Gelesen: Die Besteigung des Rum Doodle
Ich gestehe, dass ich die Bar eher kannte als das Buch. Das „Rum Doodle“ in Thamel, dem Touristenviertel Kathmandus, ist ein beliebter Treffpunkt für Bergsteiger aus aller Welt. Dort kannst du die Unterschriften vieler Everest-Helden bewundern. Wer den höchsten Berg der Erde bestiegen hat, speist im „Rum Doodle“ lebenslang umsonst. Ihren Namen hat die Bar von einem echten Klassiker unter den Bergbüchern, den es jetzt endlich auch in deutscher Übersetzung gibt. 1956, drei Jahre nach der Erstbesteigung, erschien „The Ascent of Rum Doodle“. Der Autor hieß William E. Bowman und war ein englischer Bauingenieur, der gerne auf der Insel wanderte und dem die damals üblichen heroisierenden Expeditionsberichte ziemlich auf den Senkel gegangen sein müssen. In seinem Buch zog Bill nämlich alles, was den Himalaya-Bergsteigern seiner Zeit als heilig galt, gnadenlos durch den Kakao: Heldenmut, Kameradschaft, political correctness.
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Gelesen: Briefe vom Everest
Das 60-Jahr-Jubiläum der Erstbesteigung hat auf dem Buchmarkt eine regelrechte Lawine von Everest-Büchern ausgelöst, aus der ich mich erst peu à peu befreie. Ans Herz legen möchte ich euch heute George Lowes „Briefe vom Everest“. Dort gibt es das Abenteuer von 1953 aus erster Hand. Der Neuseeländer Lowe war ein enger Freund Edmund Hillarys. Ihm galten Eds legendäre erste Worte, nachdem er mit Tenzing Norgay vom Gipfel zurückkehrte: „George, wie knocked the bastard off!“ (George, den Bastard haben wir erledigt!) Lowe schrieb regelmäßig an seine älteste Schwester Betty. Diese hatte den Auftrag, per Hand je zwei Kopien der Briefe anzufertigen, für den Fall, dass das Original verloren gehen sollte. Weitere Kopien per Schreibmaschine gingen an enge Freunde. Ein früher Newsletter.
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Gelesen: Everest 1953
Wäre ich ein Lehrer und behandelte im Unterricht die Erstbesteigung des Mount Everest 1953, würde ich dieses Buch zur Pflichtlektüre machen. Viel mehr als der Gipfelerfolg an sich und die Tatsache, dass die Meldung darüber rechtzeitig zur Krönungsfeier von Queen Elizabeth II. in London eintraf, ist im allgemeinen Bewusstsein kaum hängen geblieben. Das dürfte sich nach der Lektüre von „Everest 1953“ ändern. Der Schriftsteller, Filmemacher und Bergsteiger Mick Conefrey hat in bester britischer Reportermanier alle Fakten der Expedition zusammengetragen, die letztlich am 29. Mai 1953 zur Erstbesteigung durch den Neuseeländer Edmund Hillary und den Sherpa Tenzing Norgay führte.
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Gelesen: Die Radsport-Mafia
Eigentlich wollte ich dieses Buch nicht lesen. Denn ich bin immer noch sauer auf die Herren Ullrich, Armstrong, Landis, Hamilton und wie sie alle heißen. Jahrelang habe ich, ein Freund des Radsports im Allgemeinen und der Tour de France im Besonderen, über die „Große Schleife“ berichtet – im guten Glauben, es gebe einige schwarze Schafe, aber doch nicht eine ganze Dopingherde. Wie sich herausstellte, hatten Fahrer und Offizielle des Teams Telekom und später der T-Mobile-Mannschaft mir, ohne mit der Wimper zu zucken, ins Gesicht und Mikrofon gelogen. Das geht mir bis heute nach. War ich zu naiv? Bestimmt. Immer wieder habe ich mich aber auch gefragt, wie diese Leute abends noch in den Spiegel schauen konnten.
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Gelesen: 2 x 14 Achttausender
Ich lege euch dieses Buch von Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits ans Herz, obwohl ich es streng genommen nicht dürfte. Mir fehlt nämlich die journalistische Distanz, ich bin eindeutig befangen. Seit vielen Jahren kenne und schätze ich Gerlinde und Ralf sehr. Nicht nur als Bergsteiger, sondern auch als Menschen.
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Gelesen: Der Klang des freien Falls
Wenn jemand das Buch seines Lebens bereits geschrieben hat, wird es schwer, neue nachzulegen. Immer werden die Folge-Werke am berühmtesten gemessen. Vor diesem Dilemma steht auch der britische Bergsteiger Joe Simpson. Sein Buch „Sturz ins Leere“ über seine unglaubliche, aber wahre Überlebensgeschichte am Sechstausender Siula Grande in den Anden gehört zu den Klassikern der Alpinliteratur. 1985 hatte sich Simpson beim Abstieg vom Gipfel im Unwetter das Knie zerschmettert. Sein Partner Simon Yates versuchte, Simpson abzuseilen. Doch an einem Eisüberhang blieb ihm nichts anderes übrig, als das Seil zu kappen. Andernfalls wäre er gemeinsam mit Simpson in eine Gletscherspalte gefallen. Doch wie durch ein Wunder konnte sich Simpson aus der Spalte retten und dann auch noch ins Basislager schleppen.
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Gelesen: Kein Pfad führt zurück
Abenteuer in den Bergen müssen nicht zwangsläufig sportlicher Natur, sondern können auch unfreiwilliger Art sein. Etwa wenn Tibeter ihre Kinder auf die Flucht aus dem von China besetzten Land schicken, um ihnen ein Leben in Freiheit zu ermöglichen. Maria Blumencron wollte im Jahr 2000 einen Dokumentarfilm über tibetische Flüchtlingskinder drehen. Durch den Nebel unterhalb des gut 5700 Meter hohen Nangpa La, eines Passes zu Füßen des Achttausenders Cho Oyu, stolperte ihr eine Gruppe erschöpfter Tibeter entgegen, darunter sechs Kinder. Ein Augenblick, der – so Blumencron - ihr Leben verändert habe.
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Gelesen: Expeditionen
Mit diesem Schinken kannst du auch Einbrecher in die Flucht schlagen. Gut zwei Kilogramm bringt der Bildband „Expeditionen. Extremklettern am Ende der Welt“ von Stefan Glowacz auf die Waage. Aber nicht nur deswegen lege ich euch dieses Schwergewicht ans Herz. Mir hat dieses Buch einfach Spaß gemacht. Dabei war ich eher skeptisch, als ich es erstmals in Händen hielt. Normalerweise blättere ich Bildbände, die meist nicht gerade preiswert sind, durch und denke mir: Ganz nett, aber sehe ich mir die Bilder wirklich später noch einmal an? Bei diesem Buch erging es mir anders.
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Gelesen: Kein Weg zurück
„Das stärkste Buch über ein Bergunglück seit Jon Krakauers ‹In eisige Höhen›“? Mit dieser Formulierung aus einer Rezension, mit der auf dem Einband von Graham Bowleys „Kein Weg zurück“ geworben wird, tue ich mich schwer. Kann ein Buch über eine Tragödie, die Menschenleben kostete, wirklich „stark“ sein? Es geht um das Drama am K 2, bei dem im August 2008 in der Gipfelregion des zweithöchsten Bergs der Erde elf Bergsteiger ums Leben kamen.

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Gelesen: Cliffhänger
Ich gehöre nicht zu den Menschen, die ohne Grund die Mittagspause überziehen. Aber da saß ich nun in der Kantine und konnte mich nicht losreißen. Ich musste unbedingt noch das Kapitel „In München steht ein Sportkaufhaus“ zu Ende lesen. Darin beschreibt Georg Koeniger, wie er sich mit seiner Kletter- und Lebenspartnerin Petra durch das Angebot eines Outdoor-Einkaufstempels kämpft. Um sich den ausgiebigen Einkaufsbummel leisten zu können, habe die beiden zuvor einen Sponsorenabend mit zahlungskräftigen Verwandten veranstaltet. Jetzt kämpfen sie sich durch die Regale voller Funktionswäsche mit „Sweatmanager“und Kompressionskleidung „Techfit“. Georg versucht vergeblich, eine Diskussion mit einer Verkäuferin anzuzetteln, warum der Laden keine Yogahosen für Männer anbietet. Die Expedition ins Sportkaufhaus gipfelt im Erwerb eines Beziehungs-Navis, der Georg über das dünne Eis eines Gesprächs mit seiner reichlich genervten Freundin über seine späte Heimkehr am gestrigen Abend leitet.

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Gelesen: Eiszeit
Der Verkehr brach zusammen. Nichts ging mehr. Das passiert im Rheinland, wenn innerhalb kurzer Zeit mehr als zehn Zentimeter Schnee fallen. Mich ließ das kalt, hatte ich doch frei, konnte mich im warmen Wohnzimmer mit Blick auf den verschneiten Garten in den gemütlichen Lesesessel fläzen und zu einem Buch greifen. Passend zum Wetter wählte ich „Eiszeit“ von Alexander und Thomas Huber.

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Gelesen: Über alle Berge
Der Hügel, der nach einem Bergfresser benannt ist, taugt kaum für eine SMS: Der „Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaunga- horonukupokaiwhenuakitanatahu“ bringt es auf satte 85 Buchstaben. Die Übersetzung sprengt vollends den SMS-Rahmen: „Der Vorsprung des Berges, wo Tamatea, der Mann mit den großen Knien, der rutschte, kletterte und die Berge verschlang und der durch das Land reiste, für seine Liebste Flöte spielte.“ Der 305 Meter hohe Hügel in Neuseeland mit dem Lindwurm-Namen gehört zu den vielen Bergkuriositäten, die Sebastian Herrmann in seinem lesenswerten Handbuch „Über alle Berge“ zusammengetragen hat.
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Gelesen: Jenseits des Berges
Besser als Steve House hätte ich es nicht auf den Punkt bringen können: „Eine große alpinistische Unternehmung hat alles, was zu einer guten Geschichte gehört: ein würdiges Ziel, Einsatzbereitschaft und Hingabe, Krise, Kampf und Entschluss.“

Der 40 Jahre alte US-Amerikaner liefert seit Jahren Stoff für gute Geschichten. Denn Steve House ist einer der besten Bergsteiger der Welt. So durchstieg er mit seinem Seilpartner Vince Anderson 2005 die mächtige Rupalwand am Achttausender Nanga Parbat in Pakistan erstmals im Alpinstil, also ohne Atemmaske, Hochträger und Lagerkette. Völlig zu Recht erhielten die beiden dafür den Piolet d’Or, den Goldenen Eispickel, den „Oscar“ der Profibergsteiger.
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Gelesen: Über alle Berge
Es gibt Bücher, die mag ich einfach schon, bevor ich eine Seite darin gelesen habe. So erging es mir bei „Über alle Berge“, einer kleinen, aber feinen Sammlung von 15 Geschichten über das Wandern. Schon der Leinen-Einband des Büchleins, ein schönes Gemälde einer Berglandschaft, hat es mir angetan. Ich fühlte mich geradezu eingeladen, mich bei einem Glas Wein in meinen gemütlichen Sessel zu setzen und zu schmökern.
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Gelesen: Psychovertikal
Klappern gehört zum Geschäft. Das gilt auch für Profibergsteiger. Sie wollen wahrgenommen werden. Und so gibt es jede Menge Bergbücher, in denen Kletterer ihre „Heldentaten“ (oder was sie dafür halten) verkaufen und ihr Seelenleben ausbreiten. Unter diesen Werken finden sich nach meinem Geschmack wenige sehr gute, einige gute, viele überflüssige und schlechte. In meinem Blog werde ich von Zeit zu Zeit neue Bergbücher kurz vorstellen. Erwartet keine ausführliche Rezension, ich will euch einfach den einen oder anderen Tipp geben. Die aus meiner Sicht überflüssigen Bücher lasse ich weg, es reicht, wenn ich mich gelangweilt habe.

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