Chogolisa – Abenteuer Sport https://blogs.dw.com/abenteuersport Blog über Expeditionen und Grenzerfahrungen Wed, 06 Mar 2019 10:38:57 +0000 de-DE hourly 1 David Lamas „Mission: Possible“ https://blogs.dw.com/abenteuersport/david-lama/ Wed, 06 Nov 2013 13:27:03 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=24076

David Lama

David Lama hat für seine 23 Jahre schon viel Kritik einstecken müssen. „Ich habe aus meinen Fehlern gelernt“, sagt der Bergsteiger aus Österreich. 2010 hatte sein Team für Filmarbeiten über den Versuch, die legendäre „Kompressor-Route“ am Cerro Torre in Patagonien erstmals frei zu klettern, Dutzende neuer Bohrhaken in die Wand gesetzt.  Damals war Lama noch gescheitert, zwei Jahre später glückte ihm das Projekt, gemeinsam mit seinem Osttiroler Seilpartner Peter Ortner. Für den Sommer 2014 haben sich die beiden ein weiteres Knüller-Projekt vorgenommen.

Nicht kletterbar?

Masherbrum (in der Bildmitte)

Lama und Ortner wollen als Erste die Ostwand des 7821 Meter hohen Masherbrum im Karakorum durchsteigen. „Viele haben sich eigentlich noch nicht an der Wand versucht, weil die meisten sie für unkletterbar halten“, erzählt mir David beim International Mountain Summit in Brixen. „Aber ich kann es mir mittlerweile vorstellen, durch diese Wand zu klettern. Das ist im Moment eine der spannendsten Ideen, die ich mir vorstellen kann.“ Möglicherweise, verrät Lama, werde noch sein Landsmann Hansjörg Auer zum Team stoßen. Reinhold Messner bezeichnete die beiden österreichischen Topbergsteiger vor wenigen Tagen im Gespräch mit mir als „junge Leute, die kreativ sind“. Sie würden ihre Spielfelder schon finden.

David Lama über das Projekt Masherbrum-Ostwand

Extrem lässig

David auf den letzten Metern zum Gipfel der Chogolisa (Foto: privat)

Derzeit sei das Karakorum „eine der spannendsten Spielwiesen“ für ihn, sagt David. „Riesige, schöne, vor allem schwierige Berge mit großen Wänden. Die reizen mich einfach.“ 2012 hat Lama zusammen mit Ortner die 7665 Meter hohe, formschöne Chogolisa bestiegen, seinen ersten Siebentausender. „Wir waren die ersten seit 26 Jahren, die oben gestanden haben. Von daher war es ein extrem lässiges Erlebnis, dort auf den Gipfelgrat hinaufzusteigen. Zum anderen war es natürlich eine Vorbereitung für höhere Berge, weil es mein Ziel ist, dort hohe, schwierige Wände zu klettern.“ Wie die Ostwand des Masherbrum.

David Lama: Besteigung der Chogolisa war extrem lässig

Früh übt sich

David Lama ist der Sohn einer Österreicherin und eines Sherpas aus dem Khumbu, dem Gebiet um den Mount Everest. Schon mit fünf Jahren bewies David bei einem Klettercamp von Peter Habeler sein außergewöhnliches Talent. Das war der Startschuss zu einer steilen Karriere als Sportkletterer. Schon als Zehnjähriger bewältigte Lama schwierigste Routen. Heute sehe er sich „eher als Alpinist“, sagt David und fügt mit einem verschmitzten Lächeln hinzu: „Und auch ein bisschen als Bergsteiger.“

David Lama: Angst ist Abfallprodukt der Ungewissheit

Alles geregelt

Ein Hasardeur sei er nicht, meint der Innsbrucker. Allerdings kehre er am Berg nicht um, wenn es nicht unbedingt nötig sei. „Ich glaube, ich habe die Fähigkeit, das Risiko abzuwägen und zu bewerten. Aber es ist natürlich klar, dass ein Führerschein-Neuling schneller fährt als einer, der ihn schon seit vierzig Jahren hat.“ Denkt er auch über den Tod nach? Am Masherbrum, antwortet David, „ möchte man schon alles geregelt haben, bevor man in die Wand einsteigt.“

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Piolet d’Or für Kurts Lebenswerk https://blogs.dw.com/abenteuersport/kurt-diemberger-pioletdor-2013/ Thu, 04 Apr 2013 13:05:37 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=20847

Kurt Diemberger

Kurt ist eine lebende Legende. Gleich zwei Achttausender hat der inzwischen 81 Jahre alte Österreicher Kurt Diemberger erstbestiegen und auch danach noch für viele Glanzlichter gesorgt. Nicht nur als Bergsteiger, auch als Filmemacher, Fotograf und Autor. Heute abend wird er in Courmayeur im Schatten des Mont Blanc für sein Lebenswerk mit dem Piolet d’Or geehrt, dem Goldenen Eispickel, dem „Oscar der Bergsteiger“. Keine Frage, Kurt ist ein würdiger Preisträger.

Revolutionärer Stil 

1957 schrieb der damals 25-Jährige mit seinen Landsleuten Hermann Buhl, Markus Schmuck und Fritz Wintersteller Alpingeschichte: Als erste bestiegen sie den Achttausender Broad Peak in Pakistan – und das im „Westalpenstil“: als kleines Team, mit minimaler Ausrüstung, ohne Hochträger und ohne Flaschensauerstoff. Das kam einer Revolution gleich. Damals wurden Achttausender üblicherweise mit großen Mannschaften und Bergen von Material regelrecht belagert. Nach dem Erfolg zerfiel die Seilschaft jedoch. Schmuck und Wintersteller bestiegen nach dem Broad Peak auch noch erstmals den 7410 Meter hohen Skil Brum. Buhl und Diemberger versuchten sich an der 7688 Meter hohen Chogolisa. Auf dem Gipfelgrat kamen die beiden in einen Wettersturz. Plötzlich brach unter Buhl eine Wächte ab, er stürzte in den Tod. (Kurt hat mir davon einmal sehr eindringlich erzählt, wie ihr im Audio unten hören könnt). 

Kurt Diemberger über Hermann Buhls Tod am 27.6.1957

Sechs Achttausender 

Kurt in der Mitte, l. der legendäre pakistanische Hochträger „Little Karim“ Balti, r. ich

Drei Jahre danach, 1960, zählte Diemberger auch zu den Erstbesteigern des Dhaulagiri. Außer ihm war es nur Hermann Buhl gelungen, zwei Achttausender erstmals zu besteigen (1953 Nanga Parbat, 1957 Broad Peak). Später stand Kurt noch auf den Gipfeln von vier weiteren Achttausendern: auf dem Makalu (1978), dem Mount Everest (1978), dem Gasherbrum II (1979)  – und dem K 2 (1986). Den zweithöchsten Berg der Erde bezeichnet Kurt als „Traum- und Schicksalsberg“. Nachdem er mit seiner langjährigen Seilpartnerin, der Britin Julie Tullis, den Gipfel des K 2 erreicht hatte, gerieten die beiden in einen Wettersturz, der sie tagelang im Hochlager gefangen hielt. Julie starb an Erschöpfung, vier weitere Bergsteiger kamen ebenfalls ums Leben. Kurt schaffte es mit schweren Erfrierungen zurück ins Basislager. Mehrere Fingerglieder der rechten Hand mussten ihm damals amputiert werden.

Kurt Diemberger über die Katastrophe 1986 am K 2

Fünfter Preisträger 

Auch heute ist Kurt noch viel unterwegs: auf Vortragsreisen, in den Bergen oder eben wie jetzt in Courmayeur, um Auszeichnungen entgegenzunehmen. Der Ehrenpreis für sein Lebenswerk heißt offiziell „Prix Walter Bonatti“, benannt nach dem inzwischen verstorbenen ersten Preisträger im Jahr 2009. In den folgenden Jahren erhielten Reinhold Messner, der Brite Doug Scott und der Franzose Robert Paragot diesen Goldenen Eispickel. 

Oldies, but Goldies 

Der Mazeno-Grat (© Doug Scott)

Mit Spannung wird erwartet, wer am Freitagabend den aktuellen Piolet d’Or in Händen halten wird. Sechs Projekte aus dem Jahr 2012 sind nominiert, zwei an 6000ern (darunter auch die hier im Blog beschriebene Expedition am Shiva in Indien), drei an 7000ern und eines am Achttausender Nanga Parbat. Letzteres Unternehmen ist eindeutig mein persönlicher Favorit: Die Briten Sandy Allan und Rick Allen hatten – wie ebenfalls hier berichtet – erstmals den 8125 Meter hohen Gipfel über den Mazeno-Grat erreicht, den mit rund zehn Kilometern längsten Grat an einem Achttausender. 18 Tage lang waren sie in großer Höhe unterwegs. Beide sind übrigens weit über die 50. Manchmal zahlt sich Erfahrung eben aus.

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Erfolg an der Chogolisa https://blogs.dw.com/abenteuersport/erfolg-an-der-chogolisa/ Sat, 29 Sep 2012 20:31:31 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=17203 Das beeindruckende Gipfeltrapez der Chogolisa

Das beeindruckende Gipfeltrapez der Chogolisa

Der Berg sieht aus, wie Kinder ein Satteldach malen, nur in weiß. Die 7665 Meter hohe Chogolisa in Pakistan ist ein echter Blickfang. Wenn du bei gutem Wetter auf dem Concordiaplatz stehst , wo mehrere Gletscher des Karakorum zusammenfließen, gilt der erste Blick meist dem K 2, dem König der Achttausender. Drehst du dich dann aber um 180 Grad, kannst du eigentlich kaum anders als diesen trapezförmigen, schönen Berg zu bewundern. Nach über zwei Jahrzehnten ohne Besteigung standen jetzt die beiden Österreichern David Lama und Peter Ortner auf dem Gipfel der Chogolisa.

Buhls tödlicher Absturz

Der Name des Bergs bedeutet in der Sprache der Balti „Die große Jagd“ – wegen der vielen Steinböcke, die die Einheimischen früher zu Füßen des Siebentausenders vorfanden. Englische Entdecker tauften die Chogolisa auch „Bride Peak“, weil sie das riesige Schnee- und Eiskleid des Bergs an eine Braut erinnerte. Bereits 1909 kamen italienische Bergsteiger an der Chogolisa bis auf 7498 Meter, gut ein Jahrzehnt hielt dieser Höhenrekord. Berühmt wurde der Berg jedoch durch einen tödlichen Unfall. Am 27. Juni 1953 stürzte der Achttausender-Pionier Hermann Buhl in den Tod, als auf dem Gipfelgrat in 7200 Metern Höhe eine Wechte brach. Mit seinem österreichischen Landsmann Kurt Diemberger hatte Buhl die Chogolisa erstmals besteigen wollen, wenige Tage, nachdem ihnen mit zwei weiteren Österreichern die Erstbesteigung des nahe gelegenen Achttausenders Broad Peak gelungen war.

Kurt Diemberger über Hermann Buhls Tod am 27.6.1957

1958 erreichten japanische Bergsteiger den 7654 Meter hohen Nordostgipfel (Chogolisa II). Erst 1975 verbuchten die Österreicher Fred Pressl und Gustav Ammerer die eigentliche Erstbesteigung, als sie auf dem höchsten Punkt, dem Südwestgipfel, standen. Nach der Überschreitung beider Gipfel durch eine britische Expedition im Jahr 1986 wurde es still um die Chogolisa. Einige wenige Expeditionen versuchten sich an dem Berg, scheiterten aber.

Cerro Torre frei geklettert

David auf den letzten Metern (Foto: David Lama)

Jetzt also haben es die Österreicher David Lama und Peter Ortner geschafft, sich durch die Eis- und Schneeflanken bis zum Gipfel zu wühlen. „Ich bin ein Kletterer, was mache ich hier eigentlich?“, fragt sich der 22 Jahre alte David in einem Video, das beide nach ihrem Erfolg veröffentlichten. „Die Höhenerfahrung hier nimmt mir aber keiner mehr.“ Der Sohn eines Nepalesen und einer Österreicherin begann seine Karriere als Sportkletterer. Anfang des Jahres sorgten Lama und Ortner für Furore, als sie den legendären Cerro Torre in Patagonien frei kletterten, also Haken, Klemmkeile und Seile nur nutzten, um sich zu sichern, nicht um sich daran fortzubewegen. Die damals zu lesende Schlagzeile „Kompressor-Route befreit“ stimmt jedoch nur bedingt, da die beiden nach eigenen Angaben im letzten Abschnitt von der 1970 in den Fels gebohrten, umstrittenen Route des Italieners Cesare Maestri abwichen.

Film-Drohne

Kritiker werfen Lama vor, ein Meister der Selbstdarstellung zu sein. Mag sein, doch so viel steht fest: Der Jungstar weiß sich geschickt und durchaus kreativ zu vermarkten. Als er mit seinem 29 Jahre alten Kletterpartner Ortner vor seinem Chogolisa-Abenteuer einen der beeindruckenden Trango-Türme im Karakorum bestieg, setzten die beiden eine Video-Drohne ein, um ihren Aufstieg zu filmen. Überzeugt euch selbst, die Bilder (© Mammut/Corey Rich/Dedicam) sind spektakulär:

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