritieren bzw. abzuschrecken. Dasselbe Verhalten zeigen auch unsere einheimischen Unken, und der Begriff dafür – eben Unkenreflex – wurde erstmals an deutschen Unken beschrieben. Mit „the unkenreflex“ oder „el unkenreflex“ wird das Verhalten der Schwarzkrötchen daher auch in der englischen und spanischen Fachliteratur umschrieben. Erst vor drei Tagen fragte mich ein brasilianischer Student sogar, was es denn mit dem eigenartigen Begriff „the Ankenreflex“ (also Unkenreflex, englisch ausgesprochen) auf sich habe …Und warum Schwarzkröten auch noch super spannend und interessant sind, das verrate ich dann mal in einem Blog, wenn es weniger Aufregendes direkt aus dem Feld zu berichten gibt: Das sind nämlich die extrem starken Hautgifte, alkaloide Substanzen, wie sie auch Pfeilgiftfrösche besitzen – eine ganz eigene Wissenschaft.Eine weitere Art der Schwarzkröten, die ich bislang auch nicht kannte, hat mir Eden übrigens noch aus Canela, einer Kleinstadt auf dem knapp 1.000 m hohen Araukarienplateau mitgebracht. Dort konnte er letzte Woche bei einer Spazierfahrt drei Exemplare des oberseits einfarbig schwarzen Melanophryniscus simplex fangen. Und zwar an einer Stelle direkt an der Straße, an der ich seit Jahren mehrfach vorbeigefahren bin und nie was gefunden habe … |
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| 23.11.2009 |
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Wirklich schlimm, wie es auf den Straßen rund um Porto Alegre nach dem Tornado aussah. Entlang der ganzen Strecke immer wieder große entwurzelte Bäumen und umgeknickte Stromleitungen. Als ich das Unigelände bei strömendem Regen verliess, hatte sich der Verkehr stadteinwärts bereits bis in das nächste Stadtviertel hinein aufgestaut – quer über die Hauptverkehrsachse Avenida Ipiranga war ein mächtiger Baum gefallen, vielleicht jener, der den Stromausfall verursacht hatte! Mist, in diese Richtung hätte ich eigentlich gemusst, um das Gelände von Eden in der Nähe des kleinen Orts Morungava zwischen Cachoeira do Sul und Taquara auf kürzester Distanz zu erreichen. Aber nicht zwingend, denn glücklicherweise erinnerte ich mich daran, dass man auch in die andere Richtung fahren könnte, als Umweg über die Nachbarstadt Viamao. Aber auch dort immer wieder Stellen der Verwüstung. Zweimal gerate ich sehr ins Schwitzen, denn vermeintliche Seilreste auf der Straße entpuppen sich beim Drüberfahren als Stromkabel, mit den dazugehörigen Masten, die seitlich im Gebüsch liegen! Glücklicherweise sind sie wohl schon „ohne Saft“, und es sind ja auch schon vor mir reihenweise Autos drübergefahren.Wenige Kilometer vor Erreichen des Ziels dann ein haarsträubendes Überholmanöver bei nach wie vor sehr dichtem Regen: Vor mir haben sich hinter einem wirklich langsamen Holzlaster mehrere PKW angestaut, die sich aufgrund der kurvigen Strecke und des Regens aber (zu Recht) nicht überholen trauen. ![]() Dann taucht hinter mir im Rückspiegel, wie aus dem Nichts, ein kleinerer LKW mit enormer Geschwindigkeit auf. Offenbar will er seinen Schwung in den Anstieg „mitnehmen“ und die ganze Kolonne schnell noch überholen. So „schießt“ er also links an mir vorbei, während sich im selben Moment der PKW vor mir entscheidet, ebenfalls noch schnell einen Teil der Kolonne zu überholen und daher nach links auszuscheren. Vor meinem geistigen Auge höre ich schon das Knirschen von Metall und Splittern von Glas, doch glücklicherweise kommt es dazu nicht. Im letzten Moment gelingt es dem LKW-Fahrer noch, mit einem Ruck noch weiter nach links zu ziehen, wo es ausnahmsweise mal sogar eine Art Standstreifen gibt – im Normalfall sind die Seitenränder solcher Landstraßen gänzlich unbefestigt und münden direkt in den Straßengraben. So gerät der LKW zwar heftig ins Schlingern, der Fahrer kann das Fahrzeug aber wieder unter Kontrolle bringen und überholt mit dem Restschwung sogar noch einen weiteren PKW, bevor er wegen Gegenverkehr mächtig abbremst und sich doch in die Kolonne einordnen muss. Puhhhh, auch der PKW-Fahrer vor mir ist sichtlich geschockt und macht keine weiteren Anstalten mehr, zu überholen. In der Tat ist das Kapitel Verkehr ein recht trauriges in Brasilien. Die Zahl der Verkehrstoten in diesem Land ist enorm, und nicht selten sind auch Unbeteiligte wie Fußgänger oder Insassen von Überlandbussen davon betroffen.Und was hat das ganze Manöver nun gebracht? Drei Minuten später stehen wir alle wieder geeint in einem echten Stau, der völlig unvermittelt aus dem Nichts in der „Pampa“ auftaucht! Erst nach einer halben Stunde geht es langsam weiter, und wir passieren zunächst zwei Polizeifahrzeuge an einem Pickup, der mit der Frontpartie kopfüber im Straßengraben steckt – nicht auszumalen, wenn das die Stelle des Überholmanövers gewesen wäre! Der eigentliche Grund für den Stau ist allerdings erst 200 Meter weiter zu erkennen: Schweres Räumgerät und Männer mit Motorsägen räumen die letzten Reste eines offenbar auch hier quer über die Straße gefallenen Baumes aus dem Weg. Größere Kartenansicht |
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