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Abenteuer Sport

mit Stefan Nestler

Bei Saukälte bergsteigen

Das ist ein Fall für die Profis. Noch nie wurde bisher einer der fünf in Pakistan gelegenen Achttausender im Winter bestiegen. Das könnte sich in den nächsten Tagen ändern. Denn sowohl am 8051 Meter hohen Broad Peak als auch am nicht weit entfernten, 8034 Meter hohen Gasherbrum II rüsten sich Teams für Gipfelversuche – und die klangvollen Namen der Bergsteiger versprechen durchaus, dass die Versuche erfolgreich enden könnten.


Der Broad Peak im Karakorum

Wenig Wind im Karakorum

Am Broad Peak versucht sich eine polnische Expedition unter Leitung von Artur Hajzer. Der hatte in den 1980er Jahren Achttausender-Geschichte geschrieben. Mit seinem Landsmann Jerzy Kukuczka gelang Hajzer unter anderem 1987 in Nepal die erste Winterbesteigung der Annapurna, des gefährlichsten aller Achttausender. Außerdem eröffnete der heute 48-Jährige, ebenfalls mit Kukuczka, neue Routen durch die Manaslu-Nordostwand (1986) und über den Westgrat der Shishapangma (1987). Nun also leitet Hajzer ein starkes neunköpfiges Team am Broad Peak. Lager zwei auf 6200 Metern wurde inzwischen angelegt. „Das Wetter ist gut, kein Jetstream! Der Wind bläst nur mit Geschwindigkeiten von 20 bis 30 Kilometern pro Stunde. Gute Bedingungen für einen Gipfelversuch“, heißt es auf der Homepage der Polen.

Im Sprint zum Gipfel

Und auch das Team am Gasherbrum II ist optimistisch. „Die Phase der Akklimatisierung ist vorbei. Wir warten auf Karl Gabl (Anm. „Wetter-Guru“ aus Österreich). Wenn er sagt \’los!\’, werden wir Richtung Gipfel sprinten“, erzählt Simone Moro per Video im Expeditionsblog. Zum Team des Italieners gehören der Kasache Denis Urubko und der Kanadier Cory Richards.


Simone Moro am Gasherbrum II

Moro gilt als Spezialist für Winterbegehungen. 2005 gelang ihm mit dem Polen Piotr Morawski die erste Winterbesteigung der Shishapangma. 2009 erreichten Moro und sein Freund Urubko als Erste in der kalten Jahreszeit den Gipfel des Makalu. Urubko hat bereits alle 14 Achttausender ohne Atemmaske bestiegen.

Minus 46 Grad

Die Bergsteiger im Karakorum müssen sich mit arktischen Temperaturen herumschlagen. Die Polen am Broad Peak berichten, in den Nächten sei es durchschnittlich minus 30 Grad Celsius kalt. Immerhin: „Alle Heizsysteme mit Gas und Kerosin arbeiten gut.“
Moro, Urubko und Richards haben in Lager zwei am Gasherbrum II auf einer Höhe von 6500 Metern als Rekordkälte minus 46 Grad gemessen. Und das dürfte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Schließlich waren beide Teams noch nicht oben.

Datum

29. Januar 2011 | 18:47

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