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Abenteuer Sport

mit Stefan Nestler

Lawinentod an der Annapurna

Annapurna (übersetzt: "Die Göttin der Fülle")

Sicherheit ist an der Annapurna ein Fremdwort, Gefahr ein geläufiges. Der etwa 200 Kilometer westlich der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu gelegene Berg gilt nicht nur, sondern ist auch statistisch gesehen der gefährlichste der 14 Achttausender. Auf jede dritte Besteigung kommt ein Todesfall. Die Annapurna ist vor allem wegen des hohen Lawinenrisikos gefürchtet. In den letzten Wochen hatte eine ungewöhnlich hohe Zahl an Besteigungen den Eindruck erweckt, der Berg habe seinen Schrecken verloren. Doch die Ruhe erwies sich als trügerisch.

R.I.P., Tibor

Beim Abstieg von dem auf 6800 Metern gelegenen Lager 3 wurde der Ungar Tibor Horvath von einer Eislawine verschüttet. „Unser Team ist zutiefst geschockt über den Verlust unseres Freundes”, heißt es im Blog der Expedition. Horvath gehörte zur Mannschaft des beinamputierten Ungarn Zsolt Eröss, für den die Annapurna der zehnte Achttausender wäre.   Eröss hatte 2002 als erster Ungar den Mount Everest bestiegen. 2010 musste ihm nach einem Lawinenunglück in der Hohen Tatra das rechte Bein unterhalb des Knies amputiert werden müssen. Zsolt ließ sich nicht entmutigen. 2011 bestieg er mit einer Prothese den Lhotse.  

„Mein bisher härtester 8000er“

Während eines Schönwetterfensters hatten am 21. und 22. April zwölf Bergsteiger den 8091 Meter hohen Gipfel der Annapurna erreicht: sieben Sherpas, zwei Chinesen, zwei Inder und ein Brasilianer. Auch am vergangenen Wochenende waren Erfolge vermeldet worden: Zwei Tschechen, zwei Spanier und ein Iraner standen am höchsten Punkt. Für den Tschechen Radek Jaroš war es der 13. Achttausender, alle hat der 48-Jährige ohne Flaschensauerstoff bestiegen. Nun fehlt ihm nur noch der K 2 in seiner Sammlung. Die Annapurna sei für ihn bisher der härteste Achttausender gewesen, sagte Radek per Satellitentelefon – ein Satz, den man in der Profibergsteiger-Szene oft hört.

Datum

8. Mai 2012 | 9:58

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