Schell-Route – Abenteuer Sport https://blogs.dw.com/abenteuersport Blog über Expeditionen und Grenzerfahrungen Wed, 06 Mar 2019 10:38:57 +0000 de-DE hourly 1 Sturz mit glimpflichem Ausgang https://blogs.dw.com/abenteuersport/sturz-mit-glimpflichem-ausgang/ Thu, 14 Jan 2016 11:17:47 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=31657 Gruppenbild - mit Spaßvogel Tomek Mackiewicz

Gruppenbild – mit Spaßvogel Tomek Mackiewicz (r.)

Wieder ist es ein zähes Ringen um die erste Winterbesteigung des Nanga Parbat – und ein gefährliches. An der Rupalflanke, der Südwestseite des Bergs, arbeitet sich das polnische „Nanga Dream“-Team auf der Schell-Route langsam, aber sicher nach oben. „Die Jungs sind auf dem Grat [dem Südsüdwestgrat] und versuchen, Lager 3 einzurichten“, schreibt mir heute das Team. „Sie arbeiten sich höher Richtung 7000 Meter.“ Lager 2 liegt auf 6200 Metern. Auf der Diamirseite, der Nordwestseite des Nanga Parbat, ist derweil „einer der wenigen Tage, wenn nicht sogar der einzige, an dem wir alle zur selben Zeit im Basislager sind“, schreibt der Spanier Alex Txikon auf Facebook.

Fixseil gerissen

Die Bergsteiger der vier Expeditionen dort nutzten die Gelegenheit zu einem „Familienfoto“. „Wir sitzen im Basislager, lecken unsere Wunden, verfolgen den Wetterbericht und grübeln über unsere Optionen“, sagt Adam Bielecki. Der Pole überstand einen 80-Meter-Sturz mit leichten Verletzungen an der rechten Hand. Auf dem Weg hinauf nach Lager 2 auf 6100 Metern auf der Kinshofer-Route hatte Adam den Halt verloren, als ein Fixseil gerissen war. „Glücklicherweise sicherte mich Daniele [Nardi] mit einem zweiten Seil“, schreibt Bielecki auf Facebook und resümiert: „Der Nanga ist kein Genussberg.“ Nicht umsonst blieben in den vergangenen Jahrzehnten mehr als zwei Dutzend Versuche erfolglos, diesen Achttausender in Pakistan erstmals im Winter zu besteigen.

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Göttler: „Stück für Stück denken“ https://blogs.dw.com/abenteuersport/interview-goettler-nanga-parbat/ Wed, 22 Jan 2014 10:52:38 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=25113 David am Nanga Parbat (© The North Face)

David am Nanga Parbat (© The North Face)

Für David Göttler ist es die erste Winterexpedition an einem Achttausender. Und dann gleich am Nanga Parbat. Der 8125 Meter hohe Berg und der K 2 sind die beiden einzigen in der kalten Jahreszeit noch unbestiegenen Achttausender.  Der 35 Jahre alte Deutsche ist mit den Italienern Simone Moro und Emilio Previtali unterwegs. Sie versuchen, den Gipfel von der Rupal-Seite aus über die so genannte „Schell-Route“ zu erreichen. Moro gehört neben den Polen Jerzy Kukuczka, Krzysztof Wielicki and Maciej Berbeka zum erlauchten Kreis der Bergsteiger, die drei Achttausender erstmals im Winter bestiegen (Shishapangma 2005, Makalu 2009, Gasherbrum II 2011). Ich erreiche David im Basislager, wo sich das Team nach einigen Tagen am Berg erholt.

David, wie vertreibt ihr euch die Zeit?

Lesen, Emails schreiben, Interviews bearbeiten. Dann gibt es ja dreimal am Tag gutes Essen, und so gehen die Tage hier erstaunlich schnell herum. In meinem Zelt mache ich auch ein paar Yogaübungen, um nicht gänzlich zu degenerieren.

Für dich ist es die erste Winterexpedition an einem Achttausender. Ihr seid jetzt seit drei Wochen am Nanga Parbat. Wie fühlt es sich für dich bisher an? Alles wie erwartet?

Es fühlt sich gut an! Ich muss dazu sagen, wir haben bis jetzt wirklich unglaubliches Glück mit dem Wetter. Aber ich bin mir sicher, der „richtige“ Winter kommt auch hier noch an, und dann wird es alles andere als lustig.

Der Pole Darek Zaluski, ein erfahrener Winterbergsteiger an den Achttausendern, beschrieb kürzlich, dass man im Winter mit zunehmender Dauer in großer Höhe extrem an Kraft verliert. Hast du in dem Punkt bisher schon einen Unterschied zu Sommerexpeditionen feststellen können?

Nein, bis jetzt fühlt es sich wie im Sommer an. Wir waren bis auf 6400 Meter und haben dort oben gut arbeiten und auch die Nächte gut herumbringen können. Bis jetzt merke ich noch keinen Unterschied. Aber wie gesagt, ich möchte nicht arrogant klingen, es ist einfach der Tatsache geschuldet, dass uns Petrus bis jetzt noch wohlgesonnen war.

Simone im Anstieg (© The North Face)

Simone im Anstieg (© The North Face)

Du bist Simone Moro zwar schon mehrfach begegnet, aber als Seilschaft wart ihr noch nie gemeinsam unterwegs. Wie gut harmoniert ihr?

Es ist, wie ich es erwartet habe. Wir funktionieren super als Team, haben bei Entscheidungen dieselben Standpunkte und Ansichten. Es ist wirklich entspannt und schön, mit ihm hier unterwegs zu sein. Wir können uns gegenseitig motivieren. Somit, denke ich, sollte zumindest vom Team her alles gut klappen.

Bereits vor Weihnachten hat eine polnische Bergsteiger-Gruppe ihre Zelte auf der Rupal-Seite aufgeschlagen. Zwei Expeditionen auf derselben Route, geht das gut?

Das geht fantastisch! Wir arbeiten zusammen, mal haben die polnischen Freunde Fixseile angebracht, mal wir. Dasselbe gilt für das Spuren oder für den Nachschub an Fixseilen und Material zum Versichern. Wir waren am Anfang natürlich wegen noch mangelnder Akklimatisation ein wenig hinterher, aber ab jetzt können wir genau gleich mit ihnen von der Höhe mithalten und unterwegs sein. Gestern waren sie hier bei uns zum Abendessen, und wir hatten viel Spaß. Ich denke, das ist das Schöne im Winter: Hier arbeiten alle zusammen, und jeder hilft dem anderen.

Lagerkette auf der Schell-Route (© The North Face)

Lagerkette auf der Schell-Route (© The North Face)

Hanns Schell und die anderen Erstbegeher der Route, die ihr gewählt habt, bezeichneten 1976 den Abschnitt bis hinauf nach Lager zwei als den gefährlichsten des gesamten Aufstiegs? Wie hast du diese Passage erlebt?

Ich denke, sie hatten recht. Wir haben nun bis auf 6400 Meter versichert, und die weitere Route scheint technisch nicht mehr so anspruchsvoll zu sein wie bis dorthin. Aber natürlich ist es noch ein langer Weg, und wir sind noch weit vom Gipfel entfernt. Aber eben Stück für Stück denken, das ist hier unsere Devise. Bis auf 6400 Meter ist die Route beeindruckend direkt und steil. Das gefällt mir gut. Man kann schnell Höhenmeter machen, sowohl im Aufstieg als auch im Abstieg.

Ralf Dujmovits hat auf der Diamir-Seite aufgegeben, weil ihm das Lawinen- und Eisschlagrisiko zu groß erschien. Wie sieht das auf eurer Seite aus?

Bei uns ist es Gott sei Dank nicht so wild. Wir müssen natürlich auf Steinschlag aufpassen, bis wir auf dem Grat auf ca. 6000 Meter ankommen, aber er hält sich in Grenzen. Und nach Neuschnee, wie es gerade einen gibt, müssen wir auch ein wenig schauen, um nicht in eine Lawine in den Rinnen im unteren Teil zu kommen. Aber es sind nicht diese großen Eislawinen, die einen über lange Zeit bedrohen.

Ihr wart jetzt auf 6400 Metern, das sind noch rund 1700 Höhenmeter bis zum Gipfel. Ein langer Weg. Konntet ihr schon die Verhältnisse im oberen Bereich einsehen?

Es ist so stark vom Wind bearbeitet, teilweise schwarzes, steinhartes, blankes Eis. Das ist sicherlich das Schwierigste dort oben. Ansonsten schaut es aber ganz gut aus. Und auf die andere, die Diamir- Seite konnten wir noch nicht schauen. Somit können wir nur hoffen, dass uns dort dann gute Verhältnisse erwarten.

Als wir uns im Dezember vor der Expedition trafen, sprachst du von einer Erfolgschance zwischen 15 und 20 Prozent. Bist du inzwischen optimistischer?

Ich möchte da weiterhin bei den niedrigen Chancen bleiben. Einfach um mich selber nicht zu sehr zu enttäuschen, wenn es nicht klappt. Es ist schlicht noch ein sehr langer Weg, auch wenn wir bis jetzt gut voran gekommen sind. Wir werden sehen, oder wie sie hier gerne sagen: Inschallah.

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Wichtiges Etappenziel erreicht https://blogs.dw.com/abenteuersport/nanga-parbat-expeditionen-schell-route/ Tue, 21 Jan 2014 12:52:38 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=25093 David Göttler im Aufstieg (© The North Face)

David Göttler im Aufstieg (© The North Face)

Geduld ist nicht die schlechteste Tugend, wenn es gilt, einen Achttausender im Winter zu besteigen. David Göttler und Simone Moro kommen nach eigenen Angaben auf der Rupalseite des Nanga Parbat gut voran, überstürzen aber nichts. „Wir haben in den letzten Tagen bei perfektem Wetter die Route bis auf  6350 Meter versichert“, schreibt David auf Facebook. „Nun liegt der schwierige Teil hinter uns, aber natürlich haben wir noch einen weiten Weg vor uns.“

 

Den Sturm im Ohr

Simone Moro in Lager 1 (© The North Face)

Simone Moro in Lager 1 (© The North Face)

Die beiden Bergsteiger aus Deutschland und Italien sind auf der so genannten Schell-Route unterwegs. Eine österreichische Expedition unter Leitung von Hanns Schell hatte 1976 diesen Weg auf den 8125 Meter hohen Gipfel des Nanga Parbat erstbegangen. Er führt über einen Pfeiler auf der linken Seite der Rupalflanke zur knapp 7000 Meter hohen Scharte zwischen dem Mazeno-Grat und dem Südwestgrat. Auf 7400 Metern wechselt die Route auf die Diamirseite. Schon die Erstbegeher bezeichneten den ersten Abschnitt hinauf bis auf gut 6000 Meter wegen des Steinschlagrisikos als die gefährlichste Passage.  Die können David und Simone bei ihrem nächsten Aufstieg aufgrund der Fixseile jetzt deutlich schneller hinter sich bringen. „Wir sind super glücklich, dass wir diesen Punkt erreicht haben. Nun genießen wir ein paar Tage im Basislager mit dem Hintergrundgeräusch der starken Winde hoch oben“, schreibt David.

Zwei Teams, eine Hoffnung

Das polnische Expeditionsteam, das schon vor Weihnachten auf der Rupalseite eingetroffen war, ist inzwischen um zwei Mitglieder ärmer. Marek Klonowski reiste vorzeitig ab, weil er als werdender Vater in der Heimat gebraucht wurde. Michal Dzikowski kehrte nach Irland zurück. Sein Urlaub ging zu Ende, die Arbeit rief. Damit verbleiben noch vier Polen, die sich ebenfalls an der Schell-Route versuchen. Sie haben ihr Lager 2 – wie das deutsch-italienische Team – auf 6100 Meter aufgeschlagen. „Was auch immer die Leute denken mögen, es gibt keinen ungesunden Wettbewerb zwischen unseren Expeditionen“, heißt es im Blog der Polen. „Wir teilen Lebensmittel, Seile, Zelte und alles andere. In der einen Hoffnung: den Gipfel zu erreichen.“

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Erfolgschance 15 bis 20 Prozent https://blogs.dw.com/abenteuersport/david-goettler-nanga-parbat-winter/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/david-goettler-nanga-parbat-winter/#comments Fri, 06 Dec 2013 20:30:07 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=24647 David Göttler

David Göttler

„Für mich ist das komplettes Neuland“, freut sich David Göttler auf seine bevorstehende Winterexpedition, die ihn nach Weihnachten zusammen mit den beiden Italienern Simone Moro und Emilio Previtali zum Achttausender Nanga Parbat in Pakistan führen wird. „Ich habe bis jetzt nur Wintererfahrung in den Alpen gesammelt, noch nie im Himalaya und Karakorum“, sagt der 35 Jahre alte Münchner, als ich ihn in dieser Woche in meiner Heimatstadt Köln treffe. Seit Simones Einladung Ende September, ihn zum Nanga Parbat zu begleiten, habe er sein Ausdauertraining erhöht, erzählt David. Die Kälte könne man nicht trainieren.  „Es würde nichts bringen, wenn ich mich für drei Tage in den Kühlschrank setze.“

David Göttler: Komplettes Neuland

Urubko sagte ab

Simone Moro (r.) und Denis Urubko

Moro (r.) und Urubko 2012 am Nanga Parbat

Im Gegensatz zu Göttler ist Simone Moro ein alter Fuchs in Sachen Winterexpeditionen. Wie die Polen Jerzy Kukuczka, Krzysztof Wielicki and Maciej Berbeka hat der 46 Jahre alte Italiener drei Achttausender erstmals in der kalten Jahreszeit bestiegen: 2005 mit dem Polen Piotr Morawski die Shishapangma in Tibet, 2009 mit dem Kasachen Denis Urubko den Makalu in Nepal und 2011, wieder mit Denis sowie dem Kanadier Cory Richards, den Gasherbrum II in Pakistan. Am Nanga Parbat hat sich Moro im Winter 2012 bereits einmal vergeblich versucht. Wie damals wollte Simone auch jetzt wieder mit seinem Freund Urubko aufbrechen. Doch Denis sagte ab, weil er nach der Ermordung von elf Bergsteigern im Nanga-Parbat-Basislager im vergangenen Sommer um seine Sicherheit fürchtete.

Ein bisschen Glück gehört dazu

„Ich müsste lügen, wenn ich sage, dass sich dieses Thema nicht immer wieder einmal in meine Gefühle und Gedanken einschleicht“, räumt auch David Göttler ein. Doch er habe inzwischen ein gutes Gefühl. „Ich habe Pakistan immer als freundlich, offen und unglaublich schön empfunden“, sagt David. „Ich bin mir sicher, dass die Bevölkerung vor Ort immer noch so ist und jetzt vielleicht noch sensibler darauf reagiert, falls jemand irgendwo auftauchen sollte, wo er nicht hingehört. Aber am Ende ist natürlich auch ein bisschen Glück dabei, dass man nicht zur falschen Zeit am falschen Ort ist.“

David Goettler: Nicht zur falschen Zeit am falschen Ort sein

Keine Grabenkämpfe

Die drei Bergsteiger wollen über die so genannte Schell-Route auf der Rupal-Seite zum Gipfel aufsteigen. Diesen Weg wählt auch eine polnische Expedition: Marek Klonowski and Tomek Mackiewicz versuchen sich bereits den vierten Winter in Folge am Nanga Parbat. In diesem Jahr hatte Marek auf der Schell-Route immerhin eine Höhe von 7400 Metern erreicht. Die Polen werden früher anreisen als das italienisch-deutsche Team. David glaubt nicht, dass sich die beiden Mannschaften ins Gehege kommen: „Es wäre bescheuert, wenn wir gegeneinander arbeiten würden. Wir sind in Kontakt. Wir werden uns gegenseitig unterstützen und sicher nicht anfangen, da irgendwelche Grabenkämpfe auszutragen.“

David Göttler: Keine Grabenkämpfe

Zufrieden in der zweiten Reihe

 

Nanga Parbat

Nanga Parbat

17 Winterexpeditionen gab es zum Nanga Parbat, alle scheiterten. Der 8125 Meter hohe Berg und der K 2 sind die einzigen der 14 Achttausender, die noch nicht im Winter bestiegen wurden. „Die Erfolgschance ist sehr gering“, räumt Göttler ein. „Wir sprechen von 15 bis 20 Prozent. Das ist sehr wenig, aber doch einen Versuch wert.“ David hat bereits fünf Achttausender bestiegen, zuletzt – wie berichtet –  im vergangenen Mai den Makalu. Häufig war er zuvor mit Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits unterwegs. Jetzt bricht er mit Simone Moro auf, einem weiteren Star unter den Höhenbergsteigern. „Ich finde es ganz angenehm, in der zweiten Reihe zu stehen“, gesteht Göttler. „Im Team wissen wir um die Stärken und Schwächen des anderen. Mir ist wichtig, dass es intern passt. Ich habe kein Problem damit, dass ich nicht die ganz große Bühne habe wie Simone Moro.“ Teamgeist zu haben, findet David, bedeute jedoch nicht, mit der eigenen Meinung hinter dem Berg zu halten. „Ich werde sicher nicht Ja und Amen zu jeder Entscheidung sagen.“

David Göttler: Kein Problem mit der zweiten Reihe

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