Nordpfeiler – Abenteuer Sport https://blogs.dw.com/abenteuersport Blog über Expeditionen und Grenzerfahrungen Wed, 06 Mar 2019 10:38:57 +0000 de-DE hourly 1 Fowler/Ramsden: Diesmal getrennt erfolgreich https://blogs.dw.com/abenteuersport/fowlerramsden-diesmal-getrennt-erfolgreich/ Wed, 12 Oct 2016 12:59:06 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=33893 Piolet-d'Or-Gewinner Mick Fowler (r.) und Paul Ramsden

Piolet-d’Or-Gewinner Mick Fowler (r.) und Paul Ramsden

Die Nimmermüden haben es wieder getan. Die Briten Mick Fowler und Paul Ramsden haben erneut alpinistische Glanzlichter gesetzt, zur Abwechslung jedoch einmal getrennt, mit anderen Kletterpartnern. Fowler, inzwischen 60 Jahre (!) alt, gelang nach eigenen Angaben zusammen mit seinem Landsmann Victor Saunders die Erstbegehung des Nordpfeilers am 6100 Meter hohen Sersank im nordindischen Himalaya. Paul Ramsden durchstieg mit Nick Bullock erstmals die Nordwand des 7046 Meter hohen Nyainqentangla South East in Tibet. Im vergangenen April hatten Fowler und Ramsden für ihre Erstbesteigung des 6571 Meter hohen Gave Ding, eines abgelegenen Bergs im Nordwesten Nepals, den Piolet d’Or gewonnen, den „Oscar der Bergsteiger“. Es war bereits der dritte für das erfolgreiche britische Zweier-Team.

Saunders (l.) und Fowler 1987 auf dem Gipfel des Spantik

Saunders (l.) und Fowler 1987 auf dem Gipfel des Spantik

Nach 29 Jahren wieder vereint

„Der Sersank ist abgehakt”, meldete jetzt Fowler aus der nordindischen Stadt Manali im Bundesstaat Himachal Pradesh. „Fünf Tage, um den Nordpfeiler zu klettern und ein Acht-Tage-Rundtrip vom Basislager aus. Absolut brilliant.“ Fowler und Saunders waren vor 29 Jahren zuletzt gemeinsam geklettert. 1987 war ihnen die Erstbegehung des so genannten „Golden Pillar“ (der im Sonnenlicht wirklich golden wirkt), des Nordwest-Pfeilers am 7027 Meter hohen Spantik in Pakistan gelungen. Danach hatten sich ihre Wege getrennt. Saunders hatte später als Bergführer unter anderem sechsmal den Mount Everest bestiegen. Über ein Buchprojekt hatten Mick und Vic wieder zusammengefunden und beschlossen, erneut gemeinsam loszuziehen.

Monster-Matterhorn

Gipfelselfie von Ramsden und Bullock (r.)

Gipfelselfie von Ramsden und Bullock (r.)

Ramsden (geboren 1969) und der 50-jährige Bullock benötigten fünf Tage, um die Nordwand des Nyainqentangla South East zu durchklettern. „Es ist fast unmöglich, diese Wand ohne Superlative zu beschreiben“, berichtet Nick auf seiner Internetseite. „Sie war ein Traum, sie hatte Wasserrinnen, Eis, Schneefelder, scharfe Grate – in der Art eines krummen Riesen-Monster-Matterhorns. Eine 1600-Meter-Wand, die uns das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ.“ Am fünften Tag nach Verlassen des Basislagers erreichten Paul und Nick den Gipfel, anderthalb weitere Tage benötigten sie für den Abstieg über den Ostgrat. Die Erstbesteigung des Nyainqentangla South East war 2001 den Österreichern Stefan und Erich Gatt über die Südseite des Bergs gelungen.

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Über ihnen nur der Himmel https://blogs.dw.com/abenteuersport/uber-ihnen-nur-der-himmel/ Sun, 20 May 2012 14:27:20 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=14741

David am Gipfel des Nuptse

Exklusiv, und doch so nahe am Trubel. Während sich auf den Normalrouten am Mount Everest die Gipfelanwärter stauten, haben Gerlinde Kaltenbrunner und David Göttler am Donnerstag (17. Mai) den 7861 Meter hohen Hauptgipfel des Nuptse erreicht. Außer ihnen war niemand an diesem formschönen Berg unterwegs, der zusammen mit Everest und Lhotse das berühmte „Hufeisen“ rund um das „Tal des Schweigens“ formt. „Dort oben am Nuptse-Gipfel, zusammen mit Gerlinde, bei absolut super Wetter, warm, kein Wind, auf diesem winzigen Punkt, ein Ausblick gefühlt über die ganze Welt!“, schwärmt David auf seiner Internetseite. „ Ein Moment, der alle Anstrengung vergessen lässt!“  Gerlinde und David gelang die erst sechste Besteigung des Nuptse-Hauptgipfels.

Auf Scotts Spuren

Ursprünglich hatten sie geplant, den höchsten Punkt gemeinsam mit Ralf Dujmovits über den noch nicht begangenen Ostgrat zu erreichen. Doch Ralfs Erkrankung und hohe Lawinengefahr bewog sie (wie berichtet), auf eine andere Route auszuweichen. Sie wählten den Weg über den Nordpfeiler, der im Herbst 1979 erstmals von einem Team um den Briten Doug Scott durchstiegen worden war. Auch Gerlindes Mann Ralf hatte 1996 mit Axel Schlönvogt über diese Route den Gipfel erreicht.

Gerlinde bärenstark

Gerlinde auf dem Nuptse (l. der Lhotse)

Felskletterei, dann Spurarbeit durch den Schnee – der Nuptse wurde Gerlinde und David nicht geschenkt. Wieder einmal erwies sich die Österreicherin, die als erste Frau alle 14 Achttausender ohne Flaschensauerstoff bestieg, als bärenstark. „Gerlinde ist hier unersetzlich. Generell muss ich an dieser Stelle sagen, es ist so einfach, entspannt und perfekt, mit ihr unterwegs zu sein“, berichtet David. Nach einem Biwak auf 7250 Metern stiegen sie am nächsten Morgen bei zunächst kaltem, aber sonnigem Wetter zum höchsten Punkt auf.  David machte seinen Emotionen Luft: „Ich lasse einen Schrei los, gefüllt mit Erleichterung, Freude, Glück, Dankbarkeit, packe alles rein! Er ist es, der Gipfel, rundherum nur Tiefe, über uns nur Himmel! Danke!“

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Geschafft! https://blogs.dw.com/abenteuersport/geschafft/ Tue, 23 Aug 2011 14:49:02 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport2/2011/08/23/geschafft/

Gerlinde am K 2

Gerlinde Kaltenbrunner hat Bergsteiger-Geschichte geschrieben. „Um 18:18 Uhr Ortszeit hat Gerlinde den Gipfel des K 2 erreicht“, schreibt ihr Ehemann Ralf Dujmovits aus dem Basislager. Damit hat die 40 Jahre alte Österreicherin als dritte Frau nach der Südkoreanerin Oh Eun Sun und der Spanierin Edurne Pasaban alle 14 Achttausender bestiegen. Als erste Frau schaffte es Gerlinde, bei allen Aufstiegen auf Flaschensauerstoff zu verzichten. Chapeau!

Erster Erfolg am K 2 seit 2008

Kurz nach Gerlinde erreichten auch die drei anderen Bergsteiger der Gipfelmannschaft den höchsten Punkt: die beiden Kasachen Maxut Zhumayev und Vassiliy Pivtsov sowie der Pole Darek Zaluski. Auch Maxut und Vassiliy haben jetzt alle 14 Achttausender ohne Atemmaske bestiegen. Erstmals seit 2008 gelang wieder einem Team ein Gipfelerfolg am K 2 – und das über die anspruchsvolle und selten begangene Nordpfeiler-Route auf der chinesischen Seite des Bergs. „Es ist ein Geschenk, dass wir gemeinsam bei diesen schwierigejn Verhältnissen im Aufstieg und bei diesem fantastischen Wetter am Gipfel stehen durften“, sagt Gerlinde per Funk. Sie hatte zuvor drei Jahre hintereinander vergeblich versucht, den K 2 über die pakistanische Seite zu besteigen.

Kälte am ganzen Körper

Leicht wurde es dem Quartett auch diesmal nicht gemacht. Tiefer Neuschnee zwang die Bergsteiger, auf 8300 Metern eine zusätzliche Nacht im Biwak zu verbringen. Um 1.30 Uhr brachen sie auf, kehrten aber kurz darauf wegen der Kälte von minus 25 Grad Celsius wieder zurück. „Am achten Tag nach Aufbruch vom Basislager sind die Innenschuhe auch der besten Expeditionsstiefel einfach nicht mehr ganz trocken zu bekommen“, erklärt Ralf. „Zudem sind nach zweieinhalb Monaten anstrengenden Unterwegs-Seins die Fettreserven inzwischen auch so weit aufgezehrt, dass man die Kälte am ganzen Körper spürt.“

Gipfelteam im so genannten "Japaner-Couloir"

Durchgewühlt

Um 7.30 Uhr brachen Gerlinde und ihre Mitstreiter erneut auf – bei idealem Wetter: wolkenloser Himmel, kaum Wind. Allerdings musste sich das Team durch große Neuschnee-Mengen regelrecht durchwühlen. „An einer Stelle konnten wir von hier unten aus dem Basislager beobachten, wie die vier in drei verschiedenen Richtungen ansetzten zu spuren“, schreibt Ralf. Doch die Bergsteiger bissen sich durch, bis zum Gipfel. Das Abenteuer ist damit allerdings noch nicht beendet. Die späte Ankunftszeit am höchsten Punkt zwingt Gerlinde und die anderen, eine weitere kalte Nacht in sehr großer Höhe zu verbringen. In ihrer Aufstiegsspur dürften sie schnell abwärts gelangen. Doch bereits ein kleiner Augenblick fehlender Konzentration kann dramatische Folgen haben. Also weiter Daumen drücken!

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