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Abenteuer Sport

mit Stefan Nestler

Der Ostgrat ruft

Route über den Nuptse-Ostgrat

Nur 139 Meter fehlen dem Nuptse zum Achttausender. Mit dem Mount Everest und dem Lhotse bildet der 7861 Meter hohe Gipfel ein beeindruckendes Hufeisen um das sogenannte „Tal des Schweigens“, durch das die nepalesische Normalroute auf den Everest führt. Nicht weniger beeindruckend ist der dreieinhalb Kilometer lange Nuptse-Ostgrat, der bisher noch nicht durchstiegen wurde. Genau das haben sich Ralf Dujmovits, seine Frau Gerlinde Kaltenbrunner und David Göttler in diesem Frühjahr vorgenommen. „Es ist sehr viel ausgesetzte, exponierte Kletterei. Das macht die Sache doch enorm spannend“, sagt Ralf, als ich ihn und Gerlinde kurz vor der gestrigen Abreise nach Nepal noch telefonisch erwische.

Ralf beschreibt die Route über den Nuptse-Ostgrat

Endlich kein Telefonklingeln mehr

„Wir haben das Gefühl, dass wir konditionell sehr gut vorbereitet sind“, erzählt Deutschlands erfolgreichster Höhenbergsteiger. Noch am vergangenen Donnerstag waren die beiden auf einer Skitour in den Schweizer Bergen. Auch Gerlinde sieht der Expedition optimistisch entgegen: „Wir haben uns die Taktik gut überlegt und uns wirklich intensiv in diese Expedition hinein gedacht.“ Die Österreicherin hat einen Marathon an Terminen hinter sich, nachdem sie es als erste Frau schaffte, alle 14 Achttausender ohne Atemmaske zu besteigen. „Ich freue mich, dass jetzt wieder Ruhe einkehrt, ohne Handy, ohne Telefon und ich wieder dort unterwegs sein kann, wo ich am allerliebsten bin.“

Gerlinde verspürt keinen Erfolgsdruck

Nichts überreißen

Gerlinde und Ralf

Gut zwei Monate haben sich Gerlinde und Ralf für ihre Expedition freigeschaufelt. Sollte am Nuptse-Ostgrat alles nach Plan laufen, will sich Ralf vielleicht anschließend noch einmal am Mount Everest versuchen – im Gegensatz zu seiner Besteigung 1992 diesmal ohne Flaschensauerstoff. Die anderen 13 Achttausender hatte er ohne Atemmaske bestiegen. Nach den zu erwartenden Strapazen am Nuptse-Ostgrat komme für ihn „nur“ der Normalweg in Frage, sagt Ralf. „Wenn ich wirklich das Gefühl habe, es passt alles, dann würde ich noch einen Versuch machen. Ich werde aber sicher nichts überreißen oder unnötig anschieben.“

Bergsteiger am Everest-Westgrat

Das von mir vermutete Mount-Everest-Team mit dem Schweizer Topbergsteiger Ueli Steck wird es wohl nicht geben, so Ralf, „weil wir doch unterschiedliche Ziele haben. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, möchte Ueli an den Westgrat, bzw. von dort aus ins Hornbein-Couloir auf der tibetischen Seite hinüber.“ Das klingt ebenfalls sehr spannend, zumal am Everest-Westgrat, der in den vergangenen Jahren meist verwaist war, auch eine hochkarätig besetzte US-Expedition unterwegs sein wird. Zu dem von Conrad Anker geleiteten Team gehört auch der Kanadier Cory Richards, dem 2011 am Gasherbrum II gemeinsam mit dem Italiener Simone Moro und dem Kasachen Denis Urubko die erste Winterbesteigung eines Achttausenders in Pakistan gelungen war.

Gerlinde und Ralf freuen sich auf das Wiedersehen mit vielen alten Bekannten wie Ueli Steck und Conrad Anker im wieder einmal gut gefüllten Basislager zu Füßen des Khumbu-Eisbruchs. „Die schlichte Anzahl der Leute ist natürlich erschreckend“, sagt Ralf, „ aber es sind auch immer nette Momente dabei.“

P.S. Die gestrige Geschichte war natürlich ein Aprilscherz :-) – obwohl ich die Idee, Kölsch in Tablettenform zu überführen, vielleicht ernsthaft verfolgen sollte.

Datum

2. April 2012 | 12:43

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