
| 02.12.2009 |
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| Es ist Samstag, 12.00 Uhr, und es regnet in Strömen, hat aber trotzdem fast 30 Grad Lufttemperatur. Man weiß nicht, ob man durch den Regen von außen nass wird oder doch eher von innen, durch das Schwitzen in der feuchten Schwüle – echtes Tropenwetter eben! Eigentlich sollte Konis Flieger aus Buenos Aires genau jetzt am Flughafen in Floripa landen. Ein Blick auf die Ankunftstafel zeigt, dass die voraussichtliche Ankunftszeit mit 13.00 angegeben ist. Ein kleines Missverständnis, denn natürlich haben wir die Zeitverschiebung um eine Stunde nicht miteingerechnet … Aber egal, Zeit spielt eh (kaum) keine Rolle in Brasilien, und so vertreibe ich mir selbige in diversen Läden am Flughafen, bis die Maschine – nur unwesentlich verspätet – tatsächlich landet. Ich bin so in Gedanken versunken (sicher schon beim nächsten Blog) und starre offenbar so sehr ins Leere, dass ich den Koni gar nicht bemerke in dem Pulk von Menschen, der geschäftig zum Ausgang rennt. Typisch Koni, er gibt sich auch nicht zu erkennen, sondern schmuggelt sich an mir vorbei und steht erst mal 10 Minuten hinter mir, beobachtet, was ich so mache. Als sich die Tür zur Gepäckausgabe endgültig schließt, bin ich dann doch etwas verunsichert: Mist, kein Koni im Flieger, was nun? Der Spaßvogel gibt sich schließlich doch zu erkennen, und nach großem "Hallo!" kann es endlich losgehen. Wir wollen ja gleich direkt weiter auf das Festland fahren, zusammen mit Anne eine Nacht mit Fröschen im Regenwald in der Nähe von Sao Martinho verbringen. Der Bruder von Josy, die ja ebenfalls im Bromelienprojekt arbeitet, der Lucas, hat dort eine schön im Wald an einem Wasserfall gelegene Pousada. Übrigens ist die Familie der beiden, die Familie Steiner schon um 1860 von Deutschland in dieses Gebiet von Santa Catarina ausgewandert – zusammen mit vielen anderen deutschen Familien. Und es ist immer wieder ein Erlebnis, mitten in Brasilien auf blonde, blauäugige (Deutsch-)Brasilianer zu treffen, die (noch) hervorragend deutsch reden – bei den Enkeln und Urenkeln scheint sich diese Fähigkeit nun langsam zu verlieren. Schade, eine Generation noch, und dieser Teil der deutsch-brasilianischen Geschichte ist wirklich Geschichte. ![]() Nun gut, dorthin jedenfalls wollen wir, über eine Erdstraße sind das etwa zwei Stunden Fahrt – aber für Biologen ist immer etwa das Doppelte zu rechnen, wie sich auch diesmal wieder bewahrheitet. Allzu viel gibt es halt am Straßenrand zu sehen, für das man immer wieder die Bremsen "reinhauen" muss, aber davon später mehr). Zunächst gibt es erst mal weitere Verzögerungen in Floripa, denn zunächst klappt es nicht mit dem Geldabheben (sämtliche Kredit-, Maestro- und sonstige Karten, die Koni am Flughafen ausprobiert, werden leider nicht akzeptiert – und dabei dachte ich immer, mit schweizerischen Geldkarten gibt es nirgendwo auf der Welt Probleme …). Also holen wir erst mal Anne ab, und mit ihr zusammen klappt es an einem Spezialbankautomaten dann trotz der Schweizer-Karten doch noch mit dem Geld. Dann aber brauchen wir plötzlich ganz dringend noch dieses und jenes – ein ganz typisches Phänomen auf Expeditionen, bevor es los geht: Der eine hat unbedingt Hunger und will noch verspätet ein Mittagessen einwerfen (ich), der andere braucht dringend einen Adapter für diverse Stromgeräte und einen neuen "Slave-Blitz" (Koni), was hier leider beides nicht aufzutreiben ist, und die Dritte im Bunde (Anne) braucht noch verschiedene Kleinigkeiten fürs Labor, weil ja am Montag Rechnungsschluss im Projekt ist. So brauchen wir noch mal zwei weitere Stunden, bis es wirklich losgeht, und bis wir in Sao Martinho ankommen, ist es natürlich längst wieder Nacht … |
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