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Abenteuer Sport

mit Stefan Nestler

Tödliche Flutwelle

Auch das Vieh wurde weggeschwemmt

Die Katastrophe kam wie aus dem Nichts. Familien saßen nichtsahnend beim Picknick am Fluss Seti im Gebiet um den Achttausender Annapurna in Nepal, als die Schlamm- und Wassermassen heranschossen. Das Dorf Kharapani, rund 200 Kilometer westlich der Hauptstadt Kathmandu gelegen, wurde weggeschwemmt. 19 Tote haben die Rettungskräfte inzwischen geborgen, 45 Menschen werden noch vermisst, darunter drei Trekkingurlauber aus der Ukraine. Die Hoffnung, wenigstens einige von ihnen noch lebend zu finden, schwindet.

Regierungschef verspricht Soforthilfe

Kaum noch Hoffnung für die Vermissten

Ministerpräsident Baburam Bhattarai flog zum Unfallort. Der Regierungschef versprach den Familien, die Tote zu beklagen haben, eine Soforthilfe von 100.000 Rupies (umgerechnet 850 Euro). Dorfbewohner, die ihr Dach über dem Kopf verloren haben, sollen 25.000 Rupies (knapp 220 Euro) erhalten. Der Seti Khola gilt eigentlich als ruhiger Fluss, der geeignet ist, Kajakfahren zu lernen. Während des Monsuns schwillt er an und lockt dann auch erfahrene Rafter.

Was löste die Springflut aus? Im Quellgebiet hatte eine Lawine den Fluss angestaut. Als der natürliche Damm brach, walzte sich die Flutwelle talwärts – mit verheerender Wirkung.

Apa Sherpa mahnt Klimaschutz an

Das erinnert an Katastrophenszenarien, über die ich anlässlich von Apa Sherpas Wanderung über den Great Himalaya Trail berichtet hatte: Der Klimawandel hat riesige Gletscherseen entstehen lassen, deren natürliche Dämme zu brechen drohen. Apa, mit 21 Besteigungen Mount-Everest-Rekordhalter, hat inzwischen seine Trekkingtour beendet. 99 Tage hat der 52-Jährige (so schätzt Apa selbst sein Alter) für die 1555 Kilometer lange Strecke vom Westen in den Osten Nepals gebraucht. Mit der Wanderung wollte Apa auf die Gefahren des Klimawandels für die Bewohner des Himalaya aufmerksam machen. Nach seiner Rückkehr appellierte er an die internationale Gemeinschaft, die Regierung Nepals, die örtlichen Behörden und die Tourismusanbieter, zusammenzuarbeiten, um die Berge zu schützen. Das Unglück von Kharapani wirkt wie ein Ausrufezeichen hinter seinen Appell.

Datum

7. Mai 2012 | 21:18

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