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Abenteuer Sport

mit Stefan Nestler

Herr H.H. ein CIA-Agent?

Heinrich Harrer 1995 mit tibetischen Mönchen

Vorsicht vor Helden! Viele demontieren sich fast von selbst. Zu den “Helden” meiner Kindheit gehörte der Österreicher Heinrich Harrer. Als Kind, in einem Alter, in dem man sich noch nicht für Geschichte interessiert, las ich sein Buch “Die Weiße Spinne” über die Erstdurchsteigung der Eiger-Nordwand im Jahr 1938. Was für ein Abenteuer! Ich verschlang jede Zeile, lernte die Schlüsselstellen der Route auswendig. Der Lack bekam Risse, als ich einige Jahre später erfuhr, dass Harrer eine Hakenkreuzfahne im Rucksack hatte, als er den Eiger bestieg.

Vorübergehend rehabilitiert

Schließlich wurde er in meiner Wahrnehmung fast wieder rehabilitiert, als ich “Sieben Jahre in Tibet” las, jene ergreifende Geschichte über seine Freundschaft zum jungen Dalai Lama. Ein Stoff wie aus einem Hollywood-Abenteuerfilm, zu dem er später ja auch mit Brad Pitt in der Hauptrolle wurde. Konnte jemand, der dem Oberhaupt der tibetischen Buddhisten nicht nur in Lhasa, sondern auch noch in den folgenden Jahrzehnten so nahe stand, wirklich ein Nazi gewesen sein? Ich beschloss, ihn eher in die Kategorie “Mitläufer” einzuordnen, kein Unschuldslamm, aber doch wohl hoffentlich geläutert. Als Harrer schon weit über 80 Jahre alt war, wurde bekannt, dass er bereits 1933 in die SA, 1938 dann in die SS und NSDAP eingetreten war. Also doch? Langsam war ich es leid, mir immer wieder Gedanken über Herrn H.H. machen zu müssen. Die Eigernordwand-Ehre gebührte doch sowieso eher Anderl Heckmair, der die Route der Erstbesteiger gefunden hatte, fand ich.

Voller Widersprüche

2006 starb Heinrich Harrer im Alter von 93 Jahren. Ein alter Mann voller Widersprüche. Vielleicht wundert es mich deshalb auch kaum, dass jetzt berichtet wird, Harrer habe in der tibetischen Hauptstadt Lhasa in den 1950er-Jahren für den US-Geheimdienst CIA gearbeitet. Einem österreichischen Journalisten wurden Dokumente zugespielt, die das belegen sollen. Harrer habe “diskret und erfolgreich mehrere Missionen im Auftrag von amerikanischen Offiziellen in Indien in Bezug auf den Dalai Lama abgeschlossen”, heißt es in einem als geheim eingestuften Papier an das US-Außenministerium aus dem Jahr 1951. Harrer scheine “das Vertrauen und die Treue des Dalai Lama zu genießen”. Helden? Verschont mich bloß damit!

Datum

18. Juni 2012 | 18:17

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3 Kommentare

3 Kommentare

  • Ich frage mich ernsthaft ob eine politische Zugehörigkeit, Nationalität oder ähnliches,
    irgendetwas an der Leistung eines Menschen ..( Heinrich Harrer) ändert?

    Ich bin der Meinung das eine hat mit den anderen rein gar nichts zu tun.

    Sollte man als Journalist nicht objektiv sein?

    Lieben Gruß

  • Ich denke, ich habe eigentlich nur die Fakten genannt. Ich erkenne sehr wohl gewisse Verdienste Heinrich Harrers an. Aber ich kann und will vor den anderen Dingen nicht die Augen verschließen. Und in puncto Objektivität: Ich denke, auch als Journalist darf ich – gerade in einem Blog – subjektiv im Sinne von meinungsfreudig sein. Ich persönlich habe einfach ein Problem mit vermeintlichen “Helden”. Die sind letztlich auch nur Menschen und selten fehlerlos. Das gilt übrigens nicht nur für Harrer.

  • Zum Helden wird man gemacht, das kann man ja nicht selber machen.

    Es geht ja nicht um Augen verschließen, aber was bringt es denn die Sachen immer wieder aufzuwärmen? Denn wenn man bedenkt, wie sehr die Taten des A. H. verurteilt werden, so versteh ich nicht, dass man dies jeden Tag wiederbeleben muss. Denn es vergeht kein einziger Tag an dem nicht eine Dokumentation über diese Person ausgestrahlt wird.

    Natürlich darf jeder schreiben was er will, richtig objektiv ist wohl niemand.

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